{"id":71695,"date":"2011-06-28T00:01:08","date_gmt":"2011-06-27T22:01:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=71695"},"modified":"2021-10-26T13:03:38","modified_gmt":"2021-10-26T11:03:38","slug":"versprechungen-wochenends","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2011\/06\/28\/versprechungen-wochenends\/","title":{"rendered":"Versprechungen &#8211; wochenends"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"layoutArea\" style=\"text-align: justify;\">\n<div class=\"column\">\n<p>Am Wochenende hatte man abgesprochen, dass die Weinreben am Haus zu beschneiden seien, denn die ersten Bl\u00e4tterknospen schoben sich schon heraus. Br\u00e4unliches Gr\u00fcn, behaart und geb\u00fcn- delt, dabei fein und empfindlich anmutend. Wolff und Blossfeld h\u00e4tten daran ihre hellste Freude gehabt, h\u00e4tten die sich entwickelnden Knospen auf grauem oder wei\u00dfem Karton fotografiert, schlichtes Arrangement, sie f\u00fcr die Zukunft festgehalten. Als Zeichenvorlage, als Pflanzenstudie f\u00fcr Architekten, Designer und K\u00fcnstler. Nicht im Gedanken eigene Kunstwerke zu schaffen. Fotografie, als Kunsthandwerk. Aber v\u00f6llig vereinnahmt von der eigenen dokumentarisch-\u00e4sthetischen Arbeit. Pflanzenbetrachtungen, in sich geschlossene Bewunderung der Natur. Kleine Jugendstilarchitekturen oder Vorlagen f\u00fcr diese, ausbauf\u00e4hig zu den unglaublich monstr\u00f6sen Wolkenkratzern Amerikas im fr\u00fchen zwanzigsten Jahrhundert, Schachtelhalmfantasien. Vielleicht eben auch Weinreben. Auch Gaudi musste wohl diese Fotos vor Augen gehabt haben, konnte man meinen, wenn man in Barcelona seine Geb\u00e4ude sah. Anleihen oder zuf\u00e4llige \u00c4hnlichkeiten? Aber das war nicht vorstellbar, v\u00f6llig abstrus. Diese gemeinsame Bezugnahme auf die Natur musste einfach ein Ph\u00e4nomen der Zeit sein. Das musste in der Luft gelegen haben, wenn die Industrie alle Natur in den St\u00e4dten sichtbar vernichtet, dann muss man in die Natur fl\u00fcchten, und sei es in eine erfundene und \u00fcberz\u00fcchtete Natur. Realit\u00e4tsflucht und Scheinweltverhalten.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"layoutArea\" style=\"text-align: justify;\">\n<div class=\"column\">\n<p>Neben dem Haus, auf der Garage und am Balkon der Mieter sah man noch l\u00e4ngere Sch\u00f6sslinge vom letzten Jahr. Vereinbart wurde, dass diese im Laufe der Woche entfernt w\u00fcrden. Er hatte es fest versprochen und war davon ausgegangen, dass die Woche erst am Samstag zu Ende sein w\u00fcrde. Sechs weitere Tage also.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Herr Nipp am Montagmorgen kurz mit dem Fahrrad von der\u00a0<span style=\"letter-spacing: 0.05em;\">Arbeit kam, noch fehlende (vergessene) Unterlagen zu holen, stand die nicht mehr ganz trittsichere Frau Beiringshofen mit der Rosenschere am Weinstock (gegen halb neun Uhr morgens) und schnitt unter Keuchen einige Triebe ab. Mit vorwurfsvollem Blick klagte sie, als sie ihn sah:<\/span><\/p>\n<div class=\"page\" title=\"Page 30\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eSie halten auch keine Vereinbarung ein, Sie h\u00e4tten mir auch mal helfen k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"page\" title=\"Page 17\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<\/div>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Angst perfekter\u00a0<\/strong><b>Schwiegers\u00f6hne, <\/b>von\u00a0Herrn Nipp, Edition Das Labor 2011<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/2012-Herr-Nipp-aktuelle-Bilder-018-665x1024-e1549272345570.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-44215 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/2012-Herr-Nipp-aktuelle-Bilder-018-665x1024-195x300.jpg\" alt=\"\" width=\"195\" height=\"300\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Haimo_Hieronymus\">Haimo Hieronymus<\/a> ist ein Poet, wenn er Holzschnitte erstellt, und ein realistischer Tr\u00e4umer, wenn er mit Herrn Nipp kurze Texte verfa\u00dft. Wie ein Dichter schreibt er nicht, dazu ist er zu n\u00fcchtern und zu lapidar; die Fiktion ist nicht seine Sache, es entstehen auch keine imagin\u00e4ren Welten. Die Wirklichkeit und die Erinnerung sind ihm r\u00e4tselhaft genug. Herr Nipp betreibt das einfache, das wahre Abschreiben der Welt, er bewegt sich damit zwischen Ereignis und Reflexion und n\u00e4hert sich einer Topografie der Melancholie. \u2013 Ein Sammlerst\u00fcck ist die Vorzugsausgabe von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12766\"><em>Die Angst perfekter Schwiegers\u00f6hne<\/em><\/a>. Hieronymus hat das Cover einer limitierten Auflage mit einem Holzschnitt versehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend\u00a0<\/strong><strong>\u2192\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum Thema K\u00fcnstlerbucher lesen finden Sie hier einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12840\">Essay<\/a> sowie ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=834\">Artikel<\/a> von J.C. Albers. Papier ist autonomes Kunstmaterial, daher ein vertiefendes <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=21407\">Kollegengespr\u00e4ch<\/a> mit Haimo Hieronymus \u00fcber Material, Medium und Faszination des Werkstoffs Papier.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die bibliophilen Kostbarkeiten sind erh\u00e4ltlich \u00fcber die Werkstattgalerie Der Bogen, Tel. 0173 7276421<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Am Wochenende hatte man abgesprochen, dass die Weinreben am Haus zu beschneiden seien, denn die ersten Bl\u00e4tterknospen schoben sich schon heraus. Br\u00e4unliches Gr\u00fcn, behaart und geb\u00fcn- delt, dabei fein und empfindlich anmutend. 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