{"id":77122,"date":"2023-08-31T00:01:58","date_gmt":"2023-08-30T22:01:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=77122"},"modified":"2026-04-08T18:16:28","modified_gmt":"2026-04-08T16:16:28","slug":"ohrenzwinkern","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2023\/08\/31\/ohrenzwinkern\/","title":{"rendered":"Ohrenzwinkern"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Der Rundfunk hat die Literatur zu einem stummen Gebiet gemacht.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Alfred D\u00f6blin, 1921<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">A.J. Weigoni erlag der Faszination des Mediums Radio in seinen Kindertagen, als der Rundfunk zu einem Zauberinstrument des Wortes wurde, zur akustischen Probeb\u00fchne der Poesie, zum Atem der Vernunft. Er sa\u00df vor einem Rundfunkempf\u00e4nger mit \u201eTigerauge\u201c wie vor einer Kultst\u00e4tte und verga\u00df, als er vor dem Lautsprecher sa\u00df, die Apparaturen und Stationen. Das Medium Radio erlebte er als zauberhaft und seine Unmittelbarkeit als bestechend. Wenn er den Empfang optimieren wollte, mu\u00dfte er nur geradewegs ins magische Auge des Empfangsger\u00e4ts schauen, das aufging oder sich schlo\u00df, wie eine sogenannte Abstimmanzeiger\u00f6hre, welche die St\u00e4rke des Signals veranschaulichte. Der Himmel war nicht nur der Himmel der Erde, sondern auch das Firmament der Kunst.<\/p>\n<dl>\n<dt><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-105632 size-full\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/1989\/05\/TheVersStrangeTapes.jpg\" alt=\"\" width=\"1195\" height=\"429\" \/><\/dt>\n<\/dl>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Wer der akustischen Komplexit\u00e4t literarischer Texte gerecht werden will, sollte Literatur auch in ihrem gestalterischen Potential ernstnehmen.<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_19603\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Vera-Strange2-300x231.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-19603\" class=\"wp-image-19603 size-full\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Vera-Strange2-300x231.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"231\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-19603\" class=\"wp-caption-text\">The vera Strange tapes<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf Vermittlung von Hubert Winkels trafen sich A.J. Weigoni und Frank Michaelis. Die Kunstakademie hatte sich als installativer Diskursraum auf die Ratinerstra\u00dfe ausgedehnt. Als k\u00fcnstlerische Grenzg\u00e4nger\u00a0betreiben A. J. Weigoni und <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/michaelis\/primafrank.htm\">Frank Michaelis<\/a>\u00a0 mit der Literatur, in einem hocharbeitsteiligem Virtuosentum mit den Schauspielern <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=14028\">Marion Haberstroh<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25412\">Kai M\u00f6nnich<\/a>, eine multimediale H\u00f6rspielerei zwischen Performance, Theater und Lesung, und setzen Elemente der Minimalmusik ebenso ein, wie die des Jazz. Diese Artisten sch\u00e4tzen Experimente mit akustischen und elektronischen Kl\u00e4ngen, sie haben ein Faible f\u00fcr die freiere Rhythmik von Regungen und Bewegungen, der Verbindung von Melodie und Experiment, der Offenheit und das In-der-Schwebe-Halten von St\u00fccken; das Ausbrechen aus vermeintlich vorhersehbaren Strukturen, eine Bricolage aus Pop-Klischees und Erwartungen. Weigoni ist ein Experimentierer, der in einem \u00dcbermut seine F\u00e4higkeiten durchprobierte, eine nach der anderen, wie w\u00e4hrend eines rauschhaften Testlaufs. Das Wort <em>Vera<\/em> leitet sich vom Wortstamm <em>Wahrheit<\/em> ab. Der Zyklus VERA STRANGE TAPES ist eine Hommage an die Kassette und \u00e4sthetische Erwiderungen zu Rap, Reggae und rheinischem Karneval. Unter <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1989\/06\/01\/tapes\/\">the last pop-songs<\/a> formierten sich 1989 Kurzh\u00f6rspiele die sich tanzen las\u00adsen zu einem luziden Klanggewitter. Die Artisten bedienten sich rigoros aus dem Arsenal der Rockmusik und machen deren Zeichen zu ihren eigenen. Eines der vielen Faszinosa an diesen <em>Popsongs<\/em> ist ihre tendenzielle Unabgeschlossenheit, welche die H\u00f6rer sofort zur interaktiven Erg\u00e4nzung animiert.