{"id":73345,"date":"2003-01-18T00:01:02","date_gmt":"2003-01-17T23:01:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=73345"},"modified":"2022-03-06T15:01:06","modified_gmt":"2022-03-06T14:01:06","slug":"unbehaust","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2003\/01\/18\/unbehaust\/","title":{"rendered":"Unbehaust, ein poetisches Polymorphem"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Der Vorhang \u00f6ffnet sich sehr schnell. Ertappt. Auf der B\u00fchne steht die Patientin Jo Chang mit schreckstarren Augen. Sie befindet sich allein, in auswegloser Lage. L\u00e4sst einen Stapel Bl\u00e4tter fallen. Schlittert \u00fcber das bereits am Boden liegende Papier. Versucht Halt zu finden. Rutsch aus. Setzt sich mit \u00fcberkreuzten Beinen auf den Boden. Starrt ins Publikum, als suche sie in den Augen ihrer Gegen\u00fcber nach einer Antwort. Sie bl\u00e4st die Wangen auf, lockert die Leffzen. Erst nach ein paar vergeblichen lautmalerischen Versuchen bringt sie Worte \u00fcber die Lippen:<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Merkw\u00fcrdig<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">noch langer Zeit wieder Kanjis auf<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">das Papier zu tr\u00e4ufeln<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Reines Nichtstun war doch<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">die vollste Auseinandersetzung mit mir selbst<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mir bleibt nurmehr die M\u00f6glichkeit in<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">die innere Immigration zu gehen &amp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">mich geistig auf den aktiven Widerstand vorzubereiten<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit dem vollen Risiko<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">dass dieser Wahrnehmungsrausch in<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">einen Identit\u00e4tsverlust m\u00fcndet &amp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">mein Wissen zu einer kurzatmigen Angelegenheit wird<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Jo Chang h\u00e4lt die Hand vor den Mund. Kann sich nicht halten. Prustet. Beginnt zu fl\u00fcstern:<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sich auf sich selbst beziehen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sich befragen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das geistige Instrumentarium einer Pr\u00fcfung unterziehen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Grundfesten der \u00dcberzeugung auf<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">die Statik hin \u00fcberpr\u00fcfen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Pausen zwischen den Atemz\u00fcgen dehnen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Stille in der Ohrmuschel einnisten lassen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mir f\u00e4llt es schwer komplexe Zusammenh\u00e4nge &amp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Figurationen aufzeigen &amp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">erkl\u00e4ren zu wollen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Bild von der Welt zu zeichnen\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von wem eigentlich berichten?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ohne Ursache &amp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wirkung in undeutlichem Muster\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie soll man Geschichten &amp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zusammenh\u00e4nge erz\u00e4hlen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">wo nur noch Fragmente zu finden sind?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Jo Chang durchsucht das Konvolut der Aufzeichnungen. Findet ein grosses leeres Blatt. Tunkt den Pinsel in die Farbe. Setzt an. Schreibt ein Kanji. Ist nicht zufrieden mit dem Resultat. Kn\u00fcllt es zusammen und wirft es zu den anderen.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich empfinde es ganz deutlich<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">dass ich mich \u00e4sthetisch<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">moralisch &amp; religi\u00f6s in<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">einer Zwischeneiszeit befinde<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Leben im \u00dcbergang<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">wohin es geht<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">weiss ich nicht<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Werte\u2013System ist in<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aufl\u00f6sung begriffen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In meinem Innersten droht Ersch\u00f6pfung<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Skrupel \/ M\u00fcdigkeit \/ Zweifel<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">eine Wundheit &amp; Schw\u00e4che<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">dass mich jeder Angriff bis<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">auf den Grund ersch\u00fcttert<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dazu kommt die Unf\u00e4higkeit<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">mich geistig &amp; politisch zu orientieren<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">eine wachsende Sympathie mit<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">dem Tode ist mir tief eingeboren<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mein ganzes Interesse gilt dem Verfall<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich lebe in einem moralischen Niemandsland<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">in einer Welt grausamen Irrsinns<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">in die niemand eintreten k\u00f6nnte<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">ohne dort zu bleiben<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Distanz ist der Schl\u00fcssel<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer nicht bet\u00f6ren will \/ muss f\u00fchlen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vernichtung ist das Losungswort<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor dem Gemetzel<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">vor Kriegen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Morden &amp; Massenmorden<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">werden Begehren &amp; Begierden wach<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine anarchische Liebe wird<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">durch die Gesellschaft zerst\u00f6rt<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">die Welt wird einer Liebe geopfert<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie bewahrt man sich im Labyrinth von Eifersucht<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Liebesverrat &amp; K\u00e4uflichkeit<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">die Reinheit der Gef\u00fchle?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Bei allem, was sie tut, bleibt ein unheimlicher Rest. Jo Chang stellt mit zitternd auf dem Zeichenblock trommelnden Fingern die Differenz zwischen dem aus, was ihre Figur f\u00fchlt, und dem, was sie ausdr\u00fccken kann. Sie zeigt die Absurdit\u00e4t des Irreseins. Ihre Gesichtsz\u00fcge entgleiten ihr; es gelingt ihr nicht einmal, die H\u00e4nde in die Taschen zu stecken, um an sich selber Halt zu finden.