{"id":71862,"date":"2008-05-28T00:01:23","date_gmt":"2008-05-27T22:01:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=71862"},"modified":"2022-01-01T07:41:36","modified_gmt":"2022-01-01T06:41:36","slug":"traditionalisten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/05\/28\/traditionalisten\/","title":{"rendered":"Traditionalisten"},"content":{"rendered":"<div class=\"page\" style=\"text-align: justify;\" title=\"Page 65\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein bleierner Schlaf hatte auf ihm gelegen, Herr Nipp musste Stunden lang in jenen Traumgefilden verbracht haben, jenen, die wohl irgendwie bekannt scheinen oder zumindest erahnt. Von sch\u00f6nen Tr\u00e4umen und etwas Gl\u00fcck eingeh\u00fcllt. Er hatte ganz fr\u00fch die Rei\u00dfleine gezogen, als seine Augen nicht mehr wollten. Nach dem Aufstehen hatte er einen Text geschrieben:<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>Vor den Fenstern<br \/>\nbodenlang Gardinen<br \/>\nsie wehen leicht im Wind<br \/>\nich seh \u0301 Figuren Menschen B\u00e4ume auch in ihnen und manchmal gern ein Kind<br \/>\nder Boden glatt<br \/>\naus r\u00f6tlichbraunen Fliesen<br \/>\nsie ruhen wohlig k\u00fchl im Raum<br \/>\nbei Nacht im Traum geborene Riesen<br \/>\nich bin zu m\u00fcde seh \u0301 sie kaum<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>&#8230;und festgestellt, dass dies doch ein wenig zu romantisch f\u00fcr ihn war.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>Bei einem v\u00f6llig deplatzierten Vortrag am vorigen Tag zur Preis- verleihung der Leuchte des Jahres hatte er meist mit M\u00fche und Not die Augen offen gehalten, sich gefragt, wer diese Menschen denn wohl eingeladen hatte. Die, nicht nur v\u00f6llig langweilig, sondern auch an den Interessen der Zuh\u00f6rer vorbei, davon gesprochen hatten, dass man die eigene Firma doch m\u00f6glich schnell verkaufen solle, um den maximalen Profit daraus zu schlagen. V\u00f6llig ver- kennend, dass vor ihnen Leute sa\u00dfen, die entweder eine Firma in Familienhand besa\u00dfen, damit teilweise Bindung \u00fcber Gene- rationen, die den Standort im Auge hatten und die Beziehung zu jedem guten Mitarbeiter, oder aber solche, die in diesen Firmen arbeiteten und schon deshalb kein Interesse am Verkauf hatten.<\/p>\n<div class=\"page\" title=\"Page 66\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>Nat\u00fcrlich ging es in diesem Vortrag nur darum, neue Kunden zu gewinnen, denn die Vortr\u00e4ger arbeiteten bei einer M+A- Agentur. &#8222;Wir verkaufen f\u00fcr Sie, was ihr Vater aufgebaut hat&#8230;&#8220; An anderer Stelle hie\u00df es: &#8222;dies soll keine Eigenwerbung sein&#8230;&#8220; Der Applaus blieb m\u00e4\u00dfig, musste sogar von der Moderatorin des Abends ein wenig eingefordert werden.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>Gl\u00fccklicherweise hatte sich ein weiterer Redner gefunden, der ganz spontan, nicht so langatmig, sondern pr\u00e4zise sein Anliegen darstellte, daf\u00fcr mit Witz und einem gewissen Charme diese Strate- gie der Referenten ins Leere laufen lie\u00df, indem er zeigte, was die Interessen der hiesigen Unternehmer seien: Traditionen in eine neue Herausforderung zu f\u00fchren, das Gute, die Erfahrung nutzen f\u00fcr sinnvollen Wandel, Verantwortung f\u00fcr eine Region und die Menschen dort \u00fcbernehmen und gemeinsam mit den Menschen zu wachsen und Wohlstand zu sichern. Aus japanischen Verteidigungstechniken hatte er wohl etwas gelernt: nimm die Energie des Angriffs auf und nutze diese gegen die Angreifer. Anders gesagt, waren die beiden Vorredner mit Vorschlagh\u00e4mmern gegen eine Wand angetreten, die unerwartet nicht aus Backstein, sondern aus Gummi war&#8230;<\/p>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Das Mittelma\u00df der Welt<\/strong>, unerh\u00f6rte Geschichten von Herrn Nipp, KUNO 1994 &#8211; 2019<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/Herr-Nipp-Frontbild.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-71748\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/Herr-Nipp-Frontbild.jpg\" alt=\"\" width=\"217\" height=\"229\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/Herr-Nipp-Frontbild.jpg 217w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/Herr-Nipp-Frontbild-160x169.jpg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 217px) 100vw, 217px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die <em>unerh\u00f6rten Geschichten<\/em> von Herrn Nipp sind glossierende Anmerkungen die sich schnoddrig mit dem Zeitgeist auseinandersetzen. Oft wird in diesen Kolportagen ein Konflikt zwischen Ordnung und Chaos beschrieben. Wir lesen sowohl \u00fcberraschendes und unerwartetes, potentiell ungew\u00f6hnliches, das Geschehen verweist auf einen sich real ereigneten (oder wenigstens m\u00f6glichen) Ursprung des Erz\u00e4hlten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend\u00a0<\/strong><strong>\u2192\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum Thema K\u00fcnstlerbucher lesen finden Sie hier einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12840\">Essay<\/a> sowie ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=834\">Artikel<\/a> von J.C. Albers. Papier ist autonomes Kunstmaterial, daher ein vertiefendes <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=21407\">Kollegengespr\u00e4ch<\/a> mit Haimo Hieronymus \u00fcber Material, Medium und Faszination des Werkstoffs Papier.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die bibliophilen Kostbarkeiten sind erh\u00e4ltlich \u00fcber die Werkstattgalerie Der Bogen, Tel. 0173 7276421<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Ein bleierner Schlaf hatte auf ihm gelegen, Herr Nipp musste Stunden lang in jenen Traumgefilden verbracht haben, jenen, die wohl irgendwie bekannt scheinen oder zumindest erahnt. Von sch\u00f6nen Tr\u00e4umen und etwas Gl\u00fcck eingeh\u00fcllt. 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