{"id":70769,"date":"2020-10-29T00:01:33","date_gmt":"2020-10-28T23:01:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=70769"},"modified":"2022-02-22T20:40:31","modified_gmt":"2022-02-22T19:40:31","slug":"ueber-die-ewig-wiederbelebte-leiche-des-literarischen-undergrounds","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/10\/29\/ueber-die-ewig-wiederbelebte-leiche-des-literarischen-undergrounds\/","title":{"rendered":"\u00dcber die ewig wiederbelebte Leiche des literarischen Undergrounds"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Anl\u00e4\u00dflich des 25. Todestags von Josef \u201eBiby\u201c Wintjes schrieb KUNO an einer Friedhofsgeschichte der deutschen Alternativ-Literatur. Das Schlu\u00dfwort hat N\u00ed Gudix, eine exzellente Kennerin der Szene. Sie fragt sich in ihrer Polemik:<\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">&#8222;Gibt es eigentlich noch so etwas wie einen literarischen Underground?&#8220;<\/span><\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Meine Antwort: nein.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Oder differenzierter ausgedr\u00fcckt: \u201eDer\u201c <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/06\/23\/neue-subjektivitat\/\">literarische Underground<\/a>, derjenige der 60er, 70er und 90er Jahre, ist definitiv tot. As dead as a doornail. Man kann ins Museum gehen und ihn sich da angucken, man kann sagen \u201eich war dabei\u201c und Gedenklesungen veranstalten mit den \u00fcbriggebliebenen Veteranen und Gedenkanthologien herausgeben. Aber all dieser Aktionismus \u00e4ndert nichts an der Tatsache, dass der literarische Underground in Deutschland heute tot ist und alles Berufen auf ihn nur ein hilfloses Nachklappern darstellt.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Es lief k\u00fcrzlich auf Facebook eine Tafel herum, auf der viele Namen standen, Namen von diversen zeitgen\u00f6ssischen Schriftstellern, und der Seitenbetreiber schrieb dazu, das sei der <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/09\/27\/arrieregarde\/\"><span style=\"color: #ff0000;\">Gegen-Kanon<\/span><\/a>. Das spielt an auf die W\u00f6rter Gegenkultur, Gegen\u00f6ffentlichkeit usw., nur fragte ich mich: &#8222;Gegen-Kanon&#8220; &#8211; wogegen denn?<\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Was f\u00fcr eine Gegen-Position vertreten denn die hier aufgef\u00fchrten Autoren?<\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Denn das glorreiche M\u00e4rchen von der wackeren Gegenkultur, die gegen das b\u00f6se Establishment rebelliert, ist doch schon lange pass\u00e9. Zumal Bert Papenfu\u00df, ein Name auf der Liste, auch schon mal in einem von Marcel Reich-Ranicki herausgegebenen Kanon drin stand.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr mich bildete die Liste einige gute und ernstzunehmende Schriftsteller ab und einige nicht ernstzunehmende, solche, die sich selbst als \u201eSchreiberlinge\u201c bezeichnen und die mitsurfen auf der Welle, die der tote Underground geschaffen hat, als er noch lebte, die aber selbst nicht viel zu sagen haben und ohne das Attribut \u201eUnderground\u201c in sich zusammenfielen.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Was f\u00fcr mich entscheidend ist, wenn ich vom Tod des <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/09\/24\/underground\/\">Underground<\/a> spreche, ist: der Protest ist weg. \u201eUnderground\u201c war in den 60er und 70er Jahren ein oppositionelles Dagegensein gegen den etablierten Literaturbetrieb. Und nicht erst da &#8211; Underground gab es schon viel fr\u00fcher: Dada war Underground, Rimbaud war Underground. Auch der junge Goethe war Underground: was er in seinen fr\u00fchen 20ern raushaute, das brachte die Spie\u00dfer auf die Palme und die Literaturbonzen zum Toben. Allerdings hat der alte Goethe, der Weimaraner Klassikerpapst, dann viele seiner ersten wilden Gedichte zensiert und geb\u00e4ndigt &#8211; Goethe war Mainstream geworden, war Leitkultur und pinkelte niemandem mehr ans Bein.