{"id":76769,"date":"2023-05-22T00:01:22","date_gmt":"2023-05-21T22:01:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=76769"},"modified":"2022-02-25T15:55:10","modified_gmt":"2022-02-25T14:55:10","slug":"fritz-wolff","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2023\/05\/22\/fritz-wolff\/","title":{"rendered":"Fritz Wolff"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"norm\" style=\"text-align: justify;\">Ich schrieb einmal aus der Ferne an den Zeichner: Sie und ihre Frau behalten immer eine Silberquaste meiner blauen Seele in der Hand zur\u00fcck und darum bin ich nie ganz und gar abwesend aus Berlin, wenn ich l\u00e4ngst die Stadt verlassen habe. \u2013 Sonntags kommt manchmal auch der d\u00e4nische M\u00e4rchenerz\u00e4hler zu Wolffs \u2013 nur seinen Namen kann ich nicht behalten. Aber \u00fcber unserm Beisammensein h\u00e4ngt eine nickendtickende Uhrgro\u00dfmutter; zu jeder Stunde schenkt sie uns ihren tieft\u00f6nenden einlullenden Segen. Ich bin dann pl\u00f6tzlich ganz klein, wir vier werden Kinder \u2013 lauschen \u2026 und unsere Gedanken springen sorglos \u00fcber die Geleise des Alltags. Wir spielen den Ulk aus Fritz Wolffs farbigen Bilderbogen, die hinter den Ladenfenstern auf die Stra\u00dfe lachen. Und wenn nicht \u00bbdas M\u00e4dchen\u00ab, wie der Fritz Wolff seine Frau nennt, uns hinterr\u00fccks mit einem riesenrosinenknusperigen Kriegskuchen \u00fcberfiel, den wir bew\u00e4ltigen m\u00fcssen, so w\u00fcrden wir selbst nicht an diese \u00bbs\u00fc\u00dfe\u00ab Wirklichkeit erinnert werden. Die himmelhelle und die grassaftig angestrichene Stube tragen Schmachtl\u00f6ckchen, und im dritten St\u00fcbchen, darin viel und wei\u00dfgebl\u00fcmter Battist rauscht, h\u00e4ngt sein Selbstbildnis im Rosenrahmen zwischen Fritz Wolffs l\u00e4chelnder Ahnin und ihrem wohll\u00f6blichen Vetter aus Alt-Berlin im Bratenrock und steifem Vaterm\u00f6rder. Aber auf einem Wandtischchen stehen aus buntem Schaumzucker ein paar heilige Tiere: das Lamm tr\u00e4gt ein Gl\u00f6ckchen um den leckeren Hals und ist besonders fromm und altmodisch immer neu f\u00fcr meinen verehrten Fritz Wolff und sein gutes M\u00e4dchen gebacken. Auch meine Freude f\u00fcr allerlei Tand teilen meine beiden liebsten Menschen in Berlin, und wir bringen uns auserlesene Spielereien mit von Reisen aus gro\u00df\u00e4ugigen Welten. Dieses Gl\u00fcck haben wir uns auch im Kriege zu bewahren gewu\u00dft, wenn auch unser Zeichner Fritz Wolff fern auf hartem Boden im Osten Soldatenbilder zeichnete und die K\u00f6pfe vieler Gener\u00e4le und Obersten der Schlachten. Die Spitze seines Stifts taucht er in sein feines, k\u00fcnstlerisches Blut, so da\u00df seine Zeichnungen wie auf Seide gezeichnet wirken. Irgendwo aber in seinem \u00fcbervollen Herzen sitzt ein Schelm auf einem schwanzausgerissenen Steckenpferdchen \u00fcber alle steife Zeremonie hinweg wie die Maxmoritzschlingel, deren Streiche er so sch\u00f6n zu illustrieren versteht.<\/p>\n<p class=\"norm\" style=\"text-align: justify;\">Bevor wir Abschied nehmen f\u00fcr diese Woche, mu\u00df der \u2013 Andersen der \u2013 Texi\u00e8re noch die Geschichte der Eidechse und der Prinzessin vortragen. Und dann \u00bbhinaus mit uns zwei in die Nacht!\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p class=\"uber01\" style=\"text-align: justify;\"><strong>Essays<\/strong>\u00a0von Else Lasker-Sch\u00fcler.\u00a0Mit einer Einbandzeichnung\u00a0der Verfasserin.\u00a0Verlegt bei Paul Cassirer in Berlin\u00a01920<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Elses_Essays.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-76746 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Elses_Essays-214x300.jpg\" alt=\"\" width=\"214\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Elses_Essays-214x300.jpg 214w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Elses_Essays-260x364.jpg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Elses_Essays-160x224.jpg 160w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Elses_Essays.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 214px) 100vw, 214px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>W<\/strong><strong>eiterf\u00fchrend \u2192<\/strong> Lesen Sie auch KUNOs <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/10\/zur-gattung-essay\/\">Hommage<\/a> an die Gattung des Essays.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Ich schrieb einmal aus der Ferne an den Zeichner: Sie und ihre Frau behalten immer eine Silberquaste meiner blauen Seele in der Hand zur\u00fcck und darum bin ich nie ganz und gar abwesend aus Berlin, wenn ich l\u00e4ngst die&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2023\/05\/22\/fritz-wolff\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":180,"featured_media":100418,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[2738,2805],"class_list":["post-76769","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-else-lasker-schueler","tag-fritz-wolff"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/76769","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/180"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=76769"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/76769\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":100576,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/76769\/revisions\/100576"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/100418"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=76769"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=76769"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=76769"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}