{"id":72868,"date":"1990-09-26T00:01:00","date_gmt":"1990-09-25T22:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=72868"},"modified":"2022-02-27T13:59:00","modified_gmt":"2022-02-27T12:59:00","slug":"love-bites-im-vampyre-empire","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1990\/09\/26\/love-bites-im-vampyre-empire\/","title":{"rendered":"Love\u2013Bites im Vampyre Empire"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;What keeps mankind alive?&#8220;, erkundigt sich die angerauhte Stimme von einer knisternden Schallplatte aus dem Lautsprecher bei dem verbliebenen Gast.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbWat schon? Die Natur h\u00e4lt keinen Sinn bereit. Sie t\u00f6tet jeden, der sich ihr schutzlos aussetzt. St\u00e4dte sind auf Knochen gegr\u00fcndet\u00ab, schnoddert der gefallene Engel am Tresen ver\u00e4chtlich und kippt sich den n\u00e4chsten Drink ohne Eisw\u00fcrfel nach. Die goldenen Haare, die grossen Augen, der breite Mund \u2013 alles schreit danach, begehrt zu werden. Sie macht mit ihrer unterk\u00fchlten Nobilit\u00e4t mehr Effekt als mit ihrer Anmut. Hat es auch geschafft, die Bedienung unter den Tisch zu trinken. Da es in dieser Bar keine Tische gibt, hat sich der Barkeeper auf den Tresen gelegt. Er gleicht einem Wellensittich auf der Stange. Ein greises Kind, das seine Patschh\u00e4ndchen \u00e4ngstlich zu F\u00e4usten ballt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das <em>Bat~Cave<\/em> hat die besten Zeiten hinter sich, es ist eine R\u00e4ucherbude, bei der die Tapeten mit Schweiss angeklebt worden sind, inzwischen bildeten sich in den Kulissen wirklich Stalagmiten. Nicht Schlafende d\u00e4mmern in den Tod, sondern die Toten hoffen, sich ins Leben zur\u00fccktr\u00e4umen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbMix&#8216; noch&#8217;n Bloody Mary!\u00ab, bestellt ein Typ von ausserordentlicher Bl\u00e4sse, der seinen mitternachtsblauen Smoking elegant durch den L\u00fcftungsschacht hieft. Er strahlt jene moralische Selbstgerechtigkeit aus, die das Vorrecht ewiger Jugend ist. Es umgeben ihn priesterlicher Glamour und melancholische Eleganz. Er nimmt die Sonnenbrille ab, schaut ihr in die Augen, verliert sich in einem Blau, das der diskrete Voyeur Jan Vermeer nicht besser h\u00e4tte malen k\u00f6nnen. Auf dem Grund ihrer Aug\u00e4pfel liegt Entlegenes nahe, trifft Sehnsucht auf Melancholie und eine Grandezza, die v\u00f6llig beschwipst ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbDu bist nicht von dieser Welt!\u00ab, stellt er fest, nachdem sie sich erkundet haben. Ist es nicht so, dass Verf\u00fchrer einander sofort erkennen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als sie das blutbeschmierte Taschentuch sieht, das aus der Anzugtasche lugt, geschieht eine L\u00e4uterung durch Furcht und Schrecken, und sie findet ihn tendenziell attraktiv. Aus Mitgef\u00fchl greift sie ins Regal und stellt ihm ein Glas auf die Theke. Sie sehen durch einen Spiegel das R\u00e4tsel \u2013 und nach der Scharfstellung: von Angesicht zu Angesicht. Machen sich miteinander bekannt, obwohl sie einander l\u00e4ngst kennen. Und: erkennen einander.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbGenau wie du\u2026\u00ab, fl\u00fcstert sie ihm mit bebender Bekenntnis\u2013Stimme zu. Ist es nicht eigentlich so, dass man nur verf\u00fchren kann, wenn man bereits verf\u00fchrt ist!?! Sie sch\u00fcttelt den Kopf, um ihn mit ihrer M\u00e4hne zu umwehen. Er versucht ihre Haarwurzeln zu greifen, geschickt entweicht sie. Zur\u00fcck bleibt ein goldenes Haar auf seinem Revers. Er besieht es sich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbBist du etwa ein\u2026\u00ab, ringt er mit den Worten, w\u00e4gt sie auf der Zunge ab, rollt sie zwischen Gaumen und Lippen hin und her, \u00bb\u2026ein Seraph?!?