{"id":72448,"date":"2010-04-17T00:01:36","date_gmt":"2010-04-16T22:01:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=72448"},"modified":"2022-03-06T19:45:29","modified_gmt":"2022-03-06T18:45:29","slug":"roughnroll","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2010\/04\/17\/roughnroll\/","title":{"rendered":"Rough&#8217;n&#8217;Roll"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Anl\u00e4\u00dflich des Record Store Day pr\u00e4sentert KUNO eine Erz\u00e4hlung aus <em>Zombies<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Jonges<\/em> in sauberen Turnschuhen treffen auf <em>M\u00e4delz<\/em> in spitzen Pumps. Tanzen ist im Idealfall die prim\u00e4re Ausdrucksform der Euphorisierung. Disco ist eine grosse Universalmaschine. Aus einer minorit\u00e4ren Position heraus argumentiert, sei sie schwul oder schwarz, aber f\u00fcr alle, die am T\u00fcrsteher vorbeikommen. Angelina schliesst die Augen. L\u00e4sst 110 Dezibel auf ihren K\u00f6rper wirken. Die Bassboxen versetzen die Bauchdecke in Schwingung. Hyperaktivit\u00e4t entl\u00e4dt sich auf der Tanzfl\u00e4che. Der Solarplexus empf\u00e4ngt die tiefen Frequenzen mit wohligem Schmerz, F\u00fcsse und Sprunggelenke vernehmen die Botschaft der Akkorde vom vibrierenden Boden. Wenn Frauen tanzen, scheint es das Selbstverst\u00e4ndlichste auf der Welt zu sein. Keine Spur von Unsicherheit oder Unwohlsein wie bei den M\u00e4nnern. Tanzenden Frauen sieht man die Freude an der Bewegung an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbRewind\u00ab, gr\u00f6len die <em>Partysanen<\/em> den Schlachtruf der Selbsterm\u00e4chtigung. Das Soundsystem wird bedient von vier Typen, jeder hat eine klare Aufgabe. Der Dee Jay <em>toastet<\/em> per Mic an die bouncende Gemeinde. Der <em>Selector<\/em> legt ausschliesslich Seven\u2013Inch\u2013Singles auf. Sie teilen sich den Job: Einer sucht die Platten, der andere legt sie auf. Zus\u00e4tzlich haben sie einen <em>Operator<\/em>, der mit einem Sampler Soundeffekte und Ger\u00e4usche abspielt und der Combo mit Mash\u2013Ups eine eigene Note verleiht. Ein neuer Sound braucht Zusammenh\u00e4nge, Tanzboden, Resonanzboden. Er will geteilt werden mit gleich Euphorisierten, man will bedr\u00f6hnt werden und irre von diesem neuen Sound, den noch keiner kennt, nur sie, die Happy Few. Kein Ton zuviel, er pflegt die Kunst der lapidaren Pr\u00e4zision. Zonkers Stil zeichnete sich durch surrende Basslines mit wenigen Vokalfetzen aus, dabei zeigt er seine F\u00e4higkeit, Bekanntes neu zu arrangieren, Eigenes zu kreieren und der Nacht den Spirit zu geben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Clicks &amp; Klacken. Zonker verk\u00f6rpert den Allround\u2013Multitasker der Clubkultur: Dee Jay, Produzent, Labelbetreiber und Partypromoter in Personalunion. Er tr\u00e4gt eine Retro\u2013Trainingsjacke, unter dem abgewetzten Basecaprahmen spitze Koteletten um das schmale Gesicht. Der Dee Jay weiss, welcher Track zu welchem Zeitpunkt angemessen ist. Findet ihn f\u00fcr die Selection innerhalb von Sekunden. Hat Dubplates f\u00fcr die jeweiligen Songs umgeschrieben. Von pulsierenden Subb\u00e4ssen angetrieben fliessen chirurgisch editierte Percussions durch minimalistische Arrangements. Zonker ertastet die Stimmung der Nacht und versucht in ein zwingendes Set zu transformieren. Seine grosse Kunst ist es, die Masken der Sexualit\u00e4t an jenen utopischen Ort des Begehrens zu tragen, der mit <em>Tanzfl\u00e4che<\/em> nur unzureichend beschrieben ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Feierabend\u2013Hedonisten spiegeln sich in der Dicokugel. Zuckende Leiber suchen uners\u00e4ttlich nach sensorischen Kicks. Plastisch schwellt der Bass an, wobbelt als perkussives Element durch die spartanisch arrangierten Tracks und ersetzt dabei