<\/p>\n<p class=\"fliesstext1\" style=\"text-align: right;\"><em>Life is Xerox. You\u2019re just a copy<\/em><\/p>\n<div id=\"attachment_103210\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-103210\" class=\"wp-image-103210 size-full\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Helferlein.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"297\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Helferlein.jpg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Helferlein-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Helferlein-160x158.jpg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-103210\" class=\"wp-caption-text\">Copy-Art von Klaus Urbons<\/p><\/div>\n<p class=\"fliesstext1\" style=\"text-align: justify;\">Die Geschichte der Fotokopie begann mit der Geschichte der Foto\u00adgrafie. Um 1906 wurden zwei Fotokopierer auf den Markt gebracht. Diese Ger\u00e4te wurden unabh\u00e4ngig voneinander auf den Markt gebracht, das eine war das Fotostatger\u00e4t, das andere das Rektigraphger\u00e4t.\u00a0In der R\u00fcckschau auf die Elektrografie lassen sich diese Entwicklungslinien nachzeichnen. Mit dem Kopierer wurde in den 1990-ern die Textur der Elektronik erkundet und sich auf die Suche nach Bildern begeben, die man sich selbst nie h\u00e4tte ausdenken k\u00f6nnen. Gerade aus Unf\u00e4llen entstand vieles, was sich erst im Netz durchgesetzt hat. Nicht der Mensch ist kreativ, sondern die Fusion aus Mensch\/Maschine fin\u00addet wie von selbst ihre Bilder und ihre Sprache. Den Abschied vom Sch\u00f6pfergenius haben Copy-Art-K\u00fcnstler wie Klaus Urbons vorweg gedacht. Den Weg vom automatischen Fotokopierer zur Elektrografie, die k\u00fcnstlerischen Anwendung als Copygraphy, Copy art + Electrography, die Differenz zwischen analogen und digitalen Bildern, beschreibt deer H\u00f6rfilm <strong>Das kleine Helferlein<\/strong> von A.J. Weigoni, feat. Klaus Urbons. Er ist er erschienen als Compact Cassette bei <em>instant music<\/em>, D-Dorf, 1990<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Poetische Performance<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_12666\" style=\"width: 245px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/470px-Delecke-DrueggelterKapelle1-Asio.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-12666\" class=\"wp-image-12666 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/470px-Delecke-DrueggelterKapelle1-Asio-235x300.jpg\" alt=\"\" width=\"235\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/470px-Delecke-DrueggelterKapelle1-Asio-235x300.jpg 235w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/470px-Delecke-DrueggelterKapelle1-Asio.jpg 470w\" sizes=\"auto, (max-width: 235px) 100vw, 235px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-12666\" class=\"wp-caption-text\">Drueggelter Kapelle, Photo: Asio<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man kann sich die Zusammenarbeit von Weigoni und Michaelis als \u00e4hnlich gl\u00fcckliches Produktionspaar vorstellen wie sonst nur noch Lennon \/ McCartney oder Marx \/ Engels. Ihrer Studioarbeit liegen umfangreiche poetische Performances zugrunde, die u.a. mit dem Life-Mitschnitt <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2004\/04\/24\/amaryll\/\"><em>Amaryll<\/em><\/a> dokumentiert sind. Bei dieser Aufnahme ist die wunderbare Akustik der romanische Kapelle <em>Dr\u00fcggelte<\/em> zu h\u00f6ren, die auf einem Plateau zwischen Haarstrang und M\u00f6hnetal, nahe der M\u00f6hnetalsperre, steht. Als zw\u00f6lfeckiger Zentralbau wurde die Kapelle vermutlich in der Mitte des 12. Jahrhunderts erbaut. Von au\u00dfen wirkt die Kapelle recht unauff\u00e4llig: Ein polygonaler Zentralbau mit zwei sichtbaren Anbauten (Vorhalle und Apsis), abgeschlossen von einem schiefergedeckten Dach, bekr\u00f6nt von einem kleinen Glockent\u00fcrmchen. Beim Betreten der Kapelle wird die Besonderheit des Bauwerks sichtbar. Insgesamt 16 in zwei Ringen angeordnete S\u00e4ulen tragen die Decke des nur etwa 11\u00a0m im Durchmesser messenden zw\u00f6lfeckigen Raumes. Der \u00e4u\u00dfere S\u00e4ulenkranz besteht