{"id":71684,"date":"2010-11-04T00:01:00","date_gmt":"2010-11-03T23:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=71684"},"modified":"2020-11-25T03:44:52","modified_gmt":"2020-11-25T02:44:52","slug":"aufraeumen-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2010\/11\/04\/aufraeumen-2\/","title":{"rendered":"Aufr\u00e4umen"},"content":{"rendered":"<div class=\"page\" style=\"text-align: justify\" title=\"Page 24\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>Alle paar Wochen muss der Arbeitsplatz wirklich aufger\u00e4umt werden. Auf den Tischen haben sich allerhand Materialien und Werk- zeuge angesammelt. Auf dem Boden Reste der Arbeit, Schnipsel und Holzsp\u00e4ne, auch mal recht rutschiger Sand. Der wird immer gebraucht, sei es als Halter von Betonplastiken im Eimer, sei es um Strukturpaste herzustellen oder weil gerade kein Schmirgelpapier zur Hand ist (Einfach starkes Papier mit Holzleim einstreichen und mit Sand bestreuen, Rest herunter klopfen und schon ist nach zehnmin\u00fctiger Trocknungszeit das Schmirgelpapier fertig.). Mit anderen Worten und weniger pittoresk ausgedr\u00fcckt ist alles zu sehr verdreckt, um weiter ordentlich arbeiten zu k\u00f6nnen. Angeblich braucht man ja Chaos als K\u00fcnstler (solche Ger\u00fcchte sind genauso widersinnig wie die Vorstellung, dass K\u00fcnstler erst nach ihrem Tode ber\u00fchmt werden, wer es vorher nicht war, wird es hinterher nimmermehr), aber das sollte zumindest irgendeine Struktur auf- weisen. Arbeitshinderlich. Ein fast ewig anmutender Zustand von Einr\u00e4umen und Ordnen \u2013 und dem zuerst langsam, dann immer schleuniger sich ausbreitendem Unrat. So r\u00e4umt er denn auf und betrachtet verwundert, dass da Dinge pl\u00f6tzlich ausgebreitet wur- den, die er mit Sicherheit dort nicht hingelegt hat, haben kann und vor allem nicht will, denn diese Form der Streuung ist einfach zu mutwillig und genau platziert. Dreist drapierte Dinge, die wie Stillleben starken Stilversto\u00df st\u00fctzen. Da muss er genauer hinsehen. Wer k\u00f6nnte hier eingegriffen haben, in seine unterschwellige Ordnung, sein Ichbinhier-Zeichensystem?<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>Es kann nur zwei Menschen geben, die sich solcher Sachverdrehungen bedienen k\u00f6nnten, die die dort dargestellte Dreistigkeit derart drastisch zu ziemlich zwanghaften Zwischenwelten zelebrieren w\u00fcrden, sei es aus simplem Spieltrieb, sei es aus reiner Neugier, ob der Aufr\u00e4umende dies denn auch bemerken w\u00fcrde.<\/p>\n<div class=\"page\" title=\"Page 25\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>Die beiden sind schnell dingfest gemacht, k\u00f6nnen mit aufr\u00e4umen und tun dies sogar mit einer gewissen Freude bis Genugtuung \u2013 der Alte ist doch noch nicht ganz verbl\u00f6det und merkt, was wir machen. Assistenten!<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>Dann kommt der zu den Pinseln und muss feststellen, dass diese ziemlich durcheinander gebracht wurden, auch hier kein Zufall. Normalerweise ordnet er die Pinsel nach folgenden Kriterien: Schmalflachlang, breitflachlang, d\u00fcnnrundlang, dickrundlang, flachklein, rundklein und sehrbreit. Dadurch ergeben sich sieben Gruppen mit jeweils bis zu f\u00fcnfzig Pinseln, die achte Kategorie sind die Schellackpinsel, ehemals lange, die an einer Seite brutal bewusst abges\u00e4gt wurden. Das hat seinen Grund einerseits in der Kenntlichmachung, dass dieser Pinsel f\u00fcr keine anderen Farben verwendet werden darf, andererseits in der schlichten Praxis, dass diese Pinsel normalerweise in Alkohol stehen, und damit dieser nicht verdunstet, ist ein bischofsm\u00fctzen(mitren-)artiger Deckel aufgebracht und der braucht einfach kleine Pinsel. Also finden sich dort acht wei\u00dfe Plastikbecher \u2013 hatten wir schon \u2013 diese Salben- kruken aus der Apotheke, die vor allem aus solchen Pharmazien gut zu beziehen sind, die in der N\u00e4he Haut\u00e4rzte haben, dort dann sogar mit Kusshand umsonst abgegeben werden. Da passt immer ein Liter Salbenbasis rein. Besonders geeignet sind sie f\u00fcr das aufbewahren von Pigmenten und alkoholhaltigen L\u00f6sungen, wie Schellack oder Fernambukholzextrakt.