{"id":74099,"date":"2003-12-07T00:01:22","date_gmt":"2003-12-06T23:01:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=74099"},"modified":"2022-12-11T21:32:04","modified_gmt":"2022-12-11T20:32:04","slug":"verwunschen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2003\/12\/07\/verwunschen\/","title":{"rendered":"Verwunschen"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Institut war untergebracht in einer Gr\u00fcnderzeit-Villa mit drei Stockwerken. Auf den ersten Blick ein romantisches Haus, auf den zweiten total verbaut: es gab eine idiotisch breite Treppe im Eingangsbereich, die die halbe Etage einnahm. Auf ihr h\u00e4tte der halbe Fachbereich Platz gefunden. Die \u00fcbrigen Zimmer waren entweder repr\u00e4sentativ und dekorativ \u00fcberfrachtet oder winzig klein, einige waren durch nachtr\u00e4glich installierte Zwischenw\u00e4nde reduziert auf eine unpraktische L-Form. Manche hatten sogar T-Form, J-Form oder sogar X-Form. Ein Garten und ein als Abstellkammer \u201egenutzter\u201c Wintergarten, mit staubverklebten, fast undurchsichtigen Scheiben, komplettierten das Gesamtbild.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Au\u00dfer mir und Prof. Heckmann, der damals wie ein Vater f\u00fcr mich war \u2013 ein sachlich distanzierter, sehr zur\u00fcckgenommener Vater freilich -, gab es noch Gus, der schon vor einigen Jahren abgeschlossen hatte, sich aber nichts Besseres vorstellen konnte und sich von Werkvertrag zu Werkvertrag hangelte. Nikolai Topoi aus Morlunsk, Mareike Caspari aus Faburg, Karl Banks aus England, Ommpapa, ein Mann indianischer Abstammung, die wie ich zu Heckmanns Diensten standen, sowie E5, ein Roboter von Santa-Anna-Centauri, und Petra, seine Sekret\u00e4rin, die es schaffte, gleichzeitig verschlafen und besch\u00e4ftigt zu wirken. Diese kleine geschlossene Welt zog mich sofort in ihren Bann. Voil\u00e1, dachte ich, Hier kannst Du bleiben!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Meine erste Begegnung mit Heckmann war vor f\u00fcnf Jahren gewesen, in einer seiner Vorlesungen, das hei\u00dft: er sprach, ich sa\u00df im Publikum.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier begegnete ich auch Mareike Caspari zum ersten Mal. Als ich mich durch die Reihen schob, um einen Platz zu suchen, klappte sie den Sitz neben sich herunter und strahlte mich an: \u201eDen habe ich extra f\u00fcr dich freigehalten!\u201c Das war nat\u00fcrlich quatsch, wir kannten uns bisher ja gar nicht; aber ihr Ton klang so selbstverst\u00e4ndlich, als meine sie es vollkommen ernst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eKein Politiker und keine Partei k\u00f6nnen ernsthaft etwas gegen \u201aFreiheit\u2018 und \u201aGerechtigkeit\u2018 haben\u201c, h\u00f6rte ich Heckmann gerade reden: \u201eJede schreibt sich die Begriffe auf die Fahnen und wirft den anderen Parteien vor, \u201aFreiheit\u2018 und \u201aGerechtigkeit\u2018 zu zerst\u00f6ren. Damit soll nichts gegen die Politik gesagt sein, wohl aber gegen die Begriffe, die offenbar so unklar sind, dass unterschiedliche Leute sie jeweils v\u00f6llig anders verwenden und dennoch jeder denkt, das einzig Richtige zu meinen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr die Sozialisten ist \u201aFreiheit\u2018, wie wir wissen, eng mit der Verteilung des Wohlstands verkn\u00fcpft. Nach der materialistischen Lehre ist das Reich der Arbeit das Reich der Notwendigkeit; erst wenn alle Aufgaben erledigt, alle Bed\u00fcrfnisse gestillt sind, ist an Mu\u00dfe, Kunst, Philosophie etc. zu denken. <em>Wohlstand f\u00fcr alle<\/em> und \u201aFreiheit\u2018 gehen Hand in Hand. Aus Sicht <em>westdeutscher<\/em> Linker indes war der Wohlstand offenbar ab den 70er Jahren hinreichend genug verteilt. Denn sie l\u00f6sten sich von den materiellen Fragen und konzentrierten sich auf die kulturelle \u201aFreiheit\u2018, wie wir sie zugespitzt von den Hippies kennen: die \u201aFreiheit\u2018, Sex vor der Ehe zu haben, Drogen zu nehmen, in Parks rumzulungern, Rockmusik zu h\u00f6ren etc. Eine ernsthaftere Seite fand sie in dem Wunsch, den man mit Adorno als <em>ohne Angst verschieden sein zu d\u00fcrfen<\/em> beschreiben kann. \u201aFreiheit\u2018 als die Freiheit, von der Norm der Mehrheitsgesellschaft abzuweichen, egal ob aus religi\u00f6sen, ethnischen, sexuellen, weltanschaulichen oder anderen Gr\u00fcnden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser \u201aFreiheit\u2018 \u00e4hnelt der liberale Begriff der Freiheit, ohne \u00e4u\u00dfere Einschr\u00e4nkungen wie Dogmen oder andere Denkverbote frei denken und diese Gedanken dann nat\u00fcrlich auch ohne staatlichen Bevormundung, Gesetze, Verordnungen etc. leben zu k\u00f6nnen. Diese \u201aFreiheit\u2018 wird h\u00e4ufig auch \u201aindividuelle Freiheit\u2018 genannt, aber das ist irref\u00fchrend, denn nat\u00fcrlich beziehen sich <em>alle Freiheiten<\/em>auf menschliche Individuen; worauf denn sonst? Auf Katzen oder Motorr\u00e4der sicherlich nicht. Dagegen lag f\u00fcr mich der springende Punkt des Liberalismus immer im Begriff des freien Denkens, denn die \u201aFreiheit\u2018 <em>des Freidenkers<\/em> scheint mir vor allem in seiner F\u00e4higkeit zu liegen, von fixen Ideen Abstand zu nehmen, jedoch logisch nachvollziehbar zu bleiben und zu klaren Ergebnissen zu kommen, und das ist, glaube ich, f\u00fcr die meisten Menschen das weitaus gr\u00f6\u00dfere Problem als \u00e4u\u00dfere \u201aDenk\u2018-Verbote.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die meisten anderen Profs h\u00e4tten an dieser Stelle ihres Vortrags eine kurze Pause gemacht, um abzuwarten, wie diese Spitze wirkte. Nicht Heckmann. Er redete einfach weiter, als interessierten ihn die Reaktionen nicht. Nur Mareike Caspari schaute mich an und spitzte die Lippen zu einem Ausdruck wie: nicht-\u00fcbel, hmmm?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eIn diesem Sinne, m\u00fcssen wir zwischen einem <em>wirtschafts-liberalismus<\/em> und einem, ich nenne es mal, <em>intellektuellen Freidenkertum<\/em> unterscheiden, wie wir uns leicht klarmachen k\u00f6nnen. Bei den Wirtschaftsliberalen meint \u201aFreiheit\u2018 h\u00e4ufig blo\u00df die Freiheit, die Verwertungsoptionen der Investitionen optimal aussch\u00f6pfen zu k\u00f6nnen. Diese k\u00f6nnen ihrerseits dogmatischen Charakter annehmen, zum Beispiel wenn man den privaten Verwertungsinteressen <em>prinzipiell <\/em>den Vorrang vor \u00f6ffentlichen G\u00fctern einr\u00e4umt, obwohl ein Freidenken, zumindest dem Wortsinn nach, beiden Seiten gegen\u00fcber offen sein sollte, also je nach Lage der Dinge den \u00f6ffentlichen Institutionen genauso gut einen Vorrang einr\u00e4umen k\u00f6nnte. Wie auch immer man zu dieser Frage steht, k\u00f6nnen wir zumindest feststellen, dass auch hier deutliche Unterschiede in der Auffassung von \u201aFreiheit\u2018 bestehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Insofern die konservativen Parteien den wirtschafts-liberalen nahestehen, sind auch ihre Freiheitsbegriffe \u00e4hnlich. Etwas anderes ist es, wenn wir die reaktion\u00e4ren, autorit\u00e4ren und nationalistischen Parteien betrachten. Es ist auff\u00e4llig, dass gerade die autorit\u00e4ren Parteien besonders h\u00e4ufig von \u201aFreiheit\u2018 sprechen, und entgegen aller Logik existieren augenscheinlich zahlreiche Menschen, die sich ausgerechnet in extrem unfreien Gesellschaften \u201afrei\u2018 f\u00fchlen. Ich kann mir das nur so erkl\u00e4ren, dass sie sich in einer Gesellschaft, die gem\u00e4\u00df ihrer Bed\u00fcrfnisse reglementiert ist, freier f\u00fchlen als in einer offenen Gesellschaft; weil es bei ihnen keine fremden Freiheiten gibt, die sie begrenzen. Zudem erscheinen in homogenen Gesellschaften viele