{"id":75429,"date":"2010-10-06T00:01:19","date_gmt":"2010-10-05T22:01:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=75429"},"modified":"2025-05-10T06:34:50","modified_gmt":"2025-05-10T04:34:50","slug":"psuechodelisch","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2010\/10\/06\/psuechodelisch\/","title":{"rendered":"Ps\u00fcchodelisch"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">&#8222;Syd was a major inspiration for me. The few times I saw him perform in London at UFO and the Marquee clubs during the &#8217;60s will forever be etched in my mind. He was so charismatic and such a startlingly original songwriter.&#8220;<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">David Bowie<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist David Gilmour zu verdanken, dass wir dank seiner Grubenlampe ein Licht in einen Bergwerkschacht der Rockgeschichte mit<em> An Introduction to Syd Barrett <\/em>\u00a0erhalten. So ist ein Querschnitt entstanden, der von den ersten drei Singles der fr\u00fchen Floyds mit dem Solowerk des Musikers sinnf\u00e4llig verschr\u00e4nkt. Wir erhalten auf diese Weise einen H\u00f6reindruck eines ganz speziellen englischen Humors, gepr\u00e4gt durch Psychedelic- und Progressive-Rock-Elemente. Diese Zusammenstellung beginnt mit der Single <em>Arnold Layne<\/em>, einem Song, der originell und \u00fcberzeugend genug war, um Pink Floyd (damals \u201eThe\u201c Pink Floyd genannt und von Barrett nach den halbwegs unbekannten Bluesmusikern Pink Anderson und Floyd Council benannt) ein Angebot von EMI zu verschaffen. Die Single \u2013 die in Gro\u00dfbritannien auf Platz 20 landete \u2013 \u00fcber einen sich als Frau verkleidenden W\u00e4scheleinendieb \u00fcberrascht noch immer mit ihrem Witz, ihrer Poesie (\u201edoors bang \/ chain gang\u201c) und ihrem unversch\u00e4mten Finger ins Auge der zugekn\u00f6pften britischen Sensibilit\u00e4t (\u201etakes two to know\u201c). Diese glitzernden Schreie kommen auf der Single <em>Apples and Oranges<\/em> voll zur Geltung und verleihen ihr gerade genug schrullige Note, um ihr den typischen Floyd-Sound zu verleihen (und das \u201equack quack\u201c nach der Zeile \u201efeeding ducks in the afternoon tide\u201c \u2013 eine Ausschm\u00fcckung von Barrett).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch die Nachfolgesingle <em>See Emily Play<\/em>, beeindruckt mit ihren wechselnden Tempi, beschleunigten Klavieren, R\u00fcckw\u00e4rtsaufnahmen und Technicolor-Trippiness einen authentischen englischen Kontrapunkt zu den hipperen und differenteren Flower-Power-Singles bietet, die 1967 in den usa herausgebracht wurden. Die St\u00fccke, <em>Chapter 24<\/em>, <em>Bike<\/em> und ein Remix von <em>Matilda Mother<\/em> (eine fr\u00fche Version mit anderem Text) bieten einen angemessenen \u00dcberblick \u00fcber den Psychedelic Rock.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">Ich habe mein Gehirn komplett t\u00e4towiert.<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Syd Barrett<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei den Solo-St\u00fccken h\u00f6ren wir <em>Barretts <\/em>Stimme zu Beginn der Aufnahmen, die seinen Humor unterstreichen und herausstellen, dass er den Rockzirkus nicht allzu ernst nimmt. Auf <em>Here I Go<\/em> hat David Gilmour einige zus\u00e4tzliche Bassparts gespielt, um den alten Freund zu ehren. Die Songs von reichen vom hypnotischen <em>Terrapin<\/em>, das nur eine Akustikgitarre und Barretts unnachahmliches Ges\u00e4usel enth\u00e4lt, bis zum fast unertr\u00e4glich rohen \u201eIf It&#8217;s in You\u201c (letzteres wird wahrscheinlich entweder majest\u00e4tisch oder wie Fingern\u00e4gel auf einer Tafel klingen, es gibt kaum eine Chance f\u00fcr einen Mittelweg). Das schwungvolle <em>Love You<\/em> kommt der Laune von 1967 nahe, und <em>She Took a Long Cool Look<\/em> macht dort weiter, wo <em>Jugband Blues<\/em> aufgeh\u00f6rt hat, wobei die klagende Sehnsucht durch eine frostige Resignation ersetzt wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die beiden Highlights bleiben <em>Dark Globe<\/em> und <em>Octopus<\/em>, und beide verdienen eine genauere Betrachtung. Letzteres k\u00f6nnte man als tr\u00fcgerisch optimistischen Ausflug in den Rachen (oder Geist?) des Wahnsinns beschreiben. Non Sequiturs und Bewusstseinsstr\u00f6me verbinden sich mit der schwungvollen Musik, um den Zuh\u00f6rer auf eine gef\u00fchrte Tour durch Barretts t\u00e4towiertes Gehirn mitzunehmen, wo \u201eder Verr\u00fcckte den Mann an der Grenze auslachte\u201c. Insbesondere zwei Verse lassen wenig der Fantasie \u00fcberlassen, und man erkennt, dass Barrett, zumindest wenn er wollte oder konnte, die vollst\u00e4ndige Kontrolle \u00fcber seine F\u00e4higkeiten hatte:<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Ist es nicht sch\u00f6n, sich im Wald zu verlieren?