{"id":70698,"date":"1993-06-26T00:01:54","date_gmt":"1993-06-25T22:01:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=70698"},"modified":"2022-03-02T18:41:24","modified_gmt":"2022-03-02T17:41:24","slug":"karl-philipp-moritz","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1993\/06\/26\/karl-philipp-moritz\/","title":{"rendered":"Karl Philipp Moritz \u2022 Revisited"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Vor 200 Jahren starb Karl Philipp Moritz. Jutta Ludwig \u00fcber die\u00a0<span style=\"letter-spacing: 0.05em;\">Landschaft als Landkarte der Erinnerung in der Selbstbiographie des 18. Jahrhunderts am Beispiel von Karl Philipp Moritz&#8216; Anton Reiser<\/span><\/span><\/p>\n<div class=\"page\" style=\"text-align: justify;\" title=\"Page 6\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8218;Literarische Anthropologie&#8216; meint heute mehr als die Verbindung von Literatur und Anthropologie, sie ist zugleich Forschungsperspektive, die offen und interdisziplin\u00e4r Deutungsangebote macht. Literatur ist nach Wolfgang Riedel genuin anthropologisch, weil sie kul- turelles Produkt des Menschen und der Mensch Gegenstand der Literatur ist:<\/p>\n<p>\u201eWo sonst in der sprachlichen \u00dcberlieferung, wenn nicht in der Literaturgeschichte, lie\u00dfe sich eine Geschichte der Einbildungskraft oder der Gef\u00fchle fassen? Zugespitzt gesagt: die Dichtung ist der Diskurs des Anderen der Vernunft.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">\u00a0Karl Philipp Moritz, Anton Reiser, Ein psychologischer Roman<\/span><\/p>\n<p>Die ersten drei Teile des Anton Reiser ver\u00f6ffentlicht Karl Philipp Moritz 1785 und 1786, den letzten und vierten Teil 1790. 1783 bringt Karl Philipp Moritz den ersten Band des Magazins zur Erfahrungsseelenkunde heraus und die Entstehung des Anton Reiser ist in einem direkten Zusammenhang zu dem Magazin zu sehen. Fast k\u00f6nnte man den Anton Reiser als eine der Fallgeschichten betrachten, doch der &#8218;psychologische Roman&#8216; hat eine poetologisch angelegte Struktur und seine Geschichte ist nach \u00e4sthetischen Gesichtspunkten erz\u00e4hlt. Sie setzt ein mit der Vorstellung des Herrn Fleischbein, dem religi\u00f6sen und geistigen Mentor des Vaters, und findet ein abruptes Ende, als der junge Anton Reiser Erfurt verl\u00e4sst, um sich in Leipzig einer\u00a0<span style=\"letter-spacing: 0.05em;\">Theatergruppe anzuschlie\u00dfen, der sogenannten \u201eSpeicherschen Truppe\u201c, die sich, als er eintrifft, gerade aufgel\u00f6st hat. Anton Reiser steht buchst\u00e4blich vor dem Nichts.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"page\" style=\"text-align: justify;\" title=\"Page 7\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>Um die Geschichte &#8218;der Einbildungskraft und der Gef\u00fchle&#8216;, festzuhalten, distanziert sich Karl Philipp Moritz von seiner Lebensgeschichte und macht sie zum Forschungsgegenstand, indem er Subjekt (Anton Reiser) und Objekt (Erz\u00e4hler) trennt und einen Erz\u00e4hler installiert, der die Geschichte der Figur Anton Reiser, also seine Geschichte erz\u00e4hlt:<\/p>\n<p>\u201eInsofern handelt es sich beim Anton Reiser um einen zweistimmigen Text, in dem Erz\u00e4hler und Erz\u00e4hlfigur um die Vorherrschaft streiten. F\u00fcr den Leser vermischen sich auf diese Weise zwei Perspektiven: die theoriegeleitete Au\u00dfensicht des psychologisch kommentierenden Erz\u00e4hlers, die auf kritische Distanzierung hinausl\u00e4uft, und die\u00a0unvermittelte Innensicht des Helden, die eine identifizierende Lekt\u00fcre geradezu aufdr\u00e4ngt.\u201c<\/p>\n<p>Anton Reiser selbst aber bleibt die eigene Identit\u00e4t r\u00e4tselhaft und undurchsichtig. Die Selbsterschreibung durch Erinnerung soll selbsterkl\u00e4rend und damit subjektkonstituierend sein und die Distanzierung von der Figur Hilfsmittel, um das Subjekt Anton Reiser zu verstehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Die doppelte Funktion der Erinnerung im\u00a0Anton Reiser<\/span><\/p>\n<p>Anton Reiser ist Erinnerung. Anton Reiser erinnert sich. Kurz und pr\u00e4gnant ist damit die doppelte Funktion der Erinnerung im Anton Reiser benannt. Der Erz\u00e4hler ist derjenige, der das Erinnerte &#8218;materialisiert&#8216;, innerhalb dessen sich die Figur Anton Reiser erinnert. Diese Konstruktion, die vielfach in der Forschung untersucht wurde, bedarf einer genaueren Betrachtung.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"page\" style=\"text-align: justify;\" title=\"Page 8\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Anton Reiser ist Erinnerung<\/span><\/p>\n<p>Der &#8218;psychologische Roman&#8216; ist Lebensbeschreibung oder besser Lebenserinnerung, welche \u201evorz\u00fcglich die innere Geschichte des Menschen schildern soll, [&#8230;] Erinnerung ist nach Aleida Assmann eine \u201eanthropologische Kraft, von der weder die Tiere noch Maschinen etwas wissen.\u201c Schon Aristoteles und Augustinus haben die Subjektkonstituierung an die schriftliche Fixierung von Erinnerung gebunden und genau dies versucht Karl Philipp Moritz: die fragmentarische Lebenserinnerung Anton Reiser stellt den Versuch einer (missgl\u00fcckten) Identit\u00e4tsfindung dar. Um Erinnerung zu transportieren, konstituiert Karl Philipp Moritz mit dem Erz\u00e4hler und der Figur des Anton Reiser Stellvertreterfiguren und schafft auf diese Weise Distanz zur der erz\u00e4hlten Geschichte, die seine eigene ist. Erz\u00e4hler und Figur bedingen und konturieren sich dabei gegenseitig, wobei die Distanz mal gr\u00f6\u00dfer und mal weniger gro\u00df ist. Der Erz\u00e4hler kann es sich hier und da nicht verkneifen, die eigentliche Narration zu durchbrechen und ganz nah an das Geschehen und seine Figur heranzur\u00fccken, indem von der heterodiegetischen in die homodiegetische Erz\u00e4hlweise gewechselt wird:<\/p>\n<p>\u201eDa ich einmal in meiner Geschichte zur\u00fcckgegangen bin, um Antons erste Empfindungen und Vorstellungen von der Welt nachzuholen, so mu\u00df ich hier noch zwei seiner fr\u00fc- hesten Erinnerungen anf\u00fchren, die seine Empfindung des Unrechts betreffen.