\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbHab&#8216; gek\u00fcndigt. Wenn der Chef etwas mitzuteilen hat, braucht er uns als Boten. Wir \u00fcberbringen Nachrichten, &#8217;ne eigene Meinung ist uns nicht gestattet\u00ab, krabetzt sie proletig daher. Nach den glockens\u00fcsslichen Weihrauchtagen hat sie die Nase endg\u00fcltig voll von gesalbten Worten. Sie liebt es, sich endlich mal so zotig ausdr\u00fccken zu k\u00f6nnen, wie die Menschen, die sie seit Jahrhunderten belauscht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbGott gibt es also wirklich?\u00ab, ist der junge Vampyr erstaunt, w\u00e4re er nicht von Natur aus blass, er w\u00fcrde vollends erbleichen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbIch habe ihn noch nie gesehen, die sechsfl\u00fcgeligen Cherubim umstehen den himmlischen Thron und verbergen <em>Ihn<\/em>vor unseren Blicken; aber ich glaub&#8216;, ich weiss, wer er ist!\u00ab, stellt sie Vermutungen an. Es ihr nicht m\u00f6glich, Genaues, G\u00fcltiges \u00fcber Leben und Schicksal der Menschen auszusagen. Auch wenn sie sich auf nicht manipulierte fotografische Dokumente st\u00fctzt, weiss sie nicht eindeutig, was sie sieht. Die Sichtbarkeit der Welt gibt ihr nur unzureichend Auskunft \u00fcber die Realit\u00e4t, und die digitalen Medien sind noch um etliches unzuverl\u00e4ssiger als der unmittelbare Augenschein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbNa?\u00ab, wird er langsam ungeduldig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbPures Licht!\u00ab, wippt sie im Gleichtakt mit den H\u00fcften und stellt Einsamkeit und Eint\u00f6nigkeit ihres Lebens durch mechanische Wiederholung der immer gleichen Bewegungen dar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbLicht?!?\u00ab, erkundigt er sich bei ihr ungl\u00e4ubig. Sein Hauptfeind. Er giesst nach und st\u00fcrzt einen Doppelten herunter. Auch er hat ein Problem, wie alle Unsterblichen: nach einiger Zeit langweilt man sich. Und wenn man einen Vertrauten gefunden hat, stirbt der einem weg. So spannend das vielgestaltige Spiel mit den M\u00f6glichkeiten auch sein mag, irgendwann frisst die Einsamkeit die Seele auf. Auch dieser Blutsauger hat die Schnauze gestrichen voll:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbMir macht es keinen Spass mehr, zitternden Opfern den Lebenssaft aus dem Hals zu lutschen! Das HIV versaut letztlich den Geschmack.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf dieses <em>Stichwort<\/em> schenkt sie ihrem Gegen\u00fcber den n\u00e4chsten Whiskey ein. Sie l\u00e4cheln sich an, lassen die Gl\u00e4ser aneinanderklicken, vermeinen die Gerste und den Roggen zu schmecken. Er stellt das Glas auf den Tresen, betrachtet die alten Schallplatten, die in ihren zerfledderten H\u00fcllen aussehen wie Flederm\u00e4use. Streicht liebevoll \u00fcber die Cover, nimmt eine LP heraus und legt sie auf dem Plattenteller. Zu den Kl\u00e4ngen von <em>&#8222;Wham Bam Thank You Ma&#8217;am&#8220;<\/em> legen sie einen Tanz hin, wohl wissend, dass dieser Reigen bereits Teil des Vorspiels ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbWollen wir noch mehr Zeit verlieren?\u00ab, tr\u00e4llert sie sopranistisch ph\u00e4nomenal strahlend und gibt sich als geheimnisumranktes Zwitterwesen aus femme fatale und femme fragile, eine Mischung aus berauschendem Glamour und schriller Comic\u2013\u00c4sthetik, aus Las Vegas und Bilderbuch, Poesie und Vulgarit\u00e4t, schockierenden und verzaubernden Momenten. Er w\u00fcrde gerne noch ein T\u00e4nzchen hinlegen und beim stetigen N\u00e4her kommen in der Bewegung den schw\u00fclen Duft ihrer moschusgleichen Ausd\u00fcnstung einatmen. Sie ist unschl\u00fcssig; zwar beobachtet sie seit Generationen die Spezies auf diesem Planeten, doch das ist auf das eigene Erleben kaum \u00fcbertragbar\u2026 und z\u00f6gert hinreissend.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbUnter dem Schatten deiner Fl\u00fcgel suche ich Zuflucht!\u00ab, beweist er mit zartem Tenortimbre, dass er sich in den Psalmen auskennt und ein smarter Schuft ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbGeh&#8217;n wir zu mir oder zu dir?