aus 12 S\u00e4ulen. Auf schmalen Pilaster und ebendiesen S\u00e4ulen ruht ein Kreuzgew\u00f6lbe. Der innere Kranz besteht aus zwei S\u00e4ulen und zwei deutlich dickeren, gemauerten Pfeilern. Zwischen dem ersten und dem zweiten S\u00e4ulenkranz ist ein Tonnengew\u00f6lbe gespannt, in das die Stichkappen des Kreuzgew\u00f6lbes einschneiden. Die vier Innens\u00e4ulen tragen ein kleines Kuppelgew\u00f6lbe, in dem eine Klappe den Zugang zum Dachboden bildet. Der Klang der Kapelle gab der Rezitation einen Nachhall, den Weigoni durch ironische Brechungen vor dem weihevollen bewahrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">H\u00f6rspiel-Live im Gutenbergmuseum<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_17806\" style=\"width: 224px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/5elemente.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-17806\" class=\"wp-image-17806 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/5elemente-214x300.jpg\" alt=\"\" width=\"214\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/5elemente-214x300.jpg 214w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/5elemente.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 214px) 100vw, 214px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-17806\" class=\"wp-caption-text\">Dokumentation des Live-H\u00f6rspiels<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit Live-H\u00f6rspiel verbindet man immer noch Orson Welles CBS-Live-Thriller Krieg der Welten. Die Anspr\u00fcche an das heutige H\u00f6rspiel schienen lange Zeit unabh\u00e4ngig vom Genre in Anspruch und Produktionsweise kaum mehr f\u00fcr den Live-Auftritt geeignet. Dennoch gibt es einen Gegentrend: Qualit\u00e4t in Wort und Regie zeigte die Urauff\u00fchrung im Gutenbergmuseum zu Mainz, ein H\u00f6rspiel, das sich Gedanken macht \u00fcber die ver\u00e4nderten Wahrnehmungen durch eine von Medien dominierte Welt. Das Live-H\u00f6r-Spiel <em><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1993\/05\/21\/5-oder-die-elemente\/\">5 oder die Elemente<\/a><\/em> verdankt seine Wirkung vor allem den darstellerischen F\u00e4higkeiten von Kai M\u00f6nnich und Marion Haberstroh, die sowohl exzellente Sprecher, als auch \u00e4u\u00dferst wandlungsf\u00e4hige Schauspieler sind. Bravour\u00f6s meistern sie die Klippen der komplexen Textcollage, verschmelzen philosophische Reflexionen, Streitgespr\u00e4che und lyrische Passagen zu einer Einheit, die das Publikum bald in ihren Bann zieht. Eine Rolle leben und erleben ist f\u00fcr Kai M\u00f6nnich das Ziel seines Schaffens. Unpr\u00e4tenti\u00f6s, aus der emotionalen Welt agierend und der Spur der inneren Logik seiner Figuren nachfolgend, landet Kai M\u00f6nnich in den Herzen der Zuschauer.<\/p>\n<div id=\"attachment_17352\" style=\"width: 217px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/Sisi1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-17352\" class=\"wp-image-17352 size-full\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/Sisi1.jpg\" alt=\"\" width=\"207\" height=\"300\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-17352\" class=\"wp-caption-text\">Elisabeth, Kaiserin von \u00d6sterreich<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Aktivit\u00e4ten konnten nicht lange verborgen bleiben und so entstanden im Laufe der Jahre auch H\u00f6rspiele f\u00fcr das DeutschlandRadio, den ORF und den WDR. So ein weiteres Live-H\u00f6rspiel mit <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1998\/09\/06\/oden-an-die-zukunftsseelen-2\/\"><em>Oden an die Zukunftsseelen<\/em><\/a> zum 100. Todestag von Sisi, Kaiserin von \u00d6sterreich.