{"id":72033,"date":"2000-08-04T00:01:04","date_gmt":"2000-08-03T22:01:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=72033"},"modified":"2020-11-25T17:52:53","modified_gmt":"2020-11-25T16:52:53","slug":"relationen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2000\/08\/04\/relationen\/","title":{"rendered":"Relationen"},"content":{"rendered":"<div class=\"page\" title=\"Page 112\">\n<div class=\"layoutArea\" style=\"text-align: justify;\">\n<div class=\"column\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gro\u00dfst\u00e4dte haben den gro\u00dfen Nachteil, dachte Herr Nipp, dass man sich als grundweg orientierungsloser Mensch in ihnen verlaufen kann, den Weg nicht mehr findet und letztlich haltlos strandet.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"layoutArea\" style=\"text-align: justify;\">\n<div class=\"column\">\n<p>Man hatte ihm auch von den gro\u00dfen Vorteilen erz\u00e4hlt, den M\u00f6glichkeiten und vor allem der, wenn man denn will, immer pr\u00e4senten Kultur in allen m\u00f6glichen Ausf\u00e4rbungen und Nischen. Als offizielle und freie Theaterszene, Museen und Galerien, hunderte von Ateliers, in denen K\u00fcnstler vor sich hin pinselten und meist vergebens darauf warteten, entdeckt zu werden, einige bis ins hohe Alter den Traum von gewisser Ber\u00fchmtheit tr\u00e4umend. Immer war etwas los, auf den U-Bahnh\u00f6fen wurde Musikgeschichte geschrieben oder redupliziert.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"layoutArea\" style=\"text-align: justify;\">\n<div class=\"column\">\n<p>Herr Nipp schob diese Gedanken schon den ganzen Tag mit sich herum, w\u00e4hrend er die Stra\u00dfe suchte, in der angeblich sein alter Studienfreund wohnt. Dieses Gr\u00fcbeln \u00fcber Gro\u00df- und Mittelst\u00e4dte, \u00fcber die Kultur und Verkehrssysteme, \u00fcber die Anonymit\u00e4t und die stetige gesellschaftliche Forderung nach Gl\u00fcck und Erfolg, hatte ihn ganz vergessen lassen, dass er schon mehrere Stunden immer wieder durch Stra\u00dfen lief, die ihm irgendwie bekannt vorkamen und mit jedem Schritt bekannter wurden. Ja, er hatte sich einfach verlaufen.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"layoutArea\" style=\"text-align: justify;\">\n<div class=\"column\">\n<p>Es ist nicht gerade ehrenhaft, andere Leute nach dem Weg zu fragen. Die Antwort kann manchmal sehr schlimm ausfallen, so auch bei Herrn Nipp: &#8222;Nein, die Stra\u00dfe gibt es in unserem netten 800-Seelendorf nicht, aber gar nicht weit von hier ist eine gr\u00f6\u00dfere Stadt. Da gibt es die Stra\u00dfe, mit Sicherheit.&#8220;<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Herr Nipp setzet sich umgehend in seinen Wagen und lenkte dreieinhalb Kilometer weiter auf die gr\u00f6\u00dfere Stadt zu. Tats\u00e4chlich fand er sehr schnell das H\u00e4uschen und wunderte sich, warum das in diesem 1200 Seelenort so viel einfacher war.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"page\" style=\"text-align: justify;\" title=\"Page 107\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Das Mittelma\u00df der Welt<\/strong>, unerh\u00f6rte Geschichten von Herrn Nipp, KUNO 1994 &#8211; 2019<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/Herr-Nipp-Frontbild.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-71748\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/Herr-Nipp-Frontbild.jpg\" alt=\"\" width=\"217\" height=\"229\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/Herr-Nipp-Frontbild.jpg 217w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/Herr-Nipp-Frontbild-160x169.jpg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 217px) 100vw, 217px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die <em>unerh\u00f6rten Geschichten<\/em> von Herrn Nipp sind glossierende Anmerkungen die sich schnoddrig mit dem Zeitgeist auseinandersetzen. Oft wird in diesen Kolportagen ein Konflikt zwischen Ordnung und Chaos beschrieben. Wir lesen sowohl \u00fcberraschendes und unerwartetes, potentiell ungew\u00f6hnliches, das Geschehen verweist auf einen sich real ereigneten (oder wenigstens m\u00f6glichen) Ursprung des Erz\u00e4hlten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend\u00a0<\/strong><strong>\u2192\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum Thema K\u00fcnstlerbucher lesen finden Sie hier einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12840\">Essay<\/a> sowie ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=834\">Artikel<\/a> von J.C. Albers. Papier ist autonomes Kunstmaterial, daher ein vertiefendes <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=21407\">Kollegengespr\u00e4ch<\/a> mit Haimo Hieronymus \u00fcber Material, Medium und Faszination des Werkstoffs Papier.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die bibliophilen Kostbarkeiten sind erh\u00e4ltlich \u00fcber die Werkstattgalerie Der Bogen, Tel. 0173 7276421<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Gro\u00dfst\u00e4dte haben den gro\u00dfen Nachteil, dachte Herr Nipp, dass man sich als grundweg orientierungsloser Mensch in ihnen verlaufen kann, den Weg nicht mehr findet und letztlich haltlos strandet. 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