{"id":72770,"date":"2017-02-12T00:01:44","date_gmt":"2017-02-11T23:01:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=72770"},"modified":"2022-03-07T13:29:06","modified_gmt":"2022-03-07T12:29:06","slug":"die-gesundheitsfabrik","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/02\/12\/die-gesundheitsfabrik\/","title":{"rendered":"Die Gesundheitsfabrik"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Willbert und No\u00ebmi Neumann haben sich unabh\u00e4ngig gemacht. Die beiden \u00c4rzte haben sich als freiberufliche Biowissenschaftler in Bonn niedergelassen und die Aktiengesellschaft <em>Bio\u2013Tissue Technologies<\/em> gegr\u00fcndet, die Zuchtorgane vertreibt. Das Ehepaar begr\u00fcndete damit die industrielle Revolution des 21. Jahrhunderts, einen Milliardenmarkt f\u00fcr k\u00fcnstlich erzeugte Organe. Nach Bestellung bekommen die Kunden aus keimfreier Verpackung eingesetzt, was sie an Ersatzteilen ben\u00f6tigen. Die Unternehmer verl\u00e4ngern Leben, tragen damit erheblich zur Wertsch\u00f6pfung bei und erzielen High\u2013Tech\u2013Werte an den B\u00f6rsen. Bis es dahin kam, mussten die beiden Nobelpreistr\u00e4ger viel erdulden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Ehepaar hatte bei der gemeinsamen Arbeit in der Transplantationsabteilung des Marienhospitals leidvoll erfahren, dass bed\u00fcrftige Patienten monatelang auf ein Spenderherz, eine Niere oder eine Leber warten und auf den Tod eines anderen hoffen. Doch die frischen Leichen vermochten den Bedarf an menschlichen Ersatzteilen nicht mehr zu decken. In Europa harrten zu dieser Zeit allein 58.000 Menschen auf eine neue Leber, aber nur 4.200 Lebern wurden pro Jahr aus Verungl\u00fcckten und Komapatienten herausgeschnitten und Kranken eingepflanzt. Die \u00fcbrigen auf der Warteliste starben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbWas morgen m\u00f6glich wird, ist bereits in Planung\u00ab, forderte Dr. Neumann in einem Vortrag seine Kollegen an der D\u00fcsseldorfer Universit\u00e4tsklinik auf, Adern, Lebern und ganze Herzen in Glaskolben heranz\u00fcchten. Er prophezeite, dass Organe in W\u00e4rme\u00f6fen aufgehen wie Hefegeb\u00e4ck. Bei seinem Vortrag kamen sich Selbstbewusstsein und Narzissmus immer mit Sch\u00fcchternheit und Unbeholfenheit in die Quere. Schw\u00e4rmerisch skizzierte er auf dem Kongress die M\u00f6glichkeiten der neuen Medizin mit den Z\u00fcchtungen der Sch\u00f6nheitschirurgie neue Tore aufstossen zu k\u00f6nnen. Soziale Probleme sollten durch eine bessere Technologie begradigt werden. Nasen und Ohren nach Wunsch am Computer entworfen, in Formen umgesetzt, im Reaktor erbr\u00fctet werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Kollegen auf dem Gebiet der Gewebekonstruktion beobachteten den Pionier mit Einverst\u00e4ndnis und Befremden zugleich. Die Bioingenieure misstrauten ihm ganz. Deutschland galt zu dieser Zeit noch als Niemandsland im Reich der Antik\u00f6rper, beherrscht von strengen Auflagen und noch strengeren Demonstranten, die hinter jedem Genversuch Gefahren witterten. Selbst sein Onkel, Professor Lurk, bem\u00e4ngelte:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbNoch ist nicht einmal klar, ob Kunstgebilde aus weichem Knorpel nicht nach einiger Zeit einfach zusammenbrechen. Es k\u00f6nnen sich die Retortenst\u00fccke unkontrolliert zu monstr\u00f6ser Gr\u00f6sse oder gar zu Tumoren auswachsen; dass bisher niemand dergleichen beobachtet hat, ist jedenfalls noch kein Gegenbeweis!