{"id":71110,"date":"2018-09-21T00:01:15","date_gmt":"2018-09-20T22:01:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=71110"},"modified":"2024-01-09T07:08:10","modified_gmt":"2024-01-09T06:08:10","slug":"neue-gedichte-von-hussein-habasch","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2018\/09\/21\/neue-gedichte-von-hussein-habasch\/","title":{"rendered":"Neue Gedichte von Hussein Habasch"},"content":{"rendered":"<div class=\"field field-name-body\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Deutschland gibt es nicht viele Lyriker, deren Gedichte in \u00fcber 20 Sprachen \u00fcbersetzt werden. <a class=\"ext\" href=\"https:\/\/drhabasch.wordpress.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Hussein Habasch<\/a> erh\u00e4lt diese weltweite Aufmerksamkeit. Am 23. September wird der aus dem syrischen Teil Kurdistans stammende Dichter 70 Jahre alt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr Habasch war es ein weiter Weg von dem kleinen kurdischen Dorf bis in die Bonner Vorstadt, wo er seit 1984 lebt. 18 B\u00fccher hat er bislang \u00a0ver\u00f6ffentlicht, der j\u00fcngste, zweisprachige Gedichtband \u201eAfrin und das Lebewesen, das Mensch genannt wurde\u201c (Hogir Verlag) erschien Ende August. Eine Ausgabe f\u00fcr den amerikanischen Markt wird derzeit vorbereitet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Immer wieder geht es in Habaschs Gedichten um das Leid der Kurden. In lakonischen, pr\u00e4gnanten Bildern schreibt er \u00fcber vom Krieg zerrissene Familien, von Verfolgung und zerst\u00f6rten Kindheiten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"letter-spacing: 0.05em;\">Welche Klage erhebe ich<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gegen das Meer<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nein du bist nicht der M\u00f6rder<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">T\u00f6ten ist ein Geschenk<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Des Menschen an den Menschen<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In diesen Gedichten \u00fcber Vertreibung und Entwurzelung erz\u00e4hlt Habasch auch seine eigene Geschichte, berichtet aber immer wieder auch von fast surrealen Momenten der Hoffnung. Seine Verse verzichten auf Effekte oder Pointen, sind so karg und reduziert, wie das Land, aus dem er kommt. Und mit dieser gro\u00dfen sprachlichen Pr\u00e4zision verfehlen sie ihre Wirkung nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein gro\u00dfes Thema bildet dabei die Stadt Afrin, aus deren Umgebung Habasch stammt und die im Fr\u00fchjahr von t\u00fcrkischen Streitkr\u00e4ften erobert wurde; eine Schlacht, die mit viel Leid f\u00fcr die verbliebene Bev\u00f6lkerung verbunden waren, was den Dichter fassungslos l\u00e4sst:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"letter-spacing: 0.05em;\">Afrin<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Meine Mutter<br \/>\nF\u00fcr dich ist die Menschheit<br \/>\nIn deinen tragischen Tagen<br \/>\nEin trockener Baum in der W\u00fcste des Denkens<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schon als Zw\u00f6lfj\u00e4hriger hatte sich Hussein Habaschs Talent gezeigte: \u201eIn der Schule habe ich viele Gedichte auf Arabisch auswendig lernen m\u00fcssen. Aber darin habe ich nichts gefunden, was mich wirklich ber\u00fchrt hat. Also fing ich an, selbst Gedichte\u00a0 zu schreiben.\u201c Sp\u00e4ter studierte er Journalismus in Moskau und wurde nach der Promotion Literaturdozent in Algerien: \u201eDort habe ich geh\u00f6rt, dass in Bonn ein Zentrum f\u00fcr kurdische Sprache und Literatur aufgebaut wird, wo ich lehren konnte.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1984 kam er als politischer Fl\u00fcchtling nach Bonn: \u201eSp\u00e4ter habe ich erfahren, dass sich damals Heinrich B\u00f6ll f\u00fcr mich eingesetzt hatte.\u201c Der Anfang in Deutschland war schwer, er arbeitete als Lehrer und \u00dcbersetzer, doch bald fiel er auch mit seinen Texten\u00a0 auf. Die Lyrikerin Hilde Domin sagte \u00fcber seine Gedichte \u201eIch habe lange nichts so sch\u00f6nes gelesen\u201c, f\u00fcr seine Heine-\u00dcbersetzungen ins Kurdische erhielt er einen Preis. \u00dcber die Jahre hat er so sein Publikum gefunden: \u201eMeine Heimat ist die Poesie. In ihr gibt es keine Gewalt und Tyrannei. Dort f\u00fchle ich mich am wohlsten.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die zweisprachige Ausgabe den neuen Gedichtbandes erweist sich als besonderer Gewinn: Die Leser bekommen so einen seltenen Einblick in das Kurdische, eine der \u00e4ltesten Sprachen der Welt, die heute noch von 40 Millionen Menschen gesprochen wird. Die Originalfassung der Gedichte wurden von Rainer Maria Gassen und Hussein Habasch selbst ins Deutsche \u00a0\u00fcbersetzt.<\/p>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"field field-name-body\">\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p class=\"small\" style=\"text-align: justify;\"><strong>Afrin und das Lebewesen, das Mensch genannt wurde \/ Efr\u00een \u00fb canber\u00ea bi mirov hat\u00eeye navandin<\/strong> Gedichte \u00a0Kurdisch \/ Deutsch.\u00a0\u00dcbersetzt von Rainer Maria Gassen und Hussein Habasch\u00a0Hogir Verlag 2018<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-105216 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Afrin_Cover-218x300.jpg\" alt=\"\" width=\"218\" height=\"300\" \/>Weiterf\u00fchrend<\/strong> <strong>\u2192<\/strong> Die Redaktion blieb seit 1989 zum lyrischen Mainstream stets in <em><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1989\/01\/05\/lyrik-als-seismograph-an-der-epochenschwelle\/\">\u00c4quidistanz<\/a><\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> 1995 betrachteten wir die Lyrik vor dem Hintergrund der Mediengeschichte als <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1995\/01\/02\/laboratorium-der-poesie\/\"><em>Laboratorium der Poesie<\/em><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u2192 2005 vertieften wir die Medienbetrachtung mit dem Schwerpunkt <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2005\/01\/02\/transmediale-poesie\/\"><em>Transmediale Poesie<\/em><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u2192 2015 fragen wir uns in der <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/01\/02\/poetologische-positionsbestimmung\/\"><em>Minima poetica<\/em><\/a> wie man mit Elementarteilchen die Gattung Lyrik neu zusammensetzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u2192 2023 finden Sie \u00fcber dieses Online-Magazin eine Betrachtung als <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=78067\">eine Anthologie im Ganzen<\/a>.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; In Deutschland gibt es nicht viele Lyriker, deren Gedichte in \u00fcber 20 Sprachen \u00fcbersetzt werden. 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