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Zur\u00fcck zu den 60er Jahren. Der Beat war von den USA nach Deutschland geschwappt. Die Literatur in Deutschland war ziemlich angestaubt und angejahrt, und es waren immer dieselben Gro\u00dfbarden, die immer dasselbe schrieben und die leider immer noch den Hauptteil der Literatur bestritten. Dinge, die die Rebellen bewegten, wie den neu aufkommenden \u00d6ko-Boom, Selbstverwirklichung, Rock\u2019n\u2019Roll, Drogen, Freiheit &#8211; all das kam nicht vor. Also lehnten sich die jungen Wilden dagegen auf, gr\u00fcndeten ihre Kleinverlage und ihre Zeitschriften, um so wenigstens ein Organ f\u00fcr sich zu haben. Wir gegen das System! Der Underground war somit das Sprachrohr derer, die sonst keine Stimme hatten.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Und Anfang der Neunziger noch mal dasselbe. Die Literatur der 80er Jahre war wieder zu abgehoben und zu elit\u00e4r und bildete nicht ab, was viele junge Rebellen bewegte. Die \u00c4ra von King Kohl war eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1989\/03\/20\/der-gang-aufs-land-2\/\">bleierne Zeit<\/a>. Also ging es noch mal los mit kopierten Fanzines, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2016\/07\/20\/generation_slam\/\">Poetry-Slams<\/a>\u00a0 und dem ganzen Dagegensein. Diesmal ging es auch um h\u00e4rtere Themen: um Arbeitslosigkeit, Alkoholismus, Perspektivlosigkeit, darum, dass junge Dichter in dem saturierten Spie\u00dfer-Deutschland keine Zukunft sahen. Also erneut:<\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Wir gegen das System!<\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Tja, und nun? Das System hat sich ge\u00e4ndert. Seit 15 Jahren regiert Kaiserin Angela I. die Alternativlose mit eiserner Klaue, eiserner noch als weiland die von King Kohl. Eine neue Biedermeierzeit ist \u00fcber Deutschland hereingebrochen, ein R\u00fcckzug in die Innerlichkeit, in Wohlf\u00fchl- und Kuschel-Zonen. Nabelbeschau, Befindlichkeiten, heile Welt auf Facebook und Instagram und Herzchen, wohin man sieht. Nix mehr mit Rebellion. Nix mehr mit Underground. Und es sind wieder immer dieselben Ex-Revoluzzer, die immer dasselbe schreiben.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Der Underground ist Kitsch geworden, leblos und abgedroschen.<\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die ehemaligen Undergroundler haben sich in ihre Filterblasen verzogen. Da klopfen sie sich jetzt gegenseitig auf die Schulter und erz\u00e4hlen immer und immer wieder ihre D\u00f6ntjes \u00fcber ihre wilde Jugend. Aber Bier- und Bumsgeschichten sind heute kein Underground mehr, im Gegenteil: man muss dazu nur RTL2 einschalten. Themen wie Umwelt und \u00d6ko sind ebenfalls kein Underground mehr &#8211; die Gr\u00fcnen sind keine Randpartei mehr, sondern Regierungspartei. Und auch die Massendemos der \u201eFridays for Future\u201c-Bewegung sind nicht Underground, sondern professionell inszenierter Mainstream. Wenn Greta Thunberg Gedichte schreibt, kommen die auch nicht in schlechtkopierten Fanzines raus, sondern gleich in Broschur mit Goldb\u00e4ndchen, und fett bezahlte Lesungen gibt\u2019s dazu, am besten gleich im Schloss Bellevue. Auch Themen wie Homosexualit\u00e4t und Coming-Out, Yoga und Tantra und Esoterik, Janis Joplin und Jimi Hendrix sind keine Undergroundthemen mehr, sondern Mainstream. Und der uralte Punk-Slogan \u201e<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2016\/10\/01\/der-traum-ist-aus\/\">Macht kaputt, was euch kaputt macht<\/a>\u201c &#8211; das ist auch nicht mehr Underground, das ist Regierungspropaganda geworden. Damit pinkelt man nicht mehr dem System ans Bein, sondern man bekommt von Bundespr\u00e4sident Frank-Walter Steinmeier einen feuchten H\u00e4ndedruck und wird von Bundestagsvizepr\u00e4sidentin Claudia Roth schmachtend an den Busen gedr\u00fcckt.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Der \u201eUnderground\u201c ist ein Sprachrohr geworden f\u00fcr die, die ohnehin die lauteste Klappe haben, er kr\u00e4ht mit im Kakophonistenchor der Leitkultur.<\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die literarische Alternative ist tot. Es gibt keinen Appell mehr, keinen Impetus, keine Rebellion. Der Underground &#8211; bzw. der Pool derer, die sich daf\u00fcr halten &#8211; ist eine Art Waldorf-Kindergarten geworden. Es gilt das Motto \u201ejeder kann schreiben, jeder darf schreiben\u201c. Folgerichtig wird jeder Bl\u00f6dsinn gelobt und mit Herzchen und K\u00fcsschen versehen bis zum Abwinken. Alle haben sich lieb, Kritik ist nicht erw\u00fcnscht. Die Texte changieren zwischen seichten Alltagsbetrachtungen, Befindlichkeitsprosa, Bierlyrik, Vergangenheitsseligkeit, Charles-Bukowski-Psalmen, ideologischem Trallala und verschwurbelten Sprachspielereien, angesiedelt im \u00dcberall und Nirgendwo.