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>Jetzt stehen aber \u00fcber zwanzig dieser Becher auf dem Tisch und alles scheint in wilder Wirrsal durcheinander. Oh Graus. Auf die Frage nach dem Warum eine klare Antwort der Zwei: Wir haben dein System nicht verstanden und dann haben wir uns eines ausgedacht, dass dir auch gefallen k\u00f6nnte: Wenn man die Pinsel in zwanzig H\u00e4rtegrade unterteilte, dann w\u00fcsste man immer, welche mit Farbe versauten als n\u00e4chste entsorgt werden m\u00fcssten.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"page\" title=\"Page 17\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"page\" title=\"Page 18\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p style=\"text-align: justify\">\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: center\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Seit 1994 ver\u00f6ffentlich Herr Nipp auf KUNO <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1994\/02\/04\/geschichten-schreiben-oder-andere-texte\/\">unerh\u00f6rte Geschichten<\/a> mit dem Titel <strong>Das Mittelma\u00df der Welt. <\/strong>In 2011 ist es soweit, sein erstes Buch mit dem Titel <strong>Die Angst perfekter\u00a0<\/strong><b>Schwiegers\u00f6hne <\/b>erscheint in der Edition Das Labor.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/2012-Herr-Nipp-aktuelle-Bilder-018-665x1024-e1549272345570.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-44215 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/2012-Herr-Nipp-aktuelle-Bilder-018-665x1024-195x300.jpg\" alt=\"\" width=\"195\" height=\"300\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Haimo_Hieronymus\">Haimo Hieronymus<\/a> ist ein Poet, wenn er Holzschnitte erstellt, und ein realistischer Tr\u00e4umer, wenn er mit Herrn Nipp kurze Texte verfa\u00dft. Wie ein Dichter schreibt er nicht, dazu ist er zu n\u00fcchtern und zu lapidar; die Fiktion ist nicht seine Sache, es entstehen auch keine imagin\u00e4ren Welten. Die Wirklichkeit und die Erinnerung sind ihm r\u00e4tselhaft genug. Herr Nipp betreibt das einfache, das wahre Abschreiben der Welt, er bewegt sich damit zwischen Ereignis und Reflexion und n\u00e4hert sich einer Topografie der Melancholie. \u2013 Ein Sammlerst\u00fcck ist die Vorzugsausgabe von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12766\"><em>Die Angst perfekter Schwiegers\u00f6hne<\/em><\/a>. Hieronymus hat das Cover einer limitierten Auflage mit einem Holzschnitt versehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Weiterf\u00fchrend\u00a0<\/strong><strong>\u2192\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Zum Thema K\u00fcnstlerbucher lesen finden Sie hier einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12840\">Essay<\/a> sowie ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=834\">Artikel<\/a> von J.C. Albers. Papier ist autonomes Kunstmaterial, daher ein vertiefendes <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=21407\">Kollegengespr\u00e4ch<\/a> mit Haimo Hieronymus \u00fcber Material, Medium und Faszination des Werkstoffs Papier.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die bibliophilen Kostbarkeiten sind erh\u00e4ltlich \u00fcber die Werkstattgalerie Der Bogen, Tel. 0173 7276421<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alle paar Wochen muss der Arbeitsplatz wirklich aufger\u00e4umt werden. 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