{"id":76670,"date":"2021-11-22T00:01:02","date_gmt":"2021-11-21T23:01:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=76670"},"modified":"2022-02-19T17:59:12","modified_gmt":"2022-02-19T16:59:12","slug":"permanenter-ausnahmezustand","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/11\/22\/permanenter-ausnahmezustand\/","title":{"rendered":"Permanenter Ausnahmezustand"},"content":{"rendered":"<p class=\"rez\" style=\"margin: 0cm; margin-bottom: .0001pt; text-indent: 6.5pt; line-height: 15.0pt;\"><span style=\"font-size: 11.0pt; font-family: 'Verdana',sans-serif;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">A.J. Weigoni ist von uns gegangen, die Aufgabe des Lesers besteht darin, sich aus diesem Konvolut an Bruchst\u00fccken, Scherben und Fragmenten ein Zeitbild zusammenzusetzen. Sein Werk ist eine R\u00f6ntgenaufnahme dieser Wechselwirkungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Weigoni konnte nicht existieren, ohne zu schreiben, und er wollte nicht schreiben, ohne sich gegen das Elend der Existenz zu emp\u00f6ren.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Keine der Erz\u00e4hlungen in den <span style=\"color: #ff0000;\"><a style=\"color: #ff0000;\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2010\/01\/18\/der-sudelbuchschreiber\/\">Zombies<\/a><\/span> umfasst mehr als 20 Seiten, und doch verleiht die Weigoni jeder einzelnen ihrer Figuren und Geschichten eine Tiefe und ein Facettenreichtum, dass sie einen Roman f\u00fcllen k\u00f6nnten. Sie verleiten weniger zum Nach- als zum Weiterdenken, am besten mit den Novellen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/16\/dystopische-zukunftsforschung\/\"><em><span style=\"color: #ff0000;\">Cyberspasz, a real virtuality<\/span><\/em><\/a>. Hier finden sich etliche Figuren und einige Figurationen wieder.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">roman d\u2019essai<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Alfred Andersch<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In seinem letzten Roman <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2018\/07\/18\/seismograph-des-uebergangs-2\/\"><span style=\"color: #ff0000;\"><em>Lokalhelden<\/em><\/span><\/a> erscheint das Rheinland als eine zum Stillstand gekommene Landschaft, ein Transitraum voller Burgruinen, Fragmente, Zitate. Das Unwahrscheinliche ist gewiss, das Skurrile geh\u00f6rt hier zum Alltag. Es ist die Version einer verirrten Gesellschaft. Weigoni befindet sich im Spannungsfeld von Traditionsvergewisserung und Traditionsausl\u00f6schung. Sein Spiel mit der Tradition, mit literarischen oder filmischen Genres, Motive beziehungsweise narrative und \u00e4sthetische Verfahren bezieht, und der Bruch mit diesen tradierten Strukturen. Tradition meint aber eben auch politische und intertextuelle Tradition, Politik und Zitat also. In diesem Roman lesen wir Momentaufnahmen von einer ungemeinen sprachlichen Sogwirkung.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Was bedeutet Fremde, was macht Heimat aus, wo f\u00fchlen sich die Menschen zugeh\u00f6rig?<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch eine Fiktion kann zur historischen Pflichtlekt\u00fcre werden. Vor allem, wenn sie so eingerichtet ist, wie in seinem ersten Roman <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/11\/09\/jahrestag-des-mauerfalls\/\"><span style=\"color: #ff0000;\"><em>Abgeschlossenes Sammelgebiet<\/em><\/span><\/a>. Weigoni l\u00e4sst hier Gegens\u00e4tze und Nichtzusammengeh\u00f6riges so zusammenprallen, dass sich blitzartig die Erkenntnis eines zuvor verborgenen Zusammenhangs einstellt. Er beobachtet scharf, ohne dabei seine Figuren unsympathisch werden zu lassen. Diese changieren zwischen Naivit\u00e4t, Weltweisheit, Liebensw\u00fcrdigkeit und den allzu menschlichen Schw\u00e4chen. Seine aufmerksame Beobachtungsgabe sorgt f\u00fcr ungew\u00f6hnliche Blickwinkel auf die Wirklichkeit, die zuweilen auch in surrealistische Momente zu kippen vermag.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Weigoni beschreibt damit die \u00dcbergangszeit zwischen Literatur und Bildkunst.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit der <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/2019\/01\/18\/prosa-im-schuber\/\">Prosa im Schuber<\/a> l\u00e4sst sich dieses Werk nun selbst als ein abgeschlossenes Sammelgebiet bezeichnen. Weigoni war im deutschen Literaturbetrieb ein Au\u00dfenseiter, der sich mit der Welt aus lauter Liebe zu ihr \u00fcberwarf. Er war von einer gl\u00fchenden Unbedingtheit und diese Glut wirkt in seinem Werk nach.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend:<\/strong><\/p>\n<div style=\"width: 130px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a id=\"set-post-thumbnail\" class=\"thickbox\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-admin\/media-upload.php?post_id=34569&amp;type=image&amp;TB_iframe=1\" aria-describedby=\"set-post-thumbnail-desc\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"attachment-266x266\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Billie.jpeg\" sizes=\"auto, (max-width: 120px) 100vw, 120px\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Billie.jpeg 550w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Billie-136x300.jpeg 136w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Billie-463x1024.jpeg 463w\" alt=\"\" width=\"120\" height=\"266\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Billy trifft Bibliophilie<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> Alle <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/?p=395\">Gedichtb\u00e4nde<\/a> sind zusammen mit dem auf vier CDs erweiterten <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=28660\">H\u00f6rbuch<\/a> <strong>Gedichte<\/strong> in einem hochwertigen Schuber aus schwarzer Kofferhartpappe erh\u00e4ltlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> Eine Werk\u00fcbersicht \u00fcber die akustische Kunst finden Sie in der Reihe <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/metaphon.htm\">MetaPhon<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> Auch die Prosa ist in einem <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/?p=1016\">Schuber<\/a> erh\u00e4ltlich. Und nur darin enthalten ist das H\u00f6rbuch <strong>630<\/strong> und der Band\u00a0 <strong>Vorlass.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0 A.J. Weigoni ist von uns gegangen, die Aufgabe des Lesers besteht darin, sich aus diesem Konvolut an Bruchst\u00fccken, Scherben und Fragmenten ein Zeitbild zusammenzusetzen. Sein Werk ist eine R\u00f6ntgenaufnahme dieser Wechselwirkungen. 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