\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die H\u00f6flichkeit verlangte, dass man Dr. Neumann ausreden liess. Dann \u00fcbergoss man ihn mit h\u00e4mischem Gel\u00e4chter. Es begann das rhetorische Duell, der Kampf um Argumente, das Spiel um die Begriffshoheit. Die Industrie zog ihre Angebote auf F\u00f6rderung zur\u00fcck. Einem Spinner wollte niemand Venture\u2013Kapital geben, in D\u00fcsseldorf schon gar nicht. Nach dem Vortrag war Doktor Neumanns Ruf an der Universit\u00e4t ruiniert. Er war so deprimiert, dass er \u00fcberlegte, als Entwicklungsarzt nach Indien zu gehen. Nur seine Frau glaubte noch an ihn. Als No\u00ebmi die Baupl\u00e4ne seiner Zuchtvisionen \u00fcberblickte, sah sie darin:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbDie genialste Idee, die mir je untergekommen ist!\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie hatte inzwischen promoviert und war die erste, die es wagte, todgeweihten Kindern Lebern einzupflanzen und stand meistens doch hilflos daneben. Weil sie keine Austauschlebern hatte, musste sie zusehen, wie ihre kleinen Patienten gelb wurden, wie ihre B\u00e4uche aufschwemmten und sie elendig starben. Eine Initialz\u00fcndung f\u00fcr die Frau, die eigene Kinder kaum auf die Welt bringen wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Neumanns sind eher Entdecker als Wissenschaftler und geh\u00f6ren zu einer neuen Gattung von Biologen, die sich weniger als Techniker denn als kreative K\u00fcnstler verstehen. No\u00ebmi arbeitete mit ihrem Mann gemeinsam an dem Projekt. Nachts vollf\u00fchrten sie ihre Experimente, tags mussten sie operieren. Weil niemand einen Laborraum hergeben wollte, bauten sie ihr Geschirr auf No\u00ebmis Schreibtisch auf. Petrischalen und Fl\u00e4schchen, in denen sie Fl\u00fcssigkeiten in menschliches Fleisch umwandeln wollten. Mit einem eingef\u00fcgten Ger\u00fcst lassen sich die Zellen dazu \u00fcberlisten, Gestalt anzunehmen, das war No\u00ebmis Zentralidee. Ein purpurner Cocktail, die N\u00e4hrl\u00f6sung aus Eiweiss, Traubenzucker und Spurenmineralien, versetzt mit Penizillin zur Desinfektion, sp\u00fclt \u00fcber die Gazegeflechte im Bioreaktor. In den Glaskolben des k\u00fchlschrankgrossen Ger\u00e4ts, inmitten eines un\u00fcbersichtlichen Gewirrs aus Pumpen und Schl\u00e4uchen, unter Kohlendioxydbegasung und bei exakt 36,8 Grad Celsius vollzieht sich die Fleischwerdung, das sonst im Mutterleib verborgene Mysterium. Ein paar tausend Zellen vermehren sich und wachsen wohlgeordnet zusammen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbOrganzellen sind soziale Wesen\u00ab, verr\u00e4t No\u00ebmi eine Erkenntnis. Durch chemische Dialoge, die noch kein Forscher versteht, tauschen sich die Zellen untereinander aus, ziehen sie die richtigen Nachbarn heran und formen Gestalten: Leberzelle an Leberzelle, Aderngeflecht dazwischen, H\u00fcllgewebe aussenherum. Zwischen den Poren einer schwammartigen Gaze aus einem Milchs\u00e4urepolymer ersonnen und gesponnen rankt sich Gewebe empor wie Spalierobst. Sp\u00e4ter l\u00f6st sich das St\u00fctzkorsett auf, die zu Fleisch, Adern oder Knorpel verwachsenen Zellen bleiben. Einem jungen Patienten fehlten aufgrund eines Erbdefektes die Rippen des linken Brustkorbes. Sein schlagendes Herz war nur durch d\u00fcnne Haut gesch\u00fctzt und im K\u00f6rper deutlich sichtbar. Inzwischen tollt der Junge auf Rollerblades herum; sie haben ihm einen k\u00fcnstlichen Brustkorb eingesetzt, der mit ihm heranw\u00e4chst. Gez\u00fcchtet wurde der Brustkorb aus Knorpelzellen in einer gestalteten Gussform. Auch Material f\u00fcr Teilreparaturen k\u00f6nnen die Organz\u00fcchter liefern: Gewebefetzen aus Leberzellen als Flicken f\u00fcr alkoholgesch\u00e4digte Organe, auf Plastiknetzen gez\u00fcchtete kleinere Knorpelst\u00fccke, um damit kaputte Gelenke zu reparieren. Knorpel f\u00fcr ein Patent\u2013Knie f\u00fcr Fussballspieler gingen in Serie. Sportlerkarrieren