{"id":72499,"date":"2000-11-26T00:01:05","date_gmt":"2000-11-25T23:01:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=72499"},"modified":"2022-02-27T13:46:42","modified_gmt":"2022-02-27T12:46:42","slug":"brautschau","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2000\/11\/26\/brautschau\/","title":{"rendered":"Brautschau"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbEhj Vater, hast du das gelesen?\u00ab, erkundigt sich Steffen, ob seinem Vater die Realit\u00e4t als Pr\u00fcfstand abhanden gekommen ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbWas denn?\u00ab, wendet sich Heiner Zelmer bei der Fr\u00fchst\u00fcckslekt\u00fcre \u00fcber die Zeitung hinweg seinem Sohn zu. Er fragt sich, ob er auf der Wirtschaftsseite etwas Wichtiges \u00fcberlesen hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbLaut Statistik kommen auf eine deutsche Frau 2,5 M\u00e4nner\u00ab, rezitiert Steffen aus der bunten Seite. Giesst Kaffee ein und legt eine Ladung Toast nach.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbTraue nie einer Statistik, die du nicht selbst gef\u00e4lscht hast\u00ab, zieht sich der Vater auf einen Allgemeinplatz zur\u00fcck. Er ist es nicht gewohnt, mit seinem Sohn Gef\u00fchlsangelegenheiten zu besprechen. Statt dessen besch\u00e4ftigt er sich mit seinem Fr\u00fchst\u00fccksei und \u00fcbt sich in der Melancholie des Zeitverstreichens.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbDas ist gut ausrecherchiert! Hat ein Kollege von mir gemacht\u00ab, wehrt sich der Filius und legt die Zeitung zu seinem Vater r\u00fcber. Der zieht sie an sich, als sei sie ein St\u00fcck benutztes Toilettenpapier. \u00dcberfliegt den Artikel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbIhr seid ja unglaublich motiviert, seit der Praxisbezug in eurer Ausbildung st\u00e4rker betont wird\u00ab, merkt Heiner ironisch an, um das Thema abzuschliessen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbDas macht jetzt auch richtig Spass. Der Aufmacher von Lothar ist ein Teil einer Serie, die wir beim Chefredakteur durchgesetzt haben.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbWas f\u00fcr ein Thema verhackst\u00fcckt ihr?\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u00bbLiebeslagen.\u00ab<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbAch ja. Steht ja auch im Querbalken! Es hat seit Adam und Eva sicherlich kein interessanteres Thema gegeben.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbLilith vielleicht?\u00ab, entlarvt er sich als H\u00e4retiker.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbReich&#8216; mir doch mal die Konfit\u00fcre.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbMit dem Titel bin ich auch nicht einverstanden, aber du darfst nicht vergessen, dass wir f\u00fcr eine Boulevard\u2013Zeitung arbeiten und da muss eben alles ein wenig plakativer sein\u00ab, doziert der Volont\u00e4r und reicht das Marmeladenglas. Seine pl\u00e4rrenden Lieblingsschlagzeile lautet: &#8222;Kopflose Leiche in Oben\u2013ohne\u2013Bar&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbWas kommt noch auf euer Plakat?\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbAber nur, wenn du es f\u00fcr dich beh\u00e4ltst!\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbBleibt unter Drei\u00ab, neigt sich Heiner vertraulich vor und beweist seinem Sohn, dass er sich von seiner neuen Geheimsprache etwas abgeschaut hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbWir schreiben \u00fcber Kontaktanzeigen, Eheanbahnungsinstitute, Scheinehen mit Asylanten\u2026\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbWie funktioniert das denn?\u00ab, unterbricht Heiner seinen Sohn. Mit weltm\u00e4nnischer Gelassenheit gelingt es ihm, Eigeninteresse zu unterdr\u00fccken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bb\u00dcber professionelle Vermittler gehen minderbemittelte deutsche Frauen Ehevertr\u00e4ge mit Asylanten ein. Bei einer Heirat zwischen einem Deutschen und einer Ausl\u00e4nderin gibt es automatisch die deutsche Staatsangeh\u00f6rigkeit, eine Aufenthaltsgenehmigung und die Arbeitserlaubnis. Daf\u00fcr muss der Asylant aber eine Menge Kohle abdr\u00fccken und mindestens vier Jahre verheiratet sein, dann gibt&#8217;s ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht. Die H\u00e4lfte der Obdachlosen an unserem Bahnhof sind auf diese Weise mit einer Afrikanerin verheiratet worden\u00ab, spult Steffen sein Wissen l\u00e4ssig ab, wobei ihm klar ist, dass die Komplexit\u00e4t dieser Zusammenh\u00e4nge im pers\u00f6nlichen Einzelschicksal verpufft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbSehr gut, mein Sohn!\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbZuviel der Ehre, das hat Angelina recherchiert.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbWar das nicht das Fr\u00e4ulein, das du mir k\u00fcrzlich vorgestellt hast?\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbSie ist eine Frau!\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbDu musst es ja wissen.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbLass deine Herrenwitze!\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbWoran arbeitest du denn gerade?\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbIch schreibe die Story <em>Der Rolls Royce unter den Menschen<\/em> \u00fcber den Partnerclub <em>Fortuna<\/em>.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbH\u00f6rt sich seri\u00f6s an.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbScheint auch so. Mit dem Rolls sind \u00fcbrigens die Frauen aus Asien gemeint. Neu im Angebot sind allerdings Frauen aus Osteuropa.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbInteressant, erz\u00e4hl weiter!