Worte wie auch die Schnelligkeit als antreibenden Motor. Der physische Angriff seines Einschlags versetzt die Crowd auf der molekularen Ebene in Bewegung. Beim Dubstep entsteht unter den Danceflour\u2013Derwischen das Gef\u00fchl der Weite und Losgel\u00f6stheit. Die kreative Auseinandersetzung mit den verwendeten Quellen ergibt den Kontext. Sie f\u00fchlen sich als Teil einer Verschw\u00f6rung gegen die Macht der grossen Unterhaltungskonzerne. Auf der Tanzfl\u00e4che wird nicht mehr das Vergehen von Zeit registriert, der Raum wird als Beh\u00e4ltnis vergessen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als untypisches <em>role model<\/em> in den um Glamour und Differenz bem\u00fchten Universen elektronischer Tanzmusik bedeutet f\u00fcr Zonker Unabh\u00e4ngig zu sein: kein Style, aber eine konsequente Lebenseinstellung, keine Personality\u2013Show, aber ein musikalischer Entwurf. Popstarruhm braucht es daf\u00fcr nicht. Er hat das Feeling f\u00fcr den Groove von seinem Vater geerbt. Musik hat das Leben des Alten gerettet. In Theresienstadt spielte er Gitarre bei den <em>Ghetto\u2013Swinger<\/em>s und musste Angeh\u00f6rige der SS mit Schlagern unterhalten, w\u00e4hrend die Neuank\u00f6mmlinge t\u00e4towiert wurden. Die Lager\u00e4ltesten hielten sich Bands, konkurrierten miteinander. Sein Aufseher hat Uniformen massschneidern lassen, die Band bekam gute Instrumente. Viele H\u00e4ftlinge brachten ihre Instrumente mit ins KZ, die wurden ihnen abgenommen und in einem Lager gesammelt. Dort durfte er sich eine <em>Selmer<\/em> aussuchen. Im KZ hatte er die beste Gitarre, auf der er je gespielt hatte. W\u00e4hrend der Alte den Blues spielte, pendelt Zonker zwischen Dancehall\u2013Riddims, House und Drum&amp;Bass und betreibt ein virtuoses Spiel mit abgedroschenen Phrasen, bitters\u00fcssen Klischees und alten Vorurteilen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kurzer Rausch. Leichtlebiges Aufl\u00f6sen. Abfedern der Muskeln. Ihre Sprache ist die Sprache des K\u00f6rpers, der Bewegung, der Choreografie. Sie posen mit raffiniert verfehlten Frisuren. Eine Flickermaschine bet\u00f6rt mit schnellen Schnitten und Projektionen, mit technischer Perfektion. Wildgewordene K\u00e4nguruhs h\u00fcpfen \u00fcber den Dancefloor, als w\u00fcrden sich keine Gelenke in den Gliedern befinden. Tanzen um ihr Leben, damit es ihnen nicht entwischt. Oder damit sie nicht davon erwischt werden. Im Lichtkegel wehen die Haare, rudern die Arme. Manchmal heben sie ab. Gehen in die Luft. Schweben. Fliegen. Verharren in der Pose des Flugs. Nachdem Angelinas Augen sich wieder an das \u00e4ussere Licht gew\u00f6hnt haben, scheint es, als habe sich Ernst Wilhelm von Wackerzapp in eben diesem Moment in einer Gruppe von Diskutanten materialisiert. Er sieht ihr direkt in die Augen. Ausgehen macht ihn wach, treibt die R\u00f6te des Gl\u00fccks und der Erregung in sein Gesicht. Er ist so verwickelt in die Situation, dass er auch keine Sekunde daran denkt, ob er sich das jetzt noch leisten kann. Letztlich ist es ihm egal.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gepflegtes Rumsteh\u2013Ausgehen. Es geh\u00f6rt zum verschwenderischen Luxus der Jugend, ganze N\u00e4chte lang nichts zu tun und trotzdem alles zu erleben. Sie leben eine Geworfenheit, zwischen Leere und Schwere, der K\u00f6rper als Lust und als Last. Es gibt keine Regeln mehr, wer man zu sein hat. Man kann sich zu jeder Jahreszeit neu erfinden. Allm\u00e4hlich gew\u00f6hnt sie sich daran, dass sich zuf\u00e4llig ihre Wege kreuzen. Sie st\u00fcrzt sich auf Ernst Wilhelm, um ihn mit wilder Gunst zu schm\u00fccken. Der Veteran der Ausgehkultur versucht kein Ausweichman\u00f6ver, zieht Angelina ruckartig in eine Nische, n\u00e4hert seinen Mund ihrer Ohrmuschel, verst\u00f6sst gegen die obersten Club\u2013Gebote: &#8222;Du sollst tanzen&#8220; und &#8222;Du sollst schweigen&#8220; und \u00fcbert\u00f6nt die Phonzahl mit den Worten:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbWarum tanzt du mit jemandem, der die Aura einer Wachsfigur hat?\u00ab, langweilt ihn der ewig gleiche Beat, der auf die ewig gleichen Personen trifft, die von ewig gleichen Drogen milde entstellt sind und Pers\u00f6nlichkeitsanteile verk\u00f6rpern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbDu bist zynisch\u00ab, raunt sie. Jeder f\u00fchlt sich unverstanden vom anderen, so sind sie einander verstehend nahe. Jeder Mensch ist allein, ein unerl\u00f6sbares Minus. Bindet einer sich an einen anderen, geraten beide tiefer ins Minus. Die Magie der Multiplikation, minus x minus = plus, ist hier nicht zu haben. Das Auditorium hat sich als Star entdeckt. Manische Derwische laufen sich auf der Tanzfl\u00e4che warm.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbMeine Art von Zynismus ist ein Sport. Gedankenakrobatik, um den Verstand in unaufh\u00f6rlicher Bewegung zu halten\u00ab, spricht er sie direkt an, weil er sich beim letzten Mal ge\u00e4rgert hat, dass er sie nur angeblickt und sich gedacht hat: &#8222;H\u00e4tte ich einfach nur einen Satz gesagt\u2026 w\u00e4re es klar gewesen.&#8220; Nun ist die Situation eine andere. Das Zeitmass dieser Metropole ist der verschwindende Augenblick. Der Unterschied zwischen sich selbst und denen, die einen kopieren, ist in dieser Nacht aufgehoben. Diskursfreie Zone. Sie versuchen sich zwischen organischen Prozessen und pulsierend blubbernden Maschinen zurecht zu finden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ihre Bekanntschaften schweigen und warten, bis jemand einen Fehler macht. Ver\u00e4ngstigte Menschen wagen nicht auszubrechen aus dem Gef\u00e4ngnis, das sie selber sich errichtet haben, sie t\u00e4uschen sich vor, diese kl\u00f6sterliche Einsamkeit sei ein gemeinsam genossenes Gl\u00fcck. Ausgehen hat immer etwas mit Verliebtsein zu tun. Sie suchen die pure Lust im wortlosen Fick. In diesem Sex finden sie keine Befreiung, keine Erl\u00f6sung, keine Befl\u00fcgelung. Das Fleisch ist traurig, das Begehren schal. Die kosmetische Chirurgie ist die Haute Couture des 21. Jahrhunderts. Jedes Jahr wird unter Chirurgenmessern nachgebessert, ihnen sieht man den Schmerz der vielen Wunden und N\u00e4hte an. Bei manchen steckt der silikonierte Busen nach dem Bodycontouring als harte Melone im Dekollet\u00e9, bei anderen verschiebt sich das Gesicht beim Lachen in vier verschiedene Richtungen. Was diese Menschen ihr Leben nennen, ist eine Karaoke\u2013Veranstaltung mit Liedern, deren Texte andere geschrieben haben, mit Tr\u00e4umen, die sich andere ausgedacht haben. Sie existieren in elendigen und doch grossz\u00fcgigen Zeiten, die Existenz, eine billige Kopie, in der Individualit\u00e4t ein ungelebter Traum bleibt und man bestenfalls als tageslichttauglich r\u00fcberkommt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbHabe ich dir die Geschichte von dem Afrikaner erz\u00e4hlt?\u00ab, weicht Angelina nach einer Weile aus und verwandelt ihre Unsicherheit in etwas L\u00e4ssiges. Ihre Stimme klingt rauchig und souver\u00e4n\u2013sexy. Das Parf\u00fcm, das an jedem M\u00e4dchen anders riecht, hat sich auf angenehme Weise mit ihrem Schweiss gemischt. Sie atmet den Glamour der angeschminkten Nat\u00fcrlichkeit aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbJemand aus deiner Kollektion?