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Das Aufnahmestudio als Klanglabor nutzten<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jede Generation hat eine eigene Vorstellung davon, was ein <em>Album<\/em> ist, ihnen ist die Erz\u00e4hlung am Wichtigsten, das Tontr\u00e4gerformat ist eine Limitierung. Der erste Schriftsteller, der den k\u00fcnstlerischen Wert der CD erkannte war A.J. Weigoni. In 1991 produzierte er mit dem Komponisten Frank Michaelis die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25399\">LiteraturClips<\/a> auf CD (der Claim H\u00f6rbuch war noch nicht abgesteckt) realisierte, und das f\u00fcr das Label <a href=\"http:\/\/www.indiepedia.de\/index.php?title=Constrictor\">Constrictor<\/a>, weil die gro\u00dfen Verlage weiterhin die Compact Cassette f\u00fcr das Medium der Zukunft hielten. Es gibt nicht wenige, die haben Weigoni f\u00fcr verr\u00fcckt gehalten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Erst in 1993 schlossen sich mehrere bekannte belletristische Verlage zusammen (unter anderem Suhrkamp, Hanser und Rowohlt und gr\u00fcndeten den H\u00f6rverlag (DHV) in M\u00fcnchen um das <em>Audiobuch<\/em>\u00a0auf CD zu vermarkten.<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_17811\" style=\"width: 292px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/TopCover.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-17811\" class=\"wp-image-17811 size-full\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/TopCover.gif\" alt=\"\" width=\"282\" height=\"142\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-17811\" class=\"wp-caption-text\">Top 100 &#8211; Constrictor 1995<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Titelgebung ist reinste Camouflage, gleichzeitig markieren die zwischen 1991 entstandenen <a href=\"http:\/\/www.buecher-wiki.de\/index.php\/BuecherWiki\/MetaPhone\"><em>LiteraturClips<\/em><\/a> und den bis 1995 entstandenen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25417\"><em>Top 100<\/em><\/a> den H\u00f6hepunkt und die wahre Sprengung der Pop-Literatur. Manche K\u00fcnstler sind ihrer Zeit voraus. Besonders dann, wenn sie Dinge sichtbar machen, die die meisten Menschen nicht wahrnehmen oder ignorieren. Eine Konfrontation der \u00c4sthetiken der digitalen Medien mit dem Kassettenuntergrund erweist zweierlei: Zum einen, da\u00df das Pensum, das eine digitale \u00c4sthetik f\u00fcr sich reklamiert, bereits von den avancierten Werken der Analog\u00adepoche \u00fcberboten wurde, zum andern, da\u00df die Theoretiker einer digitalen \u00c4sthetik die Entwicklung der Technologie notorisch einem \u00e4sthetischen Fortschritt gutschreiben. Die Stichworte dieser Fortschrittsvorstellung sind allzu bekannt: Interaktivit\u00e4t, Synergie von Mensch und Maschine, Ende der Gutenberg\u2013Galaxis. Wie einst die politischen Losungen ihre Weihe aus einem Erl\u00f6sungspathos bezogen, so eignet auch den Verheissungen der \u00c4sthetiker des Digitalen ein quasi-religi\u00f6ses Pathos. Die Erfindung des <em>LiteraturClips<\/em> war nicht eine einzelne gro\u00dfe Erfindung, sondern die Konvergenz vielfacher und zuweilen auch erfolgloser Schritte der Zuhandenheit. Somit kommt diesen \u201eH\u00f6rbuchpionieren das Verdienst zu, die Lyrik nach 400 Jahren babylonischer Gefangenschaft aus dem Buch befreit zu haben\u201c (lyrikwelt.de). Eitelkeit scheint ihnen ob dieses literaturhistorischen Beitrags fremd, es sei denn, es g\u00e4be eine Eitelkeit des uneitlen Betragens. Das ganze Gewese des deutschen Literaturbetriebs und der Wortverwertungsindustrie prallt an ihnen ab.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Tom T\u00e4ger und A.J. Weigoni kommt das Verdienst zu, die Lyrik nach 400 Jahren babylonischer Gefangenschaft aus dem Buch befreit zu haben.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">lyrikwelt.de<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Tom T\u00e4ger 1989 im <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26948\"><em>Tonstudio an der Ruhr<\/em><\/a> Helge Schneiders erste Schallplatte <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26990\">Seine gr\u00f6\u00dften Erfolge<\/a> produzierte, hat man ihn f\u00fcr verr\u00fcckt gehalten. Als A.J. Weigoni 1991 seine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25399\">LiteraturClips<\/a> auf CD (der Claim f\u00fcr <em>Klangb\u00fccher<\/em> war noch nicht abgesteckt) realisierte, hat man ihn f\u00fcr verr\u00fcckt gehalten. 