\u00ab, wird Heiner hellh\u00f6rig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbLies den Artikel. Hast du \u00fcbrigens nie daran gedacht, nach Muttis Tod wieder zu heiraten?\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbGedacht schon\u2026\u00ab, schluckt der Vater. F\u00fcr ihn ist es ungef\u00e4hrlicher, eine Bank auszurauben, als sich auf eine neue Frau einzulassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbAber?\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbDiese Treffen kosten viel Geld. Kann ich gl\u00fccklicherweise als Arbeitsessen absetzen, dar\u00fcber hinaus allerdings kostet mich dieser Rummel aber zuviel Zeit. Und Zeit ist Geld.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbDann bleiben wir eben eine M\u00e4nnerwirtschaft. Du bist \u00fcbrigens mit Absp\u00fclen dran. Tsch\u00fcssken Paps\u00ab, verabschiedet sich der Filius flapsig. Greift sich die Schl\u00fcssel. Schnackt die T\u00fcr zu. Man\u00f6vriert seinen Wagen aus der Garage. F\u00e4hrt in die Redaktion. Heiner r\u00e4umt den Tisch ab. Putzt die Platte. Verfrachtet das Geschirr in die Sp\u00fclmaschine. Denkt \u00fcber sein Witwerdasein nach. F\u00e4ngt die leicht melancholische Schlagseite jedoch schnell wieder ab. Nimmt energisch seinen Aktenkoffer und begibt sich auf den Weg zu seiner Firma. Ger\u00e4t in einen Stau. Flucht. Trommelt nerv\u00f6s mit den Fingern auf dem Lenkrad. Greift zum Autotelefon. Verschiebt \u00fcber seine Sekret\u00e4rin seinen ersten Termin. Denkt \u00fcber das Gespr\u00e4ch mit seinem Sohn nach. \u00dcber die Zeit, wenn Steffen aus dem Haus ist\u2026 Die Erinnerung an seine Frau nagt an ihm. \u201eWo bleibt das Wunder des menschlichen Daseins, wenn l\u00e4ngst alles zur Alltagsware der Bilderwelten geworden ist.\u201c Er entschliesst sich aus einer Laune heraus den Partnerclub <em>Fortuna<\/em> anzurufen. Nimmt aus Neugier einen Termin am sp\u00e4ten Nachmittag an. \u00dcberlegt es sich anders. Will einen anderen Termin dazwischen schieben. Doch die Neugier siegt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbGuten Tag Herr Zelmer, was f\u00fchrt Sie zu uns?\u00ab, erkundigt sich Petr Mijl, der weltgewandte Leiter der Agentur und bittet den Besucher in sein B\u00fcro.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbMein Sohn berichtete mir von Ihnen\u2026\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbAh, er macht schon Werbung f\u00fcr uns, bevor der Artikel erscheint. Nehmen Sie doch Platz, Kaffee?\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbVielen Dank. Gerne, mit Milch, ohne Zucker.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Heiner Zelmer bezieht in dem bequemen Ledersessel Position. Petr Mijl schenkt ein und beginnt mit dem Beratungsgespr\u00e4ch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbWir sind ein seri\u00f6ses Institut. Unser Gesch\u00e4ft wird sauber und ordentlich gef\u00fchrt. Jede Frau muss sich einem HIV\u2013Test unterziehen.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbSehr l\u00f6blich\u00ab, kommentiert Heiner zwischen zwei Schlucken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbWir haben uns spezialisiert: der Ostblock. Bei Russinnen braucht der Mann keine Winterkleidung zu kaufen, im Gegensatz zu Asiatinnen. Russinnen frieren nicht, stellen weniger Anspr\u00fcche und sind bescheidener als andere Frauen. Russinnen sind netter zu ihren M\u00e4nnern. Viel zu nett, gemessen an der Qualit\u00e4t der M\u00e4nner, denn der russische Mann ist brutal, spielt, s\u00e4uft und k\u00fcmmert sich nicht um die Familie. Kurzum, sie m\u00f6chte sich verbessern, daf\u00fcr ist sie dankbar und sehr arbeitsam\u00ab, spult der Vermittler sein Programm herunter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbMeine Erwartungen an meine zuk\u00fcnftige Ehefrau gehen \u00fcber den sexuellen Bereich hinaus\u00ab, \u00e4ussert Heiner seine Erwartungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbVerstehe\u00ab, brummt der Berater, dem nichts Menschliches fremd ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbIch lege grossen Wert auf eine gem\u00fctliche Wohnung. Schlampigkeit kann ich absolut nicht ausstehen\u00ab, h\u00f6rt er sich reden, und ist sich nicht sicher, ob er ein fremdes Leben anstrebt, weil er kein eigenes hat. Obzwar er weiss, dass Zweisamkeit eine Schim\u00e4re ist, versucht er es abermals. Vermutlich. Wom\u00f6glich. Vielleicht geht es gut. Man weiss es noch nicht so genau.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbVerstehe\u00ab, bl\u00e4ttert der Berater gedanklich in seinem Katalog.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbMeine Ehefrau ist haupts\u00e4chlich f\u00fcr den Haushalt zust\u00e4ndig. Sie muss die Wohnung sauberhalten. Fenster putzen. Kn\u00f6pfe ann\u00e4hen. Zerrissene Kleidung n\u00e4hen. Essen kochen. W\u00e4sche waschen. Blumen giessen.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbVerstehe. Wie w\u00fcrden sie sich beschreiben, Herr Zelmer?\u00ab, erkundigt sich sein Gesch\u00e4ftspartner, um das Bild abzurunden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbIch bin ein sehr h\u00e4uslicher Typ, rauche und trinke nicht. Gehe nicht in Discos, sondern, wenn mir meine Arbeit dazu Zeit l\u00e4sst, zu einem Bier ins Brauhaus.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Frauenh\u00e4ndler zieht eine Mappe aus dem Regal und legt sie auf seinen Schreibtisch. Bl\u00e4ttert in seinem Katalog.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbIch glaube, ich habe genau das Richtige f\u00fcr Sie. Gerade frisch reingekommen. Natascha Romanova aus Sankt Petersburg. \u00dcbersetzerin, spricht fliessend Deutsch. Masse und Konfektionsgr\u00f6sse finden Sie in der Anlage.