{"id":72742,"date":"2023-12-18T00:01:50","date_gmt":"2023-12-17T23:01:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=72742"},"modified":"2022-04-10T15:14:37","modified_gmt":"2022-04-10T13:14:37","slug":"die-patientenverfuegung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2023\/12\/18\/die-patientenverfuegung\/","title":{"rendered":"Die Patientenverf\u00fcgung"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">No\u00ebmi hat erhebliche strukturelle Defizite in der Betreuung entdeckt. Bei ihrem Semesterpraktikum f\u00fcr den medizinischen Dienst in einem Pflegeheim lernt sie die ethische Brisanz kennen, dass statt der Integrationsf\u00f6rderung die Pflege nur nach dem Motto <em>Satt und sauber<\/em> geschieht. Angeh\u00f6rige und Betroffene beklagen sich bei ihr \u00fcber die grausame Behandlung alter Menschen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbWas wir hier haben, ist soziale Euthanasie. Dieses Heim ist ein rechtsfreier Raum, in dem das Grundgesetz schon l\u00e4ngst nicht mehr gilt\u00ab, beschwert sich Nagib Abd el\u2013Walid, der seine Frau Nada liebevoll durch ihre schwere Krankheit begleitet. No\u00ebmi nimmt seine Beschwerde in die Liste \u00fcber die h\u00e4ufigsten Pflegedefizite auf, und verhindert im letzten Moment, dass ohne richterliche Genehmigung eine freiheitseinschr\u00e4nkende Massnahme ergriffen wird, weil die Pflegebed\u00fcrftige ans Bett gebunden werden soll. Der Kollege erh\u00e4lt bereits die zweite Abmahnung. No\u00ebmi tr\u00e4gt ihn in einen Katalog des Grauens ein. Sie beobachtet, dass alte Menschen, die nicht mehr allein essen oder trinken k\u00f6nnen, h\u00e4ufig unzureichend mit Fl\u00fcssigkeit und Nahrung versorgt werden. Die Greise laufen Gefahr, zu verhungern oder zu verdursten. Andere Bewohner des Pflegeheims, die durchaus mit Unterst\u00fctzung des Pflegepersonals in der Lage w\u00e4ren, ausreichend zu essen oder zu trinken, werden mit Sonden ern\u00e4hrt. Das soll Zeit sparen und die Pflege f\u00fcr das Pflegepersonal erleichtern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wirre Zeiten, verirrte Menschen. Beim Gang durch die Station gr\u00fcsst sie einen gepflegten \u00e4lteren Herrn, der selbstvergessen in einer Zeitschrift bl\u00e4ttert. Seine Nachbarin knuddelt, liebevoll vor sich hin murmelnd, eine Babypuppe. Daneben zerreisst eine drahtige, sportlich wirkende Frau eine Illustrierte, aufmerksam be\u00e4ugt von einer anderen \u00e4lteren Dame, die kurz missbilligend den Kopf sch\u00fcttelt und dann wieder in ihrer eigenen Welt versinkt. Scheinbar sitzen sie entspannt im Aufenthaltsraum zusammen und leben doch l\u00e4ngst alle in eigenen Welten. Wie die meisten in diesem Wohnbereich des Heimes, leiden sie unter schwerer Demenz. Deshalb werden sie mit Psychopharmaka ruhig gestellt, um ihren krankheitstypischen Bewegungsdrang zu unterbinden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">No\u00ebmi lernt, Dinge zu ihrer Zeit zu tun. Unter der Arbeit registriert sie, dass kranke Menschen falsche Medikamente bekommen oder ihnen Medikamente in falscher Dosierung verabreicht werden. Psychopharmaka werden ohne \u00e4rztliche Verordnung <em>nach Bedarf<\/em> gegeben. Ihr fallen auf der Station erhebliche Einschr\u00e4nkungen der Lebensqualit\u00e4t der Bewohner bis hin zu Gesundheitssch\u00e4digungen auf. Zur Arbeitserleichterung ihrer Kollegen werden Bewohner, die mit entsprechender personeller Unterst\u00fctzung die Toilette aufsuchen k\u00f6nnen, gegen ihren Willen gewindelt. Der Grund daf\u00fcr ist rein wirtschaftlich. Sie stellt ein erschreckendes Desinteresse des Tr\u00e4gers der Einrichtung an nachpr\u00fcfbaren und kontrollierbaren Pflegestandards fest.