1995 begann ihre Zusammenarbeit, die mit dem H\u00f6rbuch <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/01\/18\/das-gesamtwerk-des-sprechstellers\/\"><em>Gedichte<\/em><\/a> einen sinnf\u00e4lligen crossmedialen Zirkelschlu\u00df findet, zu dem T\u00e4ger als <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=6174\">H\u00f6rspielkomponist<\/a> mit <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/taeger\/senora_nada.htm\">Se\u00f1ora Nada<\/a> eine Musik der befreiten Melodien zelebiert oder bei dem zweiten Monodram <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=41250\">Unbehaust<\/a> eine Klang-Collage aus Papierger\u00e4uschen anfertigt. Weigoni <span data-v-aecc776a=\"\">sch\u00e4lt <\/span><span data-v-aecc776a=\"\">die Kl\u00e4nge aus den W\u00f6rtern, er <\/span>bewegt sich auf <a href=\"http:\/\/www.buecher-wiki.de\/index.php\/BuecherWiki\/WeigoniGedichte\">Gedichte<\/a> in der Intermedialit\u00e4t von Musik und Dichtung und sucht mit atmosph\u00e4rischem Verst\u00e4ndnis die auditive Poesie im \u00e4ltesten <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/weigoni\/schwebebahn.htm\">Literaturclip<\/a>, den die Menschheit kennt: dem <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/weigoni\/schmauchspuren.html\">Gedicht<\/a>!<span style=\"color: #999999;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Ein redaktioneller Nachtrag:<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_101488\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-101488\" class=\"wp-image-101488 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/630_Cover-300x140.jpeg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"140\" \/><p id=\"caption-attachment-101488\" class=\"wp-caption-text\">Vom Rheinkilometer 630 ins Tonstudio an der Ruhr<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Obzwar Weigoni seit 2013 nicht mehr aufgetreten ist, hat er in Zusammenarbeit mit Tom T\u00e4ger mit <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2018\/10\/13\/630_gesamtkunstwerk\/\"><em>630<\/em><\/a> eine letzte \u201eLesung\u201c gemacht. Aus einem musikalischen Einfall heraus entwickelt Tom T\u00e4ger ein 24-teiliges St\u00fcck. Der H\u00f6rspielkomponist verarbeitet das Thema dabei unterschiedlich, in Sequenzen, Transpositionen und Diminutionen kommen seine Inventionen zu den Vignetten daher. Der Klang der Fremde trifft auf den Verlust von Erinnerung. Kontraste sind f\u00fcr T\u00e4ger selbstverst\u00e4ndlich, die schwelgerische Melancholie gedeiht direkt neben krassen Dissonanzen, und die Intensit\u00e4t des Schrillen verst\u00e4rkt diejenige des Stillen. Seine Komposition lebt von Polymetriken und Polyphonien. Wie sich der Klang an den R\u00e4ndern zum Verstummen bewegt, wird das Reisen, und sei es eines in die W\u00fcste des versehrten Ichs, zu einem Akt der Vergeblichkeit, die Kreisbewegung f\u00fchrt zum Verlust von Verankerung und Identit\u00e4t. Die Vertonung T\u00e4gers f\u00fcgt \u2013 mit allen Kontrasten von Tempoverl\u00e4ufen, Klangdichten, dynamischen Abstufungen \u2013 \u00fcber die Wortbedeutungen hinweg zu einer einleuchtenden Zyklik. Die Kl\u00e4nge und Strukturen sind eigenartig: \u00e4hnlich und doch immer wieder neu, streng und doch offen. Das Zuh\u00f6ren f\u00fchrte an ein Zeitempfinden heran, wie es in dieser Weise selten zu erleben ist. Oft gibt es das Missverst\u00e4ndnis, Energie gleich Lautst\u00e4rke. Intensit\u00e4t steckt auch in extrem ruhiger und gleichf\u00f6rmig flie\u00dfender Energie, quasi im Nichts. In der H\u00f6rspielmusik dieses Soundt\u00fcftlers gibt es extrem leise Stellen. Und trotzdem ist da unentwegt ein Energiefluss sp\u00fcrbar, es brodelt etwas.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Bei <em>630<\/em> m\u00f6chte man jedem einzelnen Wort hinterher lauschen. Hier entsteht etwas, das am ehesten als eine Art assoziativer Klangraum bezeichnet werden k\u00f6nnte, ein schwer zu fassendes Ph\u00e4nomen, das eng mit der offensten aller K\u00fcnste, der Musik, verwandt ist.