{"id":72608,"date":"2011-09-09T00:01:03","date_gmt":"2011-09-08T22:01:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=72608"},"modified":"2022-02-22T20:41:11","modified_gmt":"2022-02-22T19:41:11","slug":"maulhure","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2011\/09\/09\/maulhure\/","title":{"rendered":"MAULhURE"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch, es gibt sie noch, die kritische Subkultur, die nicht nach hohlem Starkult lechzt, sondern bei der es um Inhalte geht. Die an die Kraft der Kunst glaubt und die Kunst nicht nur als Neurosentr\u00e4ger mi\u00dfbraucht.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier sind sie alle versammelt. J\u00fcrgen Ploog, Ira Cohen, auch Hadayatullah, der k\u00fcrzlich erst von uns ging, zusammen mit den Rebellen der j\u00fcngeren Generation: Florian G\u00fcnther, Urs B\u00f6ke, Jerk G\u00f6tterwind, Roland Adelmann und diverse mehr. Das Cover stammt von Jenz, der j\u00e4hrlich mit seinem INSIDE ARTZINE im grafischen Bereich abdeckt, was die Dichter mit Worten umschreiben.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Qualit\u00e4t. Man kriegt sie so selten zu Gesicht. Bei den Ego-Schauen auf Facebook und MySpace, bei den Leseb\u00fchnen, Lesezirkeln und K\u00e4sebl\u00e4ttern kommt sie so gut wie gar nie vor. \u201eSubkultur\u201c, sagte ein Leseb\u00fchnen- und Heftlesdichter mal, \u201eist doch eh nur das, was bei Rowohlt und Suhrkamp nicht reinkommt, weil es zu schlecht ist.\u201c HELs Spruch \u201ewer nix taugt als unkrautvernichter \/ wird dichter\u201c schien mir zeitweise wirklich wortw\u00f6rtlich zuzutreffen, ohne jede Ironie: viele \u201eDichter\u201c, die ich kennenlernte, waren die gr\u00f6\u00dften Deppen weit und breit, hochneurotisch, mimosenhaft, selbstverliebt, minderbegabt und vor allem: vom Schreiben keine Ahnung und zum Schreiben keine Beziehung. Wenn die \u00c4u\u00dferlichkeiten zum Aufnahmekriterium werden, gibt es keine Inhalte mehr. Wenn jeder Alkoholiker und St\u00fctzi Dichter sein kann dadurch, da\u00df er Alkoholiker und St\u00fctzi ist, dann d\u00fcnnt die Suppe aus.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gibt tats\u00e4chlich wenige Autoren und Organe, bei denen ich Gl\u00fchen sp\u00fcre. Biby Wintjes ist tot, Bruno Runzheimer auch, Hadayatullah auch. In Thomas Collmers ROLLERCOASTER gl\u00fcht es, in Axel Montes RUDE LOOK, in der Berliner \u201eFloppy Myriapoda\u201c gl\u00fcht es nicht wirklich, auch \u201eLibus\u201c war nur Fake, und die \u201eLuftruinen\u201c sind manchmal auch noch nicht mehr als ein Organ f\u00fcr Leseb\u00fchnis, die probieren wollen, ob sie au\u00dfer lesen auch schreiben k\u00f6nnen. Und auch aus Leipzig kommt nichts mehr \u2013 Frank Br\u00f6kers H\u00c4RTER wurde immer weicher, seit es zum \u201eHaus aus Stein\u201c wurde und es nur noch um den Placebo-Barden Pratajev geht.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber B\u00f6kes MAULhURE gl\u00fcht. Diese Gedichte und Prosetten sind nicht zu schlecht f\u00fcr Rowohlt und Konsorten, sondern zu gut. Zu ehrlich. Zu direkt. Zu offen. Die Dichter sind keine jungen Spunde mehr, sie m\u00fcssen weder sich noch dem Leser etwas vormachen. Der fr\u00fche Social Beat war ja auch deshalb oft so banal und pr\u00e4tenti\u00f6s, da man das Gef\u00fchl hatte, man m\u00fcsse nur m\u00f6glichst viel Sex und Suff in den Zeilen unterbringen und den Macker raush\u00e4ngen, und schon w\u00e4re es ein Gedicht. Von derlei Affereien hier keine Spur \u2013 na gut, bis vielleicht auf \u201eBettfedern\u201c von Hartmuth Malorny. Aber sonst \u2013 Hermann Borgerdings Menschlichkeit r\u00fchrt einen bis ins Mark, genauso J\u00f6rg Herbig. Jerk G\u00f6tterwind schreibt \u00fcber Beh\u00f6rden und \u00fcber eine verquaste K\u00fcnstlertussi, und da ist \u00fcberall ein Glimmen zwischen den Worten. Und Florian G\u00fcnther reflektiert \u00fcber verflossene Frauen, \u00fcber Janis Joplin und Arthur Rimbaud, und, G\u00fcnther: es geht nicht darum, aufh\u00f6ren zu schreiben. Auch Rimbaud hat ja nicht aufgeh\u00f6rt zu schreiben. Er hat nur aufgeh\u00f6rt, sich in den Schickimicki-Dichterzirkeln in Paris herumzutreiben und zu ver\u00f6ffentlichen. Verstummt ist er nie.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Und ich bin froh, da\u00df auch die MAULhURE nicht verstummt ist.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Subkultur ist z\u00e4h. Jedenfalls die echte. Sie \u00fcbersteht Krebs, Entzugskuren, Nervenzusammenbr\u00fcche und falsche Propheten. Sie wird reifer, sie wird humorvoller, sie kann grinsen, sie ist gelassener. Aber sie ist nicht totzukriegen.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie gl\u00fcht, ja. Die Asche ist warm. Und das tut gut.