{"id":75959,"date":"2009-04-01T00:01:37","date_gmt":"2009-03-31T22:01:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=75959"},"modified":"2021-01-13T13:58:20","modified_gmt":"2021-01-13T12:58:20","slug":"gott-ist-tot-nietzsche-bleibt-unsterblich","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/04\/01\/gott-ist-tot-nietzsche-bleibt-unsterblich\/","title":{"rendered":"Gott ist tot! \u2013 Nietzsche bleibt unsterblich"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Ich wohne in meinem eignen Haus, \/\/ Hab Niemandem nie nichts nachgemacht \/\/ Und &#8211; lachte noch jeden Meister aus, \/\/ Der nicht sich selber ausgelacht.&#8220; &#8211; <em>Ueber meiner Hausth\u00fcr, (Motto auf der Titelseite),<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Die fr\u00f6hliche Wissenschaft<\/em> enth\u00e4lt Gedanken zu unterschiedlichsten Themen in fast 400 Aphorismen von Friedrich Nietzsche in verschiedener L\u00e4nge. Es gilt als abschlie\u00dfendes Werk der \u201efreigeistigen\u201c Periode Nietzsches. In der Zeit um die Abfassung der Erstausgabe betonte Nietzsche oft, dass <em>Die fr\u00f6hliche Wissenschaft<\/em> seine etwa 1876 einsetzende \u201efreigeistige\u201c Phase abschlie\u00dfe. Er sah darin einen Ausdruck der Gesundung und nun die M\u00f6glichkeit, etwas Neues zu wagen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Wer sich tief weiss, bem\u00fcht sich um Klarheit; wer der Menge tief scheinen m\u00f6chte, bem\u00fcht sich um Dunkelheit.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend der Vorbereitung der Neuausgabe meinte Nietzsche, das neue f\u00fcnfte Buch geh\u00f6re \u201eseinem Tone und Inhalte nach \u00fcberdies mehr zu Jenseits von Gut und B\u00f6se\u201c und k\u00f6nne diesem Buch \u201emit mehr Recht\u201c hinzugef\u00fcgt werden als der <em>fr\u00f6hlichen Wissenschaft<\/em>. Nachdem sich allerdings ein Missverst\u00e4ndnis zwischen Nietzsche und seinem Verleger, auf dem diese \u00dcberlegung basierte, gekl\u00e4rt hatte, wurde der urspr\u00fcngliche Plan beibehalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Das Leben ein Mittel der Erkenntnis<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nietzsche nimmt in diesem Buch die Stellung ein, als Philosoph sowohl \u00fcber der Kunst als auch \u00fcber der Wissenschaft zu stehen; andererseits greife er gerade in diesem Werk aufgrund seiner Kenntnis und Ablehnung der bisherigen Philosophie zu Methoden der Kunst und der Wissenschaft, um sich mitzuteilen. Schlie\u00dflich sehen wir in diesem zerbrechlichen und in gewisser Weise unm\u00f6glichen Gleichgewicht eine neue Stufe von Nietzsches andauernder Suche nach Erkenntnis, deren h\u00f6chste Verkl\u00e4rung sich in Abschnitt 324 (\u201eIn media vita\u201c) finde: \u201e<em>Das Leben ein Mittel der Erkenntnis<\/em>\u201c. Dass Nietzsche dabei schlie\u00dflich auf den Gedanken der Ewigen Wiederkunft stie\u00df, \u201eeine Wahrheit, die schrecklicher ist als jede andere\u201c, habe ihn bewogen, sich wieder der Kunst zu n\u00e4hern, wie es die letzten beiden Abschnitte des vierten Buchs anzeigten.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Gott ist tot!<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es geht Nietzsche darum, die Freiheit im Denken auszuloten. Sein \u201eErkenntnisprogramm\u201c ist es, die Welt aus m\u00f6glichst vielen unterschiedlichen Perspektiven wahrzunehmen und sich dabei gleichzeitig der Beschr\u00e4nktheit jeder Perspektive bewusst zu sein: und gerade die Bejahung dieses Gegensatzes von Lebensverstricktheit und Erkenntnis sei \u201efr\u00f6hliche Wissenschaft\u201c. Die ersten drei B\u00fccher f\u00fchrten an einigen Hauptmotiven in einer Vielzahl von Variationen vor, wie sich ein solches Wissen artikulieren k\u00f6nne. Die Er\u00f6ffnung des vierten Buchs mit einem Aufruf zur Lebens- und Selbstbejahung ist nur konsequent, da vorher unter dem Motiv \u201eGott ist tot\u201c festgestellt wurde, dass das Christentum \u201eOpfer seiner eigenen Negativit\u00e4t\u201c geworden ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>\u00a0***<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die fr\u00f6hliche Wissenschaft, <\/strong>Aphorismen von Friedrich Nietzsche. <em>Verlag<\/em> E.W. Fritzsch, 1882 &#8211; 1887<\/p>\n<p><strong>Weiterf\u00fchrend\u00a0\u2192 <\/strong>ein Essay \u00fcber die neue Literaturgattung <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=22423\"><em>Twitteratur<\/em><\/a>.<\/p>\n<div id=\"attachment_17303\" style=\"width: 230px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Friedrich-Nietzsche-1882-Photographie-von-Gustav-Adolf-Schultze1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-17303\" class=\"size-full wp-image-17303\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Friedrich-Nietzsche-1882-Photographie-von-Gustav-Adolf-Schultze1.jpg\" alt=\"\" width=\"220\" height=\"294\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-17303\" class=\"wp-caption-text\">Friedrich-Nietzsche-1882-Photographie-von-Gustav-Adolf-Schultze<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Friedrich Nietzsche ist ein Meister des Cynismus. Oft leisten seine Texte viel mehr: Aufschreckende Br\u00fcche und Diskontinuit\u00e4ten im Sprachlichen, unruhige und gewagte Kombinationen und Schnitte, alchemistische Verbindungen von Kontexten, die man so nicht erwartet h\u00e4tte. Neben dem Zeremonienmeister Lichtenberg (und, so wagen wir zu behaupten, Martin Walsers alter ego Me\u00dfmer) ist Nietzsche sicher ein interessanter Vorl\u00e4ufer der Form des &#8211; bei ihm noch wortmechanischen &#8211; Tweet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich wohne in meinem eignen Haus, \/\/ Hab Niemandem nie nichts nachgemacht \/\/ Und &#8211; lachte noch jeden Meister aus, \/\/ Der nicht sich selber ausgelacht.&#8220; &#8211; Ueber meiner Hausth\u00fcr, (Motto auf der Titelseite), Die fr\u00f6hliche Wissenschaft enth\u00e4lt Gedanken zu&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/04\/01\/gott-ist-tot-nietzsche-bleibt-unsterblich\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":17303,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[447],"class_list":["post-75959","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-friedrich-nietzsche"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/75959","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=75959"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/75959\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=75959"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=75959"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=75959"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}