{"id":72822,"date":"1990-10-04T00:01:04","date_gmt":"1990-10-03T23:01:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=72822"},"modified":"2022-02-27T13:55:23","modified_gmt":"2022-02-27T12:55:23","slug":"u-boote","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1990\/10\/04\/u-boote\/","title":{"rendered":"U\u2013Boote"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Rainer Ernst entwickelt grundgesunden Familiensinn. Gemeinsam mit seiner Familie aus Weimar besucht er zu Weihnachten eine verschollen geglaubte Tante in Litauen. Im Krieg war die Familie getrennt worden, seine Mutter Elfriede konnte sich mit ihrem Mann nach Weimar durchschlagen, wo er alsbald zur Welt kam. Seine Tante Christel wurde zuletzt auf dem Gutshof in der N\u00e4he von K\u00f6nigsberg gesehen. Dann verlor sich die Spur. Ein Entkommen schien unm\u00f6glich, die rote Armee war in den Landstrich bereits eingedrungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbDas ist doch meine \u00e4ltere Schwester!\u00ab, ruft Elfriede aufgeregt, als eine Frau in einem Dokumentarfilm \u00fcber so genannte <em>Wolfskinder<\/em> zu Wort kommt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbDie Frau heisst aber Kristina\u00ab, merkt Klara an, die den Bericht mit halbem Ohr mitgeh\u00f6rt hat. Fernsehen ist f\u00fcr sie Radio mit Bildern, nirgendwo kann sie sich beim Stricken so gut konzentrieren, wie vor der Glotze.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbSeid doch mal ruhig\u00ab, bittet Rainer, der zum ersten Mal seit dem Tod seines Vaters bei seiner Familie zu Besuch ist. Sie bekommen noch mit, dass mehrere hundert dieser Wolfskinder fast 50 Jahre unter falschen Namen in der Sowjetrepublik Litauen lebten. Als neues Familienoberhaupt ergreift Rainer die Initiative. Er ruft beim Sender an, erh\u00e4lt dort den Kontakt, telefoniert mit dem Filmemacher in Hamburg, \u00fcber eine Ost\u2013Berliner Historikerin bekommt er den entscheidenden Hinweis auf ihre Verwandte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bereits am n\u00e4chsten Tag sind sie unterwegs, an der Ostsee entlang, die Weichsel \u00fcberquerend, \u00fcber die alte Heimat Ostpreussen nach Kaunas. Wegen der Feiertage kommen sie gut durch. Dem \u00fcberm\u00fcdeten Rainer kommt ein Ratschlag seines Vater in den Kopf: \u201eFahr nicht in die Slums. Der Elendstourismus bietet als Souvenir nur echte Betroffenheit.\u201c Nach langer Suche finden sie die Strasse. In der Wohnung jedoch ist niemand. Bange Minuten sind zu \u00fcberstehen, bis sich Klaras Russischkenntnisse bezahlt machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbDie Schwester ist im Vereinssaal\u00ab, erf\u00e4hrt sie von der Nachbarin, nebst der Wegbeschreibung. Wer hier haust, ist noch lange nicht zu Hause. Schon von Ferne h\u00f6ren sie deutsches Liedgut. Ein M\u00e4dchen, das unter einer Laterne wartet, wird von dem Chor besungen. Elfriede ist nicht mehr zu halten, kaum dass der Wagen steht, reisst sie die Autot\u00fcr auf, sprintet in den Saal, erkennt ihre Schwester sofort. Rainer und Klara kommen sp\u00e4ter nach und sehen eine Menschentraube die zwei Menschen umstehen, die sich weinend umarmen. Langsam verebbt das Schluchzen, niemand wagt in keiner Sprache ein Wort zu sagen. Stumm begleiten die Kinder ihre Mutter und Tante zum Auto. Fahren sie zur Wohnung und finden lange Zeit nicht aus ihrer Sprachlosigkeit heraus. Elfriede l\u00f6st das pragmatisch: sie packt die mitgebrachten Lebensmittel aus und beginnt zu kochen. Vertraute Ger\u00fcche l\u00f6sen schliesslich die Zunge der Schwester.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbMutters Rezept.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Elfriede nickt und tr\u00e4gt die Kl\u00f6sse auf. Klara unterst\u00fctzt ihre Mutter beim Auftragen, w\u00e4hrend Rainer den Wein \u00f6ffnet. Christel h\u00e4lt ihre Nase \u00fcber den Teller, riecht und atmet tief ein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbEssen kann man das auch\u00ab, ermuntert Elfriede ihre Schwester. Das l\u00e4sst sie sich nicht zweimal sagen. Rainer schenkt den Rheinwein ein, der seiner Tante langsam die Zunge l\u00f6st.