{"id":74670,"date":"2015-09-05T00:01:38","date_gmt":"2015-09-04T22:01:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=74670"},"modified":"2022-02-23T12:14:49","modified_gmt":"2022-02-23T11:14:49","slug":"lyrik-der-augenschule","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/09\/05\/lyrik-der-augenschule\/","title":{"rendered":"Lyrik der \u201eaugenschule\u201c"},"content":{"rendered":"<div class=\"field-name-body\" style=\"text-align: justify;\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Kurz und s\u00fc\u00df \u2013 es w\u00e4re auch als Zitat m\u00f6glich, die Wendung kommt im Buch vor \u2013 kann man angesichts der dahineilenden Stunde die Lekt\u00fcre dieser Gedichte nennen, wenn es auch dann doch wohl etwas (sic) zu kurz greift. Nein, das schmale Kompendium, das Sybille Klefinghaus mit \u201eder augenschule blau\u201c vorlegt, hat durchaus einige G\u00e4nge in die Tiefe, mancher still verlegt, wie in einem pharaonischen Grab, wo man angesichts der Wandmalereien die Wege ins Allerheiligste nicht sieht.<\/p>\n<p>Auch wenn man zuweilen w\u00fcnschte, eben jene Schritte in die Tiefe w\u00e4ren etwas ausformulierter, ist die Sammlung in drei Zyklen ein lesbares St\u00fcck Literatur, wie aus Mariengarn, aus den Fl\u00fcgelschl\u00e4gen von Kolibris gemacht. Es weht und surrt ein bisschen, die Zellenverdichter der Verse heulen kurz auf, ehe sie verstummen, das n\u00e4chste Blatt f\u00fcr die n\u00e4chste schmalversige Miniatur f\u00e4llig wird \u2013 \u201eseltsam, aber es war so\u201c, es ist die merkw\u00fcrdig flackernde Stille dieser Gedichte, die anfasst.<\/p>\n<p>So ist \u201eunter den br\u00fccken\u201c die \u201egegend stark ramponiert\u201c, und auch die Fleischgegenden ramponiert es, denn in dem Zartgebilde geht es anders zu als in einem Kleinod \u2013 es setzt Hiebe bis aufs Blut, und dieses Krawummen der Dinge wirkt trotzdem fein gewebt, eine Kritik an den Umst\u00e4nden, wo sich jeder den Bl\u00f6dsinn von seinem Vorg\u00e4nger abguckt, um dann ebenso ein verlorenes Faktotum der Epoche zu sein, die, man sieht ja inzwischen genauer, eben unter die Br\u00fccke f\u00fchrt. Quod erat \u2026<\/p>\n<p>Es ist dieser Hebungs- und Blickeprall, der das Gespinst der Klefinghaus\u2019schen Lyrik der \u201eaugenschule\u201c umtreibt. Der Zucker der kurzen Wege ist eben in den Gr\u00fcnden leicht bitter getr\u00e4nkt. Das \u201eEo ipse\u201c der auf den Oberfl\u00e4chen entlangstreifenden Belanglosigkeit bildet dabei Reibfl\u00e4che und Verf\u00fchrung der \u201eblauen\u201c Gebilde, die das Auge, die Standleitung in den Solarplexus der Dichter, erfasst. Klefinghaus metaphert schmal, doch oft hart b\u00fcndig, dass man sich die inneren Augen reibt.<\/p>\n<p>Die Wahrheit ist es, um die gerungen wird, auch wenn sie die Einzelne, die Sprecherin dieser Texte, mit den anderen in zwei Gruppen zerrei\u00dft (Seite 66, ausgerechnet) \u2013 oder aber eine Eselsohrfeige vom Baum der Erkenntnis rupft, mit dem Effet, dass eben diese ausbricht und zudem die Nebenerkenntnis, wie einfach alles h\u00e4tte sein k\u00f6nnen, schwelte sie doch die ganze Zeit in den Taschen, die nun von den Leibern gefetzt werden \u2026 aber soweit kommt es nicht. Das Ger\u00e4usch der F\u00fc\u00dfe st\u00f6rt.<\/p>\n<p>Es ist dies der fortw\u00e4hrende Laut, behauptet die Sprecherin dieser Gedichte, der die Erde in Gang h\u00e4lt. So sind die Letternblitze dieses Bands wie das Aufleuchten ver\u00e4nderlicher Sterne, verborgener gar \u2013 man ahnt um sie, man sieht sie oft erst im Moment ihres Wieder-Verl\u00f6schens, ihres Sich-Wegdrehens unter der Kr\u00fcmmung des Blickraums, eine Spielart, scheint es, erleuchteter Leere. Ein gediegenes, ein anst\u00e4ndiges, ein zuweilen l\u00f6ckendes, wenn auch kein allzu aufregendes Buch.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<div class=\"views-field views-field-title\" style=\"text-align: justify;\"><span class=\"field-content\"><strong>der augenschule blau<\/strong>, von <span class=\"views-field views-field-field-buch-medium-autor\">Sibylle Klefinghaus.\u00a0<\/span><\/span><span style=\"letter-spacing: 0.05em;\">Lyrikedition 2000,\u00a0<\/span><span class=\"views-field views-field-field-buch-medium-jahr\"><span class=\"field-content\">2015<\/span><\/span><\/div>\n<div><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/augenschule_Cover.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-74675 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/augenschule_Cover-219x300.jpg\" alt=\"\" width=\"219\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/augenschule_Cover-219x300.jpg 219w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/augenschule_Cover-260x356.jpg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/augenschule_Cover-160x219.jpg 160w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/augenschule_Cover.jpg 280w\" sizes=\"auto, (max-width: 219px) 100vw, 219px\" \/><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong> Lesen Sie auch das KUNO-Portr\u00e4t des Lyrikers Andr\u00e9 Schinkel.<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> Poesie z\u00e4hlt f\u00fcr KUNO weiterhin zu den identit\u00e4ts- und identifikationstiftenden Elementen einer Kultur, dies bezeugte auch der Versuch einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25630\">poetologischen Positionsbestimmung<\/a>.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Kurz und s\u00fc\u00df \u2013 es w\u00e4re auch als Zitat m\u00f6glich, die Wendung kommt im Buch vor \u2013 kann man angesichts der dahineilenden Stunde die Lekt\u00fcre dieser Gedichte nennen, wenn es auch dann doch wohl etwas (sic) zu kurz greift.&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/09\/05\/lyrik-der-augenschule\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":40,"featured_media":99806,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[794,744],"class_list":["post-74670","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-andre-schinkel","tag-sibylle-klefinghaus"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/74670","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/40"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=74670"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/74670\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":99858,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/74670\/revisions\/99858"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/99806"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=74670"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=74670"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=74670"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}