{"id":74789,"date":"2010-06-01T00:01:30","date_gmt":"2010-05-31T22:01:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=74789"},"modified":"2021-10-25T11:02:10","modified_gmt":"2021-10-25T09:02:10","slug":"dreizehn-thesen-wider-snobisten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2010\/06\/01\/dreizehn-thesen-wider-snobisten\/","title":{"rendered":"DREIZEHN THESEN WIDER SNOBISTEN"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Snob im Privatkontor der Kunstkritik. Links eine Kinderzeichnung, rechts ein Fetisch. Snob: \u201eDa kann der ganze Picasso einpacken.\u201c)<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>I. Der K\u00fcnstler macht ein Werk.<\/td>\n<td>Der Primitive \u00e4u\u00dfert sich in Dokumenten.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>II. Das Kunstwerk ist nur nebenbei ein Dokument.<\/td>\n<td>Kein Dokument ist als ein solches Kunstwerk.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<div><\/div>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>III. Das Kunstwerk ist ein Meisterst\u00fcck.<\/td>\n<td>Das Dokument dient als Lehrst\u00fcck.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>IV. Am Kunstwerk lernen K\u00fcnstler das Metier.<\/td>\n<td>Vor Dokumenten wird ein Publikum erzogen.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>V. Kunstwerke stehen eins dem andern fern durch Vollendung.<\/td>\n<td>Im Stofflichen kommunizieren alle Dokumente.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>VI. Inhalt und Form sind im Kunstwerk eins: Gehalt.<\/td>\n<td>In Dokumenten herrscht durchaus der Stoff.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>VII. Gehalt ist das Erprobte.<\/td>\n<td>Stoff ist das Getr\u00e4umte.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>VIII. Im Kunstwerk ist der Stoff ein Ballast, den die Betrachtung abwirft.<\/td>\n<td>Je tiefer man sich in ein Dokument verliert, desto dichter: Stoff.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>IX. Im Kunstwerk ist das Formgesetz zentral.<\/td>\n<td>Ins Dokument sind Formen nur versprengt.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>X. Das Kunstwerk ist synthetisch: Kraftzentrale.<\/td>\n<td>Die Fruchtbarkeit des Dokuments will: Analyse.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>XI. Im wiederholten Anblick steigert sich ein Kunstwerk.<\/td>\n<td>Ein Dokument bew\u00e4ltigt nur durch \u00dcberraschung.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>XII. Die M\u00e4nnlichkeit der Werke ist im Angriff.<\/td>\n<td>Dem Dokument ist seine Unschuld eine Deckung.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>XIII. Der K\u00fcnstler geht auf die Eroberung von Gehalten.<\/td>\n<td>Der primitive Mensch verschanzt sich hinter Stoffen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Einbahnstra\u00dfe.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-68588 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Einbahnstra\u00dfe-223x300.jpg\" alt=\"\" width=\"223\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Einbahnstra\u00dfe-223x300.jpg 223w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Einbahnstra\u00dfe-260x350.jpg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Einbahnstra\u00dfe-160x216.jpg 160w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Einbahnstra\u00dfe.jpg 440w\" sizes=\"auto, (max-width: 223px) 100vw, 223px\" \/><\/a>Die<em> Einbahnstra\u00dfe<\/em> ist eine entscheidende Gelenkstelle in Benjamins Gesamtwerk, in der \u00dcberlegungen des Fr\u00fchwerks transformiert werden, um sie dann in sp\u00e4teren Arbeiten weiterzuf\u00fchren. Dies veranschaulicht insbesondere die 43 Texte umfassende \u00bbNachtragsliste zur Einbahnstra\u00dfe\u00ab, die Benjamin Anfang bis Mitte der drei\u00dfiger Jahre zusammenstellte. Sie wird, neben dem Erstdruck und allen handschriftlichen Vorstufen sowie zeitgen\u00f6ssischen Rezensionen, in der neuen Edition erstmals als Einheit zu lesen sein. Der Kommentar und das Nachwort des Herausgebers machen zudem die Verbindung der einzelnen Texte mit dem Gesamtwerk Benjamins sichtbar und zeigen, inwiefern die <em>Einbahnstra\u00dfe<\/em> die Tradition der europ\u00e4ischen Aphoristik aufgenommen und zugleich erneuert hat.<\/p>\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"text-align: justify;\">Zum 70. Todestag von Walter Benjamin erinnert KUNO an diesen undogmatischen Denker und l\u00e4\u00dft die Originalit\u00e4t und Einzigartigkeit seiner Gedanken aufscheinen. Bei KUNO pr\u00e4sentieren wir Essays \u00fcber den Zwischenraum von Denken und Dichten, wobei das Denken von der Sprache kaum zu l\u00f6sen ist. Lesen Sie auch KUNOs <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/10\/zur-gattung-essay\/\">Hommage<\/a> an die Gattung des Essays.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend\u00a0\u2192 <\/strong>ein Essay \u00fcber die neue Literaturgattung <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=22423\"><em>Twitteratur<\/em><\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Snob im Privatkontor der Kunstkritik. Links eine Kinderzeichnung, rechts ein Fetisch. Snob: \u201eDa kann der ganze Picasso einpacken.\u201c) &nbsp; I. Der K\u00fcnstler macht ein Werk. Der Primitive \u00e4u\u00dfert sich in Dokumenten. II. Das Kunstwerk ist nur nebenbei ein Dokument. 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