{"id":72322,"date":"2022-10-16T00:01:04","date_gmt":"2022-10-15T22:01:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=72322"},"modified":"2022-10-15T17:59:58","modified_gmt":"2022-10-15T15:59:58","slug":"10","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2022\/10\/16\/10\/","title":{"rendered":"10"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Denken ist solit\u00e4r. Alleinsein erholsam. Einsamkeit ist f\u00fcr Max n\u00f6tig, um zu sich selbst zu finden. Sein Autarkismush\u00e4ngt damit zusammen, dass er wenige Menschen hat, denen er vollkommen vertrauen kann. Max denkt nach, trifft die richtige Entscheidung, wenn er die Argumente abgew\u00e4gt hat und entscheidet erst, wenn alle Emotionen abgebaut sind. Er sitzt auf einem Felsvorsprung. Blickt ins <em>Tal der K\u00f6nige<\/em>. Memoriert den Tag. Betrachtet am Himmelsgew\u00f6lbe das Werden und Vergehen im kosmischen Zeitstrom. Das Licht vergangener Sterne erreicht ihn. Er ist umgeben von Planeten, vergl\u00fchenden Kometen, ihn umkreist der Mond. Er st\u00fcrzt mit dem Erdball in die Tiefe des Alls. Rechts und links sausen die Gestirne mit furchterregender Beschleunigung vorbei, wo die Geburt neuer Himmelsk\u00f6rper zu beobachten ist, sich jenes mystische Licht und Dunkel der autonomen Farbe aufl\u00f6st, und sich das Sakrale in der Welt des S\u00e4kularen befindet, die Szenerien der Romantik im Abgrund der Farbe absorbiert sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Oase bietet Schutz. Seine Reisebegleiter schlafen ersch\u00f6pft neben dem Feuer. Sie sind durch die W\u00fcste geritten, vorbei an roten und braunen Felsen, \u00fcber Sandwiesen und Steinfelder. Die Sahara ist heiss oder kalt. Stockdunkel oder gleissend hell. Nie irgendwas dazwischen. Wenn es still ist, h\u00f6rt er sein Blut in den Ohren rauschen. Wenn der Passatheult, versteht er sein eigenes Wort nicht. In der Sahara beginnt die Welt im Kopf und h\u00f6rt hinter dem Horizont nicht auf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Stille in den D\u00fcnen l\u00e4sst jeden Herzschlag zu einer Ersch\u00fctterung werden. Ein Kamel blubbert mit exorbitantem R\u00e4uspern. Ein Gebilde gurgelt durch seinen gespaltenen Schlund, schliesslich schiebt sich ein rosaroter Beutel aus dem Kamelmaul. Er erzeugt das Blubbern. Das Trampeltier bl\u00e4st seine Zunge bis zur Gr\u00f6sse eines Luftballons auf, saugt sie Sekunden darauf mit einem gen\u00fcsslichen Schlupp wieder ein und wiederholt dies in unregelm\u00e4ssigen Abst\u00e4nden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Funkenflug. Das kurze Aufflackern der Glut seiner Zigarette erscheint real. Ein Sticked\u00f6schen raschelt. Der Scheich setzt sich mit unaufgeregter Eleganz. Sein Gesicht hat etwas Felsartiges, scheint wie aus einer anderen, anorganischen Welt zu ihm her\u00fcberzublicken. Sein K\u00f6rper wirkt, als sei er schon Teil der amorphen Natur, als k\u00e4men seine Gesten und Worte gar nicht aus diesem einen Menschen, sondern aus dem geistigen Reservoir der Vergangenheit und der Zeit grosser Erz\u00e4hlungen. Auf dem Kopf tr\u00e4gt er den <em>chech<\/em>, das zu Turban und Mundschutz geschlungene Tuch. Dieser Touareg geh\u00f6rt nicht zur Karawane. Max sieht den Sonnengegerbten an. Blickt in blaue Augen. Versucht den Grund auszuforschen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bodenkunde. Der Scheich beginnt in einer Sprache zu erz\u00e4hlen, die Max zuvor nicht geh\u00f6rt hat. Die Touareg haben unterschiedliche Bezeichnungen f\u00fcr die Sahara, sie sind weiblich, alles andere w\u00e4re indiskutabel in Anbetracht des Offensichtlichen. Er bezeichnet die Sandw\u00fcste als <em>T\u00e9n\u00e9r\u00e9<\/em>, was \u00fcbersetzt &#8222;Land da draussen&#8220; bedeutet. Weitere Informationen liegen in der Sahara auf dem Boden. Dort kann man <em>lesen<\/em>, dass eine Viper Gefahr bringt, ein verliebtes Paar die F\u00fcsse nebeneinander in &#8222;die gelbe Farbe&#8220; gedr\u00fcckt hat, er den rechten, sie den linken. Der Sand ist so fein, dass man H\u00e4nde, Gesicht, Teller und L\u00f6ffel damit <em>waschen<\/em> kann, das unverfestigte Sedimentgestein speichert Banales und Lebenswichtiges, Sch\u00f6nes und Schauriges, Gutes und Schlechtes. Max erinnert sich an die <em>Handvoll Zeit<\/em>, die Nataly auf seinen Bauchnabel rieseln liess\u2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Vignetten<\/strong>, Novelle von A.J. Weigoni, Edi\u00adtion Das Labor, M\u00fclheim an der Ruhr 2009.