{"id":77251,"date":"2021-03-17T00:01:02","date_gmt":"2021-03-16T23:01:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=77251"},"modified":"2021-02-27T15:13:10","modified_gmt":"2021-02-27T14:13:10","slug":"1431","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/03\/17\/1431\/","title":{"rendered":"1431"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Am Ende und am Anfang, da ist immer eines: Brennen. So auch jetzt. An diesem 30. Mai 1431.<\/em><\/span><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ketzerin, sagen sie, als man sie aufrichtet. Die, die man Jungfrau nennt. Die mit dem heiligen Augenaufschlag. Die im K\u00f6rper einer einfachen Bauernmagd steckt. Fr\u00fcher rotwangig, jetzt blass, auf dem Place du Vieux-March\u00e9 in Rouen. Und \u00fcberall: Brennen. Ja, Flammen auch in den M\u00fcndern der Menschen. Lauffeuer, von Lippe zu Lippe springt der Funke \u00fcber: \u00bbDie Jungfrau! Sie wird hingerichtet!\u00ab So viele Zuschauer wie m\u00f6glich sollen Zeugen ihres Todes sein, oder? So zumindest will es die Regierung, ja? Eben noch krank in einem Gef\u00e4ngnis weggesperrt, diese Frau, munkelt man im Dorf. Und weiter: dass der K\u00f6nig keinesfalls sehen wolle, dass sie einfach so sterben w\u00fcrde. Eines nat\u00fcrlichen Todes. Darum ordnete man noch schnell diese Hinrichtung an! Sie muss inszeniert werden, auch, wenn sogar die Richter weinen. Auch, wenn die Mehrzahl der Zuschauer schaudert und sich tief bewegt zeigt. Jetzt hat es einfach zu sein, es f\u00fchrt kein Weg daran vorbei! Ja, der Earl von Warwick selbst soll gesagt haben: \u00bbSie darf nicht eines nat\u00fcrlichen Todes sterben. Unser Herrscher sch\u00e4tzt sie zu sehr, jetzt, nachdem er sie doch so teuer erkauft!\u00ab Grausig ist der Beruf des Henkers, meint man. Aber dieser hier, der jetzt vor dem M\u00e4dchen steht, das Johanna hei\u00dft, es an den Pfeiler kettet: Er schaudert. Im Wissen, dass er verdammt ist, als er die Jungfrau vor sich sieht. Im Wissen, er w\u00fcrde schon bald eine Heilige hingerichtet haben. Aber was hilft es: Pflicht ist Pflicht! Man beobachtet ihn, beobachtet sie, die Jungfrau, von au\u00dfen: ihren Lidschlag, ihr Zittern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer liebt, tanzt mit dem Tod. Er lernt nach und nach alle Schritte Gottes, sagt sich Johanna, doch die Stimmen schwei-gen dazu. Angespannte Stimmung. Aufgerissene M\u00fcnder. Sie ist mit einem Mal eine Dreht\u00fcr ohne Richtung. Gelber Sand im Hirn. Sie ist nicht in sich. Ist blo\u00df nebenan. Danach das Knistern von Flammen, ein Schicksal ist besiegelt. Sie brennt. Johanna brennt. Um sie herum neugierige Blicke, die sie w\u00fcrgen. Doch sie erkennt schon nicht mehr. Welt hinter Vorhang. Nebel und Rauch. \u00bbIch bitte Gott, dass meine Seele einmal an dem Ort sein wird, dort, wo, wie ich glaube, diese Frau jetzt sitzt!\u00ab, wispert da einer der Priester. Dann Stille und das Knistern von brennendem Holz. Sp\u00e4ter mag der eine oder andere Soldat eine wei\u00dfe Taube aufsteigen gesehen haben. Das ist alles. Johanna ist indes verbrannt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>***<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1431<\/strong>, Roman von Sophie Reyer, Czernin 2021<strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/1431.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-77253 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/1431-198x300.jpg\" alt=\"\" width=\"198\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/1431-198x300.jpg 198w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/1431-260x393.jpg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/1431-160x242.jpg 160w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/1431.jpg 336w\" sizes=\"auto, (max-width: 198px) 100vw, 198px\" \/><\/a>Johanna w\u00e4chst w\u00e4hrend des Hundertj\u00e4hrigen Krieges in einem kleinen franz\u00f6sischen Dorf auf. Sie hat Visionen, die sie immer st\u00e4rker pr\u00e4gen, bis sie dem Fanatismus verf\u00e4llt. Mit zunehmendem Alter erkennt Johanna, dass sie f\u00fcr ihre Heimat und ihre \u00dcberzeugung k\u00e4mpfen muss, und wird schlie\u00dflich zur franz\u00f6sischen Nationalheldin.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine alte Prophezeiung besagt, dass eine Jungfrau die Welt retten w\u00fcrde. Und Johanna, ein von Visonen getriebenes M\u00e4dchen aus der franz\u00f6sischen Provinz, wei\u00df, dass sie diese Prophezeiung erf\u00fcllen wird. Doch sie ger\u00e4t in einen Strudel aus Hinterlist und Verrat, dem sie nicht entkommen kann. Kurz vor ihrer Hinrichtung trifft sie im Verlies auf Nicolas Loyseleur, ihren vermeintlichen Beichtvater. Dieser soll ihr ein Gest\u00e4ndnis entlocken, wird aber selbst immer tiefer in ihren Bann gezogen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sophie Reyer erz\u00e4hlt meisterlich vom Erwachsenwerden und vom Niedergang Johannas \u2013 einer jungen Frau aus Orl\u00e9ans, die den konventionellen Erwartungen ihrer Zeit widerspricht und ihr Leben selbst bestimmt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Ende und am Anfang, da ist immer eines: Brennen. So auch jetzt. An diesem 30. Mai 1431. \u00a0 Ketzerin, sagen sie, als man sie aufrichtet. Die, die man Jungfrau nennt. Die mit dem heiligen Augenaufschlag. 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