{"id":72269,"date":"2009-10-18T00:01:23","date_gmt":"2009-10-17T22:01:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=72269"},"modified":"2022-03-06T13:44:03","modified_gmt":"2022-03-06T12:44:03","slug":"x-4","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/10\/18\/x-4\/","title":{"rendered":"X"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jede Bewegung ist Natalys Auftritt. Die Fremdheit in der eigenen Haut, das Lodern einer unerf\u00fcllten Sehnsucht, die ohnm\u00e4chtige Wut auf die eigenen Skrupel: dies ist der Kern ihrer wundervoll verhaltenen Pers\u00f6nlichkeit. Sie besitzt eine Klarheit, die nur komplizierte Menschen verstr\u00f6men. Der T\u00fcrrahmen gibt sie frei. Jede Atempause = ein Untertitel. Jeder Schritt in den Raum ist taxiert. Natalys zeitgem\u00e4sse Erscheinung weist Stil und Geschmacksgewandtheit auf. Ein paar Regentropfen auf den Haarspitzen geben ihrer Sch\u00f6nheit etwas morbid Zeitgem\u00e4sses. Der rote Parapluie erg\u00e4nzt sich mit der farblosen Kulisse.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ihr Begleiter mit dem nachtblauen Anzug gereicht ihr zum Nachteil. Den Typ zeichnen Grazie, Noblesse, Witz, und Enthusiasmus aus. F\u00fcr Momente wird in seiner Performance die d\u00fcnne Wand seiner Gem\u00fctsverfassung sichtbar. Niemand erkundigt sich danach, wo sie ihn nach ihrem Rekurs aufgegabelt hat; aber alle sind neugierig und jeder denkt sich seinen Teil. Diese Hautevolee beherrscht die l\u00e4chelnde Selbstverleugnung, ihre Mitglieder sind zugekn\u00f6pft bis unters Kinn und emotional erstarrt bis in die Knochen, dabei wahren sie stets coole Contenance und l\u00e4ssige Posen: Jede von ihnen eine Grosseinstellung wert. Aus ihren Posen entwickelt sich keine Position. Reflexe, nicht Reflexion, bestimmen die Szenerie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Atmosph\u00e4re nachdenklicher K\u00e4lte und unterirdischer Spannung. Nataly und Max trotzen hartn\u00e4ckigsten Definitionsattacken, behalten ihr Geheimnis, ihre eigene Aura. Sie beherrschen die Kunst, aus sich selbst ein Ereignis zu machen. Das verwirrt, denn es geht darum, eine Geschichte zu erz\u00e4hlen, in der echte Charaktere spielen. Die hypermoderne Generation ist an die Drehb\u00fccher ihrer Vorstellungen gebunden. Trotzdem hat sie ihre eigene Geschichte von der Figur, die sie spielen, im Kopf; und diese versuchen sie in der Konstellation, die sie auf dem Cat\u2013Walk vorfinden, zu realisieren. Ihre Verst\u00e4ndigung wird schlussendlich zu einer B\u00fchne des Performativen, in dem Geb\u00e4rden ausgetauscht und bearbeitet werden = virtuose Maskeraden und Inszenierungen k\u00fcnstlicher Authentizit\u00e4t.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Exorzismus im Rampenlicht. Glamour und Dekadenz werden befeuert durch Narkotika und Narzissmus. Tricks und Finten sind im Ringelreihen goutierbar; Max ist bis an die Grenzen des Autistischen selbstbezogen. Wunderbar, aber einsam und mit verheerenden Konsequenzen f\u00fcr die Abendgesellschaft. Nicht Virtuosit\u00e4t ist gefragt, sondern Egomanie, \u00e4usserste Konzentration, Direktheit und der Mut, diesen Abend Auge in Auge mit diesen Parven\u00fcs durchzustehen. Ohne jeden weiteren Kommentar begibt sich die Gesellschaft zu Tisch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier klaffen Kl\u00fcfte. Die Schickeria f\u00fchrt mit forcierter Munterkeit eine freudlose Existenz der Vermeidung und der uneingel\u00f6sten Tr\u00e4ume. Auf Kontrollverlust folgt Desorientierung. Manipulation von Realit\u00e4t erweist sich als ein erm\u00fcdendes Verkleidungs\u2013 und Maskenspiel, vor allem aber als gleichm\u00fctig rotierendes Karussell nicht eben frischer, aber virtuos ausgestellter Ideen. Ihr aggressives Desinteresse ist ber\u00fcchtigt. Das Establishment erlaubt den Spott des Machtlosen nur so lange, wie seine Einflusssph\u00e4re davon nicht bedroht ist. Wird dieser Kipppunkt erreicht, so dreht sich die Maschinerie um. Die Verh\u00e4ltnisse sind st\u00e4rker als die Sprache. Wenn Gewalt die Sachverhalte schafft, taugt die Ironie kaum mehr als Waffe. In jeder Bewegung steckt nunmehr eine Erwartung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Vignetten<\/strong>, Novelle von A.J. Weigoni, Edi\u00adtion Das Labor, M\u00fclheim an der Ruhr 2009.