{"id":70503,"date":"2020-02-18T00:01:30","date_gmt":"2020-02-17T23:01:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=70503"},"modified":"2023-01-29T08:07:44","modified_gmt":"2023-01-29T07:07:44","slug":"perverse-luegner-und-un-menschen-unserer-gegenwart","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/02\/18\/perverse-luegner-und-un-menschen-unserer-gegenwart\/","title":{"rendered":"Perverse L\u00fcgner und Un-Menschen unserer Gegenwart"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Autor als Herausgeber eines Fantasy-Romans, ein Prolegomena zum Traktat \u00fcber den Widerstand der Materialien und dazu noch ein fester Umschlag mit der Abbildung von zwei klapperd\u00fcrren bizarren Wesen \u2013 das sind so widerspr\u00fcchliche und zugleich geheimnisvolle Botschaften, dass sie sofort die Neugier auf diesen \u201eHeiligen mit der roten Schnur\u201c wecken. Noch dazu, wenn der Erz\u00e4hler Skelett Bartholom\u00e4us Knochenfaust hei\u00dft, mit einem j\u00e4mmerlichen Pferdewagen und einer spindeld\u00fcrren Schindm\u00e4hre nach Mandragora unterwegs ist und einem Mit-Reisenden die schrecklich d\u00fcstere und unglaublich-mysteri\u00f6se Geschichte von dem Heiligen Taush aus der Zitadelle von Gaister\u0219tat erz\u00e4hlt. Und dass alles unter der Regie des Herausgebers Flavius Ardelean, einem in Rum\u00e4nien lebenden, wohlbekannten Fantasy-Autor. Er ist mit einer Reihe von Literaturpreisen ausgezeichnet, drummer in einer Rockband, \u00dcbersetzer aus dem Deutschen und Englischen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Einstieg in die Romanhandlung erweist sich zun\u00e4chst als schwierig: So viele seltsame Figuren und geheimumwitterte Gestalten- K\u00f6nnte das nicht selbst den erfahrenen Leser von fantasiegeladenen Handlungen \u00fcberfordern? Doch die \u00fcbersichtliche Gliederung des Romans in vier Teile und dreiundzwanzig Kapitel mit erz\u00e4hlenden Einf\u00fchrungen, die zahlreichen Illustrationen, auf denen mit hauchzarten Federstrichen (Ecaterina Gabriela) die Umrisse von konturierten Figuren, d\u00fcsteren R\u00e4umen und zergliederten Landschaften zu erkennen sind, wischen solche Bedenken schnell beiseite. Abgesehen davon, dass Flavius Ardelean in einem Interview auch seine r\u00e4tselhafte Rolle als Herausgeber erl\u00e4utert. Er sei als Erfinder dieser phantastischen Welt nur eine vermittelnden Instanz seines Erz\u00e4hlers Bartholom\u00e4us Knochenfaust. Und der zieht seine Leser von Anfang an in den Bann, obwohl sein zahnfleischloses Gebiss ziemlich laut klappert. Doch ein ge\u00fcbter Fantasy-Leser \u201e\u00fcberh\u00f6rt\u201c so etwas.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Worum geht es nun in der Geschichte vom heiligen Taush, der in der Zitatelle von Gaister\u0219tat geboren wurde, nach seinen Lehrjahren beim alten Tace die Gabe entwickelt, eine rote Schnur aus seinem Bauchnabel zu spinnen und von seinem Lehrmeister lernt, wie er seine Welt von der Un-Welt besch\u00fctzen kann. Erwachsen geworden zieht Taush in die Welt hinaus, um das B\u00f6se zu bek\u00e4mpfen. Mit Hilfe von Gesellen, die beim Lehrmeister Tace ausgebildet wurden, und Taush beim Kampf mit den d\u00fcsteren Gestalten der Un-Welt beistehen. Wie zum Beispiel mit einem gewissen Unghe \u0162zif\u0103r, einer entsetzlich stinkenden Gestalt, die nie l\u00e4chelt und eine Stimme