{"id":76198,"date":"2021-02-12T00:01:09","date_gmt":"2021-02-11T23:01:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=76198"},"modified":"2022-02-18T19:36:14","modified_gmt":"2022-02-18T18:36:14","slug":"kunst-der-sprachbefragung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/02\/12\/kunst-der-sprachbefragung\/","title":{"rendered":"Kunst der Sprachbefragung"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Halten Sie Ihr Ohr hin zur Musik, \u00f6ffnen Sie Ihr Auge f\u00fcr die Malerei. Und denken Sie nicht!<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Wassily Kandinsky<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich lernte <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Andrascz_Weigoni\">A.J. Weigoni<\/a> auf einer Tagung des Schriftstellerverbandes kennen. Einem Kollegen hatte ich ein Eis mitgebracht, der wollte nicht, und Weigoni griff keck zu. Man konnte ihm nicht b\u00f6se sein. Dieser Nonkonformist war darauf erpicht, Klischees zu vermeiden und seine ganz eigenen Vorstellungen durchzusetzen. Er hatte seinen Beruf in jahrzehntelanger Anstrengung erlernt, was ihm gelungen ist und was missgl\u00fcckt, das wei\u00df der besser als beamtete Besserwisser. Dieses System kann ohne seine Reservate \u00e4sthetischer Z\u00e4higkeit, Widerst\u00e4ndigkeit und Wachheit nicht \u00fcberleben. Seine geistige Heimat ist dort, wo das denkerische Wort poetisch durchtr\u00e4nkt ist und das poetische Wort durchdacht ist. Wenn den Figuren-Texten der Antike noch mystische Motive unterstellt werden k\u00f6nnen, ist f\u00fcr die meisten Texte des Barock wahrscheinlich der menschliche Spieltrieb verantwortlich, selbst die so genannten \u201akonkreten\u2019 und \u201avisuellen\u2019 Poesien erschlie\u00dfen sich so am ehesten.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Seitdem ist eine Generation vergangen, doch wer k\u00f6nnte behaupten, die Mehrzahl der Vertreter deutscher Hochsprache seien weniger ehrenwert, b\u00fcrgerlich-bieder, angepa\u00dft und grundsolide?<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weigonis Thema war das komplexe Verh\u00e4ltnis von Sprache und Wirklichkeit, die \u201einnere Notwendigkeit\u201c sein Antrieb. In seinen Gedichten bezeugten Wort- und Klang\u00e4sthetik das geistige Prinzip. Dieser Sprechsteller verwendete die Sprache als Klangmaterial und erzeugt so \u201emusikaffine Sprachstrukturen. Er kannte nur den einen Kanal der Inspiration und unendlich viele Wahlm\u00f6glichkeiten des Ausdrucks. In seinem Monodram <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2003\/01\/18\/unbehaust\/?fbclid=IwAR2Sr_v7El6mrCtNbcoKgFH_rgc2ZoOlbo2RJmoYmwcUGCJQTOfB_tkKDmQ\">Unbehaust, ein poetisches Polymorphem<\/a> nimmt uns Weigoni mit auf die Reise durch eine Metamorphose. Es gibt dieses Monodram in einer H\u00f6rspielinszenierung, bei der der Komponist Tom T\u00e4ger die Schauspielerin mit einer Komposition begleitet, die nur aus Papierger\u00e4uschen besteht. Zwischen den lyrischen Finger\u00fcbungen zeigt Weigoni sowohl Koordinaten der Innenwelten als auch im \u00e4sthetischen Raum g\u00fcltige existentielle \u00c4usserungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">Dieser Satzdenker ist ein Meister abgr\u00fcndiger Sprachbilder, aphoristischer Pointen und tragikomischer Sprachgitter.<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gebe noch viel zu sagen \u00fcber diesen VerDichter, aber ich m\u00f6chte den Leserinnen und Lesernn nicht das Verg\u00fcngen der eigen Lekt\u00fcre nehmen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Unbehaust<\/strong>. Monodram von A.J. Weigoni. Mit Holzschnitten von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Haimo_Hieronymus\">Haimo Hieronymus<\/a>. K\u00fcnstlerbuch. ur\u00e4us-Handpresse, Halle an der Saale 2003.<\/p>\n<div id=\"attachment_53963\" style=\"width: 197px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Gedichte_Cover.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-53963\" class=\"size-medium wp-image-53963\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Gedichte_Cover-187x300.jpeg\" alt=\"\" width=\"187\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Gedichte_Cover-187x300.jpeg 187w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Gedichte_Cover-560x899.jpeg 560w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Gedichte_Cover-260x417.jpeg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Gedichte_Cover-160x257.jpeg 160w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Gedichte_Cover.jpeg 620w\" sizes=\"auto, (max-width: 187px) 100vw, 187px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-53963\" class=\"wp-caption-text\">Coverphoto: Leonard Billeke<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/01\/18\/das-gesamtwerk-des-sprechstellers\/\">H\u00f6rspielumsetzung<\/a> von <em>Unbehaust<\/em> durch den Komponisten Tom T\u00e4ger ist erh\u00e4ltlich auf dem H\u00f6rbuch: <strong>Gedichte<\/strong> von A.J. Weigoni, Edition Das Labor, M\u00fclheim 2015<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>H\u00f6rproben \u2192<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Probeh\u00f6ren kann man Ausz\u00fcge der <a href=\"http:\/\/vordenker.de\/weigoni\/schmauchspuren.html\">Schmauchspuren<\/a>, von <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/weigoni\/neige.html\">An der Neige<\/a> und des Monodrams <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/taeger\/senora_nada.htm\">Se\u00f1ora Nada<\/a> in der Reihe <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=17799\">MetaPhon<\/a>.<\/p>\n<div style=\"text-align: justify;\">Jeder Band aus dem <em>Schuber<\/em> von A.J. Weigoni ist ein Sammlerobjekt. Und jedes Titelbild ein Kunstwerk. KUNO fa\u00dft die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=42570\">Stimmen<\/a> zu dieser verlegerischen Gro\u00dftat zusammen. Last but not least: <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25524\"><em>VerDichtung &#8211; \u00dcber das Verfertigen von Poesie<\/em><\/a>, ein Essay von A.J. Weigoni in dem er dichtungstheoretisch die poetologischen Grunds\u00e4tze seines Schaffens beschreibt. Zuletzt bei KUNO, eine Polemik von A.J. Weigoni \u00fcber den Sinn einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/02\/07\/bartleby\/\">Lesung<\/a>.<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Halten Sie Ihr Ohr hin zur Musik, \u00f6ffnen Sie Ihr Auge f\u00fcr die Malerei. Und denken Sie nicht! Wassily Kandinsky Ich lernte A.J. Weigoni auf einer Tagung des Schriftstellerverbandes kennen. 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