{"id":7337,"date":"2012-09-14T00:01:00","date_gmt":"2012-09-13T22:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=7337"},"modified":"2019-10-07T21:14:03","modified_gmt":"2019-10-07T19:14:03","slug":"e-books","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/09\/14\/e-books\/","title":{"rendered":"eBooks"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\"><em>\u00a0Das ist wie virtueller und echter Sex. Jeder wei\u00df, dass echter Sex besser ist, aber f\u00fcr den virtuellen gibt es trotzdem einen gro\u00dfen Markt<\/em>.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\">Steve Wasserman, Cheflektor bei der Yale University Press, \u00fcber E-Books<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch im literarischen Bereich bin ich immer an Produktneuheiten interessiert. Das H\u00f6rbuch bedeutet f\u00fcr mich einen Zugewinn, zumal es Autoren gibt, die durch ihre Art zu Rezitieren die Lekt\u00fcre bereichern. Die Faszination des <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/?p=63\">H\u00f6rbuchs<\/a> geht daher \u00fcber die Lust an Geschichten hinaus und reicht, anthropologisch betrachtet, sehr tief.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\"><em>Ein Buch ist eine Verschlossenheit, sieht aus wie eine kleine Schatulle, die man \u00f6ffnet \u2013 <\/em><em>aber man tritt ein in die Verschlossenheit. Ein Buch war immer das komprimierte Zimmer, in dem man es las. Der beste Leser war nie der, der \u00fcber ein Buch redete, sondern der seine Verschlossenheit teilte.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\">Botho Strauss<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/Antiquariat_20081223.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-21639\" title=\"Antiquariat_20081223\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/Antiquariat_20081223-300x93.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"93\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/Antiquariat_20081223-300x93.jpg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/Antiquariat_20081223.jpg 550w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Was ich an gedruckten B\u00fcchern \u00fcberaus sch\u00e4tze insbesondere &#8211; an <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/?p=933\">K\u00fcnstlerb\u00fcchern<\/a> &#8211; sie haben ein Eigenleben. Sie riechen. Und bieten eine zuweilen raue Oberfl\u00e4che und den Fingerkuppen etwas Widerstand beim Bl\u00e4ttern. Beim Text auf Papier ist eine andere Sensomotorik im Spiel: Dieses Lesen arbeitet mit Fingern und Augen. Lesespuren zeugen von den Auseinandersetzungen mit einem Text und den Rezeptionen eines Werkes. Es handelt sich dabei um vollkommen andere Vorg\u00e4nge als solche im Umgang mit einem Tablet. Gebundene Ausgaben schmeicheln dem \u00e4sthetischen Empfinden des Sammlers. Sie versetzen uns in eine Vergangenheit, in der das Buch vom Zahn der Zeit noch nicht angenagt, sondern auf stolze Weise neu und unverbraucht war. Kein Mauerbl\u00fcmchen, vielmehr der untr\u00fcgliche Beweis, dass Buchstaben k\u00fcnstliche Tr\u00e4ume bef\u00f6rdern. Die Aura des Authentischen nobilitiert das Original. B\u00fccher altern, darin \u00e4hneln sie uns.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\"><em>E\u2013Books sind eine absurde Erfindung, die auf dem Friedhof der technologischen Fehlentwicklungen landen wird.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\">Michel Houellebecq<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">eBooks riechen nicht, sie sind einfach nur glatt und f\u00fchlen sich metallisch kalt an. Die darin eingescannten Texte lassen sich wegwischen. Einen E\u2013Book\u2013Reader kann man nicht ungestraft mit Kaffee \u00fcbersch\u00fctten, in die Ecke werfen oder am Strand liegen lassen. Was mich am meisten nervt: Was Typografie bewirkt und wie sie die Lekt\u00fcre beeinflu\u00dft, scheint sich bei E-Book-Produzenten noch nicht herumgesprochen zu haben: Schriftbild und Textgestaltung von elektronischen B\u00fcchern schm\u00e4lern oft das Lesevergn\u00fcgen. Ein ein eBook kann das Lesevergn\u00fcgen rasch zunichte machen, schon wenn man die Schrift etwas vergr\u00f6\u00dfert. Pl\u00f6tzlich finden sich L\u00f6cher im Text, Zeilen und \u00dcberschriften verrutschen, Umbruch und Silbentrennung lassen die Haare einem zu Berge stehen. Und wenn man Pech hat, l\u00e4dt jede Seite des eBooks beim Umbl\u00e4ttern so lange, bis man den Reader entnervt zur Seite legt. Kurzum, eBooks sind ein Verlust an Sinnlichkeit. Und dies nicht nur \u00e4sthetisch.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #888888;\">Wenn B\u00fccher zu \u2039Texten\u203a werden, mit denen wir gem\u00e4ss N\u00fctzlichkeitskriterien in \u2039Interaktion\u203a treten, wird das geschriebene Wort schlicht zu einem weiteren Aspekt unserer von der Werbung gesteuerten Realit\u00e4t. Das ist die glorreiche Zukunft, die geschaffen wird und uns verheissen wird als etwas \u2039Demokratisches\u203a. Es bedeutet nat\u00fcrlich nichts Geringeres als den Tod der Innerlichkeit \u2013 und des Buches.