{"id":76580,"date":"2011-02-24T00:01:12","date_gmt":"2011-02-23T23:01:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=76580"},"modified":"2021-02-01T08:29:03","modified_gmt":"2021-02-01T07:29:03","slug":"beobachtungen-ii","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2011\/02\/24\/beobachtungen-ii\/","title":{"rendered":"Beobachtungen II"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Buchh\u00e4ndlerin hatte Herr Nipp kennengelernt, weil sie so unerwartet war. Damals hatte er tats\u00e4chlich ein Buch geschrieben, naja, nennen wir es lieber ein B\u00fcchlein, und herausgebracht und war der geradezu missionarischen Ansicht, das m\u00fcssen unbedingt auch andere Menschen lesen. Etwas naiv ohne einen richtigen Verlag im R\u00fccken, aber er glaubt aauch heute immer noch, dass es wichtig ist, das zu tun, was einem wichtig ist. Und wenn man man damit scheitert, wei\u00df man wenigstens, dass der Versuch gemacht wurde. H\u00f6rt sich vielleicht etwas einfach an, aber es ist so. Herr Nipp ist sehr erfolgreich im Scheitern an den eigenen Ideen, deshalb gibt er allerdings niemals auf. Einige seiner Gedankeng\u00e4nge wurden auch von anderen aufgegriffen, wesentlich erfolgreicher, vielleicht auch deshalb, weil sie an dieser oder eben jener Idee festgehalten haben und nicht nach den ersten Kleinerfolgen gedacht haben, so das ist abgehakt, jetzt muss ich mal was anderes machen. Nur wer die Dinge ganz gro\u00df aufzieht, mit Werbekampagnen nat\u00fcrlich, wird damit auch richtig Geld verdienen. Wenn das Geld jedoch nicht ganz so wichtig ist, dann geht es wohl mehr um die Frage, ob Ideen grunds\u00e4tzlich wohl funktionieren k\u00f6nnten. So hatte er also mit Hilfe eines Indipendant-Verlages sein Buch mit Geschichtchen drucken lassen, in einer Auflage, die den gro\u00dfen Spielern ein leichtes oder besser gesagt \u00fcberlegenes L\u00e4cheln ins Gesicht gezaubert h\u00e4tte. H\u00e4tte. Denn niemand aus diesen Reihen w\u00fcrde jemals erfahren, dass dieses Buch \u00fcberhaupt bedruckt worden ist. So zog er also mit zehn B\u00fcchern in der Tasche in die Kleinstadtmitte, um dort in der Kettenbuchhandlung zu fragen, ob es wohl m\u00f6glich w\u00e4re, das Buch zu verkaufen. Erwarteter Filialleiter: Glatter Managertyp mit hellblauem Hemd und dunkelblauem Jackett sowie beiger Stoffhose. Nat\u00fcrlich schmierig nach hinten gegeelte Haare, vielleicht auch vom Barbier gepflegtem B\u00e4rtchen. Die Fachangestellte hatte ungeahnt freundlich reagiert und gesagt, sie w\u00fcrde eben der Gesch\u00e4ftsleitung Bescheid geben. Eine Minute sp\u00e4ter erschien eine freundlich l\u00e4chelnde Frau, die ihm irgendwie bekannt vorkam, die er aber nicht zuordnen konnte. Alles war pl\u00f6tzlich so einfach. Klar k\u00f6nne das Buch verkauft werden, das sei \u00fcberhaupt kein Problem, es g\u00e4be da einen Tisch mit Lokalhelden. Sie machte wirklich und ehrlich den Anschein, das w\u00e4re ein gro\u00dfe Freude f\u00fcr sie. Endlaich mal anderes, als immer die Bestseller zu verkaufen, die nat\u00fcrlich sehr wichtig sind. Sie wollte sogar ein Exemplar selber haben und lesen. M\u00f6glichst mit Signatur. Damit war vorher nun wirklich nicht zu rechnen gewesen.<br \/>\nWie es genau kam, war ihm eigentlich gar nicht so klar, aber sie haben sich schneller angefreundet, als er jemals gedacht h\u00e4tte. An der Freundschaft hat sich auch in dieser Coronazeit wenig ge\u00e4ndert, abgesehen davon, dass die Frau inzwischen keine Buchh\u00e4ndlerin mehr ist, sondern einige Bibliotheken leitet. Die Leidenschaft f\u00fcr B\u00fccher ist geblieben. Auch bei ihr kam mal abends das leidige Thema der Ladendiebst\u00e4hle auf den Tisch. So hatte die Buchhandlungskette irgendwann einige Ladendetektive eingestellt. \u201eIn einer Pause sa\u00df der Detektiv bei mir im B\u00fcro und meinte, er habe da einen anderen Mann beobachtet, der schon seit anderthsalb Stunden im Laden sei und immer wieder die Abteilungen wechsle, ohne ein Buch gekauft zu haben, das sei doch h\u00f6chst verd\u00e4chtig, denn wer bleibe denn schon so lange in einem Buchladen, das sei doch v\u00f6llig langweilig. Als ich ihn fragte, wie der denn aussehe und dieser Mann jenen Mann beschrieb, war mir sofort klar, das konnte nur der andere Detektiv sein, der manchmal hereinschaute. Einer der beiden hatte sich einfach nur in der Einsatzzeit vertan.