Dinge selbstverst\u00e4ndlich, \u00fcber die man sich sonst \u201aeinen Kopf\u2018 machen m\u00fcsste. Dass das ein angenehmes Gef\u00fchl ist, brauche ich ihnen, denke ich, nicht zu erkl\u00e4ren; wobei man eben auf neue Erfahrungen verzichtet, die den Horizont erweitern k\u00f6nnten &#8211; und freilich f\u00fchlt man sich auch nur so lange \u201afrei\u2018, wie man mit der homogenen Mehrheit konform geht, also die unangenehme Erfahrung der Unfreiheit gar nicht machen kann. Dagegen w\u00fcrde ich Rosa Luxemburg zustimmen, dass wahre \u201aFreiheit\u2018 immer die des Anders-denkenden ist. Es gibt allerdings, wenn wir die Anh\u00e4nger der rechten Parteien, ernst nehmen, durchaus eine Disposition, sich innerhalb autorit\u00e4rer Regimes \u201afrei\u2018 zu f\u00fchlen \u2026 also, \u201afrei\u2018 hier eher im Sinne von: sich seiner Sache fraglos sicher sein \u2026 ja, auch das schafft ein Gef\u00fchl von Freiheit, liebe Studenten, da m\u00fcssen sie gar nicht lachen \u2026, das kennen sie doch alle von sich selber, wenn sie sich in vertrauter Umgebung ungezwungen f\u00fchlen \u2026 so viel Verst\u00e4ndnis sollte man im Soziologe-Studium<em> f\u00fcr den politischen Gegner <\/em>schon aufbringen \u2026\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich war fasziniert! Heckmanns Sympathien galten ganz offensichtlich der materiellen und der kulturellen Freiheit. Doch als Professor gab er sich M\u00fche, <em>alle <\/em>Positionen angemessen darzustellen, und selbst die der <em>d\u00e4mlichen Rechten<\/em> nicht durch den Kakao zu ziehen, sondern <em>gerecht<\/em> zu pr\u00e4sentieren. Wobei es ihm, wie mir ebenfalls bald klar wurde, gar nicht um die \u201eFreiheit\u201c <em>an sich<\/em>ging, sondern um die <em>Vieldeutigkeit idealistischer Begriffe, <\/em>f\u00fcr die \u201eFreiheit\u201c eben <em>nur ein Beispiel<\/em> war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eWir k\u00f6nnten in \u00e4hnlicher Weise den Begriff der \u201aGerechtigkeit\u2018 durchdeklinieren\u201c, fuhr er n\u00e4mlich fort: \u201eAuch hier gibt es verschiedene Auffassungen. Oder mit \u201aVertrauen\u2018, \u201aSicherheit\u2018, \u201aErfolg\u2018, \u201aRespekt\u2018, jeder dieser Begriffe l\u00f6st bei fast jedem von uns starke Gef\u00fchle aus, aber vermutlich denkt gleichzeitig jeder von uns an etwas v\u00f6llig verschiedenes. Was ich ihnen zeigen m\u00f6chte, ist folgendes: wir Reden aneinander vorbei, wenn wir solche Begriffe gebrauchen, weil diese Begriffe in einem <em>hohem Ma\u00dfe inhaltlich unbestimmt <\/em>sind. Zugleich bringen sie unser Blut in Wallung, so dass wir uns je nach Lage entweder an die Gurgel gehen oder seelenverwandt f\u00fchlen, in beiden F\u00e4llen aber auch nicht klarer sehen. Es w\u00e4re besser, wir w\u00fcrden sie vergessen und nie wieder verwenden. Wenn wir indes versuchen, die Begriffe gemeinsam zu definieren, k\u00f6nnen wir genauso gut gleich \u00fcber das reden, was wir konkret wollen; dann brauchen wir die Begriffe ebenfalls nicht. Es gibt also keinen Grund, ja es ist nicht einmal klug, solche Begriffe zu verwenden. Ich bin sicher, dass mein Konzept der <em>rationalen Politik <\/em>das in jeder Hinsicht praktischere, erfolgreichere und auch f\u00fcr den Menschen gl\u00fccklichere Konzept ist! Die rationale Politik verzichtet auf idealistische Begriffe! Die rationale Politik ist strikte Sachpolitik. Die rationale Politik ist das Konzept der Zukunft &#8211; oder es gibt keine Zukunft.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er stie\u00df seinen Stapel Manuskriptpapier auf dem Rednerpult plan, um es in seiner Aktentasche verschwinden zu lassen. Kurz und b\u00fcndig, dachte ich. Pl\u00f6tzlich hatte er es scheinbar eilig, den H\u00f6rsaal zu verlasen. Und: lustig, dass er einen offenbar idealistisch motivierten Vortrag gegenidealisch besetzte Begriffe hielt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter &#8211; inzwischen hatte ich das Studium erfolgreich hinter mich gebracht und mit Diplom abgeschlossen \u2013 traf ich Mareike wieder. Wir arbeiteten zusammen in Heckmanns Institut f\u00fcr <em>rationale Politik.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir versuchten, die inhaltlich d\u00fcrftige, aber krass aufgemotzte Sprache der Politiker auf klare Anweisungen f\u00fcr staatliche Institutionen runterzubrechen. Aus: \u201eLeistung f\u00fcr alle\u201c, \u201eWir haben die Erde von unseren Kindern nur geborgt\u201c, \u201eDeutschland muss sich wieder lohnen\u201c, \u201eB\u00e4ndigt den Raubtierkapitalismus\u201c, und: \u201eWir d\u00fcrfen die Zukunft nicht verpassen\u201c, wurden in unseren klugen, geschickten H\u00e4nden: Zugangsregeln in die Sozialversicherungen, Lehrpl\u00e4ne zur intersubjektiven Verst\u00e4ndigung, Wehrpflicht f\u00fcr Arbeitslose, Subventionen virtueller Energiequellen, eine Arbeitsgruppe zur \u00f6kologischen Au\u00dfenpolitik, mehr Geld f\u00fcr die Polizei, weniger Geld f\u00fcr die Polizei, Steuern auf Geldw\u00e4sche, L\u00fcgendetektoren an U-Bahneing\u00e4ngen, k\u00fcnstliche Intelligenzen f\u00fcr Beh\u00f6rden, ein neuer Studiengang f\u00fcr Abgasfilter, Freigabe harter Drogen und was man sich an Ma\u00dfnahmen sonst noch alles so vorstellen konnte \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Heckmann wollte das Handeln des Staates rein technisch betrachten, im Hinblick auf Zwecke, Mittel und Wirkungen, so wie man das Handeln <em>irgendeiner Organisation <\/em>betrachtet, einer Autofabrik oder einer Reha-Klinik. Sodann lie\u00dfen sich ihre Zwecke bestimmen, Kosten und Nutzen der Mittel untersuchen, sowie schlie\u00dflich die Wirkungen beobachten, gew\u00fcnschte und unerw\u00fcnschte Nebeneffekte. Kurzum: Die Politik sollte \u00fcberpr\u00fcfbar, kritisierbar, messbar werden. Wir standen in der Tradition der amerikanischen Pragmatisten des 19ten Jahrhunderts und sahen Politik als offenes Experimentieren im gesellschaft\u00adlichen Feld, oder wie Nietzsche es sagte: \u201eDas ganze Leben ist ein Experiment des Erkennenden!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Freilich war die Politik keine harte Wissenschaft. Die Variablen lie\u00dfen sich nur unzureichend kontrollieren, Ausgangslage wie Ergebnisse lie\u00dfen sich nicht ohne weiteres in messbare Daten \u00fcbersetzen, und es gab auch keine Vergleichsgruppen. Es war also eine gewisse statistische Gro\u00dfz\u00fcgigkeit n\u00f6tig, zum Beispiel wenn man den Preis polizeilicher \u00dcberwachung mit dem Gewinn f\u00fcr die Verbrechensbek\u00e4mpfung gegenrechnete, um einen goldenen Mittelweg zu finden, wobei die Kosten f\u00fcr die Lebensqualit\u00e4t ebenfalls indexiert werden mussten. Freilich gab es verschiedene Priorit\u00e4ten, wie hoch man das eine oder das andere sch\u00e4tzte und was man als <em>noch verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig<\/em>akzeptierte. Auch musste man davon ausgehen, dass Probleme unterirdisch weiterwucherten und an unerwarteter Stelle neue Bl\u00fcten hervorbrachen. So konnte die Kriminalit\u00e4t aus den St\u00e4dten in die Vororte wandern, oder \u2013 noch perfider \u2013 aus der \u00d6ffentlichkeit in die Privatsph\u00e4re, zum Beispiel als Gewalt in der Ehe. Das alles musste ber\u00fccksichtigt werden. Wir kamen also an kein Ende, wenn wir politisches Handeln beobachteten und bewerteten, und es war immer auch eine Frage des Gef\u00fchls, wann ein Thema hinreichend gut durchgeknetet war und wir, wie wir sagten, <em>ergebnissatt <\/em>waren. Aber es konnte zumindest niemand behaupten, die politischen Ma\u00dfnahmen w\u00e4ren wirkungslos, wenn sie in Wirklichkeit starke Folgen hatten &#8211; und dazu noch ein paar unerw\u00fcnschte Nebeneffekte &#8211; oder umgekehrt, sie w\u00e4ren