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Alles gut und sch\u00f6n, mag ja auch ganz witzig sein &#8211; aber reicht das f\u00fcr das Etikett \u201eUnderground\u201c?<\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Eher nicht. Das sind nur die Ehemaligentreffen. Das abgestandene Nachklappern verflossener Schlachten. Das hilflose Wiederaufw\u00e4rmen einer l\u00e4ngst kalt gewordenen Leiche.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch die angebliche \u201eLyrik\u201c ist kein Underground mehr. Sicher: Lyrik ist nach wie vor bei Gro\u00dfverlagen ein nicht sonderlich gef\u00f6rdertes Pfl\u00e4nzchen. Aber: was der \u201eUnderground\u201c als \u201e<span style=\"color: #ff0000;\"><a style=\"color: #ff0000;\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/01\/24\/abgesang\/\">Lyrik<\/a><\/span>\u201c verkauft, ist oft gar keine, sondern nur untereinandergeschriebenes Blabla.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Es hat sich festged\u00fcmpelt in der deutschen Literatur, es geht nichts mehr vor und nichts mehr zur\u00fcck. Die Rebellion ist erstarrt, ist nur noch Kitsch und Fake. Echter Underground ist n\u00f6tiger als je, aber jeder gute kritische Text wird gleich zugeschissen mit einer Million schlechter Gedichte, und das mehr denn je, denn dank des Internets und der Blogs sind der Diarrh\u00f6e von schlechten Texten keine Grenzen mehr gesetzt. Man muss den echten Underground, die echte Kritik inzwischen suchen wie die Nadel im Heuhaufen. \u00dcberall nur Show, Inszenierung und die selige Vergangenheits- und Selbstbeweihr\u00e4ucherung.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">\u201eHaight-Ashbury h\u00f6rte da auf, ein kreativ pulsierendes Zentrum der Gegenkultur zu sein, als es immer voller wurde von Leuten, die sich anzogen wie Hippies, redeten wie Hippies, benahmen wie Hippies, aber keine Ahnung hatten, was Hippies eigentlich waren, kurz: als man nirgendwo mehr Hippies sah, sondern nur noch Leute auf der Suche nach Hippies.\u201c<\/span> <\/em><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Wo ich diesen Satz mal gelesen habe, wei\u00df ich nicht mehr, aber er trifft es recht gut, diesen Fake- und Lookalike-Contest, zu dem der Underground inzwischen geworden ist.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich behaupte nicht, dass mir die Texte der \u201eSzene\u201c-Autoren nicht gefielen. Darum geht es gar nicht. Ich finde sie teilweise ganz gut. Es ist eben nur kein Underground. Oder anders ausgedr\u00fcckt: nicht alles, was in brotlosen Kleinverlagen, in mies gedruckten Heftchen oder mies gemachten Blogs erscheint, ist automatisch nur deshalb Underground.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">In Kleinverlagen zu erscheinen, ist l\u00e4ngst keine \u201eVisitenkarte\u201c mehr. In den 70ern war es ja noch ein gewisses Statement, in einem Kleinverlag zu publizieren, eben weil die Kleinverlage Dinge zu sagen hatten, die sich die Gro\u00dfverlage nicht zu sagen trauten. Heute ist das anders, die Gro\u00dfverlage drucken eh alles, und es ist auch kein spezielles Qualit\u00e4tssignum mehr, bei Kleinverlagen zu publizieren. Eher das Gegenteil, denn oft ist das Lektorat bei Kleinverlagen derart schlecht, dass das beste Manuskript zu einem schlechten Buch wird, sobald es durch den Kleinverlags-Fleischwolf gedreht wird. Vom vielgepriesenen \u201eHerzblut\u201c kann ich in solchen F\u00e4llen nichts finden, und oft h\u00f6re ich so nur eine \u201eBotschaft\u201c des Autors, n\u00e4mlich: mein Manuskript ist mir v\u00f6llig wurscht, Hauptsache, es kommt raus.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Da w\u00e4ren wir dann wieder beim Thema Profilneurose.<\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Dies soll kein Rundumschlag sein; es gibt viele Kleinverlage, die Wert auf Sprache und Lektorat legen und mit denen man professionell zusammenarbeiten kann. Aber es gibt auch etliche, denen alles schei\u00dfegal ist, die lieblos ihre B\u00fccher raushauen, mit Fehlern schon auf dem Titel, keine Ahnung von VG Wort und VG Bild und erst recht nicht von Vertr\u00e4gen. Zack, bumm, reinkopiert, rauskopiert, fertig ist das Buch, kannste dann bei deiner n\u00e4chsten Umsonst-und-Gratis-Lesung unters Volk schmei\u00dfen.