\u00ab, frotzelt er und weiss um die Pr\u00fcfung des Nachtlebens. Bekommen sie ein Sozialleben hin, oder gibt es Zerw\u00fcrfnisse und fehlerhafte Verhaltensweisen. Es ist Grossz\u00fcgigkeit von beiden gefragt. Eigentlich muss er nur eine Sache k\u00f6nnen: Da sein. Und wenn das nicht klappt, dann sollte er zumindest von seinem Verschwinden reden. Ernie ist kein hassdurchfurchter Typ aber er macht dauernd geh\u00e4ssige Beobachtungen, die alle auch noch stimmen. Durch eine \u00dcberdosis Liebe droht ihm Selbstverlust. Wer an der Schmerzgrenze operiert, weiss, dass L\u00fcgen balsamisch wirken und die Wahrheit wehtut. Manchmal glaubt er, das Nachtleben sei eine Kaputtnick\u2013Versammlung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Angelina ist in der Lage solche Gegens\u00e4tze souver\u00e4n auszukosten und versteht es zwischen Fr\u00f6mmigkeit und Blasphemie, Materialismus und New Age zu balancieren. Menschen brauchen etwas, das sie daran erinnert, wer sie sind. Sie l\u00e4chelt ihn an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbMit Kwesi war ich in einer Disco. Abfeiern, aufreissen, ausrasten. Irgendwo in einem Kaff, das so belebt ist, als w\u00e4r&#8216; 365 Tage im Jahr Totensonntag. Auf dem Nachhauseweg habe ich ihn gefragt, wie es auf ihn gewirkt hat. Er antwortete:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eHier findet man es toll, wenn einer mit dem K\u00fcchenmesser scratchen kann. Dabei geht es um die Melodie, die soviel rarer ist als ein guter Groove.\u201c\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbWird Zeit, dass Weisse aufh\u00f6ren, die Musik der Schwarzen aufzubereiten\u00ab, gibt sich Ernie grossspurig, laut und flegelhaft; ein pr\u00e4potentes Arschloch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbMusik wird hier mit dem Deo\u2013Stift komponiert, dazu tanzen die Deutschen mit sehr viel Kraft\u00ab, legt sie im erotischen Stellungskrieg der Geschlechter l\u00e4ssig nach, agiert mit indignierter Spr\u00f6digkeit und kontrollierter Aggressivit\u00e4t und best\u00e4tigt den Typus der erotischen, selbstbestimmten und unberechenbaren Frau.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Menschengewimmel in der Zappelhalle. Alle trugen sie ein &#8222;Keeping it real&#8220; auf den Lippen. Eine Orgie der Exaltation, die jede Minute mit einer neuen Atemlosigkeit verbl\u00fcfft. Sie sind \u00fcberzeugt, frei zu entscheiden, was sie gerade vorhaben. Geheime, stumme Regeln, nach denen auf der Tanzfl\u00e4che alles abl\u00e4uft, sind schwer zu erkennen. Popkultur liebt \u00c4sthetik, weil sie ein Bewusstsein von sich als Ware hat. Die Glitzerwelt der deklarierten Gef\u00fchle geh\u00f6rt zum Gesch\u00e4ft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Multidimensionale Selbstbeschau des Privaten im Mikrokosmos zwischen Bad, Bar, Bett. M3\u00a0meint: Musik, Muschis und Moneten. Es schwingt anarchistische Triebkraft, sexuelle Anziehungskraft und abgrundtiefe Bedrohlichkeit mit. Die hypermoderne Generation ist ein Haufen von talentierten Egozentrikern mit unterschiedlich stark ausgepr\u00e4gten sozialen Instinkten in der Gruppe. Diese Modernisten sind arrogant, wahnsinnig selbstverliebt, absolut unf\u00e4hig zu irgendetwas, das allerdings mit der gr\u00f6sstm\u00f6glichen Attit\u00fcde. Ihre Egos sind unschlagbar. Drogen lassen die hypermodernen Menschen f\u00fchlen, sie seien weit mehr, als sie sind: Schneller. Cooler. Besser aussehend. H\u00e4rter feiernd. Und den Rest der Menschheit gr\u00fcndlich ignorierend.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbZwei Sachen sollte man jeden Tag machen: schwitzen und lachen. Wenn du schwitzt, geht es deinem K\u00f6rper gut und wenn du lachst, freut sich deine Seele\u00ab, gibt Angelina vor und will ihn auf die Tanzfl\u00e4che zerren. Er z\u00f6gert hinreissend.