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbDie Pflegeversicherung hat nicht die schlechte Pflege provoziert, sondern aufgedeckt\u00ab, emp\u00f6rt sich Nagib mit resignativem Ton, als No\u00ebmi seiner Frau ein neues Morphiumpflaster bringt. Sein kultureller Horizont ist begrenzt, aber er ist neugierig und nimmt Dinge auf wie ein Schwamm, verarbeitet sie und gibt sie in anderer Form zur\u00fcck. Er erkennt, dass es trotz ihres Hilfebedarfs nicht m\u00f6glich ist, ein selbstst\u00e4ndiges und selbstbestimmtes Leben zu f\u00fchren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nada hat ihr Gesicht verloren. Sie verbreitet keinen Apfelb\u00e4ckchen\u2013Charme mehr. Kann niemandem mehr in die Augen sehen. Liegt auf einer beweglichen Luftmatratze, die Druckstellen verhindern soll. Alle zwei Stunden kommt No\u00ebmi ins Zimmer und legt sie auf die andere Seite. Jedes Umbetten bezeugt sie mit einer Unterschrift, damit sie oder ihr Mann es nicht vergessen. Zweimal am Tag wird Nada gewaschen. Alle sieben Tage gebadet. Alle drei Tage bekommt sie ein neues Morphiumpflaster, dreimal am Tag Tee und Sondennahrung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die so genannte Wirklichkeit entgleitet Nada immer mehr. Das L\u00e4cheln der Augen versiegt. Ihre Stimme wird br\u00fcchig. Unentwegt redet sie in schalltoten R\u00e4umen mit sich selbst. Vermisst den Resonanzschall in ihrem Kopf. Der Strom der Worte fliesst strudelf\u00f6rmig ab. Inwandig trudelt das verwunschene W\u00fcstendornr\u00f6schen nunmehr um sich selbst. Es ist ihr nicht m\u00f6glich, einen klaren Gedanken zu fassen. Ausser einem Schlauch, den sie in der Nase hat und \u00fcber den sie k\u00fcnstlich beatmet wird, wirkt nichts auff\u00e4llig an ihr. Sie hat eine gesunde Hautfarbe. Ihr Gesicht wirkt entspannt, als wenn sie schlafen w\u00fcrde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kraftlos sinkt ihr K\u00f6rper tiefer in die Matratze. Ortlos kreiselt sie um das Karzinom. Ihr Hirnstamm reguliert vegetative Funktionen: Temperatur, Atmung, Blutdruck und Schlaf\u2013Wach\u2013Rhythmus. Ihr Grosshirn ist stumm. Sie knirscht mit den Z\u00e4hnen. Schl\u00e4gt mit den Armen. Masturbiert reflexhaft. Am Ende reicht ihre Kraft nur noch dazu, sich fallen zu lassen in den Tod.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Euthanasie\u2013Bef\u00fcrworterin forderte Nada zur Entsorgung ihres Lebens vor dem Klinikaufenthalt aktive Sterbehilfe. Sie wollte die Freiheit haben, den Zeitpunkt ihres Todes selbst zu bestimmen, in W\u00fcrde zu sterben und nicht einer hochtechnisierten Medizin ausgeliefert zu sein. Sie forderte ein Recht auf Ethik in der modernen Medizin ein. F\u00fcrchtete, wie viele Menschen in der zunehmend vergreisenden Bev\u00f6lkerung, den Tod unter Schmerzen, einsam auf einer Intensivstation, ausgeliefert an eine Apparatemedizin, die Leben um jeden Preis verl\u00e4ngern will, und forderte das Recht auf Selbstbestimmung auch beim Tod. Der Arzt, der ihr nicht mehr helfen kann, soll ihr zu einem guten Tod verhelfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbEine brutale Gesinnung hat ethisch verwerfliche, medizinisch unsinnige Experimente in Gang gesetzt, denen Allmachtsfantasien zu Grunde liegen\u00ab, ist der Ethikw\u00e4chter Professor Lurk anderer Meinung. Der Chefarzt bem\u00fcht sich um eine Pflegeplanung, die pflegefachlichen und gesetzlichen Anforderungen entspricht. Er sieht es als seine Pflicht an, zu heilen, zu lindern, zu tr\u00f6sten. Mit individuell dosierten Morphinen, regionalen Nervenblockaden und einer niedrig dosierten Chemotherapie versucht er, die extremen Schmerzen in den Griff bekommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gestorben nicht mehr inmitten der Gesellschaft, der Tod ist ein separater medizinischer Vorgang geworden. Es ist ein offenes Geheimnis, dass seine Kollegen aktive Sterbehilfe praktizieren. Professor Lurk konstatiert, dass die Rechtspraxis der Realit\u00e4t auf den Intensivstationen kaum gerecht wird. Das Abschalten eines Beatmungsger\u00e4ts, das Beenden einer k\u00fcnstlichen Ern\u00e4hrung sind aktive Handlungen. Der Streit \u00fcber ihre Zul\u00e4ssigkeit macht sein ethisches Dilemma deutlich. Es baut sich in der individualisierten Leistungsgesellschaft Druck auf, anderen nicht mehr auf der Tasche zu liegen. Aktive Sterbehilfe hat den \u00f6konomischen Nebeneffekt, dass sie Kosten spart, welche die Kassen oder Angeh\u00f6rige sonst tragen m\u00fcssten. Als Kostend\u00e4mpfung im Gesundheitswesen ist w\u00fcrdiges Sterben angezeigt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbWer gibt mir das Recht, zu entscheiden, ob ein Mensch leben oder sterben soll?\u00ab, hinterfragt der Ethikw\u00e4chter und missachtet bewusst den letzten Willen der Todkranken, die Behandlung abzubrechen. Seiner Ansicht nach hat eine Patientenverf\u00fcgung nur einen geringen Wert; es geht nicht daraus hervor, dass sich die Verfasserin mit dem Thema ihres Sterbens auseinandergesetzt hat, sie enth\u00e4lt nur schematische Formeln wie: \u201ekein unw\u00fcrdiges Leben.\u201c Das Bet\u00e4ubungsmittelgesetz l\u00e4sst dem Chefarzt nicht gen\u00fcgend Spielraum, Leiden zu lindern und hohe Dosen von Opiaten zu geben, auch wenn diese das Leben verk\u00fcrzen. Die pharmakologische Forschung ist an der Palliativmedizin nicht interessiert, mit ihr l\u00e4sst sich zu wenig Geld verdienen. Lurk sieht in Nada keine Kranke mehr, sie ist eine h\u00f6chst interessante Studie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nagib Abd el\u2013Walid sitzt w\u00e4chsern neben dem Bett. Atmet unmerklich. Wacht in and\u00e4chtiger Schweigsamkeit. Weil W\u00fcrde im Leben Kranker ein Konjunktiv ist, bewahrt er seine Frau vor inhumanen Zust\u00e4nden in der Pflege. Nagib ist tief best\u00fcrzt dar\u00fcber, dass \u00c4rzten hierzulande zum Tod kaum mehr einf\u00e4llt, als die Kulturtechniken der Todesverz\u00f6gerung derart zu verfeinern, dass zuletzt nur noch eine Kultur der Sterbehilfe eine Kompensation der Schmerzen verspricht. Die Vorsorge f\u00fcr das nach wie vor Unvermeidliche beschr\u00e4nkt sich auf das Testament; die Gr\u00e4ber werden nach einer Anstandsfrist ger\u00e4umt. Nagib weiss, dass man aus der Geschichte nicht lernen kann, man kann sich in ihr \u00e4ndern und sich mit Beispielen unterschiedlichen Verhaltens konfrontieren. Das Studium dieser Kulte kann Licht auf die geheimen Tr\u00e4ume der Gesellschaft in Bezug auf die Wissenschaft werfen. Er denkt \u00fcber eine konstruktive Kontextsensibilit\u00e4t nach, die das schwierige Verh\u00e4ltnis von Autonomie und Zugeh\u00f6rigkeit zur Familie ausbalanciert. Sie lebten ein Mobile, bei dem sich alle Transaktionen in dem Gleichgewicht halten, das sich ihre Familie irgendwann gegeben hat. Die systemische Therapie macht dieses Gleichgewicht, die Kr\u00e4fteverteilungen und Beziehungen zueinander sichtbar, indem sie den Patienten seine Familie im Raum aufstellen l\u00e4sst. In den morphogenetischen Feldern dieser kathartisch wirkenden Aufstellung suchen sie das archaische Erbe bis ins siebte Glied. Nagib versucht zu der Apallikerin Kontakt aufzunehmen. Wartet in verzweifelter Hingabe auf eine Reaktion ihres Bewusstseins, eine Instant\u2013Heilung. H\u00e4lt ihre Hand. Wird sie die ganze Nacht \u00fcber nicht loslassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fr\u00fchschicht. No\u00ebmi beginnt mit der Arbeit. Kontrolliert die Apparaturen. Stellt fest, dass Nadas Atemzentrum, das im Hirnstamm sitzt, ausgefallen ist. Zum Pflichtprogramm der Hirntoddiagnostik geh\u00f6ren Tests, die starke Schmerzen hervorrufen k\u00f6nnten bei jemandem, der gar nicht hirntot ist: Nadelstiche in die Nasenscheidewand oder auch Sp\u00fclungen der Geh\u00f6rg\u00e4nge mit Eiswasser. No\u00ebmi kann keine Lazarus\u2013Zeichen erkennen. Das EEG zeigt eine Null\u2013Linie an. Es lassen sich bei der Patientin keine spinalen Reflexautomatismen mehr ausl\u00f6sen, die \u00fcber Hirnnerven geleitet werden. Pupillenreaktionen auf Lichtreize, Lidschlag bei Ber\u00fchrung der Augenhornhaut, W\u00fcrgereflexe beim Ber\u00fchren des hinteren Rachenraumes oder Schmerzreflexe auf feine Nadelstiche in die Nasenscheidewand. No\u00ebmi klappt Nada die Lider \u00fcber die Augen. Nach der \u00dcberpr\u00fcfung verl\u00e4sst sie diskret den Raum und benachrichtigt den diensthabenden Arzt. Jedes Leben ist auf dieser Station eine Himmelfahrt. Was man hier f\u00fcr Leben h\u00e4lt, ist der Wartesaal des Todes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbWie behandelt, wie <em>heilt<\/em> man den Tod?\u00ab, erkundigt sich der Chefarzt nachdenklich bei No\u00ebmi. Er sieht einen Zusammenhang mit der Zul\u00e4ssigkeit von genetischer Pr\u00e4implantations\u2013Diagnostik und therapeutischem Klonen von Embryonen, sowie dem Versuch einer Re\u2013sakralisierung der Debatte \u00fcber moralische Grundwerte. Wer aber, so glaubt er, von <em>seiner Religion<\/em> reden kann, der hat keine. Christi Niederlage war nicht die Kreuzigung, sondern der Vatikan. Lurk w\u00e4re gern wieder religi\u00f6s, doch gibt es f\u00fcr ihn keine intellektuell akzeptable Weltreligion. Der blosse Anspruch, eine Institution zu sein, garantiert nicht das ewige Leben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbOb Sie den Tod nur in Kauf nehmen oder bewusst herbeif\u00fchren, um das Leiden zu verk\u00fcrzen, l\u00e4sst sich in der Praxis kaum unterscheiden\u00ab, best\u00e4tigt die Schwester. Das individuelle Selbstbestimmungsrecht \u00fcber das eigene Leben sollte auch das Recht einschliessen, es zu beenden, wenn seine Fortsetzung nicht mehr ertr\u00e4gliches Leiden einschliesst. Es ist nicht belegt, dass eine f\u00fcr hirntot erkl\u00e4rte Person tats\u00e4chlich \u00fcber keinerlei Wahrnehmungsverm\u00f6gen verf\u00fcgt. No\u00ebmi ist daf\u00fcr, dass Hirntote bet\u00e4ubt werden, bevor man Organe entnimmt. Man streicht Zusch\u00fcsse f\u00fcrs Dahinvegetieren nicht. Oberster Massstab f\u00fcr alle Mitarbeiter sollte ihrer Ansicht nach das Befinden der Patienten sein, nicht der reibungslose Ablauf einer Pflegemaschinerie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbWir handeln falsch, weil wir falsch denken. Was k\u00f6nnen wir tun? Wie m\u00fcssen wir denken?\u00ab, murmelt der Chefarzt. Jede Theorie sollte eine Verbindung zur Realit\u00e4t herstellen und erkunden, welche Variable in welcher Gr\u00f6sse der Wirklichkeit entspricht. Erst diese Theorie entscheidet, was beobachtet werden kann, und man sieht nur, was man weiss. Und Verst\u00e4ndigung ist nur m\u00f6glich, weil sich die Menschheit auf Metaphern geeinigt hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbWorte k\u00f6nnen der Verst\u00e4ndigung dienen, sie k\u00f6nnen aber auch das Gegenteil bewirken: Verwirrung. Wie schaffen Sie es, sich an begrifflich zerst\u00f6rte Gebiete neu heranzutasten?