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Da stellte sich mir die Frage: nehmen die beim Underground eigentlich jeden? Hat Underground keinen Anspruch mehr?<\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Gerade beim <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2002\/06\/26\/social-beat-vs-digitales-dasein\/\">Social Beat<\/a> wurde das deutlich: alles Akademische wurde verachtet, ein Literaturstudium wurde als Beweis gesehen, dass man \u201evom Leben keine Ahnung\u201c habe, und Frage nach Honorar wurde sowieso als \u201ekapitalistisch\u201c verh\u00f6hnt. Hauptsache Suff, Hauptsache Sex, mehr brauchste nicht, Sprachgef\u00fchl ist \u00fcberfl\u00fcssig, schreib es einfach untereinander, dann sieht es wie Gedicht aus und keiner merkt, dass du gar nicht schreiben kannst. Durch die Poetry Slams wurde die Literatur im Social Beat noch weiter verramscht und entwertet. Ein Dilettantenstadl mit fragw\u00fcrdiger, weil willk\u00fcrlicher \u201eSolidarit\u00e4t\u201c (\u201erezensierst du mein Zeug, rezensier ich auch dein Zeug.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Passt mir deine Nase nicht mehr, rezensiere ich dein Zeug nicht\u201c) &#8211; soll das Underground sein?<\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Einer der Underground-Autoren, die nicht in ihrer Pose erstarrt und nicht in den Siebzigern steckengeblieben sind, war J\u00fcrgen Ploog. Er starb im Mai 2020; bis zuletzt blieb er flexibel auf die Gegenwart gerichtet, bis zuletzt schrieb er echten Underground, geh\u00f6rte er zur kritischen Alternative. Er verabscheute die ewige Vergangenheitsglorifizierung der \u201eSzene\u201c und meinte mir gegen\u00fcber, dass viele \u201eSzene\u201c-Autoren immer nur dasselbe schrieben, es \u00f6de ihn an, die B\u00fccher zu lesen, die man ihm schickte, weil da ohnehin nur wieder dasselbe drinst\u00fcnde.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">\u201eDas ist doch derselbe alte Mist, mit dem wir uns schon damals besch\u00e4ftigt haben! F\u00e4llt denen nichts Neues mehr ein?\u201c<\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/09\/24\/underground\/\">Underground<\/a>, so wie ich ihn verstehe, hat eine Aufgabe, hat Anspruch. Er ist kritisch, er ist unbequem, er f\u00e4hrt ganz vorne mit. Er vertritt Positionen, die anecken. Er ist weder gedacht als Kuschelzone f\u00fcr Siebzigerjahre-Veteranen noch als ewiger Ikonengottesdienst. Das Nachleben der Abenteuer der Idole hat nichts mit Underground zu tun, das ist Fankult, Imitation, Fake. Nach Tanger pilgern; Whisky in rauhen Mengen saufen; sich an Cut-Ups versuchen oder an Spontaneous Prose: Fake.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Nichts als Wiederbelebungsversuche einer bereits starren Leiche.<\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Jede Gegenwart braucht ihren Underground. Es hilft nichts, wenn die Underground-Rebellen von fr\u00fcher \u201esich treu geblieben\u201c sind, denn dann haben sie den Anschluss verpasst und nicht mitgekriegt, dass die Zeiten sich ge\u00e4ndert haben. Ewiggestrige k\u00f6nnen kein Underground sein. Denn Underground muss &#8211; <em>muss!<\/em> &#8211; Avantgarde sein. Nicht Arri\u00e8regarde. Vorhut, nicht nachklappernde Nachhut. Wem das Vorne-Mitspielen zu anstrengend ist, wer Nabelbeschau und Befindlichkeiten-Trallala bevorzugt, der macht auch keinen Underground. Der macht Unterhaltungsliteratur, ganz normal halt. Auch einige Sachb\u00fccher sind drunter, Humor, Reiseliteratur, Schicksalsstories. Ist ja auch nichts Schlechtes, \u201ees muss auch solche K\u00e4uze geben\u201c, klar; aber es ist eben kein Underground.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei der oben genannten Tafel des \u201e<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/09\/27\/arrieregarde\/\">Gegen-Kanon<\/a>s\u201c geht es also auch nicht darum, wer m\u00f6glicherweise noch fehlt, sondern darum, wer gar nicht draufgeh\u00f6rt. Die n\u00e4mlich, die lediglich Unterhaltungsliteratur machen. Underground hat Anspruch, Underground muss weh tun, Underground muss den Finger in die aktuelle &#8211; !!! &#8211; Wunde der Zeit legen und ein Sprachrohr sein f\u00fcr solche Stimmen, die in der aktuellen Gegenwart nicht geh\u00f6rt werden. Nicht f\u00fcr solche Stimmen, die sowieso auf allen Kan\u00e4len in Endlosschleife laufen.