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie lebt man<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">wenn man seine Todesursache bereits kennt?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Die Fl\u00e4chen werden erst vom Beleuchter \u201espielbereit&#8220; gemacht. Was nicht gebraucht wird, bleibt dunkel. Im Lichtpunkt \u201ebl\u00e4ttert\u201c sie in ihren Aufzeichnungen:<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Verlust des Geschmacks ist der Vorbote<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist die Ambivalenz von \u00e4usserlich gewordener Selbstbehauptung<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">die zur Pose gefroren ist<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">und der kochende G\u00e4r\u2013 &amp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zersetzungsprozess darunter<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als d\u00fcnne Membran umgibt<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">meine Mitmenschen die zweite<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">gesellschaftliche Haut<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">volumin\u00f6s aufgetrieben wie ein Fesselballon<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">worin die Faulgase eines historischen Verwesungsprozesses schwelen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Verfall des K\u00f6rpers ist nicht aufzuhalten<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">man kann t\u00e4glich dabei zusehen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Einbruch dieser Erkenntnis in<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">mein Leben bedeutet:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">es zu \u00e4ndern<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und mich auf den Tod vorzubereiten<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">weil ich nicht mit einer zur\u00fcckgenommenen Sehnsucht leben kann<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber vielleicht verwandelt sich mein K\u00f6rper doch<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">noch in Heil\u2013Fleisch?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Jo Chang spielt mit der Leere. Wenn sie spielt, fehlt etwas. Wenn sie nicht spielt, fehlt noch mehr. Leider h\u00f6rt sie immer auf, bevor sie den Widerspruch in den Griff bekommt. Aggressivit\u00e4t liegt in ihrer Gestik und ihren Bewegungen, und doch schimmert die Verletztheit eines Kindes durch, ihre grosse Wut, ihre Sehnsucht nach Liebe:<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einfach sein<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">sich Zeit lassen &amp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">der allgemeinen Beschleunigung entkommen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich muss mich an die Arbeit machen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">mit dem Risiko<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">in der Arbeit zu scheitern &amp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">mich von allem<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">was der Sache nicht dient \u2013 abschirmen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">V\u00f6llig mitleidlos beschreiben<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Oberfl\u00e4che zur Reibfl\u00e4che machen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Narben schminken &amp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">sie als neues Sch\u00f6nheitsideal verkaufen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Schraffiert mit einen Grafitstift Konturen auf einem weiteren Blatt. Denkt laut nach:<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Romantik ist Sehnsucht:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Verdacht<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">dass da noch mehr sein muss als das<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">was sichtbar ist<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00fcnsche &gt; die so gross &amp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">so unerf\u00fcllt sind<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">dass sie einem das Herz zerreissen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dinge &gt; die die Wirklichkeit sprengen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">weil sie mehr Platz brauchen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">als die Normalit\u00e4t zu bieten hat<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Romantik macht uns gr\u00f6sser<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">als wir sind<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weil die Sehnsucht daf\u00fcr sorgt<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">dass unsere Augen voll sind<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&amp; nicht leer<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Romantik ist lebenswichtig<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn einer Sehnsucht hat<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">macht er weiter<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich bin eine Romantikerin<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich glaube an die Liebe<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">an die Sch\u00f6nheit des Augenblicks<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">an das Leben<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">an die Kraft &amp; daran<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">dass es sich trotz allem lohnt<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">egal was man sich ertr\u00e4umt\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich bin unverbesserlich darin<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">richtig bockbeinig!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beginnen so die Geschichten einer verzweifelten Radikalit\u00e4t?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Jedes Wort und jede Geste verweist auf eine schwer wiegende Deformationen im Seelenleben. Jo Chang ereilt ein Gedankenkettenriss:<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine neue Unbedingtheit des Anspruchs mit<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">vollem Einsatz spielen &amp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">sich festgesetztem Rollenspiel verweigern<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Leistungs\u2013 &amp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Verantwortungszentren das Leben neu organisieren<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">w\u00e4hrend die politische Geschichte in<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">die Gegenwart hineinreicht &amp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">eigentlich ein Verstehen nur im Nachhinein m\u00f6glich ist<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Weltraum als Wartesaal der Zukunft hat ausgespielt<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Warum versuchen die Menschen ihr Leben<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">als durchg\u00e4ngige Erfolgsgeschichte zu verkaufen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">obwohl sie doch f\u00fcr alle sichtbar angefressen sind?