hat, die sich nicht in der Kehle bildet, sondern au\u00dferhalb ihres K\u00f6rpers. Unter dem ekelerregenden Eindruck seiner Erscheinung entsteht bei Taush der erste Ekel als Abwehr vor einer d\u00fcsteren Un-Welt. Seltsamerweise sind aber Taush mit seinen Gesellen auf der Suche nach dem Jahrmarkt der \u00fcblen Ger\u00fcche. Die guten Sitten, die sie bei Meister Tace gelernt haben, geraten nun in Vergessenheit, die Lust \u00fcberkommt sie. In der Herberge der Freuden w\u00e4lzen sie sich zwischen lustvoll sich windenden M\u00e4dchen, w\u00e4hrend ein stechender Geruch die Luft schw\u00e4ngert. Kein Wunder, dass der am n\u00e4chsten Tag aufwachende Taush vom zweiten Ekel spricht, das ihn im Kampf gegen den Gestank der Un-Welt in Versuchung gebracht hat. Taush muss nun auf dem Weg, den er mit dem Erz\u00e4hler Bartholom\u00e4us Knochenfaust und seinen Gesellen teilt, viele schwere Schicksalsschl\u00e4ge ertragen. Seine geliebte Katherina stirbt, im Kampf mit Rattenmonstern verliert er die Mehrzahl seiner Begleiter, er zweifelt er immer mehr, dass er heilig ist, seine Mutter stirbt, Mandragora, die Heimst\u00e4tte von Taush wird von Monstern aus der Un-Welt angegriffen und beinahe zerst\u00f6rt, Taush bleicht dahin und erwacht wieder zum Leben. Eine F\u00fclle von sich \u00fcberst\u00fcrzenden Ereignissen und pl\u00f6tzlich auf- und abtauchenden Gestalten treiben die Handlung einem Ende entgegen, an dem der Erz\u00e4hler Bartholom\u00e4us Knochenfaust seinem Reisebegleiter, dem Leser dieses phantastischen Romans, etwas mitteilt. \u201eWo das Ende der Welt ist, ist auch das Ende des Menschen, dort wo die Un-Welt beginnt und die Un-Menschen hausen.\u201c Und schon fallen uns die Namen der irren Heuchler, perversen L\u00fcgner und Un-Menschen unserer Gegenwart ein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein mit viel Phantasie und \u00fcberbordender Erz\u00e4hllust gestalteter Roman, ein \u201eHerausgeber\u201c, der seinen Erz\u00e4hler und seine Figuren in immer neue Abenteuer st\u00fcrzen l\u00e4sst, der seine Leser\/innen in die grausigen Tiefen einer UN-Welt schickt, aus der er mit Schaudern aufwacht. Mehr kann man von einem Epos des Schreckens nicht erwarten. Ein Lesevergn\u00fcgen allerdings f\u00fcr Erwachsene, denn einige Schreckensbilder vor allem aus den anatomischen Grenzbereichen zwischen Leben, Un-Leben und Tod \u00fcbertreffen jegliche Imaginationen!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Heilige_Cover.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-70504 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Heilige_Cover-195x300.jpg\" alt=\"\" width=\"195\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Heilige_Cover-195x300.jpg 195w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Heilige_Cover-260x399.jpg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Heilige_Cover-160x246.jpg 160w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Heilige_Cover.jpg 325w\" sizes=\"auto, (max-width: 195px) 100vw, 195px\" \/><\/a><strong>Der Heilige mit der roten Schnur, <\/strong>von\u00a0Flavius Ardelean. Aus dem Rum\u00e4nischen von Eva Ruth Wemme. Mit Illustrationen von Ecaterina Gabriela. Roman. Erlangen (Homunculus-Verlag) 2020<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Der Autor als Herausgeber eines Fantasy-Romans, ein Prolegomena zum Traktat \u00fcber den Widