{"id":74850,"date":"2010-03-19T00:01:28","date_gmt":"2010-03-18T23:01:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=74850"},"modified":"2021-10-25T08:47:48","modified_gmt":"2021-10-25T06:47:48","slug":"diese-flaechen-sind-zu-vermieten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2010\/03\/19\/diese-flaechen-sind-zu-vermieten\/","title":{"rendered":"DIESE FL\u00c4CHEN SIND ZU VERMIETEN"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Narren, die den Verfall der Kritik beklagen. Denn deren Stunde ist l\u00e4ngst abgelaufen. Kritik ist eine Sache des rechten Abstands. Sie ist in einer Welt zu Hause, wo es auf Perspektiven und Prospekte ankommt und einen Standpunkt einzunehmen noch m\u00f6glich war. Die Dinge sind indessen viel zu brennend der menschlichen Gesellschaft auf den Leib ger\u00fcckt. Die \u201aUnbefangenheit\u2018, der \u201afreie Blick\u2018 sind L\u00fcge, wenn nicht der ganz naive Ausdruck planer Unzust\u00e4ndigkeit geworden. Der heute wesenhafteste, der merkantile Blick ins Herz der Dinge hei\u00dft Reklame. Sie rei\u00dft den freien Spielraum der Betrachtung nieder und r\u00fcckt die Dinge so gef\u00e4hrlich nah uns vor die Stirn, wie aus dem Kinorahmen ein Auto, riesig anwachsend, auf uns zu zittert. Und wie das Kino M\u00f6bel und Fassaden nicht in vollendeten Figuren einer kritischen Betrachtung vorf\u00fchrt, sondern allein ihre sture, sprunghafte N\u00e4he sensationell ist, so kurbelt echte Reklame die Dinge heran und hat ein Tempo, das dem guten Film entspricht. Damit ist denn \u201aSachlichkeit\u2018 endlich verabschiedet, und vor den Riesenbildern an den H\u00e4userw\u00e4nden, wo \u201eChlorodont\u201c und \u201eSleipnir\u201c f\u00fcr Giganten handlich liegen, wird die gesundete Sentimentalit\u00e4t amerikanisch frei, wie Menschen, welche nichts mehr r\u00fchrt und anr\u00fchrt, im Kino wieder das Weinen lernen. F\u00fcr den Mann von der Stra\u00dfe aber ist es das Geld, das dergestalt die Dinge ihm nahe r\u00fcckt, den schl\u00fcssigen Kontakt mit ihnen herstellt. Und der bezahlte Rezensent, der im Kunstsalon des H\u00e4ndlers mit Bildern manipuliert, wei\u00df, wenn nicht Besseres so Wichtigeres von ihnen, als der Kunstfreund, der sie im Schaufenster sieht. Die W\u00e4rme des Sujets entbindet sich ihm und stimmt ihn gef\u00fchlvoll. \u2013 Was macht zuletzt Reklame der Kritik so \u00fcberlegen? Nicht was die rote elektrische Laufschrift sagt \u2013 die Feuerlache, die auf dem Asphalt sie spiegelt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Einbahnstra\u00dfe.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-68588 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Einbahnstra\u00dfe-223x300.jpg\" alt=\"\" width=\"223\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Einbahnstra\u00dfe-223x300.jpg 223w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Einbahnstra\u00dfe-260x350.jpg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Einbahnstra\u00dfe-160x216.jpg 160w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Einbahnstra\u00dfe.jpg 440w\" sizes=\"auto, (max-width: 223px) 100vw, 223px\" \/><\/a>Die<em> Einbahnstra\u00dfe<\/em> ist eine entscheidende Gelenkstelle in Benjamins Gesamtwerk, in der \u00dcberlegungen des Fr\u00fchwerks transformiert werden, um sie dann in sp\u00e4teren Arbeiten weiterzuf\u00fchren. Dies veranschaulicht insbesondere die 43 Texte umfassende \u00bbNachtragsliste zur Einbahnstra\u00dfe\u00ab, die Benjamin Anfang bis Mitte der drei\u00dfiger Jahre zusammenstellte. Sie wird, neben dem Erstdruck und allen handschriftlichen Vorstufen sowie zeitgen\u00f6ssischen Rezensionen, in der neuen Edition erstmals als Einheit zu lesen sein. Der Kommentar und das Nachwort des Herausgebers machen zudem die Verbindung der einzelnen Texte mit dem Gesamtwerk Benjamins sichtbar und zeigen, inwiefern die <em>Einbahnstra\u00dfe<\/em> die Tradition der europ\u00e4ischen Aphoristik aufgenommen und zugleich erneuert hat.<\/p>\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"text-align: justify;\">Zum 70. Todestag von Walter Benjamin erinnert KUNO an diesen undogmatischen Denker und l\u00e4\u00dft die Originalit\u00e4t und Einzigartigkeit seiner Gedanken aufscheinen. Bei KUNO pr\u00e4sentieren wir Essays \u00fcber den Zwischenraum von Denken und Dichten, wobei das Denken von der Sprache kaum zu l\u00f6sen ist. Lesen Sie auch KUNOs <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/10\/zur-gattung-essay\/\">Hommage<\/a> an die Gattung des Essays.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend\u00a0\u2192 <\/strong>ein Essay \u00fcber die neue Literaturgattung <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=22423\"><em>Twitteratur<\/em><\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Narren, die den Verfall der Kritik beklagen. Denn deren Stunde ist l\u00e4ngst abgelaufen. Kritik ist eine Sache des rechten Abstands. 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