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Jo Chang versucht sich weiter in sich absinken zu lassen, in eigene Tiefenstrukturen vorzudringen. Das Umkreisen ihrer Erinnerungswelten f\u00fchrt zur Erkenntnis, dass auch vermeintlich Authentisches ein Konstrukt sein k\u00f6nnte:<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Archaische qu\u00e4lt uns:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Verdauung \/ sexuelles Verlangen \/ Schmerz<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich ramme mir einen Pflock ins<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">eigene Fleisch &amp; wundere mich<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">dass kein Blut fliesst<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mein Hirn schaltet stumm<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Herz &gt; eine leere Kammer<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Leber &gt; abgesoffen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hinrichtungen dauern zuweilen sehr lang<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ziehen sich ein halbes &gt; ungelebtes Leben hin<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">um sich dann<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">auch noch dem Restlichen zu verweigern<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Selbstdenker bleiben &amp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">mit Trotz auf Vergeblichkeit beharren<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An die Stelle der Versenkung ins Geistige<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">tritt die Versenkung ins K\u00f6rperliche<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">um das eigene Selbst mit<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">der Natur des Universums ins<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Reine zu bringen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">einen Weg zu finden<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">zwischen Tradition &amp; Selbstbehauptung<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Konvention &amp; Rebellion<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Heraus aus den alten Bindungen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">die das Leben einengen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">hinein in neue Bindungen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">die das Leben sch\u00fctzen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Den Unterschied erkennen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">zwischen dem wahren &amp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">dem zu wahrenden Gesicht<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie die Endlichkeit des Lebens begreifen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wann die Gelegenheit des Todes ergreifen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Jo Chang versucht ganze Passagen \u201eklingen\u201c zu lassen, mit Eindeutigkeit zu beschweren und gef\u00e4llt sich in ihrer in splendid isolation:<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dem Elend des Exils<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">die Kraft der Liebe entgegensetzen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kleine Sinn\u2013Inseln finden<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">erfinden\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sich selbst in das Unvermeidliche fallen lassen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">ahnungsweise Sichtbar werden<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nichts mehr haben<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">als sich selbst<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">seinen K\u00f6rper<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">die Bewegung<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">seine eigenen Gedanken<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einen Versuch machen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">bei sich zu bleiben<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">sich zu reduzieren auf den Hunger<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">den Durst<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">die sexuellen Bed\u00fcrfnisse &amp; zuletzt:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">auf den Atem<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was nutzt uns alle Freiheit<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">wenn wir von der kommerziellen Verwertbarkeit<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">aller menschlichen Regungen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">vollkommen umgeben sind?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><span style=\"color: #999999;\">Jo Chang zelebriert wie in einem Selbstzitat das grosse Geheimnis einer verst\u00f6rten Seele. Was ihre Gr\u00f6sse ausmacht ist ein \u00dcbermass an authentischer Unschuld:<\/span> <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was uns bleibt auf der absch\u00fcssigen Bahn<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">sind Augenblicke stummen Ausharrens<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">ein Schweigen &gt; mit dem sich Stille aushalten l\u00e4sst<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seltsam zu erleben<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">wie das Eigene zum Fremden wird &amp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">das Fremde nie ganz vertraut<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier herrscht ein unaufh\u00f6rliches Hin &amp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">her an Gef\u00fchlen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">die sich gegenseitig n\u00e4hren<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">die Mitmenschen gieren nach einer Stimmungsintensit\u00e4t<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Wahnsinn ist der Dietrich ihrer Herzen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mein Zweifel ist ohne Ende\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vielleicht ist es nicht einmal ein Zweifel<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">denn das Spiel des Zweifelns selbst<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">setzt schon Gewissheit voraus<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Universalisierung der Skepsis schl\u00e4gt<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">auf sich selbst zur\u00fcck<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">da sie seine Inhalte neutralisiert &amp; stillstellt<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die beabsichtigte Aufweichung der Wahrnehmung<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">funktioniert schliesslich nur wenn<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">entweder alle verr\u00fcckt sind &gt; bis auf einen oder umgekehrt:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie wird in der Normalit\u00e4t der Wahnsinnigen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">der Wahnsinn der Normalit\u00e4t kenntlich?