\u00ab, erkundigt sie sich mit einem oft geh\u00f6rten Standard und klimpert dazu mit den Wimpern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbIch dachte, Engel wohnen im Himmel?\u00ab, flapst er, um seine Sch\u00fcchternheit zu verbergen. Der gefallene Engel \u00f6ffnet die T\u00fcr der Bar. In dieser Nacht schillert die schwarze Seele des Weltgeistes. Sie weht ihm mit dem rechten Fl\u00fcgel \u00fcber seine Schulter. Gemeinsam fliegen sie durch die Nacht. Er orientiert sich beim Flug an dem reflektierten Schall, w\u00e4hrend sie den Wind zum Segeln nutzt. Gemeinsam vollf\u00fchren sie gewagte Loopings, kommen einander noch n\u00e4her als beim Tanz, ohne sich jedoch zu ber\u00fchren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor den Toren der Stadt hat sich der gefallene Engel im stillgelegten Tower eines alten Flughafens einquartiert. Sie umkreisen den vom Vollmond illuminierten Turm. Aus der braun\u2013schrundigen Elefantenhaut des Spritzputzes herausgesch\u00e4lt, formiert sich ein makelloser Wohnkubus. Die Begradigung der Dachlandschaft, das Vermauern der senkrechten Fensterb\u00e4nder vor den Treppenh\u00e4usern, das Zusetzen der Atelierfenster bis auf kleine L\u00f6cher war mehr als eine Kontextsensibilit\u00e4t an die neue Nutzung. Sie hat den Tower aus einem weissen Oktogon in einen schwarzen Kubus verwandelt. Zusammen mit der Kugel als dem Urzustand zyklischer Bewegung verk\u00f6rpert der Kubus das Endstadium eines Zyklus, die Unbeweglichkeit; symbolisch bedeutet er die Quadratur des Kreises. Der Kubus ist die Wahrheit, die immer die gleiche bleibt, aus welchem Winkel man sie auch betrachtet, letztendlich stellt er die Vollkommenheit dar. Sch\u00fctzend h\u00e4lt dieses Beh\u00e4ltnis der Unbill von Wind und Wetter stand. Ein wolkiges Grau schm\u00fcckt die Eingangsfassade. Diese elegante Schattierung verleiht dem Bauk\u00f6rper mehr Volumen. Durch unterschiedliche Bindungen changieren die Oberfl\u00e4chen zwischen offenporigen Fl\u00e4chen und speckigen Streifen. Delikat akzentuiert kr\u00e4ftiges Orange und dunkles Gelb die Unterseiten der vorspringenden Bauteile, die zum Dach weisen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Durch ein Kippfenster gelangen sie ins Innere des Towers. Fein abgestimmte Pastellt\u00f6ne bestimmen die Atmosph\u00e4re im Treppenhaus. Die Ausmalung ihres Schlafzimmers orientiert sich mit seiner blau\u2013gelb\u2013roten Gliederung an <em>De Stijl<\/em>. Sie begeben sich ohne Umschweife zum Divan. Ihr Nessel f\u00e4llt zu Boden. Er pellt sich aus dem Smoking. Der Sprengstoff, den man Liebe nennt, beendet ihren Waffenstillstand. Aus den so drapierten Kleidungsst\u00fccken l\u00e4sst sich eine Spur der Leidenschaft rekonstruieren. Ein Inbild selbstverliebter, gleichwohl unbeachtete Gegen\u00fcber adressierter erotischer Verz\u00fcckung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Engelsk\u00fcsse schlucken Vampyrbisse. Ihre Fl\u00fcgel kitzeln seinen R\u00fccken. Ein Hauch, s\u00fcsser als Moschus. Leiber, weicher als Rahm. Erkundungsfahrten auf Schweissfilmen. Die Rache des Verdr\u00e4ngten schmeckt s\u00fcss und verspricht eskapistischen Genuss ohne Reue. Die Liebenden k\u00f6nnen sich nur gegen Fremdbestimmungen wehren, wenn sie eigene Gef\u00fchle und Gedanken haben und so viel Verschiedenheit wie m\u00f6glich ins Leben bringen. Versuchen, Vermittler von Unmittelbarkeit zu sein, in die \u00dcberlieferung des nie Hinreichenden. Treiben ein Spiel mit Zufall und Notwendigkeit, mehr aus Lust an der Konstruktion als aus frommem Glauben. R\u00fctteln an den Fundamenten der Konfession, indem sie Erkl\u00e4rungen bieten zu dem, was in alt\u2013ehrw\u00fcrdigen Bildern beschrieben wurde. Bilder, die am Ende f\u00fcr die Wirklichkeit genommen werden. Erkennen das Abendmahl als nichts anderes als ein ritualisiertes Opfer, bei dem Fleisch gegessen und Blut getrunken wird. Nutzen entschlossen die Kraftfelder.