{"id":71724,"date":"2011-02-09T00:01:05","date_gmt":"2011-02-08T23:01:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=71724"},"modified":"2022-08-27T14:28:16","modified_gmt":"2022-08-27T12:28:16","slug":"die-angst-perfekter-schwiegersoehne","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2011\/02\/09\/die-angst-perfekter-schwiegersoehne\/","title":{"rendered":"Die Angst perfekter Schwiegers\u00f6hne"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"page\" title=\"Page 42\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Ganz ungew\u00f6hnlich er\u00f6ffnete er an diesem verregneten Morgen die Unterhaltung mit der lapidaren Bemerkung:<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"layoutArea\" style=\"text-align: justify;\">\n<div class=\"column\">\n<p>\u201eIch heirate n\u00e4chsten Monat.\u201c<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"page\" title=\"Page 17\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"page\" title=\"Page 18\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<div class=\"page\" title=\"Page 33\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<div class=\"page\" title=\"Page 38\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<div class=\"page\" title=\"Page 42\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<div class=\"page\" title=\"Page 42\">\n<div class=\"layoutArea\" style=\"text-align: justify;\">\n<div class=\"column\">\n<p>Damit hatte Herr Nipp nun wirklich nicht gerechnet, war dies doch nun und zu diesem Zeitpunkt nicht zu erwarten gewesen. Als v\u00f6llig abwegig albern h\u00e4tte dies noch vor wenigen Tagen im ge- samten Bekanntenkreis kommentiert werden wollen. War Herr Nipps bester Freund doch allgemein bekannt daf\u00fcr, dass er, sobald erste Tendenzen von Heiratswilligkeit bei einer seiner h\u00e4ufig wechselnden festen Lebensabschnittsbegleiterinnen, die von allen dann \u201eDie Neue\u201c oder \u201eIch kann mir den Namen nicht merken\u201c genannt wurden, auch nur ansatzweise erschlossen wurden, sei es auch nur durch die Erw\u00e4hnung von m\u00f6glichen Kindern in einem Nebensatz, diese unter fadenscheinigen Gr\u00fcnden wie \u201eEs passt einfach nicht\u201c oder \u201eDu bist zu reif f\u00fcr mich\u201c verlassen wurden. Dann packte er gew\u00f6hnlich ohne gro\u00dfe Szene seine Sachen und zog zur\u00fcck in die ansonsten meist verlassen stehende Eigentums- wohnung. Das ging sehr schnell. Die Infrastruktur war vorhanden, das z\u00e4hlte.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p style=\"text-align: justify;\">In diesem Fall war er jedoch \u00fcberrascht worden, zun\u00e4chst war sie bei ihm eingezogen und hatte die Wohnung gr\u00fcndlich ver\u00e4ndert, sogar wesentlich verbessert, sie hatten die Eltern der neuen Freun- din als Abstecher eines wundervollen Ausflugs in die Eifel be- sucht, nur um ein St\u00fcckchen Kuchen zu essen und dann nach Hause zu fahren. Nach h\u00f6flicher Vorstellung (man kannte sich vor- her gar nicht) waren sie schnell in ein intensives Gespr\u00e4ch gekom- men, er hatte sogar richtiggehende Freude an dieser gepflegten und durchaus auch witzigen Konversation. Beide Eltern, \u00e4u\u00dferst weltoffen und gebildet, fanden ihn wohl nett. Nein, \u00fcberaus nett. Aus dem Nachmittag wurde ein Abend und man kochte zusammen. Ein\u00a0<span style=\"letter-spacing: 0.05em;\">zwei Gl\u00e4schen Wein wurden getrunken, die Gespr\u00e4che vertieften und das gegenseitige Gefallen steigerte sich. Aus dieser Einvernehmlichkeit heraus und dem wohligen Gef\u00fchl in einer Familie geborgen zu sein machte er seiner Freundin ganz unerwartet und zauderfrei einen Heiratsantrag. Sie sagte \u201eJa\u201c. Soweit, so gut. Jetzt plante man.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"letter-spacing: 0.05em;\">Mit v\u00f6lliger Begeisterung wurden Herrn Nipp die Vorbereitungen geschildert, er wurde als Trauzeuge vereinnahmt, sagte zu und die Unterhaltung nahm lustige Turbulenzen, die in dieser Genugtuung nur selten erlebt werden. Nur einmal erw\u00e4hnte der Freund, er habe Angst, dass sie ihn nur deshalb heiraten w\u00fcrde, weil er der Mutter so gut gefallen habe.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Angst perfekter\u00a0<\/strong><b>Schwiegers\u00f6hne, <\/b>von\u00a0Herrn Nipp, Edition Das Labor 2011<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/2012-Herr-Nipp-aktuelle-Bilder-018-665x1024-e1549272345570.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-44215 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/2012-Herr-Nipp-aktuelle-Bilder-018-665x1024-195x300.jpg\" alt=\"\" width=\"195\" height=\"300\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Haimo_Hieronymus\">Haimo Hieronymus<\/a> ist ein Poet, wenn er Holzschnitte erstellt, und ein realistischer Tr\u00e4umer, wenn er mit Herrn Nipp kurze Texte verfa\u00dft. Wie ein Dichter schreibt er nicht, dazu ist er zu n\u00fcchtern und zu lapidar; die Fiktion ist nicht seine Sache, es entstehen auch keine imagin\u00e4ren Welten. Die Wirklichkeit und die Erinnerung sind ihm r\u00e4tselhaft genug. Herr Nipp betreibt das einfache, das wahre Abschreiben der Welt, er bewegt sich damit zwischen Ereignis und Reflexion und n\u00e4hert sich einer Topografie der Melancholie. \u2013 Ein Sammlerst\u00fcck ist die Vorzugsausgabe von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12766\"><em>Die Angst perfekter Schwiegers\u00f6hne<\/em><\/a>. Hieronymus hat das Cover einer limitierten Auflage mit einem Holzschnitt versehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend\u00a0<\/strong><strong>\u2192\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum Thema K\u00fcnstlerbucher lesen finden Sie hier einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12840\">Essay<\/a> sowie ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=834\">Artikel<\/a> von J.C. Albers. Papier ist autonomes Kunstmaterial, daher ein vertiefendes <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=21407\">Kollegengespr\u00e4ch<\/a> mit Haimo Hieronymus \u00fcber Material, Medium und Faszination des Werkstoffs Papier.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die bibliophilen Kostbarkeiten sind erh\u00e4ltlich \u00fcber die Werkstattgalerie Der Bogen, Tel. 0173 7276421<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Ganz ungew\u00f6hnlich er\u00f6ffnete er an diesem verregneten Morgen die Unterhaltung mit der lapidaren Bemerkung: \u201eIch heirate n\u00e4chsten Monat.\u201c Damit hatte Herr Nipp nun wirklich nicht gerechnet, war dies doch nun und zu diesem Zeitpunkt nicht zu erwarten gewesen. 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