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>\u00dcbrig bleiben zerbr\u00f6ckelte Satzbausteine, frei flottierende Konversationssplitter aus dem sozialen Ersatzteillager, im Mund gef\u00fchrt von einer wunderwitzig strauchelnden Vokalartistin:<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es fehlt meinen Mitmenschen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">die subjektive Dynamik des Aufbruchs<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ihr Protest ist system\u2013immanent<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ihrem Furor fehlt das Futter<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">der revolution\u00e4re Optimismus<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">der historische Fundus<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und letztlich<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">werden sie sich mit<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">einem aufgekl\u00e4rten Pragmatismus begn\u00fcgen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir sind alle Exilanten<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">verloren gegangen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">mitten in der Welt<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sind rasende Triebsubjekte<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">der zerst\u00f6rerischen Leidenschaft &amp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">leiden als Patchwork\u2013Identit\u00e4ten an<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">der eigenen Inhaltsleere.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Jo Chang schl\u00e4gt die Arme um sich. Tapsende Schritte, oszillierend zwischen Komik und Verzweiflung. Kitsch als Schminke des Daseins:<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zeit angeben<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit der Zeit leben<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seine Uhr nach der Zeit stellen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Zeit\u2013Einheiten denken &amp; arbeiten<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit einer neuen Zeit rechnen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sich im Raum zurechtfinden<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">um auf der Strecke Luft zu haben<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">R\u00e4ume in Raster einteilen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sehen &gt; welche organischen Komponenten eine Rolle spielen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was bleibt sind Ersch\u00f6pfung &amp; tiefer Schlaf<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den Tr\u00e4umen versucht mein K\u00f6rper wieder<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">mit dem Geist ins Reine zu kommen &amp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">sich zu entschlacken<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich weiss nie genau<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">wieviel Wirklichkeit in den Tr\u00e4umen steckt &amp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">wieviel Traum in der Wirklichkeit<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie sich auf sich selbst beziehen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">und den Zeit\u2013Raum finden<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">um \u00fcber sich hinauszuweisen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Zum Raum wird hier nicht die Zeit, sondern der Klang. Goldene, rotbraune T\u00f6ne von der Suche nach pers\u00f6nlicher, nicht etwa kollektiver Erl\u00f6sung.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eAuszehrung\u201c ist ein Wort dieser Sprache<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">das ich immer in der N\u00e4he von \u201eHeimweh\u201c denke<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sehnsucht verkl\u00e4rt\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich fahre in der Erinnerung<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">nicht mehr vorhandene Landschaften ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sehnsuchtslandschaften die l\u00e4ngst unter<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Millionen Kubikmeter gestauten Wassers<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">verschollen sind<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">als versuche man seine Leere zu inszenieren<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">um sich in der Versunkenheit des Ich auszul\u00f6schen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu greifen &amp; begreifen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">das man in einen Hautsack eingeschweisst ist<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit der Begabung sch\u00fctzt<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">man sich vor weiteren Verletzungen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nur wenn man sein Talent auslebt<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">kann man die Narben sch\u00fctzen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">K\u00f6nnen Lebensvorg\u00e4nge eigentlich verlangsamt werden?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Kurzzeitige Taghelle, das die Verlorenheit der Darstellerin im leeren Raum zeigt. Mit den Innereien des Theaters wird gleichsam das Innere der Figur freigelegt.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist nicht mehr der Spiegelraum der Gleichheit<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">von dem meine Mitmenschen tr\u00e4umen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">sie versuchen sich zu optimieren<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">immer schneller zu werden<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie selektieren &gt; versuchen objektiv vorzugehen &amp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">sich stetig den Sachverhalten anzun\u00e4hern<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unter der Arbeit geht ihnen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">bei diesem pragmatischen Ansatz<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">das Selbst verloren<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es scheint ihnen unertr\u00e4glich<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">ihr Leben als etwas v\u00f6llig unzusammenh\u00e4ngendes<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">sehen zu k\u00f6nnen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wo es keinen Sinn gibt<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">konstruieren sie Zusammenh\u00e4nge &amp; versuchen sie in<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">wiederkehrende Strukturen zu bannen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie werden zu Funktionssklaven aus freiem Willen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Fragmente zerlegt erleben sie<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">ihre Patchwork\u2013Identit\u00e4t als<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">das eigentliche Selbst<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Freiheit finden sie in der Demutshaltung der Einfamilienh\u00e4user<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Verschliessen sich in abgeschirmte Wohnparks<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">um sich den Fragen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">die das revolution\u00e4re Erbe stellt<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">nicht mehr aussetzen zu m\u00fcssen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit eiserner Entschlossenheit<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">absolvieren sie ihre Lebensentw\u00fcrfe<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Verantwortliche Lebensgemeinschaften sucht<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">man vergebens<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">meine Mitmenschen f\u00fchren ein Namen\u2013loses Leben<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Warum wollen sie sich dann noch selbst verwirklichen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Jo Chang wird Opfer ihrer heftigen Affekte, hat sich zu sehr gefreut. Hat zu sehr gelitten. Freilich mit dem erforderlichen Stilempfinden. Es gibt bei ihr keine naive, emotionale Eindimensionalit\u00e4t:<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sich so genau kennen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">dass man sich<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">mit sich selbst verwechselt<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese verzweifelte Gier nach Beachtung<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">die verkrampfte Hoffnung wahrgenommen zu werden<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">der Drang nach Mitteilung<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">die Angst vor dem<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Verschwinden im Meer der Bedeutungen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Grauen der Provinz<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">erw\u00e4chst aus der Albernheit<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">sich weltl\u00e4ufig geben zu m\u00fcssen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Meinen Mitmenschen f\u00e4llt nichts anderes ein<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">als Produktideen zu entwickeln<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie schwanken zwischen einem herzlich misslungenem &amp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">einem entsetzlich gelungenem Leben<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus der Spur geraten &amp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">seine eigene Bahn ziehen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wieviele Denkmuster muss man annehmen &amp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">wieviel Verwilderung darf man sich gestatten?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>In ihrer Lebenssinnsuche sichtet sie ihre Papiere, macht sich mit dem \u201eWerkzeug\u201c an die Arbeit. Agiert mit in sich selbst zerfallenen, knappen Gesten. Hingeatmeten und sich in luziden Aphorismen ergehende Fragmente, versucht mit jeder Phrase ihr Leben zu umfassen:<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schere schneidet Papier<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Stein schleift Schere. Punkt<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Punkt, Komma<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Strich \u2014<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">fertig ist\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es scheint<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">als hingen meine Mitmenschen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">der Anschliessbarkeit an<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">einer fortw\u00e4hrend kritischen Pr\u00fcfung der Theorie<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">des Denkens<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">gleichsam eine konstruierende Puzzlearbeit<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jede Form der formulierten Erwartungshaltung<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">schr\u00e4nkt M\u00f6glichkeiten ein<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das wahnhaft Verstehende ist<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">das wahrhaft Vertraute<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Archiv der entt\u00e4uschten Erwartungen kann<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">ich nur meinen eigenen Wahrnehmungsverkennungen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">auf den Grund gehen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Will nicht mehr das sein<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">was ich einmal war &amp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">auch nicht das<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">was ich sein wollte<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erstrebe eine Form von Offenheit<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">die \u00fcber Nacktheit hinausgeht<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">ohne meine Bl\u00f6ssen sch\u00fctzen zu m\u00fcssen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Inwieweit muss man sich inszenieren<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">um glaubw\u00fcrdig zu sein?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Jo Chang hat eine Sehnsucht nach Kontrolle, wenn nicht \u00fcber das Leben, dann zumindest \u00fcber sich:<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich bin auf verzweifelter Suche nach<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">einer wertfreien Beziehung<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">der Dinge zueinander<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">einem herrschaftsfreien Raum<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">einer Demokratie ohne Hierarchie<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Habe eine Sehnsucht nach<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">dem freien<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">mit der Natur einigen Menschen &amp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">erlebe Einsamkeit \/ Isolation \/ Beziehungslosigkeit<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">insbesondere zwischen Mann &amp; Frau<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Unf\u00e4higkeit der M\u00e4nner<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">ihr Verhalten den Frauen begreiflich zu machen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ihre Kommunikation ist defunktionalisiert<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">indem sie in konsumdurchsetzten Plattit\u00fcden<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&amp; selbstreferentieller Leere verharrt<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Angst meiner Mitmenschen vor<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">der Freiheit macht es ihren Unterdr\u00fcckern<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">so leicht \u00fcber sie zu herrschen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Gezeichnet von der Qual selbstzerst\u00f6rerischer