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit Nachdruck bem\u00fcht sich die mythische Sendbotin um den melancholischen Vampyr und f\u00fchrt ihn in Versuchung. Ein Wispern des Behagens begleitet ihr erheiterndes Lachen. Das Feste wird zum Fl\u00fcssigen, das Niedere zum H\u00f6heren, ein ewiges Geben und Nehmen. Das Sch\u00f6pfungsprinzip ist die Konvertibilit\u00e4t der Dinge, der Umbau von all dem, was in dem Einen und Einzigen vorhanden ist. Sie sind Teil dieses Systems als l\u00e4cherliche Kom\u00f6dianten mit ihren niederen Instinkten. Ihre Welt braucht keinen Erl\u00f6ser und keine Dreifaltigkeit, ihr Prinzip ist die Bewegung, die sich in der unendlichen Vielfalt der Dinge kundgibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Vision von einem leergefegten Universum steht am Beginn einer Reise zu den Archetypen unseres Lebens. Dieser Tower ist nicht Vorhof zur H\u00f6lle und nicht Empfangsstation im Himmelreich. Hier lebt alles vom Subtext, davon, dass hinter jeder Handlung das Geheimnis eines Menschen steht. Es gibt keine andere Denkm\u00f6glichkeit, wenn sie innerhalb eines monistischen Weltsystems bleiben. Sie erkennen den freien Willen als Illusion. Wirken wie Schlafwandler. Kultivieren nicht, sondern bereiten vor, was kommen soll. Der Vampyr versenkt sich, einer Sonde gleich, in ihre Seele. Frisst sich durch ihren Kr\u00e4fteorganismus und findet das Bindeglied zwischen den Empfindungen und dem Trieb. Die Liebenden ergreift mit stampfend groovendem Herzpoch eine wilde Raserei. Sie suchen Urspr\u00fcnglichkeit durch Unvorhersehbarkeit und befragen sich mit Wollust als Kreaturen, die sich in Menschengestalt verbergen. Begierde n\u00e4hert sich allm\u00e4hlich dem Siedepunkt. Fleisch als letzte Wirklichkeit. Einschnitte. Das Aufnehmen ihres Bluts ist eine mythische Vereinigung. Er trinkt aus ihr und f\u00fchlt sich zugleich so, als w\u00fcrde sie sein bisheriges Leben aus ihm heraussaugen. In einer Mutation wenden sie sich einander zu und verschmelzen ineinander, k\u00e4mpfen sich \u00fcber den Rand der Ersch\u00f6pfung hinaus und fallen in einen traumlosen Schlaf, der h\u00f6her ist als alle Vernunft. Die Erschaffung der neuen Welt ist ein Mythos, der den langen Evolutionsprozess sinnbildlich zusammenfasst. Engel haben es an sich, dass sie ihre Liebhaber alles vergessen lassen, immer wenn sie erkannt werden, verschwinden sie\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dank Echolot und Ultraschall bleibt kein Ding ohne Antwort. Nachts erkennt man Dinge, die man bei Tag nicht sehen kann. Wer tr\u00e4umt, dass er tr\u00e4umt, ist kurz davor aufzuwachen. Die Sonne kitzelt ihm die Nase. Sein Weltbildapparat ist gest\u00f6rt. Das Monstr\u00f6se hat sich bis zur Durchsichtigkeit gebl\u00e4ht, und nun erblickt er den Menschen. Es ist die Einwilligung in das Bestehende mit dem Trost des Verdachts, es eigentlich besser zu wissen. Das Geistige ist eine amalgamente Eigenschaft seines Gehirns und des Kollektivs der menschlichen Gehirne: Das Leben denkt \u00fcber sich selber nach.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erotik ist eine Form der gegl\u00fcckten Telepathie. Zwei Menschen, die miteinander schlafen, ahnen, was der jeweils andere will. Sie haben einander durchschaut. Am n\u00e4chsten Morgen fallen sie in den alten Zustand der Unlesbarkeit zur\u00fcck. Um wirklich Unsterblichkeit erlangen zu wollen, leben sie bereits zu lang. Der Vampyr und der gefallene Engel sind dazu verdammt, best\u00e4ndig zu werden, und niemals zu sein. Sie sind nicht von damals, nicht von heute, Botenwesen zwischen zwei Sph\u00e4ren, gehetzt und \u00fcberladen mit Bedeutung und mit Auftr\u00e4gen: das Damals den Heutigen zu erkl\u00e4ren, das Heute ins Damals zu \u00f6ffnen. Eine Selbstwertsch\u00f6pfungskette namens Ich setzt sich in Gang\u2026 Ihm ist klar, dass Farben nur existieren, weil sie sich in der Reflexion des Lichts spiegeln, wacht zu Tode erschreckt auf und f\u00e4hrt ungl\u00e4ubig mit der Hand \u00fcber seine Augen. Will hinaus in die Welt, ins Leben. Aber da ist kein Leben mehr in der Welt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Weile liegt der Vampyr da, lauscht in die Stille und ihr Echo auf das ohrenbet\u00e4ubende Schweigen\u2026 Er \u00f6ffnet die Augen und sieht neben sich ein Wesen von faszinierender Weltentr\u00fccktheit, bleicher als der Mond und k\u00e4lter als der Tod. Sie hat keine Moral und keine Prinzipien mehr. Und deshalb kann er ihr vertrauen. Das hybride Himmelswesen l\u00e4chelt ihn an und gibt den Blick auf attraktive Reissz\u00e4hne frei.