h\u00f6chst effektiv, wenn sich tats\u00e4chlich gar nichts tat oder die Probleme lediglich ihre \u00e4u\u00dfere Erscheinung \u00e4nderten, vom Zentrum in die Peripherie wanderten oder dialektisch in eine andere Qualit\u00e4t umschlugen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mussten wir hart arbeiten im Institut? Das war Ansichtssache. Wir arbeiten von morgens um acht bis abends 18 Uhr. Aber die Arbeit machte uns Spa\u00df. Es ging ja nicht nur darum, am Computer Zahlenkolonnen zu verarbeiten und Indexe zu aggregieren; wir exzerpierten auch Interviews, codierten Beobachtungen und interpretierten alles M\u00f6gliche, Zeitungsartikel, Internetblogs, ja sogar Groschenromane. Wir suchten nach \u00fcbergeordneten Mustern in der Kriminalit\u00e4tsstatistik, bauten Stadtmodelle aus Holz und simulierten Ghettobildungen mit Spielsteinen. Wir konstruierten in Hand\u00adarbeit eigene Typologien und beobachteten mit ihnen Restaurantbesucher, wir dekonstruierten Biographien, zeichneten Diagramme \u00fcber die gesamte Zimmerwand und verglichen Automodelle aus den 1970er Jahren mit den zeitgen\u00f6ssischen Modellen. Das war eine lustige Besch\u00e4ftigung, und wir waren kleine Nerds, die eh nichts Besseres zu tun hatten. Jeder war mit seinen Aufgaben besch\u00e4ftigt, und wir trafen uns nur kurz, zum Rauchen oder zum Kaffee kochen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einmal ging ich nach der Arbeit mit zu Mareike Caspari. Sie packte einen Klumpen Hasch raus und wollte ihn gerade zerbr\u00f6seln, als sie mein Gesicht bemerkte. Drogen und die Arbeit im Institut hatten sich f\u00fcr mich stets wie selbstverst\u00e4ndlich ausgeschlossen, und so muss ich wohl auch geguckt haben, denn: \u201eNach einem Joint erfasse ich zehn Seiten Text auf einen Blick\u201c, erkl\u00e4rte sie sich und f\u00fcgte dann: \u201eAber es schmeckt auch lecker\u201c mit ironischer Beil\u00e4ufigkeit hinzu. Sie packte das Hasch wieder weg. Am Ende landeten wir auch so in ihrem Bett.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ihre Haut war schneewei\u00df. Ich war \u00fcberrascht, wie k\u00fchl sie sich anf\u00fchlte, ich meine nicht gef\u00fchlskalt, ganz im Gegenteil, unsere Liebe war leidenschaftlich, sondern angenehm, wohltuend, in der ganzen Nacht floss kein Tropfen Schwei\u00df. Es war, als l\u00e4ge ihre normale K\u00f6rpertemperatur einfach zwei, drei Grad unter der aller anderen Menschen. Unser Sex war erfrischend, wie ein Bad im Gardasee.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nat\u00fcrlich war Kai-Uwe Heckmann nicht der Meinung, man k\u00f6nne wissenschaftlich eine objektiv richtige Politik beweisen. So etwas Dummes w\u00fcrde der Soziologe, der auch in Philosophie promoviert war, nie sagen. Wir sa\u00dfen an einem hei\u00dfen Sommertag im Garten der Instituts-Villa. Der Vormieter hatte an der Seitenwand des gro\u00dfen Seminarraums &#8211; ein stuckverzierter Saal mit einem ollen Teppich, aber Glast\u00fcren zur Terrasse &#8211; aus handlackierten Brettern einen Tresen gezimmert, und aus Treue f\u00fcllten wir den K\u00fchlschrank immer wieder auf. Ein Freund bei dem ich bisher gewohnt hatte, hatte mich rausgeworfen &#8211; eigentlich war er gar kein Freund. Ich konnte ihn von Anfang an nicht leiden, aber das wusste er nicht, und als ich es ihm eines Tages sagte, gab er mir noch drei Tage Frist zum Ausziehen \u2013, und ich quartierte mich mit Schlafsack und Isomatte im Institut ein. Heckmann erkl\u00e4rte mir offiziell, dass das eigentlich nicht ginge, schien es daraufhin aber zu dulden, solange wir beiden so taten, als mache ich es heimlich und als w\u00fcsste er davon nichts.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Normalerweise waren wir diszipliniert genug, uns nicht am mit Bier gef\u00fcllten K\u00fchlschrank zu vergreifen, aber wir waren vor Hitze total bezumni und das Bier ging uns den Hals runter wie \u00d6l. Auch Heckmann entschloss sich, heute mal locker zu sein, und erg\u00f6tzte sich an einer Anekdote \u00fcber Kant, die er zu\u00a0 Besten gab. \u201eImmanuel Kant\u201c, begann er: \u201eDer Meisterdenker der praktischen Vernunft, der sein Leben den Regeln der Erkenntnis gewidmet hat, lebte in seinem Haus mit seinem Diener Lampe. Kant meinte, dass sich zu viele Insekten in seinem Zimmer sammelten, und so gab er Lampe die Anweisung, niemals die Fenster zu \u00f6ffnen. Kant meinte n\u00e4mlich, die Insekten k\u00e4men durch das offene Fenster. Lampe, der Diener, indes meinte, Insekten hin, Insekten her, auch <em>dieses <\/em>stickige Haus muss regelm\u00e4\u00dfig gel\u00fcftet werden, verdammt nochmal, da gibt es keine Diskussion, und bevor er sich mit seinem Chef \u2013 der, wie gesagt, immerhin Autor der damals schon ber\u00fchmten \u201aKritik der praktischen Vernunft\u2018 war \u2013 stritt, l\u00fcftete er einfach in der Mittagszeit, wenn Kant au\u00dfer Haus war. Wie wir wissen, war Kant extrem p\u00fcnktlich, die K\u00f6nigsberger konnte nach seinen Gewohnheiten die Uhr stellen. Die Anzahl der Insekten d\u00fcrfte jedenfalls nicht sonderlich gestiegen sein. Denn Kant hat davon nie etwas gemerkt.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Heckmann spulte sich in dieser schlichten Anekdote voll auf, es war einfach seine Art im Kreis seiner Studenten die Sau rauszulassen: \u201eEs gibt nur zwei Variablen, und die sind auch noch bin\u00e4r codiert! Zwei Variablen und zwei Zust\u00e4nde (Fenster auf, Insekten da; \/ Fenster auf, Insekten weg; \/ Fenster zu, Insekten da; \/ Fenster zu, Insekten weg), das ist die einfachste mathematische Funktion, die man \u00fcberhaupt denken kann! Noch weniger, und es ist gar keine Funktion mehr! Immanuel Kant, der 1780 die <em>M\u00f6glichkeiten und Grenzen rationaler Erkenntnis<\/em> durchdacht hat wie kein zweiter<em>, <\/em>entwickelt bei der einfachst-denkbaren Funktion eine v\u00f6llig falsche Theorie!!! Wenn das kein Witz ist! Hahahaha!!!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wieviel mehr m\u00fcssen sich dann nicht wir vom Institut f\u00fcr rationale Politik irren, die wir es mit einer Unzahl von Variablen zu tun haben, deren Zust\u00e4nde sich nur schwer definieren lassen, und die selbst nur eine Auswahl aus einer viel gr\u00f6\u00dferen \u00dcberzahl theoretisch m\u00f6glicher Variablen darstellen? \u2013 wir lachten, wir waren gut drauf, Heckmann gab noch ein paar satirisch zugespitzte Geschichten von sich, die Sonne ging unter, aber der Rasen, die steinernen Mauern, der eiserne Tor und die Gartenm\u00f6bel gl\u00fchten noch von der aufgestauten Hitze eines hei\u00dfen Tages, wir hatten einen solchen Durst, wir mussten das k\u00fchle Bier uns nur an den Hals setzen &#8211; schon war es leer &#8211; und so tranken wir den ganzen K\u00fchlschrank aus und wankten kurz nach Mitternacht in unsere Betten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDas Institut irrt!