\u201c<\/p>\n<p>Nach Frauke Berndt macht (auch) der Roman Anton Reiser deutlich, dass \u201eErinnerung eine Form \u00e4sthetisch vermittelter Rede ist.\u201c In Anlehnung an die antike Rhetorik geh\u00f6rt die Kindheit selbstverst\u00e4ndlich zu den &#8218;loci communes&#8216; einer Autobiographie, \u201edabei durchdringen Beobachtungen und Fragestellungen anthropologischer Disziplinen wie die P\u00e4dagogik, Psychologie, Medizin und Ethnologie (Geschichtsphilosophie) zunehmend den autobiographischen Diskurs \u00fcber die Kindheit. Zum Topos und damit zum Quellgrund des auto- biographischen Erz\u00e4hlens wird das psychologische Interes- se an dem fr\u00fchesten erinnerbaren Erlebnis als erstes Zeug- nis des Selbstbewu\u00dftseins und der spezifischen Charakter pr\u00e4gung.\u201c<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"page\" style=\"text-align: justify;\" title=\"Page 9\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>Die Frage nach dem Verh\u00e4ltnis von individuellem Ge- d\u00e4chtnis und kultureller Pr\u00e4gung der Erinnerung ist eine schwierige, denn sie bedingen sich gegenseitig und sind oft nicht trennscharf. Zum zeitgen\u00f6ssischen Dis- kurs, den Karl Philipp Moritz entscheidend mitgepr\u00e4gt hat, geh\u00f6rt sicherlich die fr\u00fchkindliche Erinnerung. Er thematisiert die Basalit\u00e4t dieser Erinnerungen u. a. im Magazin f\u00fcr Erfahrungsseelenkunde, einem wichtigem zeitgen\u00f6ssischem Verhandlungsfeld f\u00fcr Themen dieser Art. Aber auch im Anton Reiser wird die immense Bedeutung der ersten Erinnerungen herausgestellt, die alle weiteren Vorstellungen vom Leben und der Welt erst erm\u00f6glichen. Sie sind als erste Eindr\u00fccke Bezugspunkte, die alle anderen Erfahrungen erst wahrnehmbar ma- chen, wie oben in dem Zitat anklingt: Antons erste Erinnerungen an erlittenes Unrecht pr\u00e4gen seine Empfin- dungen in Bezug auf sp\u00e4ter erlittenes Unrecht. In Karl Philipp Moritz Denken sind die Begriffe &#8218;Mannigfaltigkeit&#8216; und &#8218;\u00dcberblick&#8216; zentral \u2013 auch die Erinnerung betreffend. Der Mensch erinnert sich an eine Abfolge von Ereignissen (wobei die ersten die sp\u00e4teren pr\u00e4gen), w\u00e4hrend der \u00dcberblick eine gott\u00e4hnliche Perspektive bietet, die die Ereignisse nebeneinander stellt, so dass sie mit einem Blick wahrnehmbar sind, wie Moritz immer wieder in verschiedenen Bildern entfaltet. So nimmt Moritz dies gerade f\u00fcr das Ende des Lebens an:<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"page\" style=\"text-align: justify;\" title=\"Page 10\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>\u201eDurchwandern m\u00f6cht&#8216; ich sie nicht wieder, die rauhe Bahn des Lebens, aber durchdenken will ich sie noch einmahl. Ueberschauen will ich sie vom H\u00fcgel, auf dem ich stehe. Schon seh&#8216; ich, wie Aecker und Wiesen immer ebener und sch\u00f6ner werden, je weiter ich mich davon entferne; wie sie sich, gleich einem sch\u00f6nen Gem\u00e4hlde, ineinander f\u00fcgen, und wie alle das Unebne und Rauhe schwindet, was ich in der N\u00e4he mit Mi\u00dfvergn\u00fcgen bemerkte.\u201c<\/p>\n<p>Dies entspricht der poetologischen Konzeption des Romans, welcher sich aus Erinnerungen, die von dem Erz\u00e4hler kommentiert werden, zusammensetzt. Wichtig sind Karl Philipp Moritz dabei die vielen, kleinen scheinbar unbedeutenden Ereignisse, die das Ganze eines Menschenlebens ausmachen. In seiner Einf\u00fchrung zum zweiten Teil (eine Art \u201eGebrauchsanweisung\u201c, die jedem Teil voransteht), bezieht er dieses Denkmodell auf den biographischen Roman:<\/p>\n<p>\u201eWem nun an einer solchen getreuen Darstellung etwas gelegen ist, der wird sich an das anf\u00e4nglich Unbedeutende und unwichtig Scheinende nicht sto\u00dfen, sondern in Erw\u00e4gung ziehen, da\u00df dies k\u00fcnstlich verflochtne Gewebe eines Menschenlebens aus einer unendlichen Menge von Kleinigkeiten besteht, die alle in dieser Verflechtung \u00e4u\u00dferst wichtig reden, so unbedeutend sie an sich scheinen.-\u201c22<\/p>\n<p>Struktur des Romans ist also vereinheitlichendes Zusammenfassen einer mannigfaltigen Menge von kleinen und unbedeutenden Ereignissen zu einem Ganzen. Lothar M\u00fcller stellt zur Funktion des Erinnerns im Anton Reiser fest:<\/p>\n<p>\u201eErinnerung ist die Bedingung der M\u00f6glichkeit des Erz\u00e4hlens im Anton Reiser. Doch ist der psychologische Roman nicht prim\u00e4r Roman der Erinnerung. [&#8230;] Es fehlt im Roman ein Tr\u00e4ger der Erinnerung, und er selbst gibt sich nicht als Produkt von Erinnerung zu erkennen, sondern stellt sich vor als Rekonstruktion des gelebten Lebens durch einen objektivierenden Interpreten. Die Erinnerung ist die unsichtbare Voraussetzung dieser Rekonstruktion, nicht die Form ihres Vollzugs.