Energie. Todernst macht sie ein Seelenchaos sp\u00fcrbar, aus dem es kein Entrinnen gibt. Klar, innig und pr\u00e4zise:<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein wilder Wille war da<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">um mir das Gl\u00fcck zu erk\u00e4mpfen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch Lebensgeschichten m\u00fcssen aus<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">dem Anderswo kommen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">w\u00e4hrend der Tod bereits<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">einen Schatten auf das Erz\u00e4hlen wirft<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Meine Mitmenschen jedoch zitieren Dritte &amp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">sind sich nicht sicher<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">ob sie es selbst sind<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">oder sie sich damit aus<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">dem allgemeinen Ged\u00e4chtnis ausf\u00e4deln<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Sprache spricht uns \u2013<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">ist ein Mittel zur Verst\u00e4ndigung<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">aber die Vielfalt der Sprachen setzt mir Grenzen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nur wenn die Rede eine Sprache findet<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">die uns ber\u00fchrt<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">findet Verst\u00e4ndigung statt<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und nur in diesem Austausch findet<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">jeder zu sich selbst<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Meine Mitmenschen haben sich<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">einer Sprachschulung unterworfen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">die darin bef\u00e4higt<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fragen wortreich unbeantwortet zu lassen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Sprachf\u00e4higkeit dort<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">wo das Leben \u00fcber<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">das n\u00e4chstliegend Sichtbare hinausgeht<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">ist verk\u00fcmmert<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich kann mich nurmehr zu<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">geistig \u00fcberh\u00f6hten Zufluchtsorten bekennen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">habe gelernt<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">das Gl\u00fcck kein Vergn\u00fcgen ist<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nachdenken t\u00f6dlich sein kann &amp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">man sich die Welt neu erfinden muss<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Bausteine meiner Gedanken sind<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">nicht mehr Grundlage des Denkens<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beim Lernen dieser Sprache<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">entdecke ich die unwahre W\u00f6rtlichkeit<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mein Problem lautet:<br \/>\nIst die Syntax ein Organismus?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lebt diese Sprache<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">oder beschreibt sie eine untergegangene Welt?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Raum f\u00fcr Unbehauste. Unsicher in der Fortbewegung testet sie auf Zehenspitzen den Boden aus. Gemurmelte \u00dcberlegungeschleifen:<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Niemand kann seine Vergangenheit einfach absch\u00fctteln<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir werden durch die kulturellen Traditionen gepr\u00e4gt<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">in denen wir aufwachsen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4re unsere Identit\u00e4t v\u00f6llig<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">durch kulturelle Traditionen vorherbestimmt<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">der Mensch w\u00e4re eine trauriges Wesen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Daran will ich nicht glauben<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gibt die Freiheit, Entscheidungen zu treffen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier war es mir m\u00f6glich<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">ein neues Leben zu beginnen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">mich selbst neu zu erfinden<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich halte nichts von<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">der globalen Ausbreitung irgendwelcher Ideen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jeder sollte f\u00fcr sich eine eigene Identit\u00e4t entwickeln<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gibt keine festen Identit\u00e4ten mehr<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">nicht einmal hinsichtlich des Geschlechts<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man w\u00e4hlt selbst das Land<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">die Kultur<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">die Religion<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">der man sich zugeh\u00f6rig f\u00fchlt<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ist es im Zeitalter neuer religi\u00f6ser Kulturkriege nicht m\u00fcssig<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">fromme Appelle zur religi\u00f6sen Humanisierung des Menschen zu verk\u00fcnden?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Jo Chang h\u00e4lt die Hand vor den Mund. Kann sich nicht halten. Prustet. Beginnt zu agitieren:<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn Religionen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">das ethisches Ged\u00e4chtnis der Menschheit sind<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">bieten sie auch der Moderne Kraftquellen moralischer Erneuerung<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Keine Religion hat jedoch die Kraft besessen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ideale einer Zivilisierung des Menschen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">umfassend durchzusetzen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nirgends sind durch<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">religi\u00f6se Ethik die Spannungen zwischen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00e4usserer &amp; innerer Kultur erfolgreich vers\u00f6hnt worden<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was tun &gt; wenn f\u00fcr manche die Ehrfurcht vor dem Leben<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">nichts mehr bedeutet<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">dass Leben nur auf Kosten anderen Lebens<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">das Leben des Menschen nur durch Zerst\u00f6rung<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">des Lebens von Pflanzen &amp; Tieren<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">gelebt werden kann?