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbNett sieht sie aus\u00ab, untertreibt Heiner seine Begeisterung. Er hat sich auf den ersten Blick verliebt. Leider wird sein Blick vom Foto nicht erwidert. In der Vita findet er die Informationen, die den Ausschlag geben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbWelches Procedere habe ich zu durchlaufen?\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbSie sollten sich bescheiden geben, eher untertreiben, das kommt an. Folgende Fragen d\u00fcrfen in Ihrem Brief nicht fehlen: D\u00fcrfte ich Sie in Russland besuchen? Was darf ich Ihnen mitbringen?\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbWas betr\u00e4gt Ihr Honorar?\u00ab, erkundigt sich Heiner. Mijl schreibt eine Zahl auf einen Notizzettel. H\u00e4lt sie unter das Feuerzeug und z\u00fcndet sich mit dem entflammten Papier einen Zigarillo an. Heiner Zelmer nickt kurz. Formsache. Der Frauenh\u00e4ndler bef\u00f6rdert einen Vertrag aus der Schublade hervor.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbSie m\u00fcssen hier unterschreiben, dass Sie unverheiratet sind und Ihre Partnerin keinem unseri\u00f6sen Gewerbe aussetzen werden.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit dem ge\u00fcbten Blick eines Prokuristen \u00fcberfliegt Heiner den Vertrag. Das Kleingedruckte beinhaltet bei Nichtzustandekommen einer Ehe ein R\u00fcckgaberecht. Er setzt seine Unterschrift neben das X. Z\u00fcckt die goldene Credit\u2013Card. Zahlt. Sch\u00fcttelt die Hand des Vermittlers, verl\u00e4sst die Villa und f\u00e4hrt nach Hause.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbDas findest du also gut\u00ab, schallt es metallisch durch den Flur, als er die Haust\u00fcr aufschliesst. Sharon greift sich ihr Cape. Wahrt Heiner gegen\u00fcber ihre angeschminkte Mimik. Nickt ihm kurz zu. Nimmt die Klinke in die Hand und knallt die T\u00fcr zu. Steffen steht seinem Vater entgeistert gegen\u00fcber, der ohne in servile Hast zu verfallen seinen Mantel ablegt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbSchwierigkeiten?\u00ab, erkundigt sich Heiner bei seinem konsternierten Sohn. M\u00fctze und Kapuze hat er tief in die Stirn gezogen, und die Augenlider sind weit gesenkt, um Schl\u00e4frigkeit vorzut\u00e4uschen, ein Desinteresse an der Welt. Erst nach einer Weile r\u00fcckt er damit heraus:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbDas mit den <em>\u201eLiebeslagen\u201c<\/em> ist wohl doch nicht der Renner.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbWillst du es mir erz\u00e4hlen?\u00ab, erkundigt sich der besorgte Vater. Hakt sich bei seinem Sohn unter. Geleitet ihn zur Hausbar. Mixt einen Drink. Wartet ab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbSie wirft mir Sexismus vor\u00ab, er\u00f6ffnet sein deprimierter Sohn. Erz\u00e4hlt von Sharons Vorw\u00fcrfen. Dass er der Sache gegen\u00fcber zu unkritisch sei, falsch nachgetackert habe, auf die Argumentationsschiene reingefallen sei undsofort. Sein Vater greift in die Seitentasche, pr\u00e4sentiert das Foto von Natascha auf der Ablage an der Bar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbIch habe einen Auftrag f\u00fcr dich. Einen Euro pro Zeile\u00ab, fordert ihn sein Vater auf. Steffen wird blass, als er den Stempel des Partnerclubs sieht. Er nimmt die Flasche. Giesst sich einen Doppelten ein. Haut die Pf\u00fctze weg.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbIch soll der Dame einen Brief schreiben?!\u00ab, erkundigt sich Steffen ungl\u00e4ubig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbBitte auf Firmenpapier, wenn es dir nichts ausmacht\u00ab, bittet der Vater seinen Sohn um eine Gef\u00e4lligkeit und giesst erneut nach.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbNur, wenn du mir alle Freiheiten l\u00e4sst\u00ab, stellt Steffen eine Bedingung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbTu was du willst, sei das ganze Gesetz.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Darauf st\u00f6sst er mit seinem Vater an. L\u00e4sst die Luft aus dem Glas. Nimmt sich die Flasche und geht auf sein Zimmer. Schaltet den Rechner an. Auf dem Bildschirm erscheinen die eingescannten Mustertexte, die er im Lauf seiner Recherche gesammelt hat. Steffen giesst sich den n\u00e4chsten Schluck nach. Verflucht in einem endlichen Monolog Sharon. Vom Teufel geritten, bastelt er aus den Mustern einen <em>pers\u00f6nlichen<\/em> Brief zusammen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Liebe Natascha,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ihre Anschrift erhielt ich vom Partnerclub Fortuna. Ich suche eine Partnerin f\u00fcr eine Dauerbeziehung, respektiv, Heirat. M\u00f6chte aber versuchen, mir einen lang ersehnten Wunsch zu erf\u00fcllen und somit eine Frau zu finden, die ebenso wie ich das grosse Verlangen hat, in einer hocherotischen Zweisamkeit zu leben. Bei allen Voraussetzungen f\u00fcr eine Partnerschaft, wie Sympathie, Niveau und Treue, m\u00f6chte ich dennoch eine Frau finden, die ebenso von sexueller Triebhaftigkeit erf\u00fcllt ist, wie ich und somit in einer Zweisamkeit auch absolut tabulos ist. Ebenso ehrlich m\u00f6chte ich Ihnen mitteilen, dass ich ein ausgesprochener Busenfetischist bin. Es g\u00e4be f\u00fcr mich nichts Erregenderes, als wenn meine zuk\u00fcnftige Frau eine riesige Oberweite h\u00e4tte. Aus einer ganzen Anzahl von Vermittlungsvorschl\u00e4gen habe ich daher Sie ausgew\u00e4hlt. Ihr Charme hat mich so begeistert. Am liebsten w\u00fcrde ich Sie sofort vernaschen. Sie sind eine sehr rassige Frau.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">D\u00fcrfte ich Sie in Russland besuchen? Was halten Sie davon? Was darf ich Ihnen mitbringen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit freundlichen Gr\u00fcssen, Heiner Zelmer<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am fr\u00fchen Morgen erwacht Steffen. Auf seiner Stirn ist die Tastatur seines Keyboards abgemalt. Er blickt auf den Bildschirm, darauf ist sein Traum der letzten Nacht zu lesen, als er ihn speichern will, verschwindet er vom Schirm. Im Schacht des Druckers liegen Brief und Kuvert. Er liest den Entwurf. Sein Humor ist gewollt obsz\u00f6n. Der blow\u2013up hat hier eine sexuelle Note. Steffen zerreisst ihn. Will die Datei l\u00f6schen. Macht den Befehl r\u00fcckg\u00e4ngig. Wenn er seinen Vater von einer Dummheit abhalten will, dann gerade durch eine solche Dreistigkeit. L\u00e4sst den Brief erneut von seinem Drucker auf Firmenpapier ausdrucken. Klebt den Umschlag zu. Zufrieden legt er sich ins Bett. Ohne seinen Vater davon weiter in Kenntnis zu setzen, wirft Steffen den Brief am n\u00e4chsten Tag in den Kasten. Die Antwort darauf folgt zwei Wochen sp\u00e4ter per FAX in die Firma. Heiners Sekret\u00e4rin Sharon legt die Mitteilung auf seinen Schreibtisch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lieber Heiner,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">besuchen Sie mich, falls es Ihnen terminlich passen sollte, doch am kommenden Wochenende. Meine Mitbewohnerin f\u00e4hrt zu ihren Eltern auf die Datscha, so k\u00f6nnte ich Sie problemlos beherbergen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hochachtungsvoll, Natascha Romanova<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">P.S. Es w\u00e4re nett, wenn Sie mir ein paar Kiwis mitbringen w\u00fcrden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Heiner, der schon gar nicht mehr mit einer Reaktion auf die Heiratsvermittlung gerechnet hat, ist elektrisiert. L\u00e4uft in seinem B\u00fcro auf und ab. Spielt mit dem romantischen Gedanken, sofort mit seinem Porsche durch die neuen L\u00e4nder, Polen und die baltischen Staaten nach Sankt Petersburg zu fahren\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Entfernung zwischen den Menschen ist unendlich. Er l\u00e4sst seine Sekret\u00e4rin die Fr\u00fchmaschine buchen und fliegt am n\u00e4chsten Vormittag. Fr\u00fchst\u00fcckt einen Wodka. Sieht im Spiegel der Wolken sein Leben vorbeiziehen. Der Jet brummt vor sich hin. Die D\u00fcsen saugen ihn aus seinem bisherigen Leben heraus. Heiner schl\u00e4ft ein und wird erst vom Holpern auf der Landebahn wieder wach. Im Halbschlaf l\u00e4uft er durch den Flughafen. Ordert ein Taxi. Murmelt die Adresse. Fassaden verwitterter Pal\u00e4ste fliegen vorbei. Entlang der <em>Strasse der Unbeugsamen<\/em>. Nie gesehene Strassenz\u00fcge. Das Taxi setzt ihn vor einer grauen Mietskaserne ab. Heiner zahlt in Euro, was den Fahrer freut. Er weist mit dem Zeigefinger auf die Mietskaserne. Kurz vor der T\u00fcr kommen Heiner Zweifel, doch er packt sein Gep\u00e4ck und all seinen Mut zusammen. Irrt durch Hausflure. Findet schliesslich die Kommunalka. Klingelt. Steht mit seinem Handgep\u00e4ck, einem Fr\u00fcchtekorb und einem riesigen Strauss Blumen vor der T\u00fcr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Natascha \u00f6ffnet. Die toten Augen auf dem Foto erhalten eine lebendige Seele. Heiner versinkt in diese Landschaft. Der Moment dehnt sich endlos. Sie wirft ihre langen Haare in den Nacken. Ver\u00e4ndert ihre Position. Sie sieht j\u00fcnger aus, doch diese Augen, die Nase, der Mund. Ein verlegenes L\u00e4cheln geht in Freude \u00fcber. Sie bittet ihn herein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbF\u00fcr Sie.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbWelch&#8216; \u00dcberraschung!\u00ab, ruft Natascha, als sie den Fr\u00fcchtekorb entdeckt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbBitte sehr.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbFrisches Obst\u00ab, fl\u00fcstert sie und tastet die \u00c4pfel, Apfelsinen, Bananen und Kiwis ab, um sich zu versichern, dass es sich nicht um eine Fata Morgana handelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbGern geschehen\u00ab, murmelt er und \u00fcberreicht das n\u00e4chste Geschenk, das er hinter dem R\u00fccken verborgen gehalten hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbOh, Blumen\u00ab, f\u00e4llt sie fast von einer Ohnmacht in die n\u00e4chste. Besch\u00e4ftigt sich angelegentlich mit der Weiterverarbeitung. Sucht eine Vase. F\u00fcllt Wasser hinein. Schneidet bei den Pflanzen den Stil an. Drapiert die Blumen auf der Fensterbank. Wendet sich um.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0Heiner steht fasziniert im Flur. Den Koffer immer noch in der Hand. Ein Weisser, der die Eingeborenen mit Glasperlen betr\u00fcgen will. Er sch\u00e4mt sich. M\u00f6chte auf der Stelle kehrt machen und am liebsten wieder nach Hause fahren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbOh, wie selbsts\u00fcchtig von mir\u00ab, ruft Natascha. Geht Heiner entgegen. Nimmt ihm den Koffer ab. Geleitet ihn in das G\u00e4stezimmer. Der Gesch\u00e4ftsmann legt ab, weiterhin unf\u00e4hig, ein Wort heraus zu bekommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbMachen Sie sich erst einmal frisch\u00ab, ermuntert sie ihn und schliesst hinter ihm die T\u00fcr. Heiner tritt ans Fenster und sieht auf vier schluchtgleiche Innenh\u00f6fe, die von gewaltigen Mauern umschlossen sind. Auf dem Hinterhof spielen Kinder. Er wendet sich ab. Sieht sich um. Setzt sich auf einen Stuhl. Vergr\u00e4bt den Kopf in den H\u00e4nden. Massiert die Schl\u00e4fen. Gr\u00fcbelt. Nach einer Weile klopft es leise an der T\u00fcr. Natascha kommt herein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbSie haben unter dem Obst W\u00e4sche versteckt, Sie Schelm!