\u201c<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"page\" style=\"text-align: justify;\" title=\"Page 11\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>Dem widerspricht aber einerseits Struktur und Komposition des Romans, der, wie Manfred Weinberg feststellt, dem Erinnern strukturhomolog ist24, aber auch die Funktion des Erz\u00e4hlers, dessen Distanz zu seiner Figur mal gr\u00f6\u00dfer und mal weniger gro\u00df ist und dadurch als Tr\u00e4ger und Vermittler der Erinnerung erkennbar wird. Frauke Berndt sieht den Erz\u00e4hler sogar als eigentlichen Helden des Romans:<\/p>\n<p>\u201eIn den expliziten und diesen in ihrer Funktion bisher nicht beschriebenen impliziten \u00c4u\u00dferungen profiliert sich im Anton Reiser ein Erz\u00e4hler, der als eigenst\u00e4ndige literarische Figur vielleicht sogar zum eigentlichen Helden des Romans erkl\u00e4rt werden muss. Denn dieser Erz\u00e4hler geht weder in der Allwissenheit und \u00dcberlegenheit der auktorialen Erz\u00e4hlsituation noch in der Objektivit\u00e4t der Experimentalseelenkunde auf, sondern ist mit der Figur und deren Erinnerungen aufs engste verbunden.\u201c<\/p>\n<p>Der Erz\u00e4hler ist derjenige, der die vielen kleinen und unbedeutenden Ereignisse b\u00fcndelt und damit ein \u2013 wenn auch fragmentarisches \u2013 Ganzes schafft.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Anton Reiser erinnert sich<\/span><\/p>\n<p>Bei den Erinnerungen der Figur Anton Reiser f\u00e4llt auf, dass sie dem Denkmodell Moritz&#8216; von Mannigfaltigem und \u00dcberblick entsprechen \u2013 und somit strukturgleich zur Komposition des Romans sind. Auch hier spielen die vielen Kleinigkeiten wieder eine Rolle, die sich zu einem Ganzen zusammenfassen lassen:<\/p>\n<p>\u201eDieser Ort mu\u00dfte es gerade sein, der ihn durch die pl\u00f6tzliche Erinnerung an tausend Kleinigkeiten gerade in den Zustand wieder zu versetzten schien, worin er sich unmittelbar vor dem Anfange seines hiesigen Lebens befand. &#8211; Alles was dazwischen lag, mu\u00dfte sich nun in seiner Einbildungskraft zusammendr\u00e4ngen, wie Schatten ineinandergehen, einem Traum \u00e4hnlich werden.\u201c<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"page\" style=\"text-align: justify;\" title=\"Page 12\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>Die Erinnerung an die tausend Kleinigkeiten dr\u00e4ngen sich zu einem (Traum-)Bild zusammen und werden nicht in einer Abfolge betrachtet, sondern mit einem einzigen gott\u00e4hnlichen \u00dcberblick. Diese Zusammen- schau ist eine Ausnahmesituation, die einem nur selten widerf\u00e4hrt:<\/p>\n<p>\u201e[&#8230;] &#8211; &#8211; anders wenigstens l\u00e4\u00dft sich wohl schwerlich das Ph\u00e4nomen jener sonderbaren Empfindung erkl\u00e4ren, die Anton damals hatte, und die ein jeder wenigstens einige Male in seinem Leben gehabt zu haben sich erinnern wird.\u201c<\/p>\n<p>Diese Erinnerung ist eine unwillk\u00fcrliche, ausgel\u00f6st durch einen bestimmten Ort (darauf wird noch zur\u00fcckzukommen sein), ein anderes Mal sucht Anton gezielt die Erinnerung:<\/p>\n<p>\u201eEr suchte sich nun an allen Gegenden der Stadt, die er bisher auf seinen Spazierg\u00e4ngen des Sonntags besucht hatte, gleichsam noch einmal zu letzen, und nahm von einer nach der andern wehm\u00fctig Abschied, so wie er sie nie wiederzusehen hoffte.\u201c<\/p>\n<p>Anton schreitet die Orte ab, um sich bewusst zu erinnern: die Erinnerung findet in einem Nacheinander, in einer Abfolge statt. Der zusammenfassende \u00dcberblick ist hier nicht m\u00f6glich. Noch etwas anderes wird an dieser Stelle deutlich, die Verkn\u00fcpfung der Vergangenheit \u00fcber die Gegenwart mit der Zukunft: Anton hofft die Orte, die er sich gegenw\u00e4rtig anschaut, um sich an Vergangenes zu erinnern, zuk\u00fcnftig nicht mehr wiederzusehen. Diese Verkn\u00fcpfung findet auch an anderen Stellen statt:<\/p>\n<p>\u201eMit ger\u00fchrtem Herzen ging Reiser zu Hause und nahm sich vor, sich ganz wieder zu Gott zu wenden, das hie\u00df bei ihm, unaufh\u00f6rlich an Gott zu denken \u2013 er erinnerte sich mit Wehmut des Zustandes, worin er sich als ein Knabe befunden hatte, da er mit Gott Unterredung hielt, und immer voll hoher Erwartung war, was nun f\u00fcr gro\u00dfe Dinge, in ihm vorgehen w\u00fcrden.\u201c<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"page\" style=\"text-align: justify;\" title=\"Page 13\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>Hier ist die Verkn\u00fcpfung sogar eine doppelte. Er erinnert sich, in der Kindheit hohe Erwartungen an Zuk\u00fcnftiges gehabt zu haben und zwar in dem Augenblick, als er sich vornimmt sich wieder Gott zuzuwenden und dieser Moment impliziert Gegenwart und Zukunft. F\u00fcr Manfred Weinberg beschr\u00e4nkt sich Erinnerung nicht nur auf die Vergangenheit:<\/p>\n<p>\u201eDenn auch dies geh\u00f6rt zum &#8218;unendlichen Thema&#8216; des Ged\u00e4chtnisses, dass es sich nicht auf eine &#8218;Zeitekstase&#8216; (Vergangenheit) resp. auf zwei (das Erinnern der Vergangenheit in der Gegenwart) beschr\u00e4nken l\u00e4sst: Auch die Zukunft ist immer mit &#8218;im Spiel&#8216;.\u201c<\/p>\n<p>Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft bedingen sich gegenseitig: Erinnerung funktioniert nur, wenn das Ged\u00e4chtnis Bilder hat, die es abrufen kann \u2013 wie ja schon Moritz festgestellt hat &#8211; andererseits bestimmt auch die Gegenwart die Erinnerung:<\/p>\n<p>\u201eUnd schlie\u00dflich schreibt sich auch die Zukunft ins Ge- d\u00e4chtnis ein: Das stets gegenw\u00e4rtige modifizierte Vergangene stiftet eine Kontinuit\u00e4t, die sich in Zukunftser- wartungen \u00e4u\u00dfert, welche wiederum R\u00fcckwirkungen dar auf haben, was erinnert wird von Vergangenem.