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbWir haben versucht, da herauszukommen\u2026 im Fr\u00fchjahr 1945\u2026 deine Mutter und ich\u2026\u00ab, beginnt sie stockend. \u00bbMit einfachen Mitteln richteten wir uns in den oberen Etagen zerschossener Hausruinen ein, da konnten wir nachts die Leiter hochziehen. Immer, wenn wir die Gem\u00e4uer halbwegs bewohnbar gemacht hatten, mussten wir russischen Soldatenfamilien weichen. Am Ende lebten wir in einem K\u00f6nigsberger Keller. \u00dcber das knietiefe Wasser bauten wir Stege, auf denen wir schliefen. Auf den Brettern schliefen auch die Ratten, davon wimmelte es in der Stadt\u00ab, sie schaudert und sp\u00fclt die Erinnerung mit einem Glas Wein weg. Rainer \u00f6ffnet die n\u00e4chste Flasche und schenkt nach.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbDas Schlimmste stand uns noch bevor: der Hunger. Anfangs fanden sich noch Vorr\u00e4te in den Tr\u00fcmmern. Wer arbeiten konnte, und das konnte kaum ein Drittel von uns, der bekam eine Mehlsuppe und \u00f6liges Brot, das im Magen wie Feuer brannte. Alle anderen mussten sehen, wo sie blieben. Wir mussten essen, was wir fanden: zuerst Kartoffelschalen und Brennesseln, dann Hunde. Am Ende reichte auch das nicht mehr. Eine Nachbarin klopfte an die T\u00fcr unseres Kellers: als ich sie einliess, w\u00fcrgte sie mich: \u201eEntweder du gibst mir was zu essen oder ich esse dich.\u201c Im Herbst starb unsere Mutter an Hungertyphus\u00ab, schluchzt Elfriede. Klara nimmt sie in die Arme. Rainer schenkt seiner Mutter ein weiteres Glas nach. Nachdenklich betrachtet er die Frauen. Was ihm verschlossen bliebt und was zu den Gewaltexzessen dieser m\u00f6rderischen Dezennien ebenso geh\u00f6rt wie die d\u00fcnne Luft der reinen Ideologien, sind die Mechanismen der Zwangsverb\u00e4nde, die vielen zur Heimat wurden. Christel setzt ihre Erz\u00e4hlung fort.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbFrau Wenk, unsere Nachbarin nahm mich auf, weil ich so geschickt war. <em>Zappzerapp<\/em>, wer Lebensmittel organisieren konnte, war gefragt. Und das konnte ich. Das war nicht ungef\u00e4hrlich als ich mit meiner Freundin Jorlinde im M\u00fcllhaufen vor der Kaserne der roten Armee nach Essbarem w\u00fchlte, dr\u00fcckte eine Wache die Kalaschnikow ab. Jorlinde war auf der Stelle tot.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diesmal h\u00e4lt Christel Rainer das Glas hin, der schenkt mit nachdenklicher Miene nach, \u00fcberschl\u00e4gt, und kommt nach einer Weile zu dem Ergebnis, dass sie genug Wein mitgenommen haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbNachdem Frau Wenk ebenfalls an Hungertyphus gestorben war, versteckte mich ein deutscher Doktor im Krankenhaus, auf dem Dachboden. Da lebten viele andere. Wer sich nicht still verhielt, musste das Versteck verlassen. Ich schaffte es drei Wochen. Dann griff mich eine Irre mit einem Messer an. Ich fing an zu schreien und wurde wenige Minuten sp\u00e4ter von dem Arzt vor die T\u00fcr gesetzt. Ich habe dann versucht, mich nach Litauen durchzuschlagen\u2026\u00ab, Christel stockt, die Vergegenw\u00e4rtigung dieser Zeit malt tiefe Furchen in ihr ohnehin faltiges Antlitz. Rainer schenkt ihr Wein nach und erinnert sich an den Dokumentarfilm im Fernsehen. In seinem Ged\u00e4chtnis tauchen Bilder von litauischen Bauern auf, die ins nahe K\u00f6nigsberg fahren und tauschen, was ihre Felder hergeben. Auf dem R\u00fcckweg nehmen sie billige deutsche Arbeitskr\u00e4fte mit, am liebsten Kinder. Wahrscheinlich ist seine Tante auf diese Weise nach Kaunas gekommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbMit meinen Freundinnen versuchte ich, heimlich auf einen Zug aufzuspringen, der Soldaten der Roten Armee zur\u00fcck in ihre Heimat brachte. Ich hatte mich unter Flugzeugteilen versteckt. Eine Freundin wurde von einem betrunkenen Soldaten vom Trittbrett geworfen, eine weitere im Bremserh\u00e4uschen gefunden. Und Dunja fror auf dem Dach fest. Der Winter war unerbittlich\u2026\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beim Gedanken daran zittert sie. Christel geht zum K\u00fcchenschrank, nimmt vier Pinnchen heraus. Nimmt eine Flasche aus dem K\u00fchlfach, stellt den Schnaps auf dem Tisch ab und giesst ihren Verwandten ein. \u201eSelbstgebrannt\u201c, schiesst es Rainer durch den Kopf, nachdem er den Rachenputzer gekippt hat und f\u00e4hrt mit der Zunge gen\u00fcsslich \u00fcber die Lippen. Als k\u00f6nnte seine Tante Gedanken lesen, giesst sie f\u00fcr beide einen Schluck nach. Elfriede und Klara machen sich nichts aus Klarem; sie halten sich zur\u00fcck und nehmen aus H\u00f6flichkeit einen kleinen Schluck.