\u201c, das war nat\u00fcrlich ein krasses Understatement, zumal es sich auf den gro\u00dfen Kant bezog, dessen Verdienste ja trotz der drolligen Insekte-Sache unangefochten blieben. Es lag aber auch ein Aufruf zur Bescheidenheit darin. Tats\u00e4chlich versuchte Heckmann nie, mit seinen Forschungsergebnisse eine bestimmte Richtung zu forcieren. Heckmann wollte keine wissenschaftlich legitimierte Politik, schon gar nicht in Konkurrenz zu einer durch Wahlen legitimierten Politik, keine unfehlbaren Philosophenk\u00f6nige wie Platon, keine Expertokratie. Niemals ging es ihm darum, die Macht irgendeiner Partei oder eines Politikers durch die Erkenntnisse des Instituts zu erh\u00e4rten, die herrschende Macht durch die wissenschaftliche Autorit\u00e4t weiter zu verst\u00e4rken. Andrerseits ging ihm aber auch nicht darum, einzelne Politiker zu entlarven, auch wenn das Erscheinen des allj\u00e4hrlichen \u201eHeckmann-Reports\u201c von vielen mit \u00c4rger erwartet wurde. Heckmann hatte \u00fcberhaupt nichts Gr\u00f6\u00dfenwahnsinniges an sich. Eher ging es ihm um eine Art erkenntniskritischer Kultur, die er im Feld der Politik f\u00f6rdern und verbreiten wollte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gleichwohl h\u00e4tte er sich nat\u00fcrlich gefreut, h\u00e4tte ein Politiker oder eine Partei ihn mal um Rat gefragt, nein, andersherum: gewiss war er sehr entt\u00e4uscht, dass dies nicht geschah. So beschr\u00e4nkte sich seine \u00f6ffentliche Wirkung auf den j\u00e4hrlichen \u201eHeckmann-Report\u201c und die Medien. Wobei sein Konzept einer n\u00fcchternen, klaren und vor allem \u00fcberpr\u00fcfbaren Sprache freilich auch die Medien <em>beherzigen <\/em>sollten. Wir schlugen morgens die Zeitung auf \u2013 und uns mit der flachen Hand gegen die Stirn: \u201eOuh ouh ouh, wie krank ist das denn?! \u201aDie B\u00fcrger sollen das Vertrauen in die Energiekonzerne wiederfinden!\u2018\u201c (Es war im Grunde egal, welche Zeitung auf welcher Seite, fast immer fand man einen solchen Satz, <em>der nach den Kriterien rationaler Politik unhaltbar<\/em> war.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eWas ist falsch an diesem Satz, Mareike?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eEigentlich sind es nicht die B\u00fcrger, sondern die Energiekonzerne, die verlorenes Vertrauen zur\u00fcckgewinnen m\u00fcssten\u201c, entgegnete sie trotzig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Heckmann wies sie zurecht: \u201eNein, darum geht es nicht! Wir kritisieren <em>die Form<\/em> der Aussage, nicht ihren Inhalt! Und selbst wenn, d\u00fcrften Sie das so ad hoc auch nicht be\u00adhaupten. Wom\u00f6glich haben die B\u00fcrger den Energiekonzernen ihr Vertrauen ja<em> zu Unrecht <\/em>entzogen. Dieter?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDer Begriff des \u201aVertrauens\u2018 ist inhaltlich unpr\u00e4zise und emotional aufgeladen\u201c, antwortete ich streberhaft: \u201eDenn was hei\u00dft das genau, \u201aVertrauen wir den Energiekonzernen\u2018? &#8211; dass sie uns regelm\u00e4\u00dfig mit Strom beliefern: Ja, auf jeden Fall. Dass sie keine getarnten Waffenfabriken betreiben: das auch, w\u00fcrde ich sagen! Dass sie f\u00fcr den Umweltschutz auf Profite verzichten w\u00fcrden? Nein, das sicherlich nicht. Doch dass Sie die Gesetze zur Reaktorsicherheit beachten, auch wenn gerade keine \u00dcberpr\u00fcfung ins Haus steht \u2026, uuuh, das hoffe ich zumindest! Dass sie bei der Abrechnung nicht mogeln, dass sie auf Arbeitssicherheit Wert legen, hmm, irgendwie schon, aber drauf verlassen m\u00f6chte ich mich nicht. Es ist also kom\u00adpliziert; aber so differenziert muss man den Begriff zerlegen, damit der Satz eine sinnvolle Bedeutung bekommt, die der pauschale Begriff des \u201aVertrauens\u2018 blo\u00df erschl\u00e4gt\u00a0 \u2026\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eRichtigrichtigrichtigrichtig\u201c, unterbrach er mich ungeduldig: \u201eUnd was bedeutet das f\u00fcr unsere Arbeit, Banks?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eWir m\u00fcssen den Begriff des \u201aVertrauens\u2018 operationalisieren, zun\u00e4chst die Erwartungen an die Energiekonzerne definieren, und diese dann in legitime und abwegige Erwartungen unterscheinen; sodann k\u00f6nnten wir untersuchen, welche technischen und \u00f6konomischen Spielr\u00e4ume die Konzerne haben und welche Erwartungen sie sich zu eigen machen; schlie\u00dflich m\u00fcssten wir untersuchen, wie sie ihre Spielr\u00e4ume nutzen und was sie davon an die Menschen zur\u00fcck kommunizieren!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Utopie bestand in einer Welt, in der die Politiker in ihren Statements Problemdefinitionen vorschlugen, Ma\u00dfnahmen zur Diskussion stellten und schlie\u00dflich die Ergebnisse auswerteten. Das alles ganz ruhig und sachlich, ohne sich k\u00fcnstlich aufzuregen, den politischen Gegner zu beschimpfen oder vorm Untergang der zivilisierten Welt oder der Invasion der Barbaren zu warnen. Die rationale Politik war f\u00fcr Heckmann also auch eine entspannte Politik. Eine Politik freundlicher Fachleute, die zwar f\u00fcr bestimmte Richtungen standen, ihre weltanschaulichen Pr\u00e4ferenzen aber der Wahrheit unterordneten. Die ihre Projekte zwar leidenschaftlich pr\u00e4sentierten, dabei auch einr\u00e4umten, wenn sie nicht den gew\u00fcnschten Effekt brachten &#8211; oder bereits ihre Problemdefinition nicht stimmte. Ohnehin waren einzelne Personen in einer solchen Politik nicht so wichtig: zwar waren die verschiedenen Programme verschiedenen Personen zugeordnet, der Moosbacher-Plan, das Heidemarie-Martin-Konzept, die f\u00fcr diese Programme standen und sie vertraten; aber ihre politische Existenz stand und fiel nicht mit der Anwendung ihrer Programme. Eher galt es als ehrenhaft, eine intellektuelle Redlichkeit zu zeigen, gut im Stoff zu stehen und sowohl Umsetzung wie Evaluation der Programme selbstkritisch zu begleiten. Das war freilich keine sonderlich schillernde Angelegenheit, man konnte damit keine Bierzelte f\u00fcllen, keine Massen auf der Stra\u00dfe begeistern. Politische Reden, die Heckmann sich w\u00fcnschte, \u00e4hnelten eher Power-Point-Pr\u00e4sentationen oder Uni-Referate. Heckmann w\u00fcnsche sich politische Debatten, spotteten Kritiker, wie Soziologie-Seminare. Geschenkt. Denn das musste nicht schwieriger sein als der bisherige Stil, meinte Heckmann: die Pr\u00e4sentationen lie\u00dfen sich zug\u00e4nglich gestalten, man konnte kleine Filme dazu produzieren, die Informationen leicht verst\u00e4ndlich aufbereiten. Wom\u00f6glich war das f\u00fcr die Beteiligten sogar weniger anstrengend als die st\u00e4ndigen Polarisierungen und aufgeputschten K\u00e4mpfe? Und der W\u00e4hler \u2013 auch er m\u00fcsste sich besser informieren; aber er bek\u00e4me daf\u00fcr klare Informationen serviert, mit denen er arbeiten und abw\u00e4gen k\u00f6nnte, w\u00e4hrend er sich jetzt absurde Schlammschlachten anschauen und relevante Informationen auf einem Berg Ideologien destillieren und zusammenklauben musste. Auch mit diesem Modell g\u00e4be es zwar Wahlk\u00e4mpfe, gingen die Politiker auf Tournee, aber sie w\u00fcrden kluge Vortr\u00e4ge halten anstatt Stimmungen zu verbreiten. Auch w\u00e4re dar\u00fcber nachzudenken, ob man \u00fcberhaupt lieber \u00fcber Programme abstimmt als \u00fcber Parteien. In einer Zeit, in der sich ausgerechnet Greiner Phillips als der gr\u00f6\u00dfere Demokrat pr\u00e4sentiert, weil er fast 80% der Stimmen erhalten hat, w\u00e4hrend er von allen anderen als Diktator gesehen wird, ist es wom\u00f6glich an der Zeit, \u00fcber Besseres als das Mehrheitswahlrecht nachzudenken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das alles hatte sich Heckmann sch\u00f6n ausgedacht, aber so kam es nicht. Denn mit seiner rationalen Politik zog neben der Vernunft au\u00dferdem auch noch ein k\u00fchler technischer Ton in die Diskussionen, der einigen nicht behagte. \u201eDie Politik orientiert sich mehr an Zahlen als an Menschen\u201c, lautete der zentrale Vorwurf, der witzigerweise zuerst von den Linken erhoben wurde, die doch sonst die Wissenschaft auf ihrer Seite w\u00e4hnten: \u201eIhr k\u00f6nnt doch das Schicksal der Armen und Ausgesto\u00dfenen nicht mit solchen kalten, technizistischen Begriffen beschlie\u00dfen!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich war bei der Diskussion im Fernsehen dabei, als Heckmanns Niedergang seinen Anfang nahm. Der Moderator reichte das Mikrophon ins Publikum, und ein Mann sagte: \u201eDas ist ja alles sch\u00f6n und gut, aber sie reden die ganze Zeit von Organisation und Verwaltung. Mir ist ihr Ansatz viel <em>zu b\u00fcrokratisch.