\u201c<\/p>\n<p>Der Erz\u00e4hler l\u00e4sst Anton immer wieder in der Gegen- wart sich an Vergangenes (seine Leiden und Dem\u00fcti- gungen) erinnern und von Zuk\u00fcnftigem (beispielsweise von Beifall und Ruhm, die ihm als gro\u00dfem Schauspie- ler zuteilwerden wird) tr\u00e4umen, arbeitet sich gewisser- ma\u00dfen immer wieder an den drei &#8218;Zeitekstasen&#8216; ab. Zum Ende des Romans l\u00e4sst der Erz\u00e4hler seine Figur schei- tern und macht deutlich, dass Vergessen Zukunft un- m\u00f6glich macht.<\/p>\n<p>\u201eNun hatte aber dieser Zustand eine sonderbare Wirkung auf Reisern: die ersten acht Tage brachte er in einer Art von g\u00e4nzlicher Abspannung und Gleichg\u00fcltigkeit zu, wodurch er den Zustand, den er vergeblich zu besingen gestrebt hatte, nun gewisserma\u00dfen in sich selber darstellte. Er schien aus dem Lethe getrunken zu haben, und kein F\u00fcnkchen von Lebenslust mehr bei ihm \u00fcbrig zu sein.\u201c<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"page\" style=\"text-align: justify;\" title=\"Page 14\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>Aber auch Gegenwart ist ohne Vergangenheit nicht m\u00f6glich. Anton hat zwar verstanden, dass Erinnerung Dasein bedeutet: \u201eEr f\u00fchlte, da\u00df sich das Dasein nur an der Kette dieser ununterbrochenen Erinnerungen festhielt\u201c. Sie verschaffen ihm aber letztendlich keine Identit\u00e4t.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Karl Philipp Moritz und die Empfindsamkeit in Bezug auf die Topoi Landschaft und Natur<\/span><\/p>\n<p>Der psychologische Roman Anton Reiser tr\u00e4gt unverkennbar Z\u00fcge der Aufkl\u00e4rung. Christian Wolff (1679- 1754), Universalgelehrter und Philosoph der Aufkl\u00e4- rung lehnt den normativen Gottesbeweis ab und fordert die Erkenntnis Gottes und die damit verbundene Selbst- erkenntnis aus der Betrachtung der Welt.34 Die Suche nach sich selbst und einem Platz in der Welt ist das, was die Figur Anton Reiser auszeichnet. In dieser nach Rationalismus und Aufkl\u00e4rung strebenden Welt bewegt sich Anton und er nimmt die Welt wahr. Naturerfahrung ist dabei eine von den pr\u00e4genden fr\u00fchkindlichen Erin- nerungen:<\/p>\n<p>\u201eDie Vorstellungen von den ersten Wiesen, die er sahe, von dem Kornfelde, das sich einen sanften H\u00fcgel hinaner- streckte (sic!), und oben mit gr\u00fcnem Geb\u00fcsch umkr\u00e4nzt war, von dem blauen Berge, und den einzelnen Geb\u00fcschen und B\u00e4umen, die am Fu\u00df desselben auf das gr\u00fcne Gras ihren Schatten warfen, und immer dichter und dichter wurden, je h\u00f6her man hinaufstieg, mischen sich noch immer unter seine angenehmsten Gedanken, und machen gleichsam die Grundlage aller der t\u00e4uschenden Bilder aus, die oft seine Phantasie sich vormalt.\u201c<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"page\" style=\"text-align: justify;\" title=\"Page 15\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>Spazierengehen und Reisen und die damit verbundene Naturerfahrung und -wahrnehmung sind immer wieder- kehrende Motive im Anton Reiser:<\/p>\n<p>\u201eEr machte nun mit seinem Vater die erste Reise, [&#8230;] Anton sahe hier die Berge in unaussprechlicher Sch\u00f6nheit. Die Berge rund umher in der Ferne und in der N\u00e4he und die lieblichen T\u00e4ler entz\u00fcckten seine Seele, und schmolzen sie in Wehmut, die teils aus der Erwartung der gro\u00dfen Dinge entstand, die hier mit ihm vorgehen sollten.\u201c36<\/p>\n<p>In beiden Zitaten klingt an, was sich durch den ganzen Roman zieht. Natur wird von Anton vorwiegend als po- sitiv erfahren und sie wird idyllisch geschildert, so dass sie angenehme Empfindungen hervorruft. Karl Philipp Moritz l\u00e4sst seinen Erz\u00e4hler entsprechende Adjektive einsetzen, um die Eindr\u00fccke zu beschreiben, die die Naturbetrachtung bei Anton hinterl\u00e4sst: unaussprech- lich, gro\u00df, angenehmsten, sanft, lieblich. Anton sucht in der Folge immer wieder die Natur auf. Sie ist f\u00fcr ihn R\u00fcckzugsraum, in dem er einsam sein und tr\u00e4umen kann. Als er in seiner Schulzeit in Hannover einen Freund findet, Philipp Reisern, suchen sie zusammen die Natur auf und lesen sich dort gegenseitig vor:<\/p>\n<p>\u201eDie angenehmen Shakespearen\u00e4chte, welche er im Winter mit Philipp Reisern zugebracht hatte, wurden nun durch noch angenehmere Morgenspazierg\u00e4nge verdr\u00e4ngt.\u201c<\/p>\n<p>Aber so gerne Anton auch mit seinem Freund Philipp Reisern zusammen ist, flieht er dennoch vor der Wirk- lichkeit der Freundschaft:<\/p>\n<p>\u201eAber ohngeachtet seines genauen Umgangs mit Reisern liebte er dennoch vorz\u00fcglich die einsamen Spazierg\u00e4nge. &#8211; Nun war vor dem neuen Tore in H[annover], der Gang auf der Wiese, l\u00e4ngst dem Flusse, nach dem Wasserfall zu, be- sonders einladend f\u00fcr seine romantischen Ideen. Die feier- liche Stille, welche in der Mittagsstunde auf dieser Wiese herrschte; die einzelnen hie und da zerstreuten hohen Eich- b\u00e4ume, welche mitten im Sonnenschein, so wie sie einsam standen, ihren Schatten auf das Gr\u00fcn der Wiese hinwarfen.\u201c<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"page\" style=\"text-align: justify;\" title=\"Page 16\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>Aufkl\u00e4rerisch ist an den Naturschilderungen die visuel- le Distanz, diese sind aber weit entfernt von Rationali- t\u00e4t und tragen Z\u00fcge der Empfindsamkeit. Sie beziehen sich auf das Innere von Anton, er nutzt das Bild der Idylle, um vor sich selbst ein neues, besseres Ich zu er- finden. Martina L\u00e4ubli macht darauf aufmerksam, dass \u201edie untersuchten Texte ihre Protagonisten in einer ei- gent\u00fcmlichen Spannung zwischen Zwang und Freiheit darstellen.