konnten zum Ruhm der Nation verl\u00e4ngert werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damit hatten die Gr\u00fcnder von <em>Bio\u2013Tissue Technologies<\/em> noch lange nicht genug. No\u00ebmi tr\u00e4umt von ganzen Organkomplexen aus der Retorte, w\u00e4hrend sich Willi beim K\u00f6rperrecycling noch mit der Z\u00fcchtung von Knorpel begn\u00fcgt. No\u00ebmi kann zw\u00f6lferlei Arten von K\u00f6rpergewebe wachsen lassen, doch ihre synthetischen Lebern, Herzklappen und D\u00e4rme wagt sie nur in Ratten und L\u00e4mmer einzun\u00e4hen. Willi baut Nasen, Ohren, Gelenke und Knochen. Er umgibt sich in seinen Labors mit skurrilen Wesen: Kaninchen, die auf den L\u00f6ffeln menschliche Ohrmuscheln tragen. Schweinen hat er Retortenohren zwischen die L\u00e4ufe montiert, in jede Achselh\u00f6hle eines. Verpflanzte Organe werden aussen sichtbar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbNur dort sind die Artefakte sicher, wenn sich die Tiere im Dreck suhlen\u00ab, gibt Willi die nahe liegende Begr\u00fcndung zu Versuchen, die unumg\u00e4nglich sind. Diese Tiere haben keine Immunabwehr, erkennen die menschlichen Zellen nicht als fremde und spielen die Rolle des lebenden Brutschranks. Das Ohr wird von R\u00fcckenmuskeln und Haut der Maus mit N\u00e4hrstoffen versorgt. Das Schwein ist, immunologisch betrachtet, dem Menschen ein naher Verwandter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Physik und Informatik waren die durchschlagenden Wissenschaften des 20. Jahrhunderts. Tissue\u2013engineering ist die des 21. Jahrhunderts. In den Kliniken fehlt es an Knochenst\u00fccken f\u00fcr entstellte Unfallopfer und Knorpelmaterial f\u00fcr die zerschlissenen Gelenke von Rheuma\u2013 und Arthrosepatienten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbKnorpel ist ein anspruchsloses Gewebe. Es braucht zum \u00dcberleben keine eigenen Blutgef\u00e4sse\u00ab, erkl\u00e4rt Willi. Er best\u00e4tigt, dass mit Knorpelst\u00fccken schmerzende Gelenke geheilt werden. Auch das gr\u00f6sste Organ des Menschen ist rar, die 1,6 Quadratmeter grosse Haut. Willi und Heide k\u00e4mpfen auf der Verbrennungsstation um das Leben der Patienten mit Leichenhaut oder mit zwiebelschalend\u00fcnnen Zuchth\u00e4uten, die bei jeder neuen Lagerung der Patienten abzuplatzen drohen. &#8222;Verbesserungsw\u00fcrdig&#8220; finden sie die M\u00f6glichkeiten zur Abdeckung und Behandlung von Hautwunden. Sie bringen Haut aus der Tube auf den Markt und behandeln damit zuerst Patienten mit chronischen Geschw\u00fcren an Beinen und F\u00fcssen. Innerhalb von 18 Tagen wird aus einer Hautprobe des Patienten eine L\u00f6sung mit Oberhautzellen angefertigt. Mit dieser Fl\u00fcssigzellkultur schliessen sich Wunden nach ein paar Tagen schneller als bei allen anderen Heilversuchen. Mit den Gewinnen k\u00f6nnen sie das Labor ausbauen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Willbert und No\u00ebmi Neumann experimentieren mit avancierten Instrumenten der Biotechnologie, benutzen Werkzeuge der genetischen Wissenschaft, um lebende Darstellungen zu erschaffen, wie Maler Pinsel und Farbe benutzen, um etwas darzustellen. Den Durchbruch bringt ein Modellversuch des Tochterunternehmens Trans\u2013Tissue\u2013Technologies. Nach dem Vorbild einer Leber modellieren die Organz\u00fcchter ein schwammartiges Geflecht aus Milchs\u00e4urepolymeren. Auf dieses St\u00fctzgewebe tr\u00e4ufeln sie einzelne menschliche Leberzellen. Auf vorgeformten Polymeraden platzieren sie Zellen aus Gef\u00e4ssw\u00e4nden. Die Zellen beginnen sich zu vermehren. Gelockt von chemischen K\u00f6dern und verk\u00f6stigt durch eine N\u00e4hrl\u00f6sung, ranken sie sich an dem St\u00fctzgerippe entlang. Die Leberzellen sondern chemische Substanzen ab, die das Spriessen von Blutgef\u00e4ssen steuern. In einem Bioreaktor reift ein st\u00e4ndig durchblutetes und durch Genmanipulationen gewonnenes Organ. Die Immunabwehr des Transplantationspatienten erkennt die Retortenleber nicht als Fremdk\u00f6rper und st\u00f6sst sie nicht ab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn die Abstossungsreaktion des Immunsystems ausreichend unterdr\u00fcckt wird, kann man alles transplantieren. Sie arbeiten daran, aus k\u00f6rpereigenen Gewebekulturen neue Organe zu z\u00fcchten. In den Bioreaktoren von Willbert und No\u00ebmi reifen Adern und Herzklappen. Sie z\u00fcchten zahlreiche Gewebearten, Haut, Sehnen, Knochen, Adern, Harnblasen, Zahnschmelz, Brustwarzen, insulinproduzierende Zellen, Leber\u2013 oder Nervengewebe. In ihren Labors wachsen k\u00fcnstliche Lebern und formgetreue menschliche Ohrmuscheln. Bis in der Laborplantage ein Herz geerntet wird, dauert es nicht lange. Auf den lebenden Ersatzteilbanken warten Organe nach Mass auf den Einsatz. St\u00fcndlich gehen K\u00fchlboxen mit Lieferungen in alle Welt hinaus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damit ist das Ehepaar mit seinen Ideen nicht am Ende angelangt. Hypertrophie paart sich mit Bescheidenheit. Sie suchen nach Erkenntnis nicht wie nach einer einsamen Insel im unermesslichen Meer des Nichtwissens. Ihr Streben gilt einer ausgew\u00e4hlten, best\u00e4tigten Bildung im Meer der Erkenntnis. Es geht ihnen ganz um die Heiligkeit des Lebens, die in der Verfassung als die <em>W\u00fcrde des Menschen<\/em> von Anfang an auftaucht. Willi vermutet, dass die hypermodernen Menschen Mutanten sind, Prototypen von Agenten der Evolution, um mit synthetischer Biologie eine neue Spezies zu erschliessen, die weisesten Verk\u00f6rperungen, die die menschliche Rasse jemals hervorgebracht hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Forscherpaar gewinnt Zellen aus kindlicher Vorhaut, um das Ersatzgewebe <em>Apligraf<\/em> herzustellen. Die Haut ist aus Fremdzellen gewonnen und wird zur Behandlung von Geschw\u00fcren eingesetzt. Im Embryonenschutzgesetz haben sie eine andere Position eingenommen. Man hat diese Debatte lange nicht unter dem Gesichtspunkt einer Verschmelzung von zwei Zellen in vitro gef\u00fchrt, also ausserhalb des Mutterleibs, und die Frage muss erlaubt sein, ob man sich menschliches Leben unabh\u00e4ngig von der Mutter vorstellen kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbIch nenne ein Leben sinnvoll, von dem man eine Zukunft erwarten kann. Ein Leben mit der Chance darauf, einmal als gleichberechtigt akzeptiert zu werden, sobald man einen Raum betritt\u00ab, postuliert No\u00ebmi. Das Feuer der moralischen Auseinandersetzung wird neu gesch\u00fcrt, w\u00e4hrend die schwelende Glut vergangener Konfrontationen erkaltet. Die Gottesebenbildlichkeit des Menschen und die Unverf\u00fcgbarkeit der Menschenw\u00fcrde m\u00fcssen aus etwas anderem folgen. Willbert und No\u00ebmi Neumann entwickeln neue Visionen. Am liebsten w\u00fcrden die Neumanns nicht nur lebenswichtige Organe, sondern alles ersetzen, was am Menschen ersetzbar sein k\u00f6nnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mystisches Halbdunkel herrscht in ihrem Labor. Ein Spinnennetz aus gr\u00fcnen und blauen Laserstrahlen ist mit Hilfe dutzender von Spiegeln kunstvoll durch den Raum gewebt. Turbopumpen singen leise im Hintergrund. Hektische Zacken auf Oszilloskopen zeigen den Puls der Maschinerie. Sie arbeiten daran, in Bioreaktoren die Bauteile von Gehirnen zu erbr\u00fcten. In Zusammenarbeit mit Geningenieuren wollen sie es fertig bringen, die biologischen Merkmale des Individuums aus den Zellen zu verbannen. Ein einziger Typ Leber, Niere oder Herz sollte f\u00fcr alle Menschen passen, auf Wunsch zu bestellen und beim kleinsten Defekt einzubauen sein. Sie m\u00fcssten ihre Patienten nicht mehr zusammenflicken, sondern wie Dirigenten das Zusammenspiel von Retortenorganen und Restk\u00f6rper herstellen. L\u00e4ngst ist ihnen bekannt: Zellen altern durch chemischen Verschleiss. Sie lassen Erbgutmolek\u00fcle entschl\u00fcsseln. Die Puzzlearbeit soll dazu dienen, neue Therapien gegen Alzheimer, Arthrose und Herz\u2013Kreislaufkrankheiten zu entwickeln. Willbert und No\u00ebmi Neumann sind dabei, einen chemischen Jungbrunnen zu erschaffen. F\u00fcr die Verwirklichung seines h\u00f6chsten Lebenswunsches w\u00fcrde Willbert Neumann in jeden Teufelspakt einwilligen, selbst wenn auf dem Beipackzettel als Nebenwirkung der Weltuntergang droht. Menschheitstr\u00e4ume werden wahr: Langlebigkeit, Schutz vor Krankheit und Fehlentwicklungen. Der Zwillingsklon raubt die belastende Illusion, man sei einzigartig. Mit einer perfekten Ersatzteilversorgung r\u00fcckt das Ewige Leben in den Bereich des Machbaren. Es gibt kein Sterben, sondern nurmehr ein Warten, bis man verschwindet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Zombies<\/strong>, Erz\u00e4hlungen von A. J. Weigoni, Edi\u00adtion Das Labor, M\u00fclheim an der Ruhr 2010.<\/p>\n<div id=\"attachment_20097\" style=\"width: 152px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/ZombiesCover3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-20097\" class=\"wp-image-20097 size-full\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/ZombiesCover3.jpg\" alt=\"\" width=\"142\" height=\"207\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-20097\" class=\"wp-caption-text\">Coverphoto: Anja Roth<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>W<\/strong><strong>eiterf\u00fchend\u00a0\u2192<\/strong> KUNO \u00fcbernimmt einen Artikel von Karl Feldkamp aus <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/08\/07\/tote-lebende\/\">Neue Rheinische Zeitung<\/a> und von Jo Wei\u00df von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2010\/02\/18\/turbokapitalistischer-realismus\/\">fixpoetry<\/a>. Enrik Lauer stellt den Band unter <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2010\/09\/01\/unter-kanonverdacht\/\">Kanonverdacht<\/a>. Betty Davis sieht darin die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2010\/03\/18\/zur-gegenwartslage-der-literatur\/\">Gegenwartslage der Literatur<\/a>, Margaretha Schnarhelt kennt den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1990\/01\/18\/bissfest\/\">Ausgangspunkt<\/a> und Constanze Schmidt erkennt literarische <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2010\/10\/23\/polaroids-von-den-schattenseiten-der-gesellschaft\/\">Polaroids<\/a>. Holger Benkel beobachtet <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/10\/25\/kleine-damonen-auf-tour\/\">Kleine D\u00e4monen auf Tour<\/a>. Ein Essay \u00fcber <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2010\/01\/18\/der-sudelbuchschreiber\/\">Unlust am Leben, Angst vor\u2019m Tod<\/a>. F\u00fcr Jesko Hagen bleiben die Untoten <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/01\/12\/die-untoten-sind-lebendig\/\">lebendig<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Willbert und No\u00ebmi Neumann haben sich unabh\u00e4ngig gemacht. Die beiden \u00c4rzte haben sich als freiberufliche Biowissenschaftler in Bonn niedergelassen und die Aktiengesellschaft Bio\u2013Tissue Technologies gegr\u00fcndet, die Zuchtorgane vertreibt. Das Ehepaar begr\u00fcndete damit die industrielle Revolution des 21. 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