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbSchrille Schreie der Mitreisenden rissen mich aus dem D\u00e4mmerschlaf. Als ich die Augen \u00f6ffnete, ergriff mich Todesangst. Die Soldaten in meinem G\u00fcterwaggon, blutjunge Burschen, \u00adwarfen alle deutschen Frauen und Kinder aus dem Zug. Ich sass ganz still und betete ein Vaterunser nach dem anderen. Meine russische M\u00fctze rettete mir das Leben. Die Soldaten hielten mich f\u00fcr eine Russin und liessen mich weiterschlafen. Ein paar Stunden sp\u00e4ter erreichte der Zug die litauische Stadt Kaunas. Ich hatte es geschafft.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Christel schenkt noch einen Klaren nach und prostet ihren Verwandten zu. Abermals nehmen Elfriede und Klara nur ein Anstandsschl\u00fcckchen, w\u00e4hrend Rainer allm\u00e4hlich auf den Geschmack kommt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbEik pagauk hitlerius!\u00ab, spricht Christel ein paar S\u00e4tze in der Sprache, die sie als Kristina gelernt hat. Als sie die ratlosen Gesichter ihrer Verwandten sieht, \u00fcbersetzt sie ins Deutsche:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bb\u201cLauf, fang die Hitlers!\u201c riefen die Litauer uns nach. Ich war nicht die einzige in Kaunas, es wimmelte von Fl\u00fcchtlingskindern. Neben der bitteren K\u00e4lte war die Polizei der gr\u00f6sste Feind. Wir versteckten uns, wenn Uniformierte in Sicht waren, durften kein Deutsch sprechen und wurden in Krankenh\u00e4usern nicht behandelt. Fiebernd irrte ich durch Kaunas, mein Bauch vom Hunger aufgequollen, hatte eine Lungenentz\u00fcndung und erfrorene H\u00e4nde. Abermals hatte ich Gl\u00fcck, die alte Frau Vaivadyte liess mich in ihrer leerstehenden Wohnung schlafen, jeden Tag gab es Pellkartoffeln. Kaum war ich genesen, musste ich zum Betteln von Haus zu Haus. Ich konnte nur mit den F\u00fcssen an die T\u00fcren klopfen, meine erfrorenen H\u00e4nde versagten den Dienst. Weil ich, wie gesagt, beim <em>Zappzerapp <\/em>so geschickt war, nahm sie mich an Tochters statt auf und besorgte mir falsche Papiere.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbHat denn das niemand gemerkt?\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbSie hielten mich f\u00fcr eine <em>Zemaite<\/em>, weil die Menschen aus Westlitauen einen breiten Dialekt sprechen, und langsam lernte ich die Sprache wirklich und lebte mich ein. Nach einer Direktive konnten viele von uns sogar legal Sowjetb\u00fcrger werden. Die meisten schummelten trotzdem lieber, als sie in das Alter kamen, in dem man Papiere brauchte. Wer ich wirklich war, teilte ich den Beh\u00f6rden auf meine Art mit. 1959 reiste ich nach K\u00f6nigsberg und erkundigte mich nach meinem Elternhaus. Stunden sp\u00e4ter sass ich in der KGB\u2013Residentur am ehemaligen Hansaplatz und erz\u00e4hlte meine Geschichte. Der Geheimdienst schlug mir ein Gegengesch\u00e4ft vor: Ich k\u00f6nne in die Bundesrepublik ziehen, wenn sie eine Verpflichtungserkl\u00e4rung unterschreibe. Ich habe abgelehnt, weil ich meinen Mann kennengelernt habe; dies war meine Pr\u00fcfung f\u00fcr ihn und er hatte sie bestanden!\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbDas ist meine Schwester!