\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbIch hoffe, es macht Ihnen Freude\u00ab, gibt Heiner verlegen von sich. Sie nickt, deutet ein L\u00e4cheln an und l\u00e4sst keine Zeit zum Verweilen. Natascha hat ein umfangreiches Besucherprogramm vorbereitet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbPetersburg verf\u00fcgt \u00fcber Pl\u00e4tze, Parkanlagen, Baukomplexe und Prospekte, wie man sie in ganz Europa nicht findet. Sie m\u00fcssen unbedingt die <em>Peter und Paul\u2013Festung<\/em> sehen, die Dreifaltigkeitskirche, die Admiralit\u00e4t, die Nikolaikirche, die Eremitage\u2026\u00ab, sie ger\u00e4t beim Aufz\u00e4hlen ausser Atem. Er lacht befreit, weil er merkt, dass auch ihr die Situation etwas unangenehm ist. Sie machen sich ausgehfertig. Fahren mit einem von ihr geliehenen Lada durch das Palmyra des Nordens und machen eine Reise durch ein geschlossenes Ensemble aus Barock, Neoromantik, Biedermeier, Klassizismus und Jugendstil. Die Fassaden br\u00f6ckeln, den Fenstern fehlt der Anstrich, die Hinterh\u00f6fe sind heruntergekommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Fremdenf\u00fchrerin schwankt zwischen Nervosit\u00e4t und Aufgekratztheit. Sie kramt in der Anekdotenkiste. Gibt beil\u00e4ufig Geschichtsunterricht. Gegen\u00fcber dem Winterpalais liegt noch immer der Panzerkreuzer <em>Aurora<\/em> vor Anker. Das st\u00e4hlerne Schiff liegt fest vert\u00e4ut im Herzen der Stadt. Am Finnischen Bahnhof steht unter Glas die Lokomotive 293, mit der Lenin 1917 als Heizer Ivanov hier ankam. Ein Heizer als historische Figur. Natascha hakt sich bei ihm ein. Das Paar flaniert \u00fcber den Newskij Prospekt. Das Wort <em>Prospekt<\/em> leitet sich etymologisch von Perspektive ab, als Weitblick. Petersburg sollte eine ideale Stadt in einem idealen Staat werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie in der Schwesterstadt Venedig stinkt es auch hier zum Himmel. Ungekl\u00e4rt fliessen h\u00e4usliche und industrielle Abw\u00e4sser in die Newa und ihre Nebenfl\u00fcsse. Links und rechts der Prachtstrassen f\u00fchren dunkle Torb\u00f6gen zu verfallenen H\u00e4usern, mit vorrevolution\u00e4ren Kanalisationsrohren und Heizk\u00f6rpern aus den Jahren des Ersten Weltkriegs. Am Verkehrsknotenpunkt <em>Repin\u2013Platz<\/em> st\u00f6sst man \u00fcberall im Boden auf einen Moder, der an Kartoffelbrei erinnert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbHier wird &#8217;ne Leiche geschminkt\u00ab, spottet sie beim Blick auf das Kaufhaus <em>Gostinyj Dwor<\/em>. Bei der Renovierung reichte das Geld nicht f\u00fcr die R\u00fcckseite des Geb\u00e4udes. Reklametafeln verdecken die blinden Fenster leerstehender Ruinen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Vitalit\u00e4t einer nationalen Kultur erweist sich darin, dass sie man im &#8222;Fenster nach Europa&#8220; in der Lage ist, fremde Einfl\u00fcsse aufzunehmen, sie sich anzueignen und fortzuentwickeln und zu einem Schaufenster f\u00fcr Europa zu werden, in dem Russland sich dem Westen als eigenst\u00e4ndige Kulturnation pr\u00e4sentiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbSeit der Tessiner Domenico Trezzini die ersten Wahrzeichen von St.\u00a0Petersburg schuf, arbeiteten Architekten aus der italienischsprachigen Welt hier\u00ab, erl\u00e4utert sie den bedeutenden Kulturaustausch zur Zeit des Klassizismus in der Peter\u2013und\u2013Paul\u2013Kathedrale, dem Meisterwerk des Tessiner Architekten Domenico Trezzini, \u00bbUnter Elisabeth\u00a0I. realisierte dann Bartolomeo Rastrelli Barockjuwelen wie das Smolnj\u2013Kloster, den Winterpalast oder die Anlage von Zarskoje Selo.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbAuch sie hatten einen Traum von Italien\u2026\u00ab, murmelt Heiner angesichts antikisierender Prachtbauten, deren Fassaden und Interieurs die arch\u00e4ologischen Neuentdeckungen sowie die architektonischen und antiquarischen Erkenntnisse von Palladio bis Winckelmann spiegeln. Ihr wachsendes Interesse an Antike und Italien befriedigten aus dem Ausland herbeigerufene oder an der Petersburger Akademie und anschliessend in Rom ausgebildete Architekten. Mit Neubauten wie der Akademie der Wissenschaften oder der Assignatenbank war Giacomo Quarenghi Mitbegr\u00fcnder des strikten Klassizismus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbEs kristallisierte sich ein von altr\u00f6mischer Monumentalarchitektur gepr\u00e4gter Stil heraus. Die mit bogenartigen Portalen akzentuierte Admiralit\u00e4t zeugt von einem starken Einfluss der franz\u00f6sischen Revolutionsarchitektur, w\u00e4hrend Andreij Woronichin mit der Kasaner Kathedrale und ihren urbanistisch raffiniert auf den Newskij Prospekt ausgerichteten Kolonnaden eine antikische Antwort auf den Petersdom fand\u00ab, erinnert sie sich an ihre Jugendliebe Igor. Sie hatte Gelegenheit im Rahmen seiner Examensarbeit, kostbare Zeichnungen und Pl\u00e4ne einzusehen und die zeittypische Antikenbegeisterung auf Gem\u00e4lden von Hubert Robert, Pannini und Hackert zu betrachten. Igor forschte \u00fcber den Ingenieur Antonio Adamini, der Auguste de Montferrand bei der Realisierung der Kathedrale, aber auch bei der Errichtung der Alexanders\u00e4ule auf dem Schlossplatz als technischer Berater zur Seite stand. Der Student erkannte, wie schwer es fortschrittliche Projekte in dem vom alexandrinischen Empire dominierten Petersburg hatten, dies zeigte der Wettbewerb f\u00fcr die Isaaks\u2013Kathedrale, bei dem der Vorschlag von Auguste de Montferrand, welcher Soufflots Panth\u00e9on variiert, dem rationalistisch