{"id":76095,"date":"2020-08-02T00:01:59","date_gmt":"2020-08-01T22:01:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=76095"},"modified":"2021-09-02T09:29:24","modified_gmt":"2021-09-02T07:29:24","slug":"demaskierung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/08\/02\/demaskierung\/","title":{"rendered":"Demaskierung"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Sie war ein Genie, aber ein politischer Trottel.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Liam O`Leary<\/span><\/p>\n<div data-contents=\"true\">\n<div class=\"\" data-block=\"true\" data-editor=\"chbfi\" data-offset-key=\"3j4os-0-0\">\n<div class=\"_1mf _1mj\" data-offset-key=\"3j4os-0-0\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist ein Buch der Demaskierung. Leni Riefenstahls zwiesp\u00e4ltiger Ruhm h\u00e4lt bis heute an. Dieses Buch belegt das Gegenteil: Riefenstahl gelang es wie kaum einer Zweiten, stets auf der Seite der Sieger und M\u00e4chtigen zu stehen. Die Dokumentarfilmerin Nina Gladitz dreht den Satz von O`Leary um. Riefenstahl war keine Ausnahmek\u00fcnstlerin, daf\u00fcr aber ein politisches Genie, was sich anhand neuer Archivfunde belegen l\u00e4sst, die einen Abgrund erkennen lassen, der bislang durch ihren Geniestatus verdeckt wurde. Es scheint, als habe keiner der zahllosen Biografen tiefer nachgeforscht und sich weitgehend auf die von Riefenstahl gestrickten Legenden verlassen. Das machte sie diesen Historikern auch zum Vorwurf, und die straften sie mit Nichtbeachtung. Riefenstahl war ein fr\u00fcher Fall von L\u00fcgen, die zur Wahrheit zu werden drohen, wenn man sie nur lange genug wiederholt. Auch f\u00fcr die feministische Verkl\u00e4rung Riefenstahls, wie sie Alice Schwarzer betrieben hat, hat Gladitz nur Verachtung \u00fcbrig.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Der moralische Furor, mit dem Gladitz\u2019 schreibt ist furios.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bereits 1982 dokumentierte Gladitz f\u00fcr den WDR die Entstehungsgeschichte des Spielfilms <em>Tiefland<\/em>, mit dem Fokus auf das Schicksal der dort als Komparsen eingesetzten rund hundert Sinti und Roma.Die Filmemacherin begab sich auf den Spuren von Leni Riefenstahls Film &#8222;Tiefland&#8220;, dessen Dreharbeiten von 1940-44 andauerten und der erst 1953 fertig gestellt wurde. Riefenstahl setzte als Komparsen auch im Lager Maxglan in der N\u00e4he von Salzburg internierte Sinti und Roma ein, die sp\u00e4ter nach Auschwitz abtransportiert wurden. Gladitz findet Zeugen, die Krieg und Konzentrationslager \u00fcberlebt haben und schwere Vorw\u00fcrfe gegen Riefenstahl erheben: Sie habe sie pers\u00f6nlich im Internierungslager ausgesucht und ohne Entlohnung f\u00fcr die Dreharbeiten zwangsverpflichtet. \u2013 Nach der Fernsehausstrahlung des Films im September 1982 verklagte Riefenstahl Gladitz und erreichte in einem Aufsehen erregenden Rechtsstreit, dass die Behauptung entfernt werden musste, Riefenstahl habe \u00fcber Auschwitz Bescheid gewusst und den in Maxglan Internierten Hilfe versprochen, aber nie gegeben. 1987 wies das Oberlandesgericht Karlsruhe die Klage in mehreren Punkten ab, in zwei Punkten gab es der Klage statt. Der produzierende <i>WDR<\/i>, der den Film bis heute unter Verschluss h\u00e4lt, zeigt wenig solidarisch mit Gladitz.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Leni Riefenstahl, die in Hitlers Auftrag den offiziellen Olympiafilm drehte, brachte erstmals Unterwasserkameras und Zeitlupen zum Einsatz. Waren diese filmtechnischen Innovationen von ihr?<\/span><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div data-contents=\"true\">\n<div class=\"\" data-block=\"true\" data-editor=\"chbfi\" data-offset-key=\"3j4os-0-0\">\n<div class=\"_1mf _1mj\" data-offset-key=\"3j4os-0-0\">\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend der Dreharbeiten zum Prolog der <em>Olympia<\/em>-Filme kam es zwischen Zielke und Riefenstahl zu Differenzen. Willy Zielke war Kameramann, Cutter und Second Unit-Direktor f\u00fcr die legend\u00e4re Einstiegssequenz des Olympia-Films (der \u201eProlog\u201c). Wahrscheinlich stammen die meisten der originellen filmischen Ideen tats\u00e4chlich von Zielke, wie der Pygmalion-Effekt von der Skulptur eines olympischen Siegers der Antike zum lebendigen K\u00f6rper eines modernen Olympia-Teilnehmers. Riefenstahl sorgte daf\u00fcr, dass Zielke alle Rechte daran