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Heckmann antwortete sachlich besonnen: \u201eNun, \u201ab\u00fcrokratisch\u2018 ist ja bekanntlich ein Schimpfwort. Wenn man es allerdings neutral sieht, vollzieht sich real-politische Handeln <em>immer <\/em>\u00fcber \u00c4mter und Verwaltungen, anders geht\u2019s gar nicht. In diesem Sinne kann es eine unb\u00fcrokratische Politik nicht geben. Au\u00dfer nat\u00fcrlich die sogenannte Symbolpolitik, die wir aber nicht wollen \u2026\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eWo bleibt denn da der Mensch? Der Mensch soll im Mittelpunkt stehen!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201e\u2018Der Mensch\u2018 ist ein offener Begriff, der sich jeder Definition entzieht\u201c, erkl\u00e4rte Heckmann zugegeben abstrakt, aber durchaus zutreffend. Im Grunde war die Diskussion jetzt bereits verloren, das sp\u00fcrte ich als einen dunklen Stich, w\u00e4hrend ich Heckmann noch reden h\u00f6rte: \u201eWir k\u00f6nnen zu viele verschiedene Daten aus ihm extrahieren, als dass er einen eindeutigen Ma\u00dfstab abgeben k\u00f6nnte. Daten zudem, deren Bedeutungen nicht unmittelbar auf der Hand liegen. Denn mit welchen Daten k\u00f6nnte, um mal irgendein Beispiel zu w\u00e4hlen, <em>Verkehrspolitik<\/em> etwas anfangen? \u2013 Fahrziele, Arbeitszeiten, Reiserouten, Stressfaktoren, Gewohnheiten, alles selektierte Daten, die <em>den ganzen Menschen <\/em>auf seine Rolle des Verkehrsteilnehmers reduzieren. Dabei glauben wir nat\u00fcrlich, dass ein vern\u00fcnftiges Verkehrssystem <em>den Menschen <\/em>zu Gute kommt. Aber im Mittelpunkt der Verkehrspolitik steht niemals der Mensch, sondern immer Autobahnen, Schienennetze, Fahrpl\u00e4ne etc. \u201a.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eAber was spricht gegen eine <em>menschliche Politik<\/em>?\u201c bemerkte ein Mann mit langen Haaren spitz, als wolle er ihn in eine Ecke treiben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201e\u2026 dass der Begriff f\u00fcr eine rationale Planung zu unklar ist\u201c, entgegnete Heckmann geduldig, ohne jeden Hauch S\u00fcffisanz: \u201eDie Menschen sind zu unterschiedlich. Abgesehen von ein paar biologische, anatomische, medizinische Daten, auf die allein sich aber keine politischen Entscheidungen st\u00fctzen lassen, verf\u00fcgen wir \u00fcber gar kein verallgemeinerbares Modell des prototypischen Menschen, und, offen gesagt, halten wir das noch nicht einmal f\u00fcr w\u00fcnschenswert! Denn was ist <em>der Mensch<\/em>? Das ist ja wohl alles andere als klar!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDas ist mir alles zu abgehoben\u201c, erkl\u00e4rte der Mann entwaffnend.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eUnsinn. Rationale Politik schafft eine R\u00fcckkopplung zwischen Politik und Realit\u00e4t, ist also der Versuch, die Politik <em>zu erden<\/em>, das genaue Gegenteil von abgehoben, Wogegen ihr Geschw\u00e4tz vom \u201aMenschen im Mittelpunkt\u2018 luftig und ohne jegliche Anschauung ist, also extrem abgehoben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Nennen Sie mich also bitte nicht abgehoben!<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich m\u00fcsste dann n\u00e4mlich zur\u00fcckfragen: <em>welchen Menschen<\/em> meinen Sie genau, den wir in den Mittelpunkt stellen sollen? Vermutlich werden Sie mir eine Person beschreiben, die so \u00e4hnlich ist wie Sie, nat\u00fcrlich niemand konkretes, sondern ein B\u00fcndel von Merkmalen und Eigenschaften, die wie Ihre sind. Eigentlich wollen Sie, dass die Politik <em>Sie <\/em>in den Mittelpunkt stellt. <em>Sie <\/em>w\u00fcrden <em>sich selber<\/em>zum Ma\u00df aller Dinge machen. Ihre Gesellschaft mit <em>ihrem Menschen <\/em>im Mittelpunkt w\u00fcrde zwangsl\u00e4ufig totalit\u00e4r. Das scheint paradox: eine Gesellschaft, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt, wird unmenschlich, w\u00e4hrend mein rationaler, technisch begrenzter Ansatz die offenere, freiere Gesellschaft erzeugt! Aber so dialektisch muss man denken, wenn man \u00fcber solche Sachen \u2026\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mir war sonnenklar, was er wollte. Seine direkte Ansprache an den Mann sollte nur der Verdeutlichung des Gedankens dienen und war \u2013 selbstverst\u00e4ndlich &#8211; nicht als Beleidigung gemeint. Allerdings wurde mir in der Abstraktion, die das Fernsehstudio erzeugte, ebenfalls schlagartig klar, wie h\u00f6lzern und tapsig er auf andere Menschen wirken musste, die <em>keine Fans <\/em>von ihm waren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eHeckmann muss weg!\u201c skandierten die Leute.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Heckmanns Hauptwidersacher war Klabauter Pistorius, der die Nation mit seiner neuartigen Kreation das infantil-aggressiven Humba-Humba-Rock begl\u00fcckte, einer Musik wie der Wutanfall eines sechsj\u00e4hrigen Kindes, das seine Eltern erpresst, in den Freizeitpark zu fahren. Die Texte indes waren der nackte Nonsens: \u201eMach doch mit beim Onkenkacken!\u201c, \u201eIn Kassel lebt der Meyer\u201c, \u201eHey hey hey, Kaschubiak!\u201c, \u201eHier kommt Rudi Klo\u201c, oder: \u201eDer T\u00fcnnes ist ein G\u00fcnther!\u201c F\u00fcr ein Lied wurde immer nur eine dieser Zeilen in der ewig gleichen Melodie wiederholt, allerdings in variierenden Stimmen: mal der altklug belehrende Vortrag eines Liedermachers, dann der einschmeichelnde Singsang eines Werbejingles. Gerne gab es einen Vors\u00e4nger und als Echo einen Chor besoffen gr\u00f6lender Fu\u00dfballfans. Diese Variationen der d\u00e4mlichen Wiederholungen steigerten sich so gerissen, wenn auch nicht unbedingt raffiniert, dass es die Leute fr\u00fcher oder sp\u00e4ter von den Sitzen riss.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei den Konzerten in den Fu\u00dfballstadien schob Klabauter Pistorius die Lippen nach vorne, spreizte die Ellbogen ab, kitzelte sich selbst unter den Achseln und sprang \u00fcber die B\u00fchne wie ein schwerf\u00e4lliger Menschenaffe. Oder er postierte sich am vordersten B\u00fchnenrand und h\u00fcpfte stundenlang auf der Stelle, mit himmelw\u00e4rts gestreckter Faust in die H\u00f6he, wie eine mechanische Puppe. Dabei fixierte er das Publikum, als z\u00e4hle er die Minuten, bis es endlich abging. Und das tat es auch, frenetische Begeisterung, die Masse kochte, es war angsteinfl\u00f6\u00dfend! Es h\u00e4tte eine Parodie oder eine Satire sein k\u00f6nnen, wenn zwar eine geschmacklose, doch daf\u00fcr wirkte die ganze Show schlicht nicht doppelb\u00f6dig genug. Die Bef\u00fcrchtung war, dass er es tats\u00e4chlich ernst meinte, wobei von \u201aernst\u2018 bei einem derartig hirnamputierten Schwachsinn ja keine Rede sein konnte. Jedenfalls verkaufte er endlos viele Platten, und unser einziger Trost war, dass er wenigstens unpolitisch blieb. Wirklich widerlich wurde es erst, als er einen ostentativ aggressiven Inhalt in seine Texte schob: \u201eAllen \u00c4rschen auf die Fresse! Haut allen \u00c4rschen auf die Fresse!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es waren leere Aggressionen, die da in einer Art primitivsten Stadionrock gefeiert wurden, ein Vorzeichen, aber ohne erkennbare politische Richtung. Die E-Gitarren quietschten, das Schlagzeug trommelte seine martialischen Salven, dazu dieser grotesk h\u00e4ssliche Veitstanz und die stupide geh\u00e4mmerte, gottlose Zeile: \u201eAllen \u00c4rschen auf die Fresse! \/ Haut allen \u00c4rschen auf die Fresse! Allen \u00c4rschen auf die Fresse! \/ Haut allen \u00c4rschen auf die Fresse! Allen \u00c4rschen auf die Fresse! \/ Haut allen \u00c4rschen auf die Fresse! Allen \u00c4rschen auf die Fresse! \/ Haut allen \u00c4rschen auf die Fresse! Allen \u00c4rschen auf die Fresse!