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:post-content -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph {\"fontSize\":\"large\"} --><\/p>\r\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:image {\"align\":\"left\",\"id\":65501,\"width\":287,\"height\":413,\"sizeSlug\":\"large\"} --><\/p>\r\n<div class=\"wp-block-image\" style=\"text-align: justify;\">\r\n<figure class=\"alignleft size-large is-resized\">\r\n<div id=\"attachment_65501\" style=\"width: 297px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-65501\" class=\"wp-image-65501\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Biby_Wintjes.jpg\" alt=\"\" width=\"287\" height=\"413\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Biby_Wintjes.jpg 383w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Biby_Wintjes-209x300.jpg 209w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Biby_Wintjes-260x374.jpg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Biby_Wintjes-160x230.jpg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 287px) 100vw, 287px\" \/><p id=\"caption-attachment-65501\" class=\"wp-caption-text\">Josef &#8222;Biby Wintjes. Portr\u00e4t: Bruno Runzheimer<\/p><\/div>\r\n<\/figure>\r\n<\/div>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:image -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph \/-->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph --><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu den Gr\u00fcndungsmythen der alten BRD geh\u00f6rt die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/04\/01\/nonkonformistische-literatur\/\">Nonkonformistische Literatur<\/a>, lesen Sie dazu auch ein Portr\u00e4t von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2000\/04\/04\/vauo\/\">V.O. Stomps<\/a>. Kaum jemand hat die L\u00fcckenhaftigkeit des <em>Underground<\/em> so konzequent <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/09\/24\/underground\/\">erz\u00e4hlt<\/a> wie N\u00ed Gudix und ihre <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/08\/23\/kritik-an-der-literarischen-alternative\/\">Kritik an der literarischen Alternative<\/a> ist berechtigt. Ein Portr\u00e4t von N\u00ed Gudix findet sich <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/08\/16\/da-lernst-du-die-menschen-kennen\/\">hier<\/a>. Lesen Sie auch die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2005\/09\/24\/erinnerungen\/\">Erinnerungen an den Bottroper Literaturrocker<\/a> von Werner Streletz und den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/09\/28\/rip-bruno\/\">Nachruf<\/a> von Bruno Runzheimer. Zum 100. Geburtstag von Charles Bukowski, eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/08\/16\/ledertasche-geborgt\/\">Doppelbesprechung<\/a> von Hartmuth Malornys Ruhrgebietsroman <em>Die schwarze Ledertasche<\/em>. 1989 erscheint Helge Schneiders allererste Schallplatte <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26990\"><em>Seine gr\u00f6\u00dften Erfolge<\/em><\/a>. Produziert von Helge Schneider und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/07\/20\/klangkloetzchen\/\">Tom T\u00e4ger<\/a> im Tonstudio\/Ruhr. Lesen Sie auch das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26709\">Portr\u00e4t <\/a>der einzigartigen Proletendiva aus dem Ruhrgebeat auf KUNO. In einem Kollegengespr\u00e4ch mit Barbara Ester dekonstruiert A.J. Weigoni die <em><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1997\/10\/09\/ruhrgebietsromantik\/\">Ruhrgebietsromantik<\/a><\/em>. Mit<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=6071\"> Kersten Flenter<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/06\/23\/killroy-review\/\">Michael Sch\u00f6nauer<\/a> geh\u00f6rte <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/08\/24\/polyphone-ich-erzaehlungen\/\">Tom de Toys<\/a> zum\u00a0Dreigestirn des deutschen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1997\/01\/05\/bewegung\/\">Poetry Slam<\/a>. Einen Nachruf von Theo Breuer auf den Urvater des Social-Beat finden Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/03\/07\/hubsch-revisited\/\">hier<\/a> \u2013 Sowie selbstverst\u00e4ndlich his <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1995\/06\/25\/wie-was-social-beat-ist-und-warum-und-warum-nicht\/\">Masters voice<\/a>. Und Dr. Stahls kaltgenaue <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2002\/06\/26\/social-beat-vs-digitales-dasein\/\">Analyse<\/a>. \u2013 Constanze Schmidt beschreibt den Weg von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26080\">Proust zu Pulp<\/a>. Ebenso eindr\u00fccklich empfohlen sei Heiner Links <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=42272\">Vorwort<\/a> zum Band Trash-Piloten. Die KUNO-Redaktion bat A.J. Weigoni um einen Text mit Bezug auf die Mainzer Minpressenmesse (MMPM) und er kramte eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1993\/05\/31\/treff-der-titanen\/\">Realsatire<\/a> aus dem Jahr 1993 heraus, die er f\u00fcr den Mainzer Verleger Jens Neumann geschrieben hat. Ein w\u00fcrdiger Abschlu\u00df gelingt Boris Kerenski mit <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/03\/30\/wer-war-ist-noch-social-beat\/\">Stimmen aus dem popliterarischen Untergrund<\/a>.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Doch, es gibt sie noch, die kritische Subkultur, die nicht nach hohlem Starkult lechzt, sondern bei der es um Inhalte geht. Die an die Kraft der Kunst glaubt und die Kunst nicht nur als Neurosentr\u00e4ger mi\u00dfbraucht. 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