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Es ist die Transzendenz eines um alle Verletzlichkeit und Verg\u00e4nglichkeit wissenden Humors, der Jo Chang sch\u00fctzt und in denen ihre Sehns\u00fcchte auf ber\u00fchrende Weise aufgehoben ist.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer das Geheimnis der T\u00f6ne kennt<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">weiss um das Mysterium des Weltalls<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kompositionen werden zum<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Refugium indem<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">technische Perfektion &amp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">metaphysische Tiefe verschmilzt<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Jo Chang versp\u00fcrt eine Sehnsucht nach Travestie und Entgrenzung, Enthemmung und \u00dcberschreitung.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcber mich beugen sich<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">eiserne Insekten mit Glasaugen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">weiss vor Gier<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">ein blau schimmernder Raubfisch mit<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">einem Dutzend weit aufgerissener M\u00e4uler<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">kr\u00fcmmt sich hoch \u00fcber<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">einer Menschenmenge<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">die darauf wartet<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">von ihm verschluckt zu werden\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00fcber den D\u00e4chern dieser Stadt wacht<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">eine stolze Phalanx behelmter Soldaten darauf<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">die B\u00fcrger vor weiteren Ungeheuern zu sch\u00fctzen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">auf der Regenrinne hocken monstr\u00f6se<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">juwelenbesetzte Krustentiere<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&amp; warten auf sonnigere Tage<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">w\u00e4hrend sich anderenorts<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">skelettierte Dinosaurier durch<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Treppenh\u00e4user winden<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">immer auf der Suche nach Opfern<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>In einer Ph\u00e4nomenologie der Entfremdung, die zwischen Aufstiegssehns\u00fcchten, Scheinhaftigkeit und Gewinnsucht auslotet, liegt Jo Chang nichts ferner als eine Botschaft.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einst wurden Utopien durch<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Rationalit\u00e4t, Wissenschaft &amp; Technologie verk\u00fcndet\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">schon Vokabular &amp; Sprachduktus zeigten<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">das dies nicht schmerzfrei gelingen konnte<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mir bleibt eine paradox\u2014dialektische Traumwelt:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">die Herstellung von Ganzheit als<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">kontemplative Bergung des gehetzten Ich<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">innerhalb einer vitalistisch durchorganisierten Welt<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Sie offenbart die Unruhe unter der Oberfl\u00e4che ihrer wohlgesetzten, kontrollierten Worte. Kann ihre H\u00e4nde nicht ruhig stellen. Mit den Fingern trommelt sie, verhindert K\u00f6rperexplosionen, indem sie die Arme auf dem R\u00fccken verschr\u00e4nkt, mit der einen Hand die andere festh\u00e4lt. Presst sie unter die Achseln. Es gelingt ihr nicht, die Emotionen zu verbergen.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was bevorsteht ist<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">k\u00fchle N\u00fcchternheit &gt; ein<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">asketisches Knabbern an<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">den Fingern\u00e4geln<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich muss Konventionen &amp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Begriffsverh\u00e4rtungen \u00fcberwinden<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">die Br\u00fccke vom Gedenken in<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">die Gegenwart schlagen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">ergebnisoffene Dialoge f\u00fchren<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">einen Ort suchen um<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">der Erfahrungswelt der Sinne einen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">festen Platz zu geben<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sch\u00f6nheit entsteht durch Hin\u2013Sehen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">die Wirklichkeit so sehen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">wie sie ist &amp; nicht<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">wie sie sein soll<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&amp; Staunen\u2013k\u00f6nnen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">dann w\u00e4re ich gerettet &amp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">trotzdem gerichtet<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><span style=\"color: #999999;\">Autopsie am lebenden Leib, Protokoll einer Ausl\u00f6schung, Diagnose: pathologische Trauer, Schlaflosigkeit, Anorexie, Angstanf\u00e4lle, Selbstmordabsichten, akute Psychose. Das poetopathologische Zelebrieren des Nichts, der Inhaltslosigkeit und massenhaften Reproduktion von plakativer Leere. Jo Chang bringt die Sprache dazu, ihre Arbeit zu tun:<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als ich aus Asien floh<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">ging ich von einer immateriellen &gt;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">unsichtbaren Lichtwirklichkeit aus<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&amp; sah sie in Polarit\u00e4t zur materiellen Welt<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">zwischen den Schriftzeichen versuche ich nun<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">das Licht im Raum sichtbar zu machen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">und einen lichterf\u00fcllten Energiebereich<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">zu erkennen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&amp; sehe nur des Teufels liebsten Trick:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">eine Spiegelung von Spiegeln\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Sie hat einen zersplitterten Spiegel an sich gerissen, in dem sie sich erkennt und zugleich verletzt. Ist eine Gezeichnete auf verzweifelter Suche nach Restbest\u00e4nden von Individualit\u00e4t.