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDer Text ist gut\u201c, erkl\u00e4rte Karl Banks mit akademischer Neugierde bei einem unserer Sommerabende im Garten des Instituts: \u201eEs liegt ja auf der Hand, dass \u201a\u00c4rsche\u2018 es verdient haben, das wird in dem Wort \u201aArsch\u2018 impliziert, und das ist psychologisch geschickt, denn trotz der brutalen Botschaft, bleiben dadurch keine moralischen Konflikte im Raum, die <em>beim H\u00f6ren<\/em> st\u00f6ren k\u00f6nnten. Die \u201a\u00c4rsche\u2018 n\u00e4mlich k\u00f6nnten theoretisch alle sein, nicht unbedingt die Ausl\u00e4nder oder die Arbeitslosen, die sonst immer als <em>S\u00fcndenb\u00f6cke<\/em> herhalten m\u00fcssen, sondern theoretisch auch die Radfahrer, Vegetarier, Beamte, B\u00e4nker oder die Hersteller von Haushaltsger\u00e4ten. Jeder kann sich seine eigene lieblingshass-Gruppe aussuchen, die er verantwortlichen machen und der er \u201aauf die Fresse\u2018 geben m\u00f6chte. Wobei das handelnde Subjekt durchaus unklar bleibt, also auch die unsichtbare Hand eines gerechten Schicksals sein k\u00f6nnte. Ich kann das Lied nicht ausstehen, aber ich muss zugeben, dass es gut gemacht ist \u2026\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eKeiner von uns kann das Lied ausstehen\u201c, murmelte ich traurig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Heckmann unterbrach ihn lustlos: \u201eIch bin empirischer Gesellschaftsforscher, kein Sprachanalytiker\u201c, winkte er gelangweilt ab: \u201eSolche Analysen m\u00fcssen sie bitte bei den Germanisten machen!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erst sp\u00e4ter wurde deutlich, wohin die Reise mit Klabauter Pistorius gehen sollte. Er gr\u00fcndete die P\u00c4F, die \u201ePartei-\u00c4rsche-auf-die-Fresse\u201c, deren zentraler Punkt die Zulassung einer Art kontrollierten Selbstjustiz war. Da, laut P\u00c4F, die Polizei der herrschenden Anarchie auf den Stra\u00dfen hilflos gegen\u00fcber stand (wieder so eine emotionale, unpr\u00e4zise Sprache: \u201aAnarchie\u2018, \u201ahilflos\u2018), argumentierte Pistorius, nachdem er ins politische Fach gewechselt war, m\u00fcsse man den Menschen auf der Stra\u00dfe das Recht zugestehen, selber f\u00fcr anst\u00e4ndige Verh\u00e4ltnisse (\u201aanst\u00e4ndige Verh\u00e4ltnisse\u2018!!!) zu sorgen. Ordnungswidrigkeiten und kleine Ver\u00adbrechen durften an Ort und Stelle spontan von jedermann nach eigenem Ermessen geahndet werden. Zum Beispiel wurde es erlaubt, einen Radfahrer, der \u00fcber den B\u00fcrgersteig fuhr, vom Fahrrad zu sto\u00dfen; Menschen, die in der \u00d6ffentlichkeit Bier tranken, durfte man die Flasche aus der Hand nehmen und \u00fcber den Kopf sch\u00fctten; Autos, die falsch parkten, durfte jeder, der vorbeiging, den Lack zerkratzen etc. etc. Immerhin musste man der P\u00c4F zugutehalten, dass ihr Katalog ausgewogen war. Typisch wirtschafts-liberale S\u00fcnden, z. B. eine falsche Beratung von einem Bankmitarbeiter, durften genauso spontan geahndet werden wie eher links-alternative Vergehen, z. B. das Grillen im Park. F\u00fcr die P\u00c4F hatte das den Vorteil, den \u00fcbrigen Parteien weniger Angriffsfl\u00e4che zu bieten, denn eine gewisse Schnittmenge peinlicher \u00c4rgernisse gab es zu jeder Partei, und wenn die anderen allgemein argumentierten, sie seien f\u00fcr das Gewaltmonopol, konterte die P\u00c4F: \u201eGenau das hat uns doch in die katastrophale Lage gebracht. Quod erat demonstrandum.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDamit kommen sie juristisch nicht durch\u201c, bemerkte Heckmann beil\u00e4ufig: \u201eDas Verfassungsgericht wird sie stoppen!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch die P\u00c4F agierte geschickt: anstatt die Rechte der Executive zu \u00fcbertragen, wogegen die sonst eher stillhaltenden Konservativen sicherlich protestiert h\u00e4tten, erh\u00f6hte sie die obere Schwelle f\u00fcr Bagatelldelikte und vereinfachte den Weg ihrer Einstellung. Auf diesem Weg konnten sie ihren Zweck zu verwirklichen, ohne problematischen Begriffe wie \u201aSelbstjustiz\u2018, \u201aRechtloser Raum\u2018 etc. zu verwenden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDas ist doch gequirlte Schei\u00dfe\u201c, betonte Heckmann, als handele es sich bei \u201agequirlte Schei\u00dfe\u2018 um einen politologischen Fachbegriff, \u201eMit einer solchen <em>gedeckelten Anarchie <\/em>lassen sich doch niemals \u201aanst\u00e4ndigen Verh\u00e4ltnisse\u2018 herstellen, was immer sich diese P\u00c4F-Leute genau darunter vorstellen m\u00f6gen \u2026, das liegt doch auf der Hand \u2026 daf\u00fcr m\u00fcssen wir nicht einmal Feldforschung betreiben \u2026\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Realpolitisch hatten Heckmann und die <em>rationale Politik <\/em>bereits verloren, aber er sprach, als w\u00e4hne er die historische Vernunft noch auf seine Seite.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eJa, das ist eigenartig, ihr Konzept vereint auf merkw\u00fcrde Weise ein Law-and-Order-Denken mit Chaos auf den Stra\u00dfen\u201c, sinnierte Karl Banks offen: \u201eManche Menschen glauben, nur <em>sie allein <\/em>hielten sich an die Regeln, w\u00e4hrend<em> die anderen<\/em> machen, was sie wollen, und wenn sie sich dagegen wehren, bekommen sie auch noch einen aufs Dach. Das ist <em>das Gef\u00fchl<\/em>, auf das die P\u00c4F reagiert \u2026\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201e\u2026 das wir aber auch untersuchen m\u00fcssten\u201c, erg\u00e4nzte Heckmann freundlich: \u201eAlso, um welche \u201aRegeln\u2018 geht es genau, welche Gruppe h\u00e4lt sich an sie, welche Gruppe nicht und welche Konsequenzen hat das f\u00fcr die einen wie f\u00fcr die anderen \u2026\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eSo viel Zeit haben wir nicht\u201c, orakelte Mareike dunkel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eEs geht <em>nicht um Zeit<\/em>. Die Menschen wollen Emotionen\u201c, versuchte Karl Banks die Entwicklung zu erkl\u00e4ren, \u201eDie Leute wollen nicht, dass Politiker Probleme sachlich auseinander klam\u00fcsern, um ihnen wom\u00f6glich danach zu erkl\u00e4ren, ihre Wut sei unberechtigt \u2026 ja, sie wollen aber auch nicht, dass Politiker sich ihrer Problemen annehmen und L\u00f6sungen anbieten \u2026 sie wollen, dass die Politiker ihre Emotionen teilen, sie wollen sich mit ihnen identifizieren, wollen sagen, das ist einer wie ich \u2026 was dieser Mann <em>wie ich <\/em>dann macht, ist zweitrangig, aber man f\u00fchlt sich mit dem m\u00e4chtigen Mann identifiziert, das reicht den meisten Menschen\u00a0 \u2026 \u201c So wie er es sagte, klang es wie: das war doch von vorneherein klar, dass das mit der <em>rationalen Politik<\/em> nicht klappt. Ein f\u00fcr mich v\u00f6llig unverst\u00e4ndlicher Affront gegen seinen Prof, bei dem er immerhin f\u00fcnf Jahre lang Doktorand gewesen war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Heckmann schnaubte ver\u00e4chtlich: \u201eDas ist mittelalterlich!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eZugegeben, ja, das ist es wohl\u201c, sagte Banks.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eWenn ich nochmal jung w\u00e4r\u2018 und neu anfangen k\u00f6nnte, w\u00fcrde ich ein Institut f\u00fcr theoretische Soziologie gr\u00fcnden\u201c, erkl\u00e4rte er nachdenklich. Dass ein renommierter Professor wie er dar\u00fcber nachdachte, Dinge in seinem Leben anders zu machen, deprimierte mich irgendwie. \u201eSo wie es eine theoretische Physik gibt, k\u00f6nnte es doch auch eine theoretische Soziologie geben\u201c, erkl\u00e4rte er freundlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach und nach hatte das Institut seine Forschungst\u00e4tigkeit eingestellt, und wir sa\u00dfen nur noch im Garten oder hingen lustlos im gro\u00dfen Fenstersaal rum.