{"id":71867,"date":"2008-06-24T00:01:58","date_gmt":"2008-06-23T22:01:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=71867"},"modified":"2021-10-31T13:57:10","modified_gmt":"2021-10-31T12:57:10","slug":"luecke","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/06\/24\/luecke\/","title":{"rendered":"L\u00fccke"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"page\" style=\"text-align: justify;\" title=\"Page 67\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>Jahrelang war er an diesem Haus vorbei gelaufen. Die Besitzer hatten sich vor Jahr und Tag nach Spanien zur\u00fcckgezogen. Auf irgendeine Insel. Niemals aber hatte jemand dort mehr gewohnt. Oft hatte sich Herr Nipp vorgestellt, in diesem Haus, das ein Gef\u00fchl von unangestrengtem Wohlstand vermittelte, zu wohnen, den riesigen Garten zu pflegen und nach und nach auszubauen, mit Natursteinen und einem gestuften Hang, durch Mauern abge- fangen, mit Steingew\u00e4chsen bewachsen.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>Immer hatte es gehei\u00dfen, dass die Besitzer irgendwann zur\u00fcck- kommen w\u00fcrden, das Haus wieder instand setzen. So jedoch, als leeres Haus mit dunklen Fensterl\u00f6chern sprach es der gesamten Stra\u00dfe Hohn. Dort wohnten angesehene B\u00fcrger aus meist wohl- habenden Familien, die mit Liebe und Geschmack die Gegend pflegten. \u00c4rzte, Besitzer kleiner Manufakturen, Lehrer, Apotheker. Sie alle \u00e4rgerten sich, dass gerade dieses sch\u00f6nste, gr\u00f6\u00dfte und wohlpatzierteste in der Nachbarschaft langsam verkam, Jahr f\u00fcr Jahr, Risse ansetzte im Putz, eine Scheibe hier platzte, Pflanzen sich in den Ritzen ansiedelten und bald auch das Dach besch\u00e4digen w\u00fcrden. Herr Nipp stellte sich vor, wie es sein m\u00fcsste, wenn das S\u00fcdlicht die farbigen Gl\u00e4ser in der Empfangshalle durchflutete.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>Dann passierte endlich etwas, das Haus schien verkauft, neue Besitzer, allen hier unbekannt. Betrachteten das Haus von allen Seiten, rieben sich das Kinn und diskutierten. Tage sp\u00e4ter r\u00fcckte ein G\u00e4rtnerunternehmen mit drei Arbeitern an, f\u00e4llte die B\u00e4ume, entfernte die Wurzeln, das Unkraut, die Wiese wurde gepfl\u00fcgt. Endlich w\u00fcrde das Haus in neuer Sch\u00f6nheit erstrahlen. Gestern machte Herr Nipp einen Spaziergang, auch um zu sehen, was in den letzten Tagen weiteres passiert war, vielleicht auch mit den neuen Besitzern ein Gespr\u00e4ch zu f\u00fchren. Er fand das Haus nicht mehr. Es war entfernt worden, wie die B\u00e4ume.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"page\" style=\"text-align: justify;\" title=\"Page 65\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<div class=\"page\" title=\"Page 66\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Das Mittelma\u00df der Welt<\/strong>, unerh\u00f6rte Geschichten von Herrn Nipp, KUNO 1994 &#8211; 2019<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/Herr-Nipp-Frontbild.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-71748\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/Herr-Nipp-Frontbild.jpg\" alt=\"\" width=\"217\" height=\"229\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/Herr-Nipp-Frontbild.jpg 217w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/Herr-Nipp-Frontbild-160x169.jpg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 217px) 100vw, 217px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die <em>unerh\u00f6rten Geschichten<\/em> von Herrn Nipp sind glossierende Anmerkungen die sich schnoddrig mit dem Zeitgeist auseinandersetzen. Oft wird in diesen Kolportagen ein Konflikt zwischen Ordnung und Chaos beschrieben. Wir lesen sowohl \u00fcberraschendes und unerwartetes, potentiell ungew\u00f6hnliches, das Geschehen verweist auf einen sich real ereigneten (oder wenigstens m\u00f6glichen) Ursprung des Erz\u00e4hlten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend\u00a0<\/strong><strong>\u2192\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum Thema K\u00fcnstlerbucher lesen finden Sie hier einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12840\">Essay<\/a> sowie ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=834\">Artikel<\/a> von J.C. Albers. Papier ist autonomes Kunstmaterial, daher ein vertiefendes <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=21407\">Kollegengespr\u00e4ch<\/a> mit Haimo Hieronymus \u00fcber Material, Medium und Faszination des Werkstoffs Papier.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die bibliophilen Kostbarkeiten sind erh\u00e4ltlich \u00fcber die Werkstattgalerie Der Bogen, Tel. 0173 7276421<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Jahrelang war er an diesem Haus vorbei gelaufen. Die Besitzer hatten sich vor Jahr und Tag nach Spanien zur\u00fcckgezogen. Auf irgendeine Insel. Niemals aber hatte jemand dort mehr gewohnt. 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