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbWas man in diesem Leben erreichen kann, soll man gut machen, das sollte reichen\u00ab, versucht er verzweifelt das letzte Wort zu behalten. Da ihr keine andere Ausrede einf\u00e4llt, versucht sie es mit der Wahrheit der K\u00f6rperhaltung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Panoramieness des Sounds. B\u00e4sse blubbern wie Fett in der Friteuse. Zonker mixt Electric\u2013Body\u2013Music, die als nicht tanzbar gilt. Seine Spielweise hat mit traditionellen Auffassungen von Black Music weniger zu tun als mit rebellischen Rock\u2013Gesten. Er reisst die Lautst\u00e4rkeregler auf, beschleunigt das Tempo nach Belieben und best\u00e4tigt souver\u00e4n das unertr\u00e4glich gewordene Klischee von einem Dee Jay, der <em>Soundtracks f\u00fcr imagin\u00e4re Filme<\/em> spielt und seinen Stil vermittelt, ohne die Menschen beim Tanzen zu st\u00f6ren. Seine zerfallende, br\u00fcchige Musik l\u00e4sst die Strenge und die Linearit\u00e4t der Clubmusik hinter sich, sie ist inhaltsreich und erz\u00e4hlerisch, man kann das stundenlange Tanzen erleben wie eine Reise.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Euphorisierungsbeschleuniger. Auf dem Dancefloor ist es eng wie in einem vollen Fahrstuhl, weil M\u00e4dchen Basslines und Melodien m\u00f6gen. Sie bewegen sich zu minimalen Akkordwechseln und asynchronen Beats. Jede neue musikalische Struktur beeinflusst auch die Ordnung der K\u00f6rperverh\u00e4ltnisse. Bei den filigranen Mikrostrukturen der vielschichtigen Beats landet der K\u00f6rper entspannt in einem unendlichen Zwischenraum, an dem er nichts Altes ablegen muss, aber den Platz hat, seine Koordinaten zu \u00e4ndern. W\u00e4hrend sich Intimit\u00e4t und Gemeinschaft, die Grenzaufl\u00f6sung von Ich und Anderen nur auf der Tanzfl\u00e4che einstellt, erz\u00e4hlt Musik von der neoromantischen Suche nach der Wiederherstellung von Ganzheit, dem dionysischen Hinweggerissensein aus der Welt\u2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Zombies<\/strong>, Erz\u00e4hlungen von A. J. Weigoni, Edi\u00adtion Das Labor, M\u00fclheim an der Ruhr 2010.<\/p>\n<div class=\"entry-content\">\n<div id=\"attachment_15964\" style=\"width: 254px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/A.J.-Weigoni.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-15964\" class=\"wp-image-15964 size-full\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/A.J.-Weigoni.jpg\" alt=\"\" width=\"244\" height=\"1005\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-15964\" class=\"wp-caption-text\">Portr\u00e4t A.J. Weigoni, Photo Anja Roth<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend\u00a0<\/strong><strong>\u2192\u00a0<\/strong><\/p>\n<div class=\"ecm0bbzt e5nlhep0 a8c37x1j\">\n<div class=\"kvgmc6g5 cxmmr5t8 oygrvhab hcukyx3x c1et5uql\">\n<div dir=\"auto\" style=\"text-align: justify;\">Meine erste Schallplatte: \u201eHeart of glass\u201c von Blondie, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/07\/30\/6282\/\">vorgestellt<\/a> von Martina Haimerl. <span data-offset-key=\"eaie5-0-0\">Life circles at 33rpm!, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/07\/16\/meine-erste-schallplatte-2\/\">postulierte<\/a> Mischa Kuball. <\/span><span data-offset-key=\"3f7gr-0-0\">Wer sich hinter \u201e<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/07\/09\/meine-erste-schallplatte-oder-mister-b\/\">Mister B<\/a>\u201c verbirgt, beschreibt Christine Kappe. Erg\u00e4nzen ein Artikel zum <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1989\/05\/01\/kassettenuntergrund\/\">Kassettenuntergrund<\/a>. <\/span><span data-offset-key=\"ajv9h-0-0\">\u00bb<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/06\/18\/meine-erste-schallplatte-%e2%80%9edon-juan-von-dave-dee-dozy-beaky-mick-and-tich\/\">Don Juan<\/a>\u00ab von Dave Dee, Dozy, Beaky, Mick and Tich, vorgestellt von Joachim Feldmann. <\/span><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/06\/02\/5165\/\">Eine Reise ins Gl\u00fcck<\/a> von den