entschlackten Entwurf von Domenico Adamini vorgezogen wurde. Igor widmete sich historischen Themen und optierte fast ausschliesslich f\u00fcr die schwere Sprache des Symbolischen. Zu einer k\u00fchlen, selbstreflexiven Veranschaulichung und Konkretisierung des Sujets gelangte er nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Bettler versucht ihre Nachdenklichkeit auszunutzen. Stumm klappt er den Arm aus und h\u00e4lt ihr seine Hand entgegen. Er l\u00f6st im Wortsinne Ersch\u00fctterung aus. Fragende, riesige Augen, doch der Rest der Z\u00fcge eingefallen, von Aufl\u00f6sung bedroht. Ein blonder, weicher, f\u00e4ulniskranker Mann, der die grotesk zugespitzte, wild verrenkte Welt kalt anstarrt. Sie anglotzt und innerlich niederringt. Ein Insektenforscher, der sich zum Kammerj\u00e4ger berufen f\u00fchlt: ein Mandatar des Schreckens. Erkennbar wird in seinen Gesichtsz\u00fcgen das Zerfasern aller Antriebe und Sehns\u00fcchte in der Nutzlosigkeit eines \u00f6den Alltags. Eine Schattenzone des Rabiaten unterhalb der Humanisierung von Arbeitswelt und Geschlechterverh\u00e4ltnis sucht in ihm nach Ausdruck.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Heiner verbirgt seine Unsicherheit hinter herausfordernder L\u00e4ssigkeit. Jede seiner Gesten wird durchsichtig, jede Bewegung definiert eine Haltung, die auf Verbergen zielt. Er zieht sie aus dem Bannkreis auf den Boulevard.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Newskij Prospekt ist die ideale Kulisse f\u00fcr fliegenden Souvenirh\u00e4ndler mit Matruschka\u2013Puppen. Die Flaniermeile zwischen Moskauer Bahnhof und Admiralit\u00e4t hat nach aussen hin seine Eleganz bewahrt. Die Vitrinen im Delikatessenladen der Gebr\u00fcder Jelissejew sind gef\u00fcllt, mond\u00e4ne Restaurants ausgebucht. Es interessiert Heiner, was hinter den Jugendstil\u2013Fassaden der Bankh\u00e4user, Handelskontore und Boutiquen passiert. Der Stilpluralismus des Stadtbilds fand seine eindr\u00fcckliche Entsprechung in der schnell anwachsenden, sozial und ethnisch \u00e4usserst disparaten Bev\u00f6lkerung, die Hoch\u2013 und Dienstadel, Beamtentum und Arbeiterschaft, Unternehmer und Intellektuelle ebenso spannungsvoll amalgamierte, wie sie verschiedenste V\u00f6lkerschaften und Religionen zu einem einzigartigen Gemenge zusammenf\u00fchrte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um Punkt zw\u00f6lf erklingt der t\u00e4gliche Kanonenschuss aus der alten Petersburger Festung. Sie flanieren vorbei an heruntergekommenen, doch noch immer glanzvollen B\u00fcrgerh\u00e4usern. Auf den Parkb\u00e4nken an der Uferpromenade liegen Seitenscheitel\u2013Kadetten und Pferdeschwanz\u2013M\u00e4dchen einander in den Armen. Heiner erkennt, dass der Jugendstil hier zu einer spezifischen Form fand: diszipliniert, dezent, zur\u00fcckhaltend. Das alte Zentrum ist ein in Stein geschlagener Traum von Gr\u00f6sse und Ruhm, der \u00fcberlebt hat als potemkinsche Kulisse einer alten Ordnung inmitten des neuen Chaos. Bausubstanz und Infrastruktur br\u00f6ckeln, mit ihnen Moral und Mittelstand. In wenigen H\u00e4nden b\u00fcndelt sich der Reichtum, und wo es geht, wird er ausser Landes geschafft. Der gr\u00f6sste Fehler des Westens und der Reformelite Russlands ist der Glaube an die Selbstorganisationskr\u00e4fte des Kapitalismus gewesen. Sie versprachen eine kreative Gr\u00fcnder\u2013 und Bl\u00fctezeit, sobald nur die Planwirtschaft abgeschafft sei. Die chronische Leere r\u00fchrt daher, dass die Menschen das Vertrauen in ihr Tauschmittel verloren haben und dass sie lieber gleich Waren gegen Waren handeln. Den Konsumismus als herrschende Ideologie erledigt keine Gegenideologie. Dass er den Geist der Gr\u00fcnderzeit geatmet hat, schreckt ihn nicht. In Russland ist Intellektualit\u00e4t etwas Mentales, Seelisches. <em>Newgorod<\/em> erscheint ihm als die allerabstrakteste Stadt, die er bis dahin kennengelernt hat. Ein Geheimtipp, der darauf wartet, keiner mehr zu sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie besuchen die Ermitage und Natascha erweist sich als Kennerin der sch\u00f6nen K\u00fcnste. In dieser Stadt entsteht aus lauter fremden Versatzst\u00fccken eine eigene Welt, mit all der leidvollen Kriegs\u2013 und Blockadeerfahrung hat das alte Pertropolis die Chance, die geistige Hauptstadt des neuen Russland zu werden. Als es dunkelt, gehen sie in ein altes Kino, in dem <em>Oktjabr<\/em> l\u00e4uft, mit Pianobegleitung. Dieser Film gibt ihm zu denken, weil er ihn zum Weinen bringt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbBedanke mich f\u00fcr die Sightseeing\u2013Tour. Jetzt wird es Zeit, mich zu revanchieren. Ich m\u00f6chte Sie gerne zum Essen einladen!\u00ab, schl\u00e4gt er vor. Er ist in Halbdistanz zu allen anderen, obzwar er sich mit vollendeten Umgangsformen durch die Gesellschaft bewegt, sind es eigentlich Vermeidungsformen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbIch kann auch selber kochen.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbNein, ich bestehe darauf! Nennen Sie bitte das beste Haus am Platz.