\u201c Der R\u00fcckzug in die Natur und damit ins Innere stellt f\u00fcr Anton Freiheit dar, aber es gibt auch noch die andere Seite. Sein reales Leben ist gepr\u00e4gt von extremer Armut, von Dem\u00fctigungen und Ausgrenzung. Sein Blick auf die Stadt ist denn auch ein ganz anderer als auf die Natur. Die Stadt erscheint labyrinthisch, eng, im Gegensatz zur Natur wird sie mit Menschen in Verbindung gebracht:<\/p>\n<p>\u201eSobald er aus dem Gew\u00fchle der Stadt war, und die T\u00fcrme von H[annover] hinter sich sah, bem\u00e4chtigten sich seiner tausend abwechselnde Empfindungen. &#8211; Alles stellte sich ihm auf einmal aus einem anderen Gesichtspunkte dar \u2013 er f\u00fchlte sich aus alle den kleinlichen Verh\u00e4ltnissen, die ihn in jener Stadt mit den vier T\u00fcrmen, einengten, qu\u00e4lten, und dr\u00fcckten, auf einmal in die gro\u00dfe offene Natur versetzt, und atmete wieder freier \u2013 sein Stolz und Selbstgef\u00fchl strebte empor \u2013 sein Blick sch\u00e4rfte sich auf das, was hinter ihm lag, und fa\u00dfte es in einem kleinen Umfange zusammen. -\u201c<\/p>\n<p>Der Gegensatz Stadt \u2013 Natur, klein \u2013 gro\u00df, von Zwang und Freiheit, von innerer und \u00e4u\u00dferer Welt wird hier deutlich. Auch der zusammenfassende Blick, der \u00dcber- blick, im vorangehenden Kapitel auf Erinnerung bezo- gen, taucht hier wieder auf. Anton flieht die Stadt, macht immer wieder Wallspazierg\u00e4nge um Hannover und sp\u00e4ter auch um Erfurt, die zugleich Blick auf Stadt und Land und damit eine \u00dcberblicksposition gew\u00e4hren. Er sucht das &#8218;Gef\u00fchl&#8216;, die innere empfindsame Seite und versucht sich auf diese Weise vor sich selbst zu insze- nieren. Oft entsteht der Eindruck v\u00f6llig \u00fcbersteigerter oder auch gespielter Empfindsamkeit: \u201eDiese Tr\u00e4ume sind Inszenierungen seiner W\u00fcnsche, \u00e4sthetische Selbst\u00fcberh\u00f6hungen, deren jede an der \u201ewirklichen Welt\u201c scheitert.\u201c Seine Tr\u00e4ume und W\u00fcnsche von ei- nem Ich, das er gerne w\u00e4re, aber nicht sein kann, wie- derholt Anton best\u00e4ndig, ohne dass sie sein Leben ver- \u00e4ndern. Nach Oelkers ist auch<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"page\" style=\"text-align: justify;\" title=\"Page 17\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>\u201edie Reise f\u00fcr ihn zun\u00e4chst wie eine Befreiung, er erlebt die offene Natur, die er nach seiner Richtung durchwandern und dabei sich selbst \u00e4sthetisch inszenieren kann, ohne da\u00df er dabei gest\u00f6rt wird.\u201c<\/p>\n<p>Aber Reisen f\u00fchren Anton auch nicht ans Ziel, weder \u00e4u\u00dferlich, denn er findet keinen Platz in der Welt, noch innerlich, denn sie f\u00fchren ihn nicht zu sich selbst. Empfindsamkeit bedeutet, dass die innere Erfahrung \u201ezum \u201eWesen\u201c des Menschen, zu seinem \u201eeigentlichen Bezirk stilisiert wird, vor dem alle \u00e4u\u00dfere Erfahrung beinahe gleichg\u00fcltig zu sein scheint.\u201c Aber genau dar- an scheitert Anton, denn obwohl er best\u00e4ndig versucht, sein Inneres zu inszenieren und sich auf die Weise zu finden, kommt er dennoch nicht in der \u00e4u\u00dferen Welt zu- recht. Stadt und Land stehen dabei topisch f\u00fcr die Dis- krepanz zwischen \u00e4u\u00dferer und innerer Welt.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Die Selbstbiografie Anton Reiser als Landkarte der Erinnerung<\/span><\/p>\n<p>Die gewonnenen Einsichten \u00fcber &#8218;Erinnerung&#8216; und entwickelnden Kartografie zusammenzuf\u00fchren, sind Ziel dieses Kapitels und letztendlich der Hausarbeit. Die Stadt-Natur-Topik wird im Anton Reiser immer wieder angef\u00fchrt und zeigt so die Gegens\u00e4tze von \u00e4u\u00dferer und innerer Welt auf. Aber Karl Philipp Moritz hat mit dieser Topik auch die Erinnerung verkn\u00fcpft, indem er Erinnerung an Orte bindet:<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"page\" style=\"text-align: justify;\" title=\"Page 18\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>Anton fing wieder an, des Sonntags f\u00fcr sich allein spazierenzugehen, und einmal f\u00fcgte es sich, da\u00df er, ohne es erst selbst zu wissen, gerade an das Tor kam, wo er vor ohngef\u00e4hr anderthalb Jahren mit seinem Vater zuerst von H[annover] eingewandert war. [&#8230;] Es war ihm, als ob er aus einem Traume erwachte \u2013 und nun wieder auf dem Flecke w\u00e4re, wo der Traum anhub; &#8211; alle die abwechselnden Szenen seines Lebens, die er diese anderthalb Jahre seines Lebens hindurch in B[raunschweig] gehabt hatte, dr\u00e4ngten sich dicht ineinander, und die einzelnen Bilder schienen sich nach einem gr\u00f6\u00dferen Ma\u00dfstabe, den seine Seele auf einmal erhielt, zu verkleinern. &#8211; So m\u00e4chtig wirkt die Vorstellung des Orts, woran wir alle unsre \u00fcbrige Vorstellung kn\u00fcpfen.