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eVersteht ihr, die theoretische Physik versucht aus Beobachtungen, theoretischen Modellen und spekulativen Hochrechnungen Aussagen \u00fcber das Universum vor dem Urknall oder die M\u00f6glichkeit von Paralleluniversen zu treffen. Durchaus analog w\u00fcrde dann eine theoretische Soziologie aus unserem Wissen \u00fcber den Menschen und seine sozialen Beziehungen Aussagen \u00fcber den M\u00f6glichkeitsraum wissenschaftlich vorstellbarer Gesellschaften treffen! Warum sage ich das? \u2013 ganz einfach, weil die Aussage: \u201aDer Mensch ist eben so\u2018, zwar seit jeher das st\u00e4rkste Argument gegen jegliche Form von Utopie ist, zugleich aber verkennt, dass der Mensch sich mit der Gesellschaft, in der er lebt, ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Platt gesagt, sah Karl Marx Ausbeutung und Unterdr\u00fcckung als ein <em>historisch notwendiges \u00dcbel <\/em>einer Gesellschaft, die ihre Konsumg\u00fcter im Schwei\u00dfe ihres Angesichts m\u00fchevoll produzieren muss. Mit der Entwicklung der Produktivkr\u00e4fte fiel diese Not weg, und eine utopische Gesellschaft wurde, aus seiner Sicht, zumindest theoretisch m\u00f6glich. F\u00fcr Herbert Marcuse f\u00fchrte der allgemeine Wohlstand zu einem Wandel der menschlichen Triebstruktur, weg vom Aggressionstrieb, hin zum Lebenstrieb, was ebenfalls eine konstruktive, friedliche Utopie m\u00f6glich machen sollte. Es gibt also immer einen theoretischen Hintergrund, vor dem entschieden werden kann, was man f\u00fcr soziologisch m\u00f6glich und was man f\u00fcr unm\u00f6glich h\u00e4lt!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">J\u00fcrgen Habermas besondere Idee war es, dass Menschen in all ihren Interaktionen, auch in den t\u00e4glichen, ganz banalen, implizit immer auch ihr Weltverst\u00e4ndnis, ihre Werte und Ziele im Hintergrund mitverhandeln. Kommunikative Vernunft war nicht nur sozusagen der <em>Kommunikationsstil vern\u00fcnftiger Menschen<\/em>, sondern auch eine <em>\u00fcberpers\u00f6nliche, kollektive Vernunft<\/em>, die sich im Prozess permanenter, allgegenw\u00e4rtiger Kommunikation entwickelt. Eine h\u00fcbsche Idee, die als Utopie vor allem dadurch bestach, dass Habermas ihr Endergebnis nicht vorwegnahm und ihre Erf\u00fcllung ausgehend vom heutigen Stand Schritt f\u00fcr Schritt erfolgen konnte. Sie setzte keinen harten Bruch, keine Tabula Rasa voraus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Niklas Luhmanns Einwand gegen Habermas lautete, dass im Verlauf der \u00f6ffentlichen Diskussionen sich weniger eine \u201averst\u00e4ndigungsorientierte Vernunft\u2018 herauskristallisiert habe, sondern eher eine Versch\u00e4rfung der jeweiligen Ideologien. Vierzig Jahre sp\u00e4ter scheint es, als habe Luhmann gegen Habermas Recht behalten. Gerade deswegen \u2013 und weil ihm jeder naive humanistische Optimismus fehlt \u2013 halte ich es f\u00fcr interessant, Luhmanns Gesellschaftstheorie auf ihr utopisches Potential hin zu untersuchen. Luhmann ist auf alle F\u00e4lle gefeit vor dem Verdacht, ein \u201aGutmensch \u201a zu sein und einem allzu naivem Wunschdenken anzuh\u00e4ngen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Kern seiner Theorie steht bekanntlich das Konzept der gesellschaftlichen Differenzierung, einfach gesagt: dass sich die Gesellschaft in verschiedene Funktionssysteme zergliedert, u. a. Wirtschaft, Recht, Wissenschaft, Kunst, Religion etc., die jeweils bestimmte Funktionen erf\u00fcllen. Diese Systeme laufen nach ihren eigenen Regeln, das hei\u00dft: sie k\u00f6nnen einander nicht gegenseitig steuern, kontrollieren, sondern bestenfalls: irritieren. Gesellschaften, die so gegliedert sind, nennt er: \u201afunktional differenziert\u2018, im Unterschied zu den \u201ahierarchischen\u2018 Gesellschaften des Mittelalters bis ins 17te Jahrhundert, an dessen Spitze der K\u00f6nigshof stand, der f\u00fcr alle Lebensfelder die ma\u00dfgebliche h\u00f6chste Instanz darstellte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Meine utopische Hoffnung gr\u00fcndet nun auf der Idee, dass in einer funktional differenzierten Gesellschaft ein funktional differenzierter Staat sich gezielter und selbstbewusster auf die eigenen Aufgaben und Funktionen zur\u00fcckziehen kann und <em>im Zuge dessen diese ganze Schei\u00dfsymbolpolitik mit ihren idealistisch aufgeladenen Gesten, Reden und Rituale absch\u00fctteln und hinter sich lassen kann! <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201aFreiheit\u2018 ist keine Aufgabe der Politik, sondern der Philosophie, \u201aWahrhaftigkeit\u2019 oder \u201aAuthentizit\u00e4t\u2018 (wenn es ein Fremdwort sein soll) suche ich in der Kunst oder der Literatur. \u201aGerechtigkeit\u2018 ist Sache der Religion, und auch mit \u201aSicherheit\u2018 muss ich nicht die Politik behelligen, sondern kann mich an die Wirtschaft oder die Wissenschaft wenden. F\u00fcr \u201aVertrauen\u2018 oder gar \u201aHeimat\u2018 habe ich meine Freunde und meine Familie, und wenn ich \u201astolz\u2018 sein will, kann ich zum Fu\u00dfballspiel gehen. Die Politik sollte von all dem die Finger lassen. Kurzum: ich w\u00fcnsche ich mir einen <em>ideologisch abger\u00fcsteten<\/em> Staat, einen schlanken Staat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn jetzt jedoch diese Schei\u00df-Liberalen kommen und sagen: \u201aWir sind derselben Meinung, einen schlanken Staat, den w\u00fcnschen wir uns doch auch\u2018, muss ich ihnen entgegnen, dass ich etwas v\u00f6llig anderes meine als sie. Die Liberalen w\u00fcnschen sich einen <em>funktional <\/em>abger\u00fcsteten, aber <em>ideologisch <\/em>aufger\u00fcsteten Staat, ja sie geh\u00f6ren zu den gr\u00f6\u00dften ideologischen Aufr\u00fcstern und machen sich sogar mit nationalistischen Ideologien gemein, wenn sie in deren Deckmantel ihre neoliberale Politik durchbringen k\u00f6nnen. Ich dagegen will genau andersherum: einen <em>ideologisch abger\u00fcsteten<\/em>, aber <em>funktional aufger\u00fcsteten<\/em> Staat!! Ich meine, dass der Staat die wichtigsten Aufgaben \u00f6ffentlicher Daseinssorge in den H\u00e4nden halten sollte, von den Schulen \u00fcber die Krankenh\u00e4user, den \u00f6ffentlichen Nahverkehr und die Wasserversorgung bis zur Polizei, den Geheimdiensten und der Landesverteidigung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Staat sollte seine Aufgaben gewissenhaft und zuverl\u00e4ssig erf\u00fcllen, aber keine Heilsversprechen abgeben.