\u00ab, ruft Elfriede aus, greift in den Korb und reicht Rainer den Sekt. Der entkorkt den zuckers\u00fcssen Tropfen und schenkt ein. Sie prosten sich zu. Die Westler sind gespannt, wie es mit der Lebensgeschichte weitergeht, die nicht erfunden, noch nicht einmal literarisch gestaltet ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbEnde der 1960\u2013er Jahre arbeitete ich als Krankenschwester und stellte fest, dass ich nicht die einzige Ostpreussin in Kaunas bin. Ich lernte Saskia M\u00fcller kennen, die sich Janina Jankauskaite nennt. Meine neue Freundin war nur nach aussen fr\u00f6hlich, aber ihre Herkunft lastete wie ein M\u00fchlstein auf ihr. Sie sammelte Andenken und rettete die Vergangenheit vor dem Vergehen. Wenn sie Deutsch in Kaunas h\u00f6rte, fing sie an zu zittern, aber sie konnte nicht dar\u00fcber sprechen. Sie sch\u00e4mte sich, dass sie ihre Muttersprache kaum beherrschte, hatte Angst vor dem KGB. Selbst ihrem Mann erz\u00e4hlte sie erst 1972 ihre Geschichte. Am n\u00e4chsten Tag gab ich einer Arbeitskollegin, die Verbindungen in die Bundesrepublik hatte, einen Brief von Janina f\u00fcr den internationalen Suchdienst mit. Wenige Wochen sp\u00e4ter schrieb ihr der totgeglaubte Vater; eine russische \u00dcbersetzung legte er bei. Er hatte seine Tochter 20 Jahre unter ihrem deutschen Namen gesucht. Gesehen hat er sie nicht mehr. Bevor die sowjetischen Beh\u00f6rden den Besuchsantrag bewilligten, starb er. Vom Totenbett schickte er Saskia zwei Puppen. Er hatte sie ihr versprochen, als sie ihn als Vierj\u00e4hrige 1941 nach dem Fronturlaub nicht gehen lassen wollte. Janina und ich machten uns unauff\u00e4llig auf die Suche und fanden im Laufe der Zeit immer mehr Ostpreussen, die sich selbst Wolfskinder nennen\u00ab, beschreibt Christel, dass die Erfahrung der Endlichkeit des Individuums ohne das Wissen steter Erneuerung nicht denkbar ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbHab&#8216; ich was nich&#8216; mitbekommen: Warum eigentlich Wolfskinder?\u00ab, erkundigt sich Klara bei ihrer Tante. Sie wird zum Introspekteur, die fragt, ob der Mensch wie eine Monade leben und die G\u00fcltigkeit gesellschaftlicher Normen negieren kann, oder ob er nicht zwangsl\u00e4ufig in Situationen ger\u00e4t, in denen er sich f\u00fcr oder gegen die Einhaltung von Geboten entscheidet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbWeil wir anf\u00e4nglich vollkommen verwildert waren und nur noch unserem Selbsterhaltungstrieb folgten. Und weil wir wie W\u00f6lfe heulen konnten, gr\u00fcndeten wir einen Gesangsverein; ihr habt die letzten \u00dcberlebenden gesehen, aber erst seit Perestroika d\u00fcrfen wir wieder deutsche Lieder singen\u00ab, verdr\u00fcckt sie ihre Tr\u00e4nen. Zerkaut den Kummer. Christel verbirgt eine zerrissene Seele in einem geschundenen K\u00f6rper. Sie ist ein Stehaufm\u00e4dchen, das aus Krisen lernt, eine kultivierte, leidveredelte Frau. Ihre Kleider tr\u00e4gt sie wie Jahresringe, das Kost\u00fcm ist eine unsch\u00e4lbare zweite Haut.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die wiedervereinte Familie w\u00e4rmt sich an dem Gef\u00fchl, eine Welt gerechter gestalten zu k\u00f6nnen. Nur im Unm\u00f6glichen gl\u00e4nzt Ewigkeit. Ausgerechnet da, wo man sich verschwendet, will man bleiben, in der Gewissheit, nie mehr aus sich herausholen zu k\u00f6nnen als jetzt und hier. Komplikationen f\u00fcr eine Familienzusammenf\u00fchrung gibt es keine mehr. Der Innenminister hat die Wolfskinder anerkannt. Beim Bundesverwaltungsamt in K\u00f6ln hat Rainer f\u00fcr sie die deutsche Staatsangeh\u00f6rigkeit beantragt. Die Staatsb\u00fcrger dieses Landes bildeten eine Versichertengemeinschaft auf Lebenszeit, sie haben sich gr\u00fcndlich ineinander verklammert. Tante Christel bekommt einen deutschen Pass, weil die im neuen Deutschland lebenden Angeh\u00f6rigen ihre Identit\u00e4t durch Dokumente belegen konnten. Sie will keinem Regime mehr verfallen, kennt die Versuchung und ihre Folgen. Der neue Staat soll eine reelle Sache sein. Seine Freiheitlichkeit garantiert das Grundgesetz, man gibt ihm seine Arbeitskraft und kann mit dem harten Geld, das man daf\u00fcr bekommt, seine \u00c4ngste beschwichtigen. Nun holt sie die wiedervereinigte Familie reich ins Heim.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Monster<\/strong>, Short-Stories von A.J. Weigoni. Krash-Verlag 2010<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><a class=\"image-anchor\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/1990\/01\/Monster_Cover.