\u201c<\/p>\n<p>Orte l\u00f6sen also Erinnerungen aus und sind untrennbar mit Erinnerung verbunden. Die immense Bedeutung der fr\u00fchkindlichen Erinnerungen sind oben bereits dargestellt worden, und auch die Verkn\u00fcpfung von Ort und Erinnerung wird laut Karl Philipp Moritz in der Kindheit festgelegt:<\/p>\n<p>\u201eIn der Kindheit ist es insbesondre n\u00f6tig, da\u00df alle \u00fcbrigen Ideen sich an die Ideen des Orts anschlie\u00dfen, weil sie gleichsam in sich noch zu wenig Konsistenz haben, und sich an sich selber noch nicht festhalten k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>Mehrere Aspekte werden in dem obigen Zitat deutlich: Anton schaut auf den Wall und damit auf die Stadt und erinnert sich. Ihm gelingt ein umfassender Blick auf seine Zeit in Braunschweig, der sich in diesem Fall nicht auf die Stadt, sondern auf die Erinnerung bezieht. Das Leben, das Anton in Braunschweig gef\u00fchrt hat, war durch harte Arbeit, Entbehrungen und Dem\u00fctigungen bei dem Hutmacher Lobenstein bestimmt. Der Topos Stadt ist also nicht nur mit dem \u00e4u\u00dferen Leben verkn\u00fcpft, sondern auch mit Erinnerung. Auch dies wird im vorstehenden Zitat deutlich, in dem Anton auf Hannover schaut. Dort hei\u00dft es: [&#8230;] sein Blick sch\u00e4rfte sich auf das, was hinter ihm lag, und fa\u00dfte es in einem kleinen Umfange zusammen.\u201c46 Das, was hinter Anton liegt, ist einerseits die Stadt, aber auch sein Leben in der Stadt. Auf der anderen Seite steht der Topos der weiten und offenen Natur f\u00fcr die innere Welt Antons, aber auch f\u00fcr Zukunft:<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"page\" style=\"text-align: justify;\" title=\"Page 19\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>\u201eSooft er nachher zu seinen Eltern reiste, es mochte nun zu Fu\u00df oder zu Wagen sein, war unterwegens seine Einbildungskraft immer am gesch\u00e4ftigsten \u2013 ein ganzer Zeitraum seines verflo\u00dfnen Lebens stand vor ihm da, sobald er die vier T\u00fcrme von H[annover] aus dem Gesicht verlor \u2013 der Gesichtskreis seiner Seele erweiterte sich denn mit dem Gesichtkreis seiner Augen. Er f\u00fchlte sich aus dem umschr\u00e4nkten Zirkel seines Daseins in die gro\u00dfe weite Welt versetzt, wo alle wunderbaren Ereignisse, die er je in Romanen gelesen, hatte, m\u00f6glich waren &#8211; [&#8230;]<\/p>\n<p>Der Zusammenhang von Ort und Erinnerung wird hier noch mal deutlich. Evident ist aber auch die Verkn\u00fcpfung von freier Natur und Zukunft. Seine W\u00fcnsche und Tr\u00e4ume, denen er in der freien Natur nachgeht, sind auf die Zukunft ausgerichtet und meist unrealistisch, sie sind die bereits erw\u00e4hnten Selbstinszenierungen Selbst\u00fcberh\u00f6hung verkn\u00fcpft. Werden die Tagtr\u00e4ume Wirklichkeit und damit Gegenwart, wird die Gegenwart blass angesichts der \u00fcberh\u00f6hten Erwartungen. Anton soll zum Geburtstag der K\u00f6nigin von England eine Rede vorbereiten und \u00f6ffentlich vortragen, was eine sehr hohe Auszeichnung f\u00fcr einen Sch\u00fcler aus \u00e4rmlichen Verh\u00e4ltnissen darstellt. Er tr\u00e4umt von Ruhm und Beifall, doch als der Tag endlich da ist, kann er ihn nicht genie\u00dfen:<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"page\" style=\"text-align: justify;\" title=\"Page 20\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>\u201eIndes kam Reisern an diesem Tage alles so tot, so \u00f6de vor; die Phantasie mu\u00dfte zur\u00fccktreten \u2013 das Wirkliche war nun da \u2013 und eben da\u00df nun dies, wovon er so lange getr\u00e4umt hatte, schon wirklich und nichts weiter als dies war, machte ihn nachdenkend und traurig \u2013 denn nach diesem Ma\u00dfstabe ma\u00df er nun die ganze Zukunft des Lebens ab &#8211; [&#8230;]\u201c<\/p>\n<p>Anton kann nicht der sein, der er gerne sein m\u00f6chte und m\u00f6chte nicht der sein, der er war. Der Blick auf die Stadt und die Natur sind Metaphern f\u00fcr diesen Zwiespalt und bilden die drei Zeitekstasen des Erinnerns nach Weinberg ab, wie oben bereits beschrieben wurde: Erinnern, Gegenwart und Zukunft bedingen sich gegenseitig.<\/p>\n<p>Die Perspektivit\u00e4t des Blickes auf die Stadt und Natur ist ein interessanter Aspekt, der zu einem umfassenden Verst\u00e4ndnis der Verkn\u00fcpfung von Ort und Erinnerung beitr\u00e4gt. In der Aufkl\u00e4rung entwickeln sich viele Wissenschaften, nicht nur die Anthropologie. Der Blick auf die Welt ver\u00e4ndert sich insgesamt. So h\u00e4lt Wolfgang Grams fest: \u201eZu den bedeutsamsten und f\u00fcr das 18. Jahrhundert typischen Wahrnehmungsweisen geh\u00f6rt die des \u00dcberblicks.\u201c Dies f\u00fchrt er auf die Entwicklung des sogenannten &#8218;Panoramas&#8216; zur\u00fcck:<\/p>\n<p>\u201eAuf den Jahrm\u00e4rkten und Marktpl\u00e4tzen werden mit dem Ende des 18. Jahrhunderts immer h\u00e4ufiger h\u00f6lzerne Rundbauten errichtet, in denen man gegen Entgelt einen simulierten Blick auf eine an die Wand gemalte Landschaft tun konnte: Die Panoramen \u2013 Planetarien des B\u00fcrgertums.\u201c<\/p>\n<p>Der umfassende Blick aus einer \u00dcbersichtsposition her- aus ist also zeitgem\u00e4\u00dfer Diskurs. F\u00fcr Wolfgang Grams sind die \u00dcbersichtspositionen Antons \u201eerwanderte Blickpunkte\u201c, die dar\u00fcber hinausgehend \u201eErkenntnisstandpunkt\u201c sind. Karl Philipp Moritz zieht den Vergleich mit dem technischen Medium des Guckkastens selber heran:<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"page\" style=\"text-align: justify;\" title=\"Page 21\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>\u201eEin kleines Geb\u00fcsch, in welchem man versteckt das Rau schen des Wasserfalls in der N\u00e4he h\u00f6rte \u2013 am jenseitigen Ufer des Flusses, der angenehme Wald, in welchem er mit Reisern des Morgens in der Fr\u00fche spazierengegangen war \u2013 in der ferne weidende Herden; und die Stadt mit ihren vier T\u00fcrmen, und dem umgebenden mit B\u00e4umen bepflanzten Walle, wie ein Bild in einem optischen Kasten.