\u00ab, erkundigt sich No\u00ebmi, um seine Verschlossenheit in einen Vorteil zu verwandeln. Das zu begreifen, was sie ergreift, darin scheint sich der Lebenssinn zu erf\u00fcllen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbDas geht nur mit allergr\u00f6sster Vorsicht. Es gibt eine erschreckende Abnutzung der Beschreibungen von Katastrophen in der deutschen Sprache. Man mag die Begriffe nicht mehr h\u00f6ren, weil sie alles nur zukleistern: W\u00f6rter wie Holocaust, Auschwitz und selbst Jude. Deshalb kommt es darauf an, in eine Art Nullsituation zur\u00fcckzukehren, von der aus man die \u00fcberkommenen Sprachformen wegkehrt \u2013 und versucht, neu sprechen zu lernen. Mit der Zulassung aktiver Sterbehilfe jedoch wird das T\u00f6tungsverbot ausser Kraft gesetzt, das die erste Grundlage und das moralische Selbstverst\u00e4ndniss unserer zivilisierten Gesellschaft bildet\u00ab, gibt der Chefarzt zu bedenken, dass der Tod und seine kulturelle Formung das Sinn\u2013Zentrum jeder Kultur ist. Kultur in ihren zentralen und anspruchsvollen Aspekten ist nichts anderes als die symbolische Realisierung eines umgreifenden Horizonts. Die Widerspr\u00fcche zwischen Lurks st\u00e4ndigem Schwanken, seiner zynischen Menschenbehandlung, seiner philosophischen \u00dcberlegenheit, seiner charismatischen Einzigartigkeit, lassen sich nur aufzeigen, aber nicht synthetisieren. Die Fassade von K\u00e4lte und Gleichg\u00fcltigkeit dient als Schutzschild gegen \u00c4ngste und Selbstzweifel. Professor Lurk legt die Studie \u00fcber Nada beiseite und wendet sich angelegentlich dem n\u00e4chsten Fall zu.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Zombies<\/strong>, Erz\u00e4hlungen von A. J. Weigoni, Edi\u00adtion Das Labor, M\u00fclheim an der Ruhr 2010.<\/p>\n<div id=\"attachment_20097\" style=\"width: 152px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/ZombiesCover3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-20097\" class=\"wp-image-20097 size-full\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/ZombiesCover3.jpg\" alt=\"\" width=\"142\" height=\"207\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-20097\" class=\"wp-caption-text\">Coverphoto: Anja Roth<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>W<\/strong><strong>eiterf\u00fchend\u00a0\u2192<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">KUNO \u00fcbernimmt einen Artikel von Karl Feldkamp aus <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/08\/07\/tote-lebende\/\">Neue Rheinische Zeitung<\/a> und von Jo Wei\u00df <span data-offset-key=\"cphj4-0-0\">aus der vom Netz gegangenen<\/span> <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2010\/02\/18\/turbokapitalistischer-realismus\/\">fixpoetry<\/a>. Enrik Lauer stellt den Band unter <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2010\/09\/01\/unter-kanonverdacht\/\">Kanonverdacht<\/a>. Betty Davis sieht darin die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2010\/03\/18\/zur-gegenwartslage-der-literatur\/\">Gegenwartslage der Literatur<\/a>, Margaretha Schnarhelt kennt den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1990\/01\/18\/bissfest\/\">Ausgangspunkt<\/a> und Constanze Schmidt erkennt literarische <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2010\/10\/23\/polaroids-von-den-schattenseiten-der-gesellschaft\/\">Polaroids<\/a>. Holger Benkel beobachtet <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/10\/25\/kleine-damonen-auf-tour\/\">Kleine D\u00e4monen auf Tour<\/a>. Ein Essay \u00fcber <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2010\/01\/18\/der-sudelbuchschreiber\/\">Unlust am Leben, Angst vor\u2019m Tod<\/a>. F\u00fcr Jesko Hagen bleiben die Untoten auch weiterhin <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/01\/12\/die-untoten-sind-lebendig\/\">lebendig<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; No\u00ebmi hat erhebliche strukturelle Defizite in der Betreuung entdeckt. 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