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Genau das ist das Problem heute. Deshalb ist der Underground tot und ein neuer derzeit nicht in Sicht. Das Feld muss erst wieder beackert werden. Im Moment liegt es brach, der Boden ist unfruchtbar geworden in den alternativlosen Biedermeierzeit. Die D\u00fcmpelbarden hocken drauf, kacken rein und prosten sich gegenseitig zu, weil das am bequemsten ist. Underground aber ist eben grade nicht der bequemste Weg, sondern erfordert Kraft, Energie und K\u00f6nnen.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Und Mut. Und genau das finde ich in der heutigen \u201eSzene\u201c nicht mehr.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:post-content -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph {\"fontSize\":\"large\"} --><\/p>\r\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:image {\"align\":\"left\",\"id\":65501,\"width\":287,\"height\":413,\"sizeSlug\":\"large\"} --><\/p>\r\n<div class=\"wp-block-image\" style=\"text-align: justify;\">\r\n<figure class=\"alignleft size-large is-resized\">\r\n<div id=\"attachment_65501\" style=\"width: 297px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-65501\" class=\"wp-image-65501\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Biby_Wintjes.jpg\" alt=\"\" width=\"287\" height=\"413\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Biby_Wintjes.jpg 383w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Biby_Wintjes-209x300.jpg 209w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Biby_Wintjes-260x374.jpg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Biby_Wintjes-160x230.jpg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 287px) 100vw, 287px\" \/><p id=\"caption-attachment-65501\" class=\"wp-caption-text\">Josef &#8222;Biby Wintjes. Portr\u00e4t: Bruno Runzheimer<\/p><\/div>\r\n<\/figure>\r\n<\/div>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:image -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph \/-->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph --><\/p>\r\n<p><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192 <\/strong><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu den Gr\u00fcndungsmythen der alten BRD geh\u00f6rt die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/04\/01\/nonkonformistische-literatur\/\">Nonkonformistische Literatur<\/a>, lesen Sie dazu auch ein Portr\u00e4t von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2000\/04\/04\/vauo\/\">V.O. Stomps<\/a>, dem Klassiker des Andersseins. Kaum jemand hat die L\u00fcckenhaftigkeit des <em>Underground<\/em> so konzequent <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/09\/24\/underground\/\">erz\u00e4hlt<\/a> wie N\u00ed Gudix und ihre <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/08\/23\/kritik-an-der-literarischen-alternative\/\">Kritik an der literarischen Alternative<\/a> ist berechtigt. Ein Portr\u00e4t von N\u00ed Gudix findet sich <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/08\/16\/da-lernst-du-die-menschen-kennen\/\">hier<\/a> (und als Leseprobe ihren <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2006\/12\/30\/hausaffentango\/\">Hausaffentango<\/a>). Lesen Sie auch die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2005\/09\/24\/erinnerungen\/\">Erinnerungen an den Bottroper Literaturrocker<\/a> von Werner Streletz und den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/09\/28\/rip-bruno\/\">Nachruf<\/a> von Bruno Runzheimer. Zum 100. Geburtstag von Charles Bukowski, eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/08\/16\/ledertasche-geborgt\/\">Doppelbesprechung<\/a> von Hartmuth Malornys Ruhrgebietsroman <em>Die schwarze Ledertasche<\/em>. 