\u201c<\/p>\n<p>Die Blicklinien laufen beim Betrachter zusammen und die visuelle Distanz, aufkl\u00e4rerisches Merkmal, ist an dieser Stelle nachvollziehbar. Das Denkmodell von Karl Philipp Moritz ist augenscheinlich: das Mannigfaltige wird im \u00dcberblick zusammengefasst. Nicht nur das Medium des Panoramas entwickelt sich, sondern auch die Karte bzw. der Stadtplan. F\u00fcr Hannover gab es die ersten Stadtpl\u00e4ne erst Anfang\/Mitte des 18. Jahrhunderts, bis dahin gab es nur Stadtansichten54, was eine grunds\u00e4tzliche Verschiebung der Perspektive bedeutet. Anton sucht den Blick aus einer erh\u00f6hten Perspektive, m\u00f6chte m\u00f6glichst alles mit einem Blick umfassen. Dies ist mit einer Landkarte bzw. einem Stadtplan m\u00f6glich. Bezieht man den Erinnerungsdiskurs und die Topik von Stadt und Natur auf die Karte, so lassen sich Antons Erinnerungen und Zukunftstr\u00e4ume als Landkarte eines Psychogramms lesen. Der Stadtraum verzeichnet die \u00e4u\u00dfere Welt und die Vergangenheit mit allen Dem\u00fctigungen und Entbehrungen, der naturale Landschaftsraum hingegen die Zukunft mit allen Phantasien und Tagtr\u00e4umen \u00fcber ein zuk\u00fcnftiges Ich. Der Wall ist Grenzmarke zwischen Stadt und Land und somit Grenzlinie zwischen \u00e4u\u00dferer und innerer Welt, Vergangenheit und Zukunft und steht damit f\u00fcr die Gegenwart, die den (\u00dcber-)Blick in beide Richtungen erm\u00f6glicht.<br \/>\nEs gibt aber noch einen anderen Aspekt auf den Martina L\u00e4ubli hinweist. F\u00fcr sie lebt das Subjekt Anton Rei- ser in einer Welt, die bestimmt ist durch tiefgreifende Ver\u00e4nderungen. Anton vergr\u00f6\u00dfert seine Lebenswelt durch Lesen, Schreiben, Bildung und Reisen (daher auch der Name Reiser), welches den Horizont oder wie Karl Philipp Moritz sagen w\u00fcrde den \u201eGesichtskreis\u201c erweitert. Martina L\u00e4ubli stellt analog f\u00fcr die Bewe- gung des Reisens auf der strukturellen Ebene des Ro- mans Anton Reiser Vorw\u00e4rts- und R\u00fcckw\u00e4rtsbewegungen, sowie Kreis- und Wiederholungsstrukturen fest. Anton liebt das Reisen seit seiner Kindheit (s.o.) und tr\u00e4umt seit seiner ersten Reise als junger Mann nach Bremen vom Reisen. So bricht er dann eines Tages nach Erfurt auf, um ein gro\u00dfer Schauspieler zu werden, reist nach Gotha und wieder zur\u00fcck und schlie\u00dflich nach Leipzig, um sich der &#8218;Speicherschen Truppe&#8216; anzu- schlie\u00dfen. Und er verirrt sich auf seinen Wanderungen:<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"page\" style=\"text-align: justify;\" title=\"Page 22\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>\u201eSo labyrinthisch wie sein Schicksal war, wurden nun auch seine Wanderungen, er wu\u00dfte sich aus beiden nicht mehr herauszufinden; \u201c<\/p>\n<p>Auf diese Weise l\u00e4sst sich der Roman Anton Reiser also auch als ein Itinerar \u2013 als verschriftliche Landkarte &#8211; lesen, die im \u00fcbergeordneten Sinne eine &#8218;Reise zu sich selbst&#8216; verk\u00f6rpert. Die Orte, die Anton aufsucht, sind dabei Fixpunkte der Vergangenheit sowie der Erinne- rung und bilden mit dem Wegenetz die bereits zitierte Kette der Erinnerungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Fazit<\/span><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"page\" style=\"text-align: justify;\" title=\"Page 23\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>Die Dichotomien von Roman \u2013 Biographie, Subjekt (Anton Reiser) \u2013 Objekt (Erz\u00e4hler), innerer und \u00e4u\u00dferer Welt, Stadt \u2013 Natur, Aufkl\u00e4rung \u2013 Empfindsamkeit, Vergangenheit \u2013 Zukunft, Mannigfaltigkeit \u2013 \u00dcberblick und nicht zuletzt LandkarteItinerar sind Strukturelemente des psychologischen Romans Anton Reiser und bilden verschiedene miteinander verzahnte Ebenen, wie in der vorliegenden Arbeit aufgezeigt wurde. Jedes dieser Strukturelemente und Ebenen bietet weitere Deutungsangebote, denen man nachgehen k\u00f6nnte. Eine Dichotomie, die es lohnt, weiter untersucht zu werden, w\u00e4re der Unterschied und die gegenseitige Bedingung von individueller Erinnerung und kulturellem Ged\u00e4chtnis. Auch w\u00fcrde es sich anbieten zu untersuchen, wie die Landschaft, auf die Anton seinerzeit geschaut hat, wirklich aussah und inwieweit die Landschaftsbeschreibungen \u00e4sthetisch geformt sind. Diese Ans\u00e4tze weiter zu verfolgen, w\u00fcrde allerdings den Rahmen sprengen.<\/p>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"column\">\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div id=\"attachment_16243\" style=\"width: 230px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-16243\" class=\"size-full wp-image-16243\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/Karl-Philipp-Moritz-Gema\u0308lde-von-Karl-Franz-Jacob-Heinrich-Schumann-1791-Gleimhaus-Halberstadt.jpg\" alt=\"\" width=\"220\" height=\"263\" \/><p id=\"caption-attachment-16243\" class=\"wp-caption-text\">Karl Philipp Moritz, Gema\u0308lde von Karl Franz Jacob Heinrich Schumann, 1791, Gleimhaus Halberstadt<\/p><\/div>\n<p><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Karl Philipp Moritz \u00fcber <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/14\/grundlinien-zu-einer-kunftigen-theorie-der-schonen-kunste\/\">Grundlinien zu einer k\u00fcnftigen Theorie der sch\u00f6nen K\u00fcnste<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong>\u00a0Wir begreifen die Gattung des Essays auf KUNO als eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/10\/zur-gattung-essay\/\">Versuchsanordnung<\/a>, undogmatisch, subjektiv, experimentell, ergebnisoffen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"page\" style=\"text-align: justify;\" title=\"Page 24\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>Prim\u00e4rliteratur<\/p>\n<ul>\n<li>Aristoteles: Werke. Bd. 14\/II. Parva Naturalia II. De memoria et reminiscentia. \u00dcbers. von R.A.H. King. Berlin: Akademie Verlag 2004.