<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Ist es nicht schlimm, so still dort im Wald zu sein, bedeutete mir noch weniger, als ich dachte \u2026<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Die Winde wehten und die Bl\u00e4tter wehten<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Sie werden mich nie in ihre Tasche stecken.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDark Globe\u201c ist wie ein Mann, der einen Nachruf auf die Person singt, die er einmal war und die er geworden ist. Es ist eine bemerkenswerte Leistung und bleibt unertr\u00e4glich ergreifend: \u201ePlease lift a hand \/ I&#8217;m only a person\u201c und \u201eWould&#8217;t you miss me at all?\u201c So schwer es auch ist, diese Worte zu h\u00f6ren, man fragt sich, wie es f\u00fcr anderen Musiker im Studio angeh\u00f6rt haben mag. \u201eGigolo Aunt\u201c und \u201eEffervescing Elephant\u201c, zeigen, dass Wortspiel und Humor noch intakt und gef\u00fchlvoll waren. Man denke nur an das urkomische \u201eBob Dylan Blues\u201c, in dem Barrett his Bobness auf die Schippe nimmt, indem er sich \u00fcber seine viel zu einfachen Reimschemata und seine Spur von Selbstgerechtigkeit lustig macht: \u201eWeil ich ein Dichter bin, wei\u00dft du das nicht? \/ Und der Wind, du kannst ihn wegblasen!\u201c).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>An Introduction to Syd Barrett <\/em>belegt, dass es in der Nachbetrachtung nicht immer um Ruhm und k\u00fcnstlerische Unsterblichkeit geht, sondern um etwas ungleich banaleres, einfach aufh\u00f6ren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">I Know Where Syd Barrett Lives<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Television Personalities<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr die Erfolgsgesellschaft ist es scheinbar unertr\u00e4glich, wenn sich jemand aus ihr zur\u00fcckzieht, und ein einfaches und weitestgehend selbstbestimmtes Lebens f\u00fchrt. Barrett ist nicht Mitglied des &#8222;Club 27&#8220; geworden. Er hat sich f\u00fcr mehr als drei\u00dfig Jahre in eine selbst auferlegte Abgeschiedenheit an den Fluss Cam in Mittelengland zur\u00fcckgezogen und ein abseitiges Leben gef\u00fchrt. Nach seiner Zeit in einer Rockband war er bis zu seinem Tod im Jahr 2006 als leidenschaftlicher G\u00e4rtner t\u00e4tig.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>An Introduction to Syd Barrett<\/strong> wurde am 4. Oktober 2010 der \u00d6ffentlichkeit preisgegeben. Das Album enth\u00e4lt als Freundschaftsdienst eine Reihe neuer Remaster und Remixe, die von David Gilmour ediert wurden.<\/p>\n<p><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-106562 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/Syd_Barrett_introduction-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" \/><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend\u00a0<\/strong><strong>\u2192<\/strong> Auch Dan Treacy von den <span style=\"color: #ff0000;\"><a style=\"color: #ff0000;\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/11\/12\/haus-und-hof-punks\/\">Television Personalities<\/a><\/span> ist ein Musterbeispiel f\u00fcr schmuddeligen, abgewetzten Au\u00dfenseiter-Pop. Die Redaktion fragt sich: Ist David Gilmour ein verkappter <span style=\"color: #0000ff;\"><a style=\"color: #0000ff;\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2003\/03\/01\/space-operette\/\">Blueser<\/a>?<\/span> &#8211;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Syd was a major inspiration for me. The few times I saw him perform in London at UFO and the Marquee clubs during the &#8217;60s will forever be etched in my mind. 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