1989 erscheint Helge Schneiders allererste Schallplatte <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26990\"><em>Seine gr\u00f6\u00dften Erfolge<\/em><\/a>, produziert von Helge Schneider und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/07\/20\/klangkloetzchen\/\">Tom T\u00e4ger<\/a> im Tonstudio\/Ruhr. Lesen Sie auch das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26709\">Portr\u00e4t <\/a>der einzigartigen Proletendiva aus dem Ruhrgebeat auf KUNO. In einem Kollegengespr\u00e4ch mit Barbara Ester dekonstruiert A.J. Weigoni die <em><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1997\/10\/09\/ruhrgebietsromantik\/\">Ruhrgebietsromantik<\/a><\/em>. Mit<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=6071\"> Kersten Flenter<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/06\/23\/killroy-review\/\">Michael Sch\u00f6nauer<\/a> geh\u00f6rte <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/08\/24\/polyphone-ich-erzaehlungen\/\">Tom de Toys<\/a> zum\u00a0Dreigestirn des deutschen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1997\/01\/05\/bewegung\/\">Poetry Slam<\/a>. Einen Nachruf von Theo Breuer auf den Urvater des Social-Beat finden Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/03\/07\/hubsch-revisited\/\">hier<\/a> \u2013 Sowie selbstverst\u00e4ndlich his <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1995\/06\/25\/wie-was-social-beat-ist-und-warum-und-warum-nicht\/\">Masters voice<\/a>. Und Dr. Stahls kaltgenaue <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2002\/06\/26\/social-beat-vs-digitales-dasein\/\">Analyse<\/a>. \u2013 Constanze Schmidt beschreibt den Weg von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26080\">Proust zu Pulp<\/a>. Ebenso eindr\u00fccklich empfohlen sei Heiner Links <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=42272\">Vorwort<\/a> zum Band Trash-Piloten. Inzwischen hat sich Trash andere Kunstformen erobert, dazu die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/01\/trash-eine-einfuehrung\/\">Aufmerksamkeit<\/a> einer geneigten Kulturkritik. In der Reihe <em>Gossenhefte<\/em> zeigt sich, was passiert, wenn sich literarischer Bodensatz und die Reflexionsm\u00f6glichkeiten von popul\u00e4rkulturellen Tugenden nahe genug kommen, der Essay <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=35655\"><em>Perlen des Trash<\/em><\/a> stellt diese Reihe ausf\u00fchrlich vor. Die KUNO-Redaktion bat A.J. Weigoni um einen Text mit Bezug auf die Mainzer Minpressenmesse (MMPM) und er kramte eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1993\/05\/31\/treff-der-titanen\/\">Realsatire<\/a> aus dem Jahr 1993 heraus, die er f\u00fcr den Mainzer Verleger Jens Neumann geschrieben hat. J\u00fcrgen Kipp \u00fcber die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/06\/01\/geschichte-und-aufgaben-des-mainzer-minipressen-archives-mmpa\/\">Aufgaben des Mainzer Minipressen-Archives<\/a>. Ein w\u00fcrdiger Abschlu\u00df gelingt Boris Kerenski mit <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/03\/30\/wer-war-ist-noch-social-beat\/\">Stimmen aus dem popliterarischen Untergrund<\/a><strong>.<\/strong><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00a0<\/strong><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anl\u00e4\u00dflich des 25. Todestags von Josef \u201eBiby\u201c Wintjes schrieb KUNO an einer Friedhofsgeschichte der deutschen Alternativ-Literatur. Das Schlu\u00dfwort hat N\u00ed Gudix, eine exzellente Kennerin der Szene. Sie fragt sich in ihrer Polemik: &#8222;Gibt es eigentlich noch so etwas wie einen&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/10\/29\/ueber-die-ewig-wiederbelebte-leiche-des-literarischen-undergrounds\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":207,"featured_media":99634,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[2651,249,2585,2608],"class_list":["post-70769","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-bruno-runzheimer","tag-hadayatullah-hubsch","tag-josef-wintjes","tag-ni-gudix"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70769","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/207"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=70769"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70769\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":99638,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70769\/revisions\/99638"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/99634"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=70769"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=70769"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=70769"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}