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<div class=\"page\" title=\"Page 17\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"page\" title=\"Page 18\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<div class=\"page\" title=\"Page 33\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<div class=\"page\" title=\"Page 38\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<div class=\"page\" title=\"Page 42\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Angst perfekter\u00a0<\/strong><b>Schwiegers\u00f6hne, <\/b>von\u00a0Herrn Nipp, Edition Das Labor 2011<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Herr-Nipp-205x300.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-21217\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Herr-Nipp-205x300.jpg\" alt=\"\" width=\"205\" height=\"300\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Haimo_Hieronymus\">Haimo Hieronymus<\/a> ist ein Poet, wenn er Holzschnitte erstellt, und ein realistischer Tr\u00e4umer, wenn er mit Herrn Nipp kurze Texte verfa\u00dft. Wie ein Dichter schreibt er nicht, dazu ist er zu n\u00fcchtern und zu lapidar; die Fiktion ist nicht seine Sache, es entstehen auch keine imagin\u00e4ren Welten. Die Wirklichkeit und die Erinnerung sind ihm r\u00e4tselhaft genug. Herr Nipp betreibt das einfache, das wahre Abschreiben der Welt, er bewegt sich damit zwischen Ereignis und Reflexion und n\u00e4hert sich einer Topografie der Melancholie. \u2013 Ein Sammlerst\u00fcck ist die Vorzugsausgabe von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12766\"><em>Die Angst perfekter Schwiegers\u00f6hne<\/em><\/a>. Hieronymus hat das Cover einer limitierten Auflage mit einem Holzschnitt versehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend\u00a0<\/strong><strong>\u2192\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum Thema K\u00fcnstlerbucher lesen finden Sie hier einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12840\">Essay<\/a> sowie ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=834\">Artikel<\/a> von J.C. Albers. Papier ist autonomes Kunstmaterial, daher ein vertiefendes <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=21407\">Kollegengespr\u00e4ch<\/a> mit Haimo Hieronymus \u00fcber Material, Medium und Faszination des Werkstoffs Papier.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die bibliophilen Kostbarkeiten sind erh\u00e4ltlich \u00fcber die Werkstattgalerie Der Bogen, Tel. 0173 7276421<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Eine Buchh\u00e4ndlerin hatte Herr Nipp kennengelernt, weil sie so unerwartet war. Damals hatte er tats\u00e4chlich ein Buch geschrieben, naja, nennen wir es lieber ein B\u00fcchlein, und herausgebracht und war der geradezu missionarischen Ansicht, das m\u00fcssen unbedingt auch andere Menschen&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2011\/02\/24\/beobachtungen-ii\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":161,"featured_media":44215,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[1334],"class_list":["post-76580","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-herr-nipp"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/76580","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/161"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=76580"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/76580\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=76580"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=76580"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=76580"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}