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jede Enth\u00fcllung birgt ein neues R\u00e4tsel<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">da der Wahrheit nicht zu trauen ist<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">die Europ\u00e4er reden so \u00fcber Freiheit<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">als h\u00e4tte sie je existiert\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">die Apokalypse geh\u00f6rt zu ihrem Handgep\u00e4ck<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">ohne Ausl\u00f6schung f\u00fchrt kein Weg ins Paradies.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Ihre scharf gespuckten Konsonanten gehen \u00fcber in ein kehliges Lautgestammel, mit dem sie ihr Zeichenalphabet \u00fcbersetzt, murmelt und singt. Es hat den Anschein, als wolle sie sich allein auf das Klangliche kaprizieren. Bis sie der subversiven Kraft von Kl\u00e4ngen wie Worten misstraut:<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unter die hohle Kruste<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">des Schweigens dringen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ausgebrannt<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">den Geschmack von kalter Asche auf der Zung&#8216;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Meine Generation ist daran gescheitert<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">das Physische mit dem Intellektuellen zu verbinden<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Allein im Scheitern scheint<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">der Sinn zu stecken<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">so wie jeder Zerst\u00f6rung<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">die Selbstzerst\u00f6rung innewohnt<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus der Ersch\u00f6pfung sch\u00f6pfen &amp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">sich ersch\u00f6pft haben mit dem Gef\u00fchl<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">ALLES ersch\u00f6pfend behandelt zu haben<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gebremst zur\u00fcckgenommen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">bis an den Rand des Verschwindens gelangen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einsamkeit ist auch nur eine Form<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">vor sich selbst zu fl\u00fcchten<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich muss in aller Zartheit verwegen bleiben &amp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">in der Ruhe die Kraft sammeln<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">die Melancholie des Lebens betrauern &amp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">seine Absurdit\u00e4t verh\u00f6hnen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">mit dem Lachen am Schluss als<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Siegerin untergehen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Den Gesang auf einen Gott anstimmen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">an den ich nicht glaube &amp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">den ich doch mit ins Nichts reissen m\u00f6chte<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wo Schweigen nichts mehr nutzt<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">hilft nur noch Schlaf<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was bleibt ist ein lyrischer Moment<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">der die Fl\u00fcchtigkeit des Lebens festh\u00e4lt\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Jo Chang verneigt sich anmutig. Abgang.<\/em><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Unbehaust<\/strong>. Monodram von A.J. Weigoni. Mit Holzschnitten von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Haimo_Hieronymus\">Haimo Hieronymus<\/a>. K\u00fcnstlerbuch. ur\u00e4us-Handpresse, Halle an der Saale 2003. &#8211; Wiederver\u00f6ffentlicht in <strong>Parlandos<\/strong>, Langgedichte und Zyklen von A. J. Weigoni, Edition Das Labor, Bad M\u00fclheim 2013<\/p>\n<div id=\"attachment_53963\" style=\"width: 197px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Gedichte_Cover.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-53963\" class=\"size-medium wp-image-53963\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Gedichte_Cover-187x300.jpeg\" alt=\"\" width=\"187\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Gedichte_Cover-187x300.jpeg 187w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Gedichte_Cover-560x899.jpeg 560w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Gedichte_Cover-260x417.jpeg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Gedichte_Cover-160x257.jpeg 160w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Gedichte_Cover.jpeg 620w\" sizes=\"auto, (max-width: 187px) 100vw, 187px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-53963\" class=\"wp-caption-text\">Coverphoto: Leonard Billeke<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/01\/18\/das-gesamtwerk-des-sprechstellers\/\">H\u00f6rspielumsetzung<\/a> von <em>Unbehaust<\/em> durch den Komponisten Tom T\u00e4ger ist erh\u00e4ltlich auf dem H\u00f6rbuch: <strong>Gedichte<\/strong> von A.J. Weigoni, Edition Das Labor, M\u00fclheim 2015<\/p>\n<p><strong>H\u00f6rproben \u2192<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Probeh\u00f6ren kann man Ausz\u00fcge der <a href=\"http:\/\/vordenker.de\/weigoni\/schmauchspuren.html\">Schmauchspuren<\/a>, von <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/weigoni\/neige.html\">An der Neige<\/a> und des Monodrams <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/taeger\/senora_nada.htm\">Se\u00f1ora Nada<\/a> in der Reihe <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=17799\">MetaPhon<\/a>. Zuletzt bei KUNO, eine Polemik von A.J. Weigoni \u00fcber den Sinn einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/02\/07\/bartleby\/\">Lesung<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Vorhang \u00f6ffnet sich sehr schnell. Ertappt. Auf der B\u00fchne steht die Patientin Jo Chang mit schreckstarren Augen. Sie befindet sich allein, in auswegloser Lage. L\u00e4sst einen Stapel Bl\u00e4tter fallen. Schlittert \u00fcber das bereits am Boden liegende Papier. Versucht Halt&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2003\/01\/18\/unbehaust\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":14,"featured_media":100072,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[628,1007,35],"class_list":["post-73345","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-a-j-weigoni","tag-bibiana-heimes","tag-tom-tager"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/73345","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/14"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=73345"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/73345\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":101738,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/73345\/revisions\/101738"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/100072"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=73345"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=73345"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=73345"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}