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbIch w\u00fcrde gerne einmal in das <em>Tschaika<\/em>, die M\u00f6we\u00ab, setzt Natascha ein L\u00e4cheln auf, das ironisch wirkt, ohne zu verletzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbGehen wir\u00ab, zieht er sie sanft an der Hand. Das Licht der <em>Weissen N\u00e4chte<\/em> von St. Petersburg, wenn Abendrot und Morgenschimmer ineinander fliessen, f\u00e4llt aus sternenlosem Himmel in die Stadt, ein milchig d\u00fcnnes Licht, das Schatten schluckt und Farben \u00fcbert\u00fcncht. W\u00e4hrend der <em>Beliye Nochi<\/em> braucht man keine Strassenbeleuchtung, die Fassaden und Portikos, Stuckk\u00f6pfe und S\u00e4ulen verlieren im d\u00fcnnen Licht ihre R\u00e4umlichkeit in ihrer Zweidimensionalit\u00e4t und wirken wie gigantische B\u00fchnenbilder aus dem klassischen Altertum. Katjuscha macht vor dem Sex\u2013Club <em>Golden Dolls<\/em> am Newskij Prospekt Werbung f\u00fcr die Stripperinnen drinnen, bewacht und besch\u00fctzt von einem Glatzkopf im Designer\u2013Sakko, den Natascha &#8222;Katschki&#8220; nennt: Muskelpumpe. Im <em>Grandhotel Europe<\/em>, der ersten Adresse der Stadt, reisen die G\u00e4ste auch heute wieder zu winterlichen Ausfl\u00fcgen ins Landhaus der Kaiserin Alexandra, um dort Konzerte zu h\u00f6ren oder Champagner\u2013Empf\u00e4ngen beizuwohnen. An den Wochenenden der Ballsaison werden im Kryscha\u2013Ballsaal auf den Tischen hunderte von Gl\u00e4sern pyramidenf\u00f6rmig aufeinander gestellt. Ist das fragile Bauwerk fertig, wird in das erste Glas auf der Pyramidenspitze so lange Champagner gegossen, bis das \u00fcberlaufende Glas alle anderen mit aufgef\u00fcllt hat. Die grossen B\u00e4lle der Romanows in St. Petersburg, an die wieder angekn\u00fcpft wird, waren die letzten Zuckungen einer zu Ende gehenden Epoche. Am Eingang zur Metro reckt ein Bettler wortlos die H\u00e4nde. Zwei Polizisten am Eingang des <em>Tschaika<\/em>. Ein Schild im Schaufenster, auf dem steht: Only Valuta. Eine \u00dcberraschung: das Tschaika ist ein Restaurant im hanseatischen Stil. Die Speisekarte ist \u00fcppig. Wildlachsfilet in Champagnersosse. Fisch aus sibirischen Waldseen. Riga\u2013Sprotten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbHier gibt es sogar Matjesfilet nach Hausfrauenart und den Original\u2013Labskaus <em>Windjammer<\/em>!\u00ab, ist Heiner erstaunt und w\u00e4hlt <em>Fisch aus sibirischen Waldseen<\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbDie Besitzer nennen es Joint Venture. Das <em>Tschaika<\/em> hat eine deutsche Firma mit russischen Partnern aufgemacht\u00ab, entscheidet sich Natascha f\u00fcr den Labskaus. Skurrile Gestalten bev\u00f6lkern die Gastst\u00e4tte. St. Petersburg erscheint als europ\u00e4ische Stadt des Geistes, wo das Nachdenken im Kaffeehaus manchmal in Tr\u00e4gheit und Snobismus \u00fcbergeht. Hier z\u00e4hlen keine Kreditkarten, die Bezahlung erfolgt in Dollar oder Euro.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbSind Sie entt\u00e4uscht?\u00ab, erkundigt sich Natascha besorgt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbVerwirrt\u00ab, nuschelt er, als w\u00fcrde er im Schlaf sprechen. In Petersburg herrscht derselbe strenge r\u00f6mische Geist, der Geist der Ordnung, jener Geist des formvollendeten Lebens, der f\u00fcr die allgemeine russische Schlampigkeit so unertr\u00e4glich ist, aber doch ganz ohne Zweifel auch seine Reize besitzt. Stunde der violettblauroten Himmelsfarben. Wind treibt in dichten Wolken Pappelsamen vor sich her. Kinder singen das Lied vom Sommerschnee. Feiner Regen f\u00e4llt, ein kurzer Schauer, so warm wie das Bier in den Bechern aus Pappe, mit dem sich die Sch\u00fcler betrinken. Als die Sonne kurz vor Mitternacht glutrot versinkt, schauen alle sehnsuchtsvoll nach dem vermeintlich goldenen Westen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbSie sehen m\u00fcde aus. Morgen k\u00f6nnen Sie ausschlafen, dann fahren wir auf&#8217;s Land und sehen uns die Umgebung an, wenn Sie wollen.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Heiner ist hundem\u00fcde. Bereits im Auto nickt er ein und bekommt das traditionelle Br\u00fcckenfest nicht mit, das im Zenit der <em>Beliye Nochi<\/em> gefeiert wird. Die Stadt feiert das \u00d6ffnen der hellerleuchteten Klappbr\u00fccken. Natascha schafft das Rennen. Um 2\u00b700 Uhr heben sich die Klappbr\u00fccken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als beim Hochklappen der Dworzowj Most doch noch ein paar Raketen aufsteigen, wird jeder Knall und jeder Blitz mit Jubel und Applaus bedacht. Schiffskonvois gleiten die Newa hinunter ins baltische Meer. Natascha kurvt vorsichtig um die Blocks. Weicht den Schlagl\u00f6chern aus. Was als <em>himmlisches Jerusalem<\/em> auf Erden gedacht war, gewinnt mehr und mehr die d\u00fcsteren Umrisse eines Horrorlabyrinths, und wird mit der Hure Babylon identifiziert. Sie bringt den Wagen leise zum Stehen. Schaltet den Motor ab. F\u00fchlt Heiner sanft \u00fcber die Augen. Er schl\u00e4gt die Lider hoch. Murmelt eine Entschuldigung. Sie l\u00e4chelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Atem der Nacht ist kalt. Sie schleichen durch das hallende Treppenhaus in die Wohnung. Gehen schweigsam auf die Zimmer. Heiner f\u00e4llt sofort in einen tiefen Schlaf. Natascha betrachtet den vollen Mond. Denkt \u00fcber den Fremden nach. Er erinnert sie an ihren Vater, einen Offizier der roten Armee, der in Afghanistan fiel. Sie w\u00e4lzt sich hin und her. Sucht die richtige Schlafposition. Als der Morgen durch die Wolken lugt, taumelt sie durch einen oberfl\u00e4chlichen Schlaf\u2026 tr\u00e4umt von der Ballsaison und dem Parkett der Prunks\u00e4le. W\u00e4hrend der Balln\u00e4chte leuchtet St. Petersburg in einem Kleid aus Eis und Schatten. In der Winterzeit bricht der Abend schon am Nachmittag an, die N\u00e4chte sind lang. Es t\u00fcrmt sich der Schnee, Enten laufen am Ufer des Gribojedova\u2013Kanals entlang, die Newa ist von spitz aufgeworfenen Eisschollen bedeckt. An der Gorochovaja Nr. 57 tanzte sie als Ballerina hinter hohen Fenstern mit Eisblumen in einem beleuchteten Ballettsaal. Gedankenversunken warf sie ihre Arme nach oben, reckte den Hals, streckte den K\u00f6rper. Ihre Bewegungen blitzten im Eis auf, wurden dort gebrochen zu kleinen eckigen Mustern\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Heiner