Lilians, vorgestellt von <span class=\"vcard author\"><span class=\"fn\">Ju Sophie Kerschbaumer<\/span><\/span>. \u201eThis charming man\u201c von den Smiths <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/07\/01\/meine-erste-platte-this-charming-man-von-den-schmidts\/\">vorgestellt<\/a> von <span class=\"vcard author\"><span class=\"fn\">Haimo Hieronymus<\/span><\/span>. The Fall \u2013 Big New Prince <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/08\/25\/mein-klassiker-the-fall-big-new-prince\/\">vorgestellt<\/a> von <span class=\"vcard author\"><span class=\"fn\">Enno Stahl.\u00a0<\/span><\/span><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/04\/12\/dschaeaeaezz\/\">Dsch\u00e4\u00e4\u00e4zz<\/a>!!!, geh\u00f6rt von <span class=\"vcard author\"><span class=\"fn\">Eva Kurowski. Helge Schneider ist wahrscheinlich der bislang einzige Solo-K\u00fcnstler, der gleich mit seiner ersten Platte den Titel <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1989\/04\/02\/die-singende-herrentorte\/\"><em>Seine gr\u00f6\u00dften Erfolge<\/em><\/a> gab. Begleitet wurde er bei den Aufnahmen durch Tonmeister Tom T\u00e4ger im <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/07\/20\/klangkloetzchen\/\">Tonstudio an der Ruhr<\/a>.<\/span><\/span> <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/12\/28\/meine-ersten-drei-platten\/\">Meine ersten drei Platten<\/a>, vorgestellt von\u00a0<span class=\"vcard author\"><span class=\"fn\">Marcus Baltzer. <\/span><\/span><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/04\/06\/meine-musik\/\">Meine Musik<\/a>, vorgestellt von <span class=\"vcard author\"><span class=\"fn\">Ulrich Bergmann. <\/span><\/span><span class=\"vcard author\"><span class=\"fn\">Mit etwas Versp\u00e4tung erschien <\/span><\/span>Pia Lunds zweites Solo-Album <em><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2016\/10\/21\/ein-geschenk-von-pia-lund\/\">Gift<\/a>. <\/em><em>Smile<\/em> war f\u00fcr A.J. Weigoni ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/06\/12\/meine-erste-schallplatte\/\">Versprechen<\/a>. Eine Generation sp\u00e4ter wurde es eingel\u00f6st. Selbstverst\u00e4ndlich auf Vinyl. Und in Mono. Eine Wiederver\u00f6ffentlichung der <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/03\/21\/das-herz-des-motorik-beats\/\"><em>Neu!<\/em>-Studioalben<\/a> ist auf dem Label Gr\u00f6nland erschienen. in 1999 ging KUNO der Frage <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1999\/01\/01\/label-oder-available\/\">Label oder available?<\/a> nach. Einen <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/weigoni\/letternmusik.htm\">Remix<\/a> zu basteln ist in der Popmusik gang und gebe. Stephan Flommersfeld hat das Selbe mit der \u201cLetternmusik\u201d gemacht. \u201e<em>Wenn es Videoclips gibt, muss auch die Literatur auf die ver\u00e4nderten <\/em><em>medialen Verh\u00e4ltnisse reagieren.\u201c, <\/em><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1991\/01\/18\/literaturclips-2\/\">postulierte<\/a> A.J. Weigoni 1991 und erfand mit Frank Michaelis das H\u00f6rbuch. Erweiternd zum Medium der <em><span lang=\"en\">Compact Disc<\/span><\/em> auch der Essay <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=33102\">Press\/Play<\/a>. Dar\u00fcber hinaus eine <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=6P4dXJ_Tvns\">Film-Empfehlung<\/a>, wenn die L\u00e4den zumachen.<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anl\u00e4\u00dflich des Record Store Day pr\u00e4sentert KUNO eine Erz\u00e4hlung aus Zombies Jonges in sauberen Turnschuhen treffen auf M\u00e4delz in spitzen Pumps. Tanzen ist im Idealfall die prim\u00e4re Ausdrucksform der Euphorisierung. Disco ist eine grosse Universalmaschine. 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