<\/li>\n<li>Aurelius Augustinus: Confessiones\/Bekenntnisse. Lateinisch \u2013 deutsch. \u00dcbers. von Joseph Bernhart. Frankfurt a. M.: Insel 1987 (=insel taschenbuch \/ it 1002).<\/li>\n<li>Bernd, Adam: Eigene Lebens-Beschreibung. Vollst\u00e4ndige Ausgabe. (Nachdruck der Ausgabe Leipzig 1738). Mit einem Nachwort, Anmerkungen, Namen- und Sachregister. Hg. von Volker Hoffmann. M\u00fcnchen: Winkler 1973 (=Die Fundgrube, Bd. 55).<\/li>\n<li>Blanckenburg Christian Friedrich von: Versuch \u00fcber den Roman (1774). Faksimileausgabe mit Inhalts\u00fcbersicht, Register, Nachwort u. biographischer Notiz. Neu hg. von Eberhard L\u00e4mmert, Stuttgart: Metzler 1965.<\/li>\n<li>\u0393\u039d\u039f\u03a4\u0399 \u03a3\u0391\u0398\u03a4\u039f\u039d, Magazin zur Erfahrungsseelenkunde. Fortsetzung der Revision der ersten drei B\u00e4nde dieses Magazins. Hg. von Karl Philipp Moritz, Karl Friedrich Pockels und Salomon Maimon.Bd. 4 (1786) 3. St. In: Digitale Edition. Hg. von Sheila Dickson und Christoph Wingertszahn unter Mitarbeit von Stefan Goldmann, URL: http:\/\/telota.bbaw.de\/ mze\/#, (letzter Abruf 13.03.2019).<\/li>\n<li>Moritz, Karl Philipp: Anton Reiser. Ein psychologischer Roman. Mit Textvarianten, Erl\u00e4uterungen und einem Nachwort. Hg. von Wolfgang Martens. Stuttgart : Reclam 2001 = (Reclams Universalbibliothek Bd. 4813).<\/li>\n<li>Ders.: Beitr\u00e4ge zur Philosophie des Lebens. Berlin 1781, S.28 In: URL: https:\/\/books.google.de\/books? id=wNAGAAAAcAAJ&amp;printsec=frontcover#v=onepage&amp;q&amp;f=false, (letzter Abruf 03.04.2019).<\/li>\n<li>Platner, Ernst: Anthropologie f\u00fcr Aerzte und Weltweise. Leipzig 1772. 2. Reprint: Hildesheim und New York: Olms 2000.<\/li>\n<li>Wolff, Christian: Vern\u00fcnftige Gedanken von den Absichten der nat\u00fcrlichen Dinge. In: Gesammelte Werke. Abt.1, Deutsche Schriften Bd.7. Hg. von Hans Werner Arndt. Hildesheim und New York: Olms 1980.Sekund\u00e4rliteratur<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Assmann, Aleida: Erinnerungsr\u00e4ume. Formen und Wandlungen des kulturellen Ged\u00e4chtnisses. M\u00fcnchen: C.H.Beck 1999.<\/li>\n<li>Berndt, Frauke: Anamnesis. Studien zur Topik der Erinnerung in der erz\u00e4hlenden Literatur zwischen 1800 und 1900 (Moritz \u2013 Keller \u2013 Raabe). T\u00fcbingen: Max Niemeyer 1999.<\/li>\n<li>Goldmann, Stefan: Topos und Erinnerung. In: Der ganze Mensch. Anthropologie undLiteratur im 18. Jahrhundert. Hg. von Hans-J\u00fcrgen Schings. DFG-Symposium 1992.Stuttgart und Weimar: Metzler 1994 (=Germanistische Symposien. Berichtsb\u00e4nde, Bd. 15).<\/li>\n<li>Grams, Wolfgang: Karl Philipp Moritz. Eine Untersuchung zum Naturbegriff zwischenAufkl\u00e4rung und Romantik. Opladen : Westdeutscher Verlag 1992.<\/li>\n<li>Kosenina, Alexander: Literarische Anthropologie. Die Neuentdeckung des Menschen. Berlinund Boston: de Gruyter, aktualisierte Auflage 2016 (= de Gruyter Studium).<\/li>\n<li>Meier, Albert: Karl Philipp Moritz. Stuttgart: Reclam 2000 (= Reclams Universalbibliothek,Bd. 17620 : Literaturstudium).<\/li>\n<li>M\u00fcller, Lothar: Die kranke Seele und das Licht der Erkenntnis. Karl Philipp Moritz&#8216; AntonReiser. Frankfurt a.M.: Athen\u00e4um 1987.<\/li>\n<li>Mlynek, Klaus u. R\u00f6hrbein, Waldemar R.: Stadtansichten. In: Stadtlexikon Hannover. Von den Anf\u00e4ngen bis zur Gegenwart. Hannover: Schluetersche 2009.<\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"page\" style=\"text-align: justify;\" title=\"Page 25\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<ul>\n<li>Oelkers, J\u00fcrgen: Uneingeschr\u00e4nkte Empfindsamkeit: Karl Philipp Moritz&#8216; psychologischerRoman \u201eAnton Reiser\u201c. In: Die Herausforderung der Wirklichkeit durch das Subjekt.Literarische Reflexionen in p\u00e4dagogischer Absicht. Weinheim und M\u00fcnchen: Juventa 1985.<\/li>\n<li>Pfotenhauer, Helmut: Literarische Anthropologie. Selbstbiographien und ihre Geschichte -am Leitfaden des Leibes. Stuttgart: Metzler 1987 (= Germanistische Abhandlungen.Bd. 62).<\/li>\n<li>Riedel, Wolfgang: Anthropologie und Literatur in der deutschen Sp\u00e4taufkl\u00e4rung. Skizzeeiner Forschungslandschaft. In: Internationales Archiv f\u00fcr Sozialgeschichte der deutschenLiteratur (IASL), Sonderheft 6: Forschungsreferate 3, 1994.<\/li>\n<li>Schings, Hans-J\u00fcrgen: Melancholie und Aufkl\u00e4rung. Melancholiker und ihr Kritiker inErfahrungsseelenkunde und Literatur des 18. Jahrhunderts. Stuttgart: Metzler 1977.<\/li>\n<li>Stobbe, Ute: Umweltwahrnehmung im Roman Anton Reiser (1785-1790) von Karl Philipp Moritz. In: Schaupl\u00e4tze der Umweltgeschichte.Werkstattbericht. Hg. von Bernd Herrmannu. Christine Dahlke. Graduiertenkolleg 1024. Interdisziplin\u00e4re Umweltgeschichte. Naturale Umwelt und gesellschaftliches Handeln in Mitteleuropa. G\u00f6ttingen: Universit\u00e4tsverlag G\u00f6ttingen 2008.<\/li>\n<li>Weinberg, Manfred: Das &#8222;unendliche Thema&#8220;, Erinnerung und Ged\u00e4chtnis in der Literatur\/Theorie. T\u00fcbingen: Francke, 2006.<\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor 200 Jahren starb Karl Philipp Moritz. Jutta Ludwig \u00fcber die\u00a0Landschaft als Landkarte der Erinnerung in der Selbstbiographie des 18. 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