wird vom Wassergepl\u00e4tscher wach. Reibt sich die Augen. Sieht auf. L\u00e4uft tapsig \u00fcber den Fussboden. \u00d6ffnet vorsichtig die T\u00fcr. Natascha w\u00e4scht sich \u00fcber einer Sch\u00fcssel. Sie hat ihm den R\u00fccken zugewandt. Im Gegenlicht wirkt sie wie die Figur aus einem Stummfilm. Eine sch\u00f6ne Frau ist eine Realit\u00e4t, die im Spiegel mit sich selbst kopuliert. In ihr verbirgt sich das Geheimnis einer Konservendose. Man macht sie auf und hat sie zum Fressen gern. Natascha tr\u00e4gt den String\u2013Tanga, den er ihr mitgebracht hat. Leidenschaftliche Frauen haben einen kalten Hintern. Der String teilt ihren Po in eine westliche und eine \u00f6stliche Halbkugel, die ihn magisch anziehen. Atlas nimmt das Gewicht der Welt in seine H\u00e4nde. Beide verharren im Gleichgewicht. Die Sehnsucht des Liebenden, mit der Geliebten v\u00f6llig eins zu sein. Sekunden fliessen dahin und verrinnen im Uferlosen\u2026 Natascha liegt auf dem Laken dahin gegossen. Eine nackte Maya. Von diesem Augenblick an ist er ihr restlos verfallen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbHeirate mich!\u00ab, erscheint sie ihm in ihrer k\u00f6rperlichen Direktheit als greifbares Sehnsuchtsbild.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbDie Ehe ist ein b\u00fcrgerliches Unterdr\u00fcckungsinstrument\u00ab, h\u00f6hnt sie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbSag nichts gegen die Ehe\u2026\u00ab, turtelt Heiner, \u00bbein letztes Fossil der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft, eine Reliquie, die gewisse Vorteile verschafft. Bei einer Heirat zwischen einem Deutschen und einer Ausl\u00e4nderin gibt es automatisch die deutsche Staatsangeh\u00f6rigkeit, eine Aufenthaltsgenehmigung und die Arbeitserlaubnis\u00ab, zitiert er aus dem Artikel seines Sohns, verschweigt jedoch, dass die Gesellschaft damit in famili\u00e4re Monaden zerh\u00e4ckselt wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbEin Freifahrtschein?\u00ab, z\u00f6gert sie\u2026 Erst als das Paar die Ringe untersucht habt, erkennen sie, wer sie sind. Es gef\u00e4llt ihnen. Ein seltener Fall von erwiderter Liebe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor zehn Jahren erschien: <strong>Monster<\/strong>, Short-Stories von A.J. Weigoni. Krash-Verlag 1990<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><a class=\"image-anchor\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/1990\/01\/Monster_Cover.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-48067\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/1990\/01\/Monster_Cover.jpeg\" alt=\"\" width=\"179\" height=\"281\" \/><\/a>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Reihe Gossenhefte zeigt sich, was passiert, wenn sich literarischer Bodensatz und die Reflexionsm\u00f6glichkeiten von popul\u00e4rkulturellen Tugenden nahe genug kommen. Der Essay <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=35655\"><em>Perlen des Trash<\/em><\/a> stellt diese Reihe ausf\u00fchrlich vor. Dem Begriff <em>Trash<\/em> haftet der Hauch der Verruchtheit und des Nonkonformismus an. In Musik, Kunst oder Film gilt Trash als Bewegung, die im Klandestinen stattfindet und an der nur ein exklusiver Kreis nonkonformistischer Aussenseiter partizipiert. Dieser angeschmutzte Realismus entzieht sich der Rezeption in einer \u00f6ffentlichen Institution. Daher sei sei Enno Stahls fulminantes Zeitdokument\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26047\">Deutscher Trash<\/a> ebenso eindr\u00fccklich empfohlen wie Heiner Links <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=42272\">Vorwort<\/a> zum Band Trash-Piloten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> Die <strong>Monster<\/strong> Short-Stories waren die Vorstufe zu <strong>Zombies<\/strong>, Erz\u00e4hlungen von A.J. Weigoni, Edition Das Labor 2010<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> KUNO \u00fcbernimmt zu <strong>Zombies<\/strong> einen Artikel von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/10\/05\/turbokapitalistischer-realismus\/\">Kultura-extra<\/a> aus <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/08\/07\/tote-lebende\/\">Neue Rheinische Zeitung<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.fixpoetry.com\/feuilleton\/kritiken\/andrascz-j-weigoni\/zombies-0\">fixpoetry<\/a>. Enrik Lauer stellt den Band unter <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2010\/09\/01\/unter-kanonverdacht\/\">Kanonverdacht<\/a>. Betty Davis sieht darin die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2010\/03\/18\/zur-gegenwartslage-der-literatur\/\">Gegenwartslage der Literatur<\/a>. Constanze Schmidt erkennt literarische <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2010\/10\/23\/polaroids-von-den-schattenseiten-der-gesellschaft\/\">Polaroids<\/a>. Holger Benkel beobachtet <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/10\/25\/kleine-damonen-auf-tour\/\">Kleine D\u00e4monen auf Tour<\/a>. Ein Essay \u00fcber <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2010\/01\/18\/der-sudelbuchschreiber\/\">Unlust am Leben, Angst vor\u2019m Tod<\/a>. F\u00fcr Jesko Hagen bleiben die Untoten <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/01\/12\/die-untoten-sind-lebendig\/\">lebendig<\/a>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; \u00bbEhj Vater, hast du das gelesen?\u00ab, erkundigt sich Steffen, ob seinem Vater die Realit\u00e4t als Pr\u00fcfstand abhanden gekommen ist. \u00bbWas denn?\u00ab, wendet sich Heiner Zelmer bei der Fr\u00fchst\u00fcckslekt\u00fcre \u00fcber die Zeitung hinweg seinem Sohn zu. 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