{"id":71932,"date":"2001-01-04T00:01:47","date_gmt":"2001-01-03T23:01:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=71932"},"modified":"2020-11-25T15:55:02","modified_gmt":"2020-11-25T14:55:02","slug":"schoene-augen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/01\/04\/schoene-augen\/","title":{"rendered":"Sch\u00f6ne Augen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\">\n<div class=\"page\" style=\"text-align: justify\" title=\"Page 88\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>In der Provinz geh\u00f6rt es zum guten Ton, wenn man sich ab und zu auf Schusters Rappen begibt, den Alltag sausen l\u00e4sst und an einem freien Tag mit Freunden in den Wald zieht, nicht mit einer Kiste Bier, sondern mit einer handfesten Mahlzeit im Rucksack.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>Herr Nipp hatte das schon seit Tagen vorgehabt, doch niemanden gefunden, der sich darauf einstellen wollte, dass auch schlimmstes Regenwetter durchaus erfrischend sein kann. Auf dem Weg zu einem gr\u00f6\u00dferen schwedischen M\u00f6bellager kam das Gespr\u00e4ch auf diesen Umstand und unerwarteter Weise willigte der Freund, ohne gro\u00df gefragt oder gebeten zu werden, ein. Er sei doch bekannt daf\u00fcr, dass er nicht gerne gehe. Nein, das sei ein Missverst\u00e4ndnis, er gehe nicht gerne spazieren, wandere aber um so lieber. Am n\u00e4chsten Morgen waren sie fr\u00fch verabredet, tranken sich noch zusammen einen Kaffee.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>Herr Nipp a\u00df zwei Br\u00f6tchen mit gesalzener Butter, man schaute aus dem Fenster, begutachtete die Gro\u00dfwetterlage und befand, dass es sicher noch aufklaren w\u00fcrde. Ab ins Auto und durch str\u00f6menden Regen ins h\u00f6here Sauerland. Man mag sich dar\u00fcber lustig machen, aber es gibt dort oben tats\u00e4chlich sch\u00f6ne Fleckchen. Endorferh\u00fctte sollte das Ziel sein. Der Name erinnerte an die alte Bergbautradition, Erz wurde vor Jahrhunderten im Tagebau abgebaut und direkt vor Ort in kleinen \u00d6fen verh\u00fcttet. Auf dem ersten St\u00fcck des Weges kamen ihnen dann auch schon r\u00f6tlich eingef\u00e4rbte B\u00e4che entgegen, auf dem Weg, nicht im Bachbett, eisenhaltig. Schon nach 500 Metern wurde der Regen so intensiv, dass sie bei einer Forellenteichanlage schauern mussten.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>An fr\u00fchere Zeiten erinnerte sich Herr Nipp, als der Vater noch einen dieser Teiche sein eigen genannt hatte, als er mit der Familie fast jedes Wochenende dort oben war. Fische f\u00fcttern, auch mal angeln oder im Herbst abfischen. Eigentlich eine Zeit mit sch\u00f6nen\u00a0<span style=\"letter-spacing: 0.05em\">Erinnerungen, einerseits wegen des Teiches, des Spielens an dem Bach, Kaulk\u00f6pfe fangen oder Steinbei\u00dfer. Wegen der Wanderungen auch, man konnte immer aufregende Sachen entdecken, Fossilien oder Kristalle in dem Gestein, Amphibien oder sogar einige Reptilien zwischen den Steinfeldern und in T\u00fcmpeln. Im Herbst wurden Pilze gesammelt. Nicht so gern erinnerte er sich daran, wie oft er keine Lust gehabt hatte, die weiten Wanderungen mit zu gehen. Solche wie an diesem Tag. Der blaue Himmel zeigte sich tats\u00e4chlich, man konnte die Strecke fortsetzen. Erst vor allem bergauf, dann auf dem H\u00f6henzeug, zum Schluss bergab, so an die 19 oder 20 Kilometer, ein ganzer Vormittag gehen, unterhalten und sehen. Ein F\u00f6rster kam ihnen entgegen, ansonsten Ruhe. Rast bei einer Waldh\u00fctte mit Unterstand.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"letter-spacing: 0.05em\">Oben bei einem einsamen Bauernhof kamen einige wei\u00dfe K\u00fche auf sie zugerannt, neugierig und doch scheu, wollten gef\u00fcttert werden, nahmen aber nichts vom dargebotenen Gras an. Eines musste Herr Nipp wieder einmal feststellen, sie haben sch\u00f6ne Augen.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: justify\">\n<div class=\"page\" title=\"Page 75\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<p style=\"text-align: justify\">\n<\/div>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: center\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Das Mittelma\u00df der Welt<\/strong>, unerh\u00f6rte Geschichten von Herrn Nipp, KUNO 1994 &#8211; 2019<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/Herr-Nipp-Frontbild.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-71748\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/Herr-Nipp-Frontbild.jpg\" alt=\"\" width=\"217\" height=\"229\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/Herr-Nipp-Frontbild.jpg 217w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/Herr-Nipp-Frontbild-160x169.jpg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 217px) 100vw, 217px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die <em>unerh\u00f6rten Geschichten<\/em> von Herrn Nipp sind glossierende Anmerkungen die sich schnoddrig mit dem Zeitgeist auseinandersetzen. Oft wird in diesen Kolportagen ein Konflikt zwischen Ordnung und Chaos beschrieben. Wir lesen sowohl \u00fcberraschendes und unerwartetes, potentiell ungew\u00f6hnliches, das Geschehen verweist auf einen sich real ereigneten (oder wenigstens m\u00f6glichen) Ursprung des Erz\u00e4hlten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Weiterf\u00fchrend\u00a0<\/strong><strong>\u2192\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Zum Thema K\u00fcnstlerbucher lesen finden Sie hier einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12840\">Essay<\/a> sowie ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=834\">Artikel<\/a> von J.C. Albers. Papier ist autonomes Kunstmaterial, daher ein vertiefendes <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=21407\">Kollegengespr\u00e4ch<\/a> mit Haimo Hieronymus \u00fcber Material, Medium und Faszination des Werkstoffs Papier.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die bibliophilen Kostbarkeiten sind erh\u00e4ltlich \u00fcber die Werkstattgalerie Der Bogen, Tel. 0173 7276421<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Provinz geh\u00f6rt es zum guten Ton, wenn man sich ab und zu auf Schusters Rappen begibt, den Alltag sausen l\u00e4sst und an einem freien Tag mit Freunden in den Wald zieht, nicht mit einer Kiste Bier, sondern mit&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/01\/04\/schoene-augen\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":161,"featured_media":71748,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[1334],"class_list":["post-71932","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-herr-nipp"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/71932","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/161"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=71932"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/71932\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=71932"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=71932"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=71932"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}