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">A.J. Weigoni sp\u00fcrt der Sprache vor allem als akustischem Ph\u00e4nomen nach. Dieser Sprechsteller gibt der Sprache einen K\u00f6rper, verleiht ihr Gestalt und Kontur, er geh\u00f6rt damit zu den Poeten, die nicht nur Text, sondern Klang produzieren; seine Stimmf\u00fchrung ist nahezu Musik. Unangestrengt schafft er gefl\u00fcsterte, gesprochene Sprachkunstwerke. Dieser Rezitator verf\u00fcgt \u00fcber eine schattierungsf\u00e4hige Stimme, die viele Zwischent\u00f6ne kennt. Auf eine sensible Art spr\u00f6de. Sanft und energisch. Warm und weich. Rauh und klar. Bei Weigoni sind Selbstironie und aufrichtiger Affekt eben kein Widerspruch, philosophischer Ernst findet sich mit abgr\u00fcndigem Witz verpaart, und Raffinesse und pophistorische Reflektiertheit paaren sich mit der Komplexit\u00e4t eines Gedichts. Jedes Kapitel f\u00fcr sich genommen, ist ein kleines Kunstst\u00fcck der Verdichtung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-107152 size-large alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/the_last_pop_songs-1-333x500.jpg\" alt=\"\" width=\"333\" height=\"500\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/the_last_pop_songs-1-333x500.jpg 333w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/the_last_pop_songs-1-200x300.jpg 200w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/the_last_pop_songs-1-768x1152.jpg 768w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/the_last_pop_songs-1-160x240.jpg 160w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/the_last_pop_songs-1.jpg 832w\" sizes=\"auto, (max-width: 333px) 100vw, 333px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192 <\/strong>Das Tanztheaterst\u00fcck <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1989\/06\/01\/tapes\/\">The Vera Strange Tapes<\/a> war quasi das Vorspiel. In den fr\u00fchen 1990er Jahren pr\u00e4gte eine Gruppe kreativer K\u00f6pfe die deutsche H\u00f6rspielszene mit innovativen Live-Auff\u00fchrungen. Kai M\u00f6nnich, A.J. Weigoni, Marion Haberstroh und Frank Michaelis f\u00fchrten mit ihren Werken <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1992\/12\/13\/schland\/\">Schland<\/a> (1992) und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1993\/05\/21\/5-oder-die-elemente\/\">5 oder die Elemente<\/a> (1993) neue Ma\u00dfst\u00e4be ein.<strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> Eine Werk\u00fcbersicht \u00fcber die akustische Kunst von A.J. Weigoni finden Sie in der Reihe <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/metaphon.htm\">MetaPhon<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> Alle Gedichtb\u00e4nde von A.J. Weigoni sind zusammen mit dem auf vier CDs erweiterten <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=28660\">H\u00f6rbuch<\/a> <strong>Gedichte<\/strong> in einem hochwertigen Schuber aus schwarzer Kofferhartpappe erh\u00e4ltlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> Auch die Prosa von A.J. Weigoni ist in einem <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2023\/11\/01\/eine-einzigartige-thematische-tiefe\/\">Schuber<\/a> erh\u00e4ltlich. Und nur darin enthalten ist das H\u00f6rbuch <strong>630<\/strong> und der Band\u00a0 <strong>Vorlass.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Rundfunk hat die Literatur zu einem stummen Gebiet gemacht. Alfred D\u00f6blin, 1921 A.J. Weigoni erlag der Faszination des Mediums Radio in seinen Kindertagen, als der Rundfunk zu einem Zauberinstrument des Wortes wurde, zur akustischen Probeb\u00fchne der Poesie, zum Atem&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2023\/08\/31\/ohrenzwinkern\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":257,"featured_media":107152,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[1007,1152,488,1289,38,1151,57,35],"class_list":["post-77122","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-bibiana-heimes","tag-frank-michaelis","tag-hubert-winkels","tag-kai-monnich","tag-marina-rother","tag-marion-haberstroh","tag-thomas-suder","tag-tom-tager"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/77122","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/257"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=77122"}],"version-history":[{"count":9,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/77122\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":107153,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/77122\/revisions\/107153"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/107152"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=77122"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=77122"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=77122"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}