\u00bb<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\">Susan Sontag, Letter to Borges<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er f\u00e4llt auf, dass einem intellekturell kaum Angebote gemacht werden hier sind zumeist Text der Sorte &#8222;All-you-can-read&#8220; zu finden. Zudem erm\u00f6glicht das eBook, unser Leseverhalten immer st\u00e4rker zu analysieren. F\u00fcr die Zukunft des Buchs ist das eine schlechte Nachricht. In Zukunft wird man E-Leseger\u00e4te wahrscheinlich nicht mehr kaufen, sondern kostenfrei erhalten und daf\u00fcr mu\u00df man mit den Daten bezahlen, die w\u00e4hrend der Nutzung generiert werden. Was und wann wir lesen, wird dann von Amazon mit allen anderen Informationen \u00fcber uns auf einem Server gespeichert. Bislang habe ich noch keinen einzigen Text von mehr als 200 Seiten gelesen habe, der nur digital vorliegt und etwas taugt. Es gibt unendlich viele gute lange Texte im Netz, aber die sind gedruckte B\u00fccher gewesen. Es gibt auch zahlreiche tolle kurze Texte, die nur im Netz greifbar sind. Doch wo ist der umfangreiche, gro\u00dfartige Text, der ausschliesslich im Netz existiert?<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #888888;\">Beim Lesen\u00a0 haben wir das Tr\u00e4germedium der Buchstaben die ganze Zeit vor der Nase; wir sehen jede Differenz. Daher glaube ich: Man kann sich aus guten, praktischen Gr\u00fcnden daf\u00fcr entscheiden, einen Text auf dem Reader zu lesen &#8211; mit der Lekt\u00fcre eines Buchs wird man es so schnell nicht verwechseln.<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\">Jo Lendle<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein eBook endet in den Tiefen der Festplatte als ein rasch zu vergessender Dateiname unter anderen. Wer projizierte Buchstaben \u00fcberfliegt, die Texte also nur scannt und sie mit den Augen oberfl\u00e4chlich abtastet, macht etwas anderes als das, was einst <em>lesen<\/em> genannt wird. Das Buch als <em>Betriebssystem<\/em> ist noch lange nicht am Ende. Der Literaturwissenschaftler Roland Reu\u00df glaubt an die Zukunft des gedruckten Buches: &#8222;Werke, die nicht als Referenz im Sinne eines Nachschlagwerks dienen, sondern integral studiert werden m\u00fcssen, werden wahrscheinlich auch zuk\u00fcnftig in klassischer Buchform ihre letzt-g\u00fcltige Auspr\u00e4gung finden. Man kann sich nicht vorstellen, dass jemand die &#8218;Ph\u00e4nomenologie des Geistes&#8216; oder &#8218;Sein und Zeit&#8216; am Computer liest.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\"><em>Was das Buch eigentlich vermag, wissen wir erst seit dem Netz. Was die St\u00e4rken des Netzes sein werden, entdecken wir mit dem Buch \u2013 und mit der Motorik der Hand.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\">Christian Bennes<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">K\u00f6nnte es nicht noch besser werden, l\u00e4\u00dfiger, ehrgeiziger, sch\u00f6ner, weniger langweilig? Und so mag es dem Leser mit diesem extravaganten Buch ergehen wie im Mythos oder im M\u00e4rchen: Aus zerstreuten Gliedern wird zuletzt wieder ein Ganzes. Die einzigartigen \u00e4sthetischen, kulturellen und wahrnehmungspsychologischen Qualit\u00e4ten des gedruckten Buches sind nicht von der Hand zu weisen. Ein herk\u00f6mmliches Buch stelle ich in meine Bibliothek und nehme es irgendwann wieder zwischen die Finger.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend\u00a0<\/strong><strong>\u2192\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Zeit des Digitalen erlebt die Frage nach der Materialit\u00e4t von Literatur eine neue Bl\u00fcte.\u00a0 Zum Thema K\u00fcnstlerbucher lesen finden Sie hier einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12840\">Essay<\/a> sowie ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=834\">Artikel<\/a> von J.C. Albers. Vertiefend auch das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=21407\">Kollegengespr\u00e4ch<\/a> mit Haimo Hieronymus \u00fcber Material, Medium und Faszination des Werkstoffs Papier.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die\u00a0bibliophilen Kostbarkeiten sind erh\u00e4ltlich \u00fcber die Werkstattgalerie Der Bogen, Tel. 0173 7276421 \u2013 Bestellungen \u00fcber: Bestellungen \u00fcber: edition-das-labor@web.de<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #999999;\">Nachtrag:<\/span> Einen gro\u00dfen Vorteil hat das eBook, man kann es kaufen, ohne einem neugierigen Verk\u00e4ufer gegen\u00fcberzustehen. Dies f\u00fchrte dazu, da\u00df &#8222;erotische&#8220; Romane wie &#8222;50 Shades of Grey&#8220; zum Bestseller wurden und &#8222;kontroverse&#8220; B\u00fccher wie &#8211; &#8222;Mein Kampf&#8220; auch weiterhin gelesen werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und inzwischen hat das EuGH in einem Urteil festgestellt, da\u00df eine verringerte Mehrwertsteuer nicht in Frage kommt, ein Buch sei schlie\u00dflich aus Papier.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0Das ist wie virtueller und echter Sex. Jeder wei\u00df, dass echter Sex besser ist, aber f\u00fcr den virtuellen gibt es trotzdem einen gro\u00dfen Markt. Steve Wasserman, Cheflektor bei der Yale University Press, \u00fcber E-Books Auch im literarischen Bereich bin ich&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/09\/14\/e-books\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":257,"featured_media":27084,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[2391],"class_list":["post-7337","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-steve-wasserman"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7337","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/257"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7337"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7337\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7337"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7337"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7337"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}