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-48067\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/1990\/01\/Monster_Cover.jpeg\" alt=\"\" width=\"179\" height=\"281\" \/><\/a>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Reihe Gossenhefte zeigt sich, was passiert, wenn sich literarischer Bodensatz und die Reflexionsm\u00f6glichkeiten von popul\u00e4rkulturellen Tugenden nahe genug kommen. Der Essay <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=35655\"><em>Perlen des Trash<\/em><\/a> stellt diese Reihe ausf\u00fchrlich vor. Dem Begriff <em>Trash<\/em> haftet der Hauch der Verruchtheit und des Nonkonformismus an. In Musik, Kunst oder Film gilt Trash als Bewegung, die im Klandestinen stattfindet und an der nur ein exklusiver Kreis nonkonformistischer Aussenseiter partizipiert. Dieser angeschmutzte Realismus entzieht sich der Rezeption in einer \u00f6ffentlichen Institution. Daher sei sei Enno Stahls fulminantes Zeitdokument\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26047\">Deutscher Trash<\/a> ebenso eindr\u00fccklich empfohlen wie Heiner Links <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=42272\">Vorwort<\/a> zum Band Trash-Piloten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> Die <strong>Monster<\/strong> Short-Stories waren die Vorstufe zu <strong>Zombies<\/strong>, Erz\u00e4hlungen von A.J. Weigoni, Edition Das Labor 2010<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> KUNO \u00fcbernimmt zu <strong>Zombies<\/strong> einen Artikel von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/10\/05\/turbokapitalistischer-realismus\/\">Kultura-extra<\/a> aus <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/08\/07\/tote-lebende\/\">Neue Rheinische Zeitung<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.fixpoetry.com\/feuilleton\/kritiken\/andrascz-j-weigoni\/zombies-0\">fixpoetry<\/a>. Enrik Lauer stellt den Band unter <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2010\/09\/01\/unter-kanonverdacht\/\">Kanonverdacht<\/a>. Betty Davis sieht darin die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2010\/03\/18\/zur-gegenwartslage-der-literatur\/\">Gegenwartslage der Literatur<\/a>. Constanze Schmidt erkennt literarische <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2010\/10\/23\/polaroids-von-den-schattenseiten-der-gesellschaft\/\">Polaroids<\/a>. Holger Benkel beobachtet <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/10\/25\/kleine-damonen-auf-tour\/\">Kleine D\u00e4monen auf Tour<\/a>. Ein Essay \u00fcber <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2010\/01\/18\/der-sudelbuchschreiber\/\">Unlust am Leben, Angst vor\u2019m Tod<\/a>. F\u00fcr Jesko Hagen bleiben die Untoten <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/01\/12\/die-untoten-sind-lebendig\/\">lebendig<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Rainer Ernst entwickelt grundgesunden Familiensinn. Gemeinsam mit seiner Familie aus Weimar besucht er zu Weihnachten eine verschollen geglaubte Tante in Litauen. Im Krieg war die Familie getrennt worden, seine Mutter Elfriede konnte sich mit ihrem Mann nach Weimar durchschlagen,&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1990\/10\/04\/u-boote\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":14,"featured_media":98402,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[628],"class_list":["post-72822","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-a-j-weigoni"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/72822","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/14"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=72822"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/72822\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":100995,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/72822\/revisions\/100995"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/98402"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=72822"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=72822"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=72822"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}