{"id":71914,"date":"1996-06-24T00:01:50","date_gmt":"1996-06-23T22:01:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=71914"},"modified":"2021-10-18T09:55:00","modified_gmt":"2021-10-18T07:55:00","slug":"schlafgelegenheit","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1996\/06\/24\/schlafgelegenheit\/","title":{"rendered":"Schlafgelegenheit"},"content":{"rendered":"<div class=\"page\" title=\"Page 81\">\n<div class=\"layoutArea\" style=\"text-align: justify;\">\n<div class=\"column\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eNiedrige Wolken, Grauer Himmel, tr\u00fcbes Wetter; &#8211; diese Land- schaft entspricht der Stimmung einer niedergedr\u00fcckten Seele und eines hoffnungslosen Herzens. Meine kleine, leise huschende und schnell Trippelnde Stundenfrau ist eben fort und hat meine Briefe mitgenommen. Ich habe gefr\u00fchst\u00fcckt und sitze nun gesammelt am Schreibtisch. Ist die gewissenhafte, gr\u00fcndliche Arbeit nicht doch das, was am wenigsten tr\u00fcgt?<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"layoutArea\" style=\"text-align: justify;\">\n<div class=\"column\">\n<p>Ich f\u00fchle mich in meiner neuen Wohnung noch nicht recht heimisch. Ich habe die Dinge, die ich brauche, B\u00fccher oder Papiere, Kleidungsst\u00fccke oder Stiche, nicht gleich bei der Hand. Dann wei\u00df ich noch nicht, was ich mit meinem Hauptzimmer anfangen soll, auf das ich doch am meisten rechnete. vieles liegt herum, sperrt oder wackelt \u2013 kurz, der Zigeuner wider Willen ist noch nicht h\u00e4uslich eingerichtet. Und doch w\u00e4re etwas Behaglichkeit ganz nett.\u201c<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Liest Herr Nipp im intimen Tagebuch des Henri-Fr\u00e9d\u00e9ric Amiel. Er kann sich in die Situation herein versetzen. Nein, nat\u00fcrlich hat er keine Zugehfrau, soweit k\u00e4me es noch, die B\u00fccher sind bekanntlich inzwischen zumindest zum gr\u00f6\u00dften Teil untergebracht. Aber der Rest stimmte zuf\u00e4llig heute gerade. Er fand nichts wieder, denn das Wohnzimmer sollte renoviert werden, dazwischen ein St\u00e4nder mit trocknender W\u00e4sche. Lediglich an seinem R\u00fcckzugsort, dem Schreibtisch f\u00fchlte er sich wohl. Wenn es darum ging, die W\u00f6rter voller Gedanken in eine Ordnung zu bringen, wenn es darum ging zu arbeiten, dann konnte er sich v\u00f6llig aus dieser Situation heraus denken, konnte alles um sich herum vergessen und war ein freier Mann. Meistens allerdings nutzte er die Wohnung lediglich als Schlafgelegenheit und verbrachte die meiste Zeit des Tages an anderen Orten, die ihn davon ablenkten, dass es mal anders gewesen war.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"page\" title=\"Page 75\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<\/div>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Das Mittelma\u00df der Welt<\/strong>, unerh\u00f6rte Geschichten von Herrn Nipp, KUNO 1994 &#8211; 2019<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/Herr-Nipp-Frontbild.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-71748\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/Herr-Nipp-Frontbild.jpg\" alt=\"\" width=\"217\" height=\"229\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/Herr-Nipp-Frontbild.jpg 217w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/Herr-Nipp-Frontbild-160x169.jpg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 217px) 100vw, 217px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die <em>unerh\u00f6rten Geschichten<\/em> von Herrn Nipp sind glossierende Anmerkungen die sich schnoddrig mit dem Zeitgeist auseinandersetzen. Oft wird in diesen Kolportagen ein Konflikt zwischen Ordnung und Chaos beschrieben. Wir lesen sowohl \u00fcberraschendes und unerwartetes, potentiell ungew\u00f6hnliches, das Geschehen verweist auf einen sich real ereigneten (oder wenigstens m\u00f6glichen) Ursprung des Erz\u00e4hlten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend\u00a0<\/strong><strong>\u2192\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum Thema K\u00fcnstlerbucher lesen finden Sie hier einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12840\">Essay<\/a> sowie ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=834\">Artikel<\/a> von J.C. Albers. Papier ist autonomes Kunstmaterial, daher ein vertiefendes <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=21407\">Kollegengespr\u00e4ch<\/a> mit Haimo Hieronymus \u00fcber Material, Medium und Faszination des Werkstoffs Papier.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die bibliophilen Kostbarkeiten sind erh\u00e4ltlich \u00fcber die Werkstattgalerie Der Bogen, Tel. 0173 7276421<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; \u201eNiedrige Wolken, Grauer Himmel, tr\u00fcbes Wetter; &#8211; diese Land- schaft entspricht der Stimmung einer niedergedr\u00fcckten Seele und eines hoffnungslosen Herzens. Meine kleine, leise huschende und schnell Trippelnde Stundenfrau ist eben fort und hat meine Briefe mitgenommen. 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