{"id":71729,"date":"2011-01-06T00:01:33","date_gmt":"2011-01-05T23:01:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=71729"},"modified":"2020-11-25T04:51:13","modified_gmt":"2020-11-25T03:51:13","slug":"blumendekoratismus","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2011\/01\/06\/blumendekoratismus\/","title":{"rendered":"Blumendekoratismus"},"content":{"rendered":"<div class=\"page\" title=\"Page 40\">\n<div class=\"layoutArea\" style=\"text-align: justify;\">\n<div class=\"column\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Alle Jahre wieder bricht sich die Angst Bahn, niemals wieder malen zu k\u00f6nnen, als habe der Faden, der zwischen Bild und Maler alles zusammenh\u00e4lt eine unsichtbare Stelle bekommen. Ein Riss in der Wahrnehmung der Welt. Ein abgeschnittenes Ende, da h\u00f6rt das sonst so sichere Tragseil einfach auf, h\u00e4ngt in der Luft, spannungslos.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"layoutArea\" style=\"text-align: justify;\">\n<div class=\"column\">\n<p>Gerade wenn gro\u00dfe Projekte eigentlich angegangen sein sollten, die Materialien vor Ort sind, alles ist bereitet, ja, sogar das Atelier ist aufger\u00e4umt und jedes Werkzeug endlich wieder auffindbar, dann steht er sich selber auf dem Schlauch, auf den eigenen Schn\u00fcrsenkeln und kommt nicht weiter, es hie\u00dfe erst einmal kleine Schritte zu gehen um sich Raum, Freiraum des Denkens zu schaffen und des Handelns. Hadern. Andere w\u00fcrden da von Schaffenskrise reden und betrachteten dieses unsagbar schwarze Loch zu F\u00fc\u00dfen voller Panik.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"layoutArea\" style=\"text-align: justify;\">\n<div class=\"column\">\n<p>\u201eBis hierher und nicht weiter\u201c, hei\u00dft es da im Buch Hiob, nach- dem das Gehader ein unertr\u00e4gliches \u00dcberma\u00df angenommen hat. Mit Schauer st\u00fcnden wir also am un\u00fcbersehbaren Rand und schauten grausig beklommen ins gedachte Nichts. Sie w\u00fcrden uns mit Sicherheit keine Ausr\u00fcstung besorgen und abseilen bis zur tiefsten Stelle, an der der Fu\u00df wieder Boden findet und sich an den Aufstieg wagen kann. Oder weggeschwemmt vom Fluss der Un- terwelt mit unbekannter Herkunft und un\u00fcberschaubarem Ziel.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"layoutArea\" style=\"text-align: justify;\">\n<div class=\"column\">\n<p>Gl\u00fccklicherweise suchen sich die Bilder ihre eigenen Wege, kommen irgendwann an die Oberfl\u00e4che und zeigen ihre Notwendigkeit an:<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"layoutArea\" style=\"text-align: justify;\">\n<div class=\"column\">\n<p>\u201eIch bin hier und du hast mich zu beachten, entweder indem du mich machst oder sp\u00e4ter betrachtest, aber vorbeigehen, das kannst du nicht.\u201c<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie suchen ihre Wege, als Gedichte, Texte, als Holzschnitte und\u00a0<span style=\"letter-spacing: 0.05em;\">Zeichnungen. Da kommt pl\u00f6tzlich jemand mit der Idee, den Werkstattkeller seines Gro\u00dfvaters auszur\u00e4umen, da liegen pl\u00f6tzlich seltsame Sofastoffe und Polstern\u00e4gel im Atelier herum, mit ungeheuer floralen Mustern, bunten Ornamenten und regelm\u00e4\u00dfig ausartenden Reliefs. Und pl\u00f6tzlich ist es klar, dass die glatte Leinwand gerade \u00fcberfl\u00fcssig ist, wie ein Kropf oder das sprichw\u00f6rtliche f\u00fcnfte Rad am Wagen, genau das, mit welchem sich der K\u00fcnstler immer wieder so gut identifizieren konnte. Immer dann n\u00e4mlich, wenn er diese sogenannte Krise wie eine Wand vor sich aufgebaut, nicht als Chance zur Selbstfindung erkannte. Pl\u00f6tzlich wei\u00df er also, dass dieses alte Tuch, das materiegewordenes Spie\u00dfb\u00fcrgertum repr\u00e4sentiert, zum Tr\u00e4ger und damit zur Basis des n\u00e4chsten Bildes wird.<\/span><\/p>\n<div class=\"page\" style=\"text-align: justify;\" title=\"Page 41\"><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Angst perfekter\u00a0<\/strong><b>Schwiegers\u00f6hne, <\/b>von\u00a0Herrn Nipp, Edition Das Labor 2011<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/2012-Herr-Nipp-aktuelle-Bilder-018-665x1024-e1549272345570.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-44215 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/2012-Herr-Nipp-aktuelle-Bilder-018-665x1024-195x300.jpg\" alt=\"\" width=\"195\" height=\"300\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Haimo_Hieronymus\">Haimo Hieronymus<\/a> ist ein Poet, wenn er Holzschnitte erstellt, und ein realistischer Tr\u00e4umer, wenn er mit Herrn Nipp kurze Texte verfa\u00dft. Wie ein Dichter schreibt er nicht, dazu ist er zu n\u00fcchtern und zu lapidar; die Fiktion ist nicht seine Sache, es entstehen auch keine imagin\u00e4ren Welten. Die Wirklichkeit und die Erinnerung sind ihm r\u00e4tselhaft genug. Herr Nipp betreibt das einfache, das wahre Abschreiben der Welt, er bewegt sich damit zwischen Ereignis und Reflexion und n\u00e4hert sich einer Topografie der Melancholie. \u2013 Ein Sammlerst\u00fcck ist die Vorzugsausgabe von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12766\"><em>Die Angst perfekter Schwiegers\u00f6hne<\/em><\/a>. Hieronymus hat das Cover einer limitierten Auflage mit einem Holzschnitt versehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend\u00a0<\/strong><strong>\u2192\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum Thema K\u00fcnstlerbucher lesen finden Sie hier einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12840\">Essay<\/a> sowie ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=834\">Artikel<\/a> von J.C. Albers. Papier ist autonomes Kunstmaterial, daher ein vertiefendes <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=21407\">Kollegengespr\u00e4ch<\/a> mit Haimo Hieronymus \u00fcber Material, Medium und Faszination des Werkstoffs Papier.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die bibliophilen Kostbarkeiten sind erh\u00e4ltlich \u00fcber die Werkstattgalerie Der Bogen, Tel. 0173 7276421<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Alle Jahre wieder bricht sich die Angst Bahn, niemals wieder malen zu k\u00f6nnen, als habe der Faden, der zwischen Bild und Maler alles zusammenh\u00e4lt eine unsichtbare Stelle bekommen. Ein Riss in der Wahrnehmung der Welt. 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