<\/p>\n<div id=\"attachment_47142\" style=\"width: 206px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/VignettenCover.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-47142\" class=\"wp-image-47142 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/VignettenCover-196x300.jpeg\" alt=\"\" width=\"196\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/VignettenCover-196x300.jpeg 196w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/VignettenCover.jpeg 623w\" sizes=\"auto, (max-width: 196px) 100vw, 196px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-47142\" class=\"wp-caption-text\">Covermotiv, Schreibstab von Peter Meilchen<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend<\/strong> \u2192<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Constanze Schmidt zur <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/11\/18\/wellenbewegungen\/\">Novelle<\/a> und zum <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/\">Label<\/a>. Ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/01\/18\/literaturgeografie\/\">Nachwort<\/a> von Enrik Lauer. KUNO \u00fcbernimmt einen Artikel der <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/09\/09\/bruchstuckhafte-morsezeichen\/\">Lyrikwelt<\/a> und aus dem <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/09\/lachfalten-im-gesicht-der-zeit\/\">Poetenladen<\/a>. Betty Davis konstatiert <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/06\/18\/ein-fein-gesponnenes-psychogramm\/\">Ein fein gesponnenes Psychogramm<\/a>. \u00dcber die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/12\/18\/novelle_revisited\/\">Reanimierung<\/a> der Gattung Novelle und die Weiterentwicklung zum Buch \/ Katalog-Projekt <em>630<\/em> finden Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=46549\">hier<\/a> einen Essay. Einen weiteren Essay zur Ausstellung <em>50 Jahre Krumscheid \/ Meilchen<\/em> lesen Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=21518\">hier<\/a>. Mit einer <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/hungertuch\/taeger2001.htm\">Laudatio<\/a> wurde der Hungertuch-Preistr\u00e4ger Tom T\u00e4ger und seine Arbeit im Tonstudio an der Ruhr gew\u00fcrdigt. Eine W\u00fcrdigung des Lebenswerks von Peter Meilchen findet sich <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12763\">hier<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Denken ist solit\u00e4r. Alleinsein erholsam. Einsamkeit ist f\u00fcr Max n\u00f6tig, um zu sich selbst zu finden. Sein Autarkismush\u00e4ngt damit zusammen, dass er wenige Menschen hat, denen er vollkommen vertrauen kann. Max denkt nach, trifft die richtige Entscheidung, wenn er&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2022\/10\/16\/10\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":14,"featured_media":97847,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[628,3354],"class_list":["post-72322","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-a-j-weigoni","tag-vignetten"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/72322","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/14"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=72322"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/72322\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":104099,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/72322\/revisions\/104099"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/97847"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=72322"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=72322"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=72322"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}