verlor und ihr alle seine Materialien dazu aush\u00e4ndigen musste. Kurz nachdem er das fertige Filmmaterial abgeliefert hatte, wurde er am 13. Februar 1937 entf\u00fchr und in die Psychiatrie Haar verbracht. Dort wurde eine angebliche Schizophrenie diagnostiziert und Zielke zwangssterilisiert. Nach Meinung Zielkes war Riefenstahl f\u00fcr die Einweisung verantwortlich, er konnte es ihr aber nicht beweisen. Zudem seien in der Anstalt an ihm auch medizinische Experimente durchgef\u00fchrt worden. Im August 1942, f\u00fcnf Jahre nach der Zwangseinweisung, wurde \u201eder als unheilbar geltende\u201c Zielke wieder freigelassen, offenbar wieder auf Betreiben von Riefenstahl, die ihn gleich wieder als Kameramann bei ihrem Film <em>Tiefland<\/em> einsetzte. Leni Riefenstahl habe sich nie bei ihm entschuldigt. Vielmehr hatte sie die fotografischen Arbeiten Willy Zielkes nach dessen Einweisung in die psychiatrische Klinik Haar an sich gebracht und fortan als eigene Arbeiten ausgegeben. Darunter das Foto eines griechischen Tempels, das Zielke im Zusammenhang mit seiner Arbeit am Prolog zum <em>Olympia<\/em>-Film machte und das bis heute auf der Website Leni Riefenstahls als deren Arbeit gezeigt wird.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">W\u00e4hrend die Massen aus aller Welt im Olympiastadion jubeln durften, errichteten die Nazis am Berliner Stadtrand\u00a0 das KZ Sachsenhausen<\/span><\/p>\n<div class=\"_1mf _1mj\" data-offset-key=\"3j4os-0-0\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Herbst 1945 wurde Zielkes Entm\u00fcndigung, nach einem Antrag seinerseits, aufgehoben. In ihrem Buch vertieft Gladitz die Vorw\u00fcrfe gegen Riefenstahl unter anderem wegen der Ausnutzung des Regisseurs Willy Zielke. In ihrem Buch legt sie zudem neue, belegbare Details \u00fcber die Arbeitsmethoden und -strategien Leni Riefenstahls zum Schaden von 123 Menschen vor, die Riefenstahls Selbstdarstellung in einem anderen Licht zeigen. Gladitz gibt den Opfern Riefenstahls ihre Geschichte zur\u00fcck.<\/p>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"_1mf _1mj\" data-offset-key=\"3j4os-0-0\">\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Leni Riefenstahl: Karriere einer T\u00e4terin<\/strong>, von Nina Gladitz, Orell F\u00fcssli 2020<\/p>\n<\/div>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Leni_Gladitz.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-76099 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Leni_Gladitz-191x300.jpg\" alt=\"\" width=\"191\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Leni_Gladitz-191x300.jpg 191w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Leni_Gladitz-260x408.jpg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Leni_Gladitz-160x251.jpg 160w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Leni_Gladitz.jpg 382w\" sizes=\"auto, (max-width: 191px) 100vw, 191px\" \/><\/a>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">KUNO hat ein Faible f\u00fcr Trash. Dem Begriff <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/01\/trash-eine-einfuehrung\/\"><em>Trash<\/em><\/a> haftet der Hauch der Verruchtheit und des Nonkonformismus an. In Musik, Kunst oder Film gilt Trash als Bewegung, die im Klandestinen stattfindet und an der nur ein exklusiver Kreis nonkonformistischer Aussenseiter partizipiert. Dieser angeschmutzte Realismus entzieht sich der Rezeption in einer \u00f6ffentlichen Institution. In der Reihe Gossenhefte zeigt sich, was passiert, wenn sich literarischer Bodensatz und die Reflexionsm\u00f6glichkeiten von popul\u00e4rkulturellen Tugenden nahe genug kommen. Der Essay <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=35655\"><em>Perlen des Trash<\/em><\/a> stellt diese Reihe ausf\u00fchrlich vor. Daher sei sei Enno Stahls fulminantes Zeitdokument\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26047\">Deutscher Trash<\/a> ebenso eindr\u00fccklich empfohlen wie Heiner Links <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=42272\">Vorwort<\/a> zum Band Trash-Piloten. Ebenso verwiesen sei auf <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=44449\">Trash-Lyrik<\/a>.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sie war ein Genie, aber ein politischer Trottel. Liam O`Leary Es ist ein Buch der Demaskierung. Leni Riefenstahls zwiesp\u00e4ltiger Ruhm h\u00e4lt bis heute an. 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