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Monster<\/strong>, Short-Stories von A.J. Weigoni. Krash-Verlag 1990<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><a class=\"image-anchor\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/1990\/01\/Monster_Cover.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-48067\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/1990\/01\/Monster_Cover.jpeg\" alt=\"\" width=\"179\" height=\"281\" \/><\/a>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Reihe Gossenhefte zeigt sich, was passiert, wenn sich literarischer Bodensatz und die Reflexionsm\u00f6glichkeiten von popul\u00e4rkulturellen Tugenden nahe genug kommen. Der Essay <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=35655\"><em>Perlen des Trash<\/em><\/a> stellt diese Reihe ausf\u00fchrlich vor. Dem Begriff <em>Trash<\/em> haftet der Hauch der Verruchtheit und des Nonkonformismus an. In Musik, Kunst oder Film gilt Trash als Bewegung, die im Klandestinen stattfindet und an der nur ein exklusiver Kreis nonkonformistischer Aussenseiter partizipiert. Dieser angeschmutzte Realismus entzieht sich der Rezeption in einer \u00f6ffentlichen Institution. Daher sei sei Enno Stahls fulminantes Zeitdokument\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26047\">Deutscher Trash<\/a> ebenso eindr\u00fccklich empfohlen wie Heiner Links <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=42272\">Vorwort<\/a> zum Band Trash-Piloten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> Die <strong>Monster<\/strong> Short-Stories waren die Vorstufe zu <strong>Zombies<\/strong>, Erz\u00e4hlungen von A.J. Weigoni, Edition Das Labor 2010<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> KUNO \u00fcbernimmt zu <strong>Zombies<\/strong> einen Artikel von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/10\/05\/turbokapitalistischer-realismus\/\">Kultura-extra<\/a> aus <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/08\/07\/tote-lebende\/\">Neue Rheinische Zeitung<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.fixpoetry.com\/feuilleton\/kritiken\/andrascz-j-weigoni\/zombies-0\">fixpoetry<\/a>. Enrik Lauer stellt den Band unter <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2010\/09\/01\/unter-kanonverdacht\/\">Kanonverdacht<\/a>. Betty Davis sieht darin die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2010\/03\/18\/zur-gegenwartslage-der-literatur\/\">Gegenwartslage der Literatur<\/a>. Constanze Schmidt erkennt literarische <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2010\/10\/23\/polaroids-von-den-schattenseiten-der-gesellschaft\/\">Polaroids<\/a>. Holger Benkel beobachtet <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/10\/25\/kleine-damonen-auf-tour\/\">Kleine D\u00e4monen auf Tour<\/a>. Ein Essay \u00fcber <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2010\/01\/18\/der-sudelbuchschreiber\/\">Unlust am Leben, Angst vor\u2019m Tod<\/a>. F\u00fcr Jesko Hagen bleiben die Untoten <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/01\/12\/die-untoten-sind-lebendig\/\">lebendig<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &#8222;What keeps mankind alive?&#8220;, erkundigt sich die angerauhte Stimme von einer knisternden Schallplatte aus dem Lautsprecher bei dem verbliebenen Gast. \u00bbWat schon? Die Natur h\u00e4lt keinen Sinn bereit. Sie t\u00f6tet jeden, der sich ihr schutzlos aussetzt. 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