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wieder war ich fasziniert und bet\u00f6rt, wie Leidenschaftlich er f\u00fcr mehr N\u00fcchternheit stritt, mit welchem Idealismus er sich gegen den Idealismus aussprach. Er musste es gemerkt haben, denn er l\u00e4chelte schelmisch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eEs soll ja Menschen geben\u201c, setzt er hintersinnig murmelnd neu an, \u201edie empfinden meine rationale Politik als kalt und technizistisch. \u201aFreiheit\u2018, \u201aVertrauen\u2018, \u201aSicherheit\u2018, \u201aHeimat\u2018 etc. seien doch wichtige Begriffe, die man nicht einfach \u00fcber Bord werfen d\u00fcrfe. Und: ja, auch f\u00fcr mich sind das wichtige Begriffe, aber das ist noch lange kein Grund, die Politik damit zu belasten! Ganz im Gegenteil, sollten wir die Politik lieber von allen falschen Erwartungen befreien, denen gegen\u00fcber sie nur scheitern oder heuchlerisch wirken kann \u2026\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er hatte gesagt, was er zu sagen hatte, Heckmann hatte sein Kapitel in der Soziologie geschrieben. Das Ende seines Instituts wollte er nicht mehr miterleben, also starb er einfach, als h\u00e4tte er es sich so gew\u00fcnscht. Wir begruben ihn heimlich neben dem Wintergarten. Das Gel\u00e4nde w\u00fcrde uns eh nicht mehr lange geh\u00f6ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als die P\u00c4F bei der n\u00e4chsten Wahl mit \u00fcber einem Drittel der Stimmen ins Parlament inzog und keine Koalitionsbildung ohne sie m\u00f6glich schien, wussten wir, dass es vorbei war. Wir packten unsere Computer zusammen, zogen in den Keller des Instituts und mauerten von innen die Luke zu. Den letzten Kasten Bier hatten wir mitgenommen. Oben h\u00f6rten wir die P\u00c4Fler die Villa beziehen, sie schoben M\u00f6bel hin und her und sangen dazu ihr beklopptes Lied: \u201eAllen \u00c4rschen auf die Fresse! Allen \u00c4rschen auf die Fresse!\u201c Ein echter Ohrwurm, auch f\u00fcnfzig Jahre sp\u00e4ter ging mir die Melodie nie wieder aus dem Kopf.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einen Hinweis zu <strong>Clockwork Orwell<\/strong><i>. \u00dcber die kulturelle Wirklichkeit negativ-utopischer Science-fiction <\/i>von Thomas N\u00f6ske, finden Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1997\/01\/01\/fortschrittspessimisten\/\">hier.<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-102989 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/1999\/01\/NoeskeHEL-300x224.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"224\" \/>Weiterf\u00fchrend \u2192 <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu den Gr\u00fcndungsmythen der alten BRD geh\u00f6rt die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/04\/01\/nonkonformistische-literatur\/\">Nonkonformistische Literatur<\/a>, lesen Sie dazu auch ein Portr\u00e4t von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2000\/04\/04\/vauo\/\">V.O. Stomps<\/a>, dem Klassiker des Andersseins. Kaum jemand hat die L\u00fcckenhaftigkeit des <em>Underground<\/em> so konzequent <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/09\/24\/underground\/\">erz\u00e4hlt<\/a> wie N\u00ed Gudix und ihre <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/08\/23\/kritik-an-der-literarischen-alternative\/\">Kritik an der literarischen Alternative<\/a> ist berechtigt. Ein Portr\u00e4t von N\u00ed Gudix findet sich <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/08\/16\/da-lernst-du-die-menschen-kennen\/\">hier<\/a> (und als Leseprobe ihren <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2006\/12\/30\/hausaffentango\/\">Hausaffentango<\/a>). Lesen Sie auch die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2005\/09\/24\/erinnerungen\/\">Erinnerungen an den Bottroper Literaturrocker<\/a> von Werner Streletz und den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/09\/28\/rip-bruno\/\">Nachruf<\/a> von Bruno Runzheimer. Zum 100. Geburtstag von Charles Bukowski, eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/08\/16\/ledertasche-geborgt\/\">Doppelbesprechung<\/a> von Hartmuth Malornys Ruhrgebietsroman <em>Die schwarze Ledertasche<\/em>. 1989 erscheint Helge Schneiders allererste Schallplatte <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26990\"><em>Seine gr\u00f6\u00dften Erfolge<\/em><\/a>, produziert von Helge Schneider und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/07\/20\/klangkloetzchen\/\">Tom T\u00e4ger<\/a> im Tonstudio\/Ruhr. Lesen Sie auch das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26709\">Portr\u00e4t <\/a>der einzigartigen Proletendiva aus dem Ruhrgebeat auf KUNO. In einem Kollegengespr\u00e4ch mit Barbara Ester dekonstruiert A.J. Weigoni die <em><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1997\/10\/09\/ruhrgebietsromantik\/\">Ruhrgebietsromantik<\/a><\/em>. Mit<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=6071\"> Kersten Flenter<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/06\/23\/killroy-review\/\">Michael Sch\u00f6nauer<\/a> geh\u00f6rte <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/08\/24\/polyphone-ich-erzaehlungen\/\">Tom de Toys<\/a> zum\u00a0Dreigestirn des deutschen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1997\/01\/05\/bewegung\/\">Poetry Slam<\/a>. Einen Nachruf von Theo Breuer auf den Urvater des Social-Beat finden Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/03\/07\/hubsch-revisited\/\">hier<\/a> \u2013 Sowie selbstverst\u00e4ndlich his <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1995\/06\/25\/wie-was-social-beat-ist-und-warum-und-warum-nicht\/\">Masters voice<\/a>. Und Dr. Stahls kaltgenaue <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2002\/06\/26\/social-beat-vs-digitales-dasein\/\">Analyse<\/a>. \u2013 Constanze Schmidt beschreibt den Weg von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26080\">Proust zu Pulp<\/a>. Ebenso eindr\u00fccklich empfohlen sei Heiner Links <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=42272\">Vorwort<\/a> zum Band Trash-Piloten. Inzwischen hat sich Trash andere Kunstformen erobert, dazu die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/01\/trash-eine-einfuehrung\/\">Aufmerksamkeit<\/a> einer geneigten Kulturkritik. In der Reihe <em>Gossenhefte<\/em> zeigt sich, was passiert, wenn sich literarischer Bodensatz und die Reflexionsm\u00f6glichkeiten von popul\u00e4rkulturellen Tugenden nahe genug kommen, der Essay <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=35655\"><em>Perlen des Trash<\/em><\/a> stellt diese Reihe ausf\u00fchrlich vor. Die KUNO-Redaktion bat A.J. Weigoni um einen Text mit Bezug auf die Mainzer Minpressenmesse (MMPM) und er kramte eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1993\/05\/31\/treff-der-titanen\/\">Realsatire<\/a> aus dem Jahr 1993 heraus, die er f\u00fcr den Mainzer Verleger Jens Neumann geschrieben hat. J\u00fcrgen Kipp \u00fcber die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/06\/01\/geschichte-und-aufgaben-des-mainzer-minipressen-archives-mmpa\/\">Aufgaben des Mainzer Minipressen-Archives<\/a>. Ein w\u00fcrdiger Abschlu\u00df gelingt Boris Kerenski mit <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/03\/30\/wer-war-ist-noch-social-beat\/\">Stimmen aus dem popliterarischen Untergrund<\/a><strong>.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Das Institut war untergebracht in einer Gr\u00fcnderzeit-Villa mit drei Stockwerken. Auf den ersten Blick ein romantisches Haus, auf den zweiten total verbaut: es gab eine idiotisch breite Treppe im Eingangsbereich, die die halbe Etage einnahm. Auf ihr h\u00e4tte der&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2003\/12\/07\/verwunschen\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":210,"featured_media":102989,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[2668],"class_list":["post-74099","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-thomas-noeske"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/74099","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/210"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=74099"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/74099\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":104214,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/74099\/revisions\/104214"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/102989"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=74099"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=74099"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=74099"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}