{"id":74687,"date":"2010-03-06T00:01:16","date_gmt":"2010-03-05T23:01:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=74687"},"modified":"2021-10-25T08:36:31","modified_gmt":"2021-10-25T06:36:31","slug":"fruehstuecksstube","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2010\/03\/06\/fruehstuecksstube\/","title":{"rendered":"FR\u00dcHST\u00dcCKSSTUBE"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Volks\u00fcberlieferung warnt, Tr\u00e4ume am Morgen n\u00fcchtern zu erz\u00e4hlen. Der Erwachte verbleibt in diesem Zustand in der Tat noch im Bannkreis des Traumes. Die Waschung n\u00e4mlich ruft nur die Oberfl\u00e4che des Leibes und seine sichtbaren motorischen Funktionen ins Licht hinein, wogegen in den tieferen Schichten auch w\u00e4hrend der morgendlichen Reinigung die graue Traumd\u00e4mmerung verharrt, ja in der Einsamkeit der ersten wachen Stunde sich\u00a0festsetzt. Wer die Ber\u00fchrung mit dem Tage, sei es aus Menschenfurcht, sei es um innerer Sammlung willen, scheut, der will nicht essen und verschm\u00e4ht das Fr\u00fchst\u00fcck. Derart vermeidet er den Bruch zwischen Nacht- und Tagwelt. Eine Behutsamkeit, die nur durch die Verbrennung des Traumes in konzentrierte Morgenarbeit, wenn nicht im Gebet, sich rechtfertigt, anders aber zu einer Vermengung der Lebensrhythmen f\u00fchrt. In dieser Verfassung ist der Bericht \u00fcber Tr\u00e4ume verh\u00e4ngnisvoll, weil der Mensch, zur H\u00e4lfte der Traumwelt noch verschworen, in seinen Worten sie verr\u00e4t und ihre Rache gew\u00e4rtigen mu\u00df. Neuzeitlicher gesprochen: er verr\u00e4t sich selbst. Dem Schutz der tr\u00e4umenden Naivit\u00e4t ist er entwachsen und gibt, indem er seine Traumgesichte ohne \u00dcberlegenheit ber\u00fchrt, sich preis. Denn nur vom anderen Ufer, von dem hellen Tage aus, darf Traum aus \u00fcberlegener Erinnerung angesprochen werden. Dieses Jenseits vom Traum ist nur in einer Reinigung erreichbar, die dem Waschen analog, jedoch g\u00e4nzlich von ihm verschieden ist. Sie geht durch den Magen. Der N\u00fcchterne spricht von Traum, als spr\u00e4che er aus dem Schlaf.<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<div class=\"wp-block-image\">\r\n<figure class=\"alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Einbahnstra\u00dfe.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-68588 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Einbahnstra\u00dfe-223x300.jpg\" alt=\"\" width=\"223\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Einbahnstra\u00dfe-223x300.jpg 223w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Einbahnstra\u00dfe-260x350.jpg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Einbahnstra\u00dfe-160x216.jpg 160w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Einbahnstra\u00dfe.jpg 440w\" sizes=\"auto, (max-width: 223px) 100vw, 223px\" \/><\/a>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die<em> Einbahnstra\u00dfe<\/em> ist eine entscheidende Gelenkstelle in Benjamins Gesamtwerk, in der \u00dcberlegungen des Fr\u00fchwerks transformiert werden, um sie dann in sp\u00e4teren Arbeiten weiterzuf\u00fchren. Dies veranschaulicht insbesondere die 43 Texte umfassende \u00bbNachtragsliste zur Einbahnstra\u00dfe\u00ab, die Benjamin Anfang bis Mitte der drei\u00dfiger Jahre zusammenstellte.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum 70. Todestag von Walter Benjamin erinnert KUNO an diesen undogmatischen Denker und l\u00e4\u00dft die Originalit\u00e4t und Einzigartigkeit seiner Gedanken aufscheinen. Bei KUNO pr\u00e4sentieren wir Essays \u00fcber den Zwischenraum von Denken und Dichten, wobei das Denken von der Sprache kaum zu l\u00f6sen ist. Lesen Sie auch KUNOs <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/10\/zur-gattung-essay\/\">Hommage<\/a> an die Gattung des Essays.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend\u00a0\u2192 <\/strong>ein Essay \u00fcber die neue Literaturgattung <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=22423\"><em>Twitteratur<\/em><\/a>.<\/p>\r\n<\/figure>\r\n<\/div>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Eine Volks\u00fcberlieferung warnt, Tr\u00e4ume am Morgen n\u00fcchtern zu erz\u00e4hlen. Der Erwachte verbleibt in diesem Zustand in der Tat noch im Bannkreis des Traumes. 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