<\/p>\n<div id=\"attachment_47142\" style=\"width: 206px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/VignettenCover.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-47142\" class=\"wp-image-47142 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/VignettenCover-196x300.jpeg\" alt=\"\" width=\"196\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/VignettenCover-196x300.jpeg 196w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/VignettenCover.jpeg 623w\" sizes=\"auto, (max-width: 196px) 100vw, 196px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-47142\" class=\"wp-caption-text\">Covermotiv, Schreibstab von Peter Meilchen<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend<\/strong> \u2192<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Constanze Schmidt zur <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/11\/18\/wellenbewegungen\/\">Novelle<\/a> und zum <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/\">Label<\/a>. Ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/01\/18\/literaturgeografie\/\">Nachwort<\/a> von Enrik Lauer. KUNO \u00fcbernimmt einen Artikel der <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/09\/09\/bruchstuckhafte-morsezeichen\/\">Lyrikwelt<\/a> und aus dem <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/09\/lachfalten-im-gesicht-der-zeit\/\">Poetenladen<\/a>. Betty Davis konstatiert <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/06\/18\/ein-fein-gesponnenes-psychogramm\/\">Ein fein gesponnenes Psychogramm<\/a>. \u00dcber die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/12\/18\/novelle_revisited\/\">Reanimierung<\/a> der Gattung Novelle und die Weiterentwicklung zum Buch \/ Katalog-Projekt <em>630<\/em> finden Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=46549\">hier<\/a> einen Essay. Einen weiteren Essay zur Ausstellung <em>50 Jahre Krumscheid \/ Meilchen<\/em> lesen Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=21518\">hier<\/a>. Mit einer <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/hungertuch\/taeger2001.htm\">Laudatio<\/a> wurde der Hungertuch-Preistr\u00e4ger Tom T\u00e4ger und seine Arbeit im Tonstudio an der Ruhr gew\u00fcrdigt. Eine W\u00fcrdigung des Lebenswerks von Peter Meilchen findet sich <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12763\">hier<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Jede Bewegung ist Natalys Auftritt. Die Fremdheit in der eigenen Haut, das Lodern einer unerf\u00fcllten Sehnsucht, die ohnm\u00e4chtige Wut auf die eigenen Skrupel: dies ist der Kern ihrer wundervoll verhaltenen Pers\u00f6nlichkeit. Sie besitzt eine Klarheit, die nur komplizierte Menschen&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/10\/18\/x-4\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":14,"featured_media":97847,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[628,3354],"class_list":["post-72269","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-a-j-weigoni","tag-vignetten"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/72269","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/14"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=72269"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/72269\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":101707,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/72269\/revisions\/101707"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/97847"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=72269"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=72269"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=72269"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}