{"id":71571,"date":"1998-01-04T00:01:21","date_gmt":"1998-01-03T23:01:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=71571"},"modified":"2020-11-25T16:34:45","modified_gmt":"2020-11-25T15:34:45","slug":"von-der-zwecklosigkeit","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1998\/01\/04\/von-der-zwecklosigkeit\/","title":{"rendered":"Von der Zwecklosigkeit"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Warum er das macht, was er macht, ist ihm eigentlich nie so richtig klar geworden. Woher sollte er auch wissen, wer und was er eigentlich ist. Nun k\u00f6nnte der Erz\u00e4hler ihm nat\u00fcrlich eine Eingebung verpassen. Er k\u00f6nnte ganz gemein sagen, dass Herr Nipp letztlich lediglich eine Figur ist. Dass alles, was er jemals dachte, von anderer Stelle quasi vorgemacht wurde. Aber wie traurig w\u00e4re das f\u00fcr einen Menschen, sei er auch lediglich Figur, zu erfahren, dass er nichts anderes als ein entsprungener Gedanke der Fantasie eines anderen Menschen ist. Viel geringere Dinge sind durchaus in der Lage zum Kern oder Fundament einer schlimmen Depression zu werden. Wie aber sollte ein Mensch reagieren, der ganz pl\u00f6tzlich erf\u00e4hrt, dass seine ganze Sinnsuche ein vergebliches Unterfangen ist, da alle Versuche, Sinn zu erhalten oder zu verstehen, eben nicht dem eigenen Denken entspringen. Der Erz\u00e4hler muss sich seiner Verantwortung bewusst sein. Andererseits k\u00e4me es im Falle der Aufkl\u00e4rung der Verh\u00e4ltnisse vielleicht zu einer Emanzipierung der Figur vom Erz\u00e4hler. Aber auch das w\u00fcrde nichts n\u00fctzen, denkt genau in diesem Moment Herr Nipp und der Erz\u00e4hler kann es einfach nicht verhindern, vielleicht auch, weil der Gedanke an die Virtualit\u00e4t an sich schon eine unversch\u00e4mte Verdrehung des realen M\u00e4chtespiels darstellt. Wenn n\u00e4mlich der Erz\u00e4hler ja gar nicht mein Erfinder ist, sondern auch der nur von einem Autor inthronisiert wurde, dann hat der auch nichts zu sagen. Herr Nipp k\u00f6nnte jetzt nat\u00fcrlich sowohl den Erz\u00e4hler als auch den Autor ansprechen und eine Kl\u00e4rung der Verh\u00e4ltnisse einfordern, aber das l\u00e4sst der Autor nat\u00fcrlich nicht zu, der sich seiner Macht bewusst ist. Aber auch der unterliegt ja Regeln, deren er sich nicht erwehren kann. Ja, denkt Herr Nipp, du kleiner Erz\u00e4hler, du absolut kleiner Autor, ihr k\u00f6nnt mir mal den Buckel runterrutschen. Ich bin ich. Und sobald ich denke, bin ich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Das Mittelma\u00df der Welt<\/strong>, unerh\u00f6rte Geschichten von Herrn Nipp, KUNO 1994 &#8211; 2019<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/Herr-Nipp-Frontbild.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-71748\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/Herr-Nipp-Frontbild.jpg\" alt=\"\" width=\"217\" height=\"229\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/Herr-Nipp-Frontbild.jpg 217w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/Herr-Nipp-Frontbild-160x169.jpg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 217px) 100vw, 217px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die <em>unerh\u00f6rten Geschichten<\/em> von Herrn Nipp sind glossierende Anmerkungen die sich schnoddrig mit dem Zeitgeist auseinandersetzen. Oft wird in diesen Kolportagen ein Konflikt zwischen Ordnung und Chaos beschrieben. Wir lesen sowohl \u00fcberraschendes und unerwartetes, potentiell ungew\u00f6hnliches, das Geschehen verweist auf einen sich real ereigneten (oder wenigstens m\u00f6glichen) Ursprung des Erz\u00e4hlten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Weiterf\u00fchrend\u00a0<\/strong><strong>\u2192\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Zum Thema K\u00fcnstlerbucher lesen finden Sie hier einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12840\">Essay<\/a> sowie ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=834\">Artikel<\/a> von J.C. Albers. Papier ist autonomes Kunstmaterial, daher ein vertiefendes <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=21407\">Kollegengespr\u00e4ch<\/a> mit Haimo Hieronymus \u00fcber Material, Medium und Faszination des Werkstoffs Papier.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die bibliophilen Kostbarkeiten sind erh\u00e4ltlich \u00fcber die Werkstattgalerie Der Bogen, Tel. 0173 7276421<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Warum er das macht, was er macht, ist ihm eigentlich nie so richtig klar geworden. Woher sollte er auch wissen, wer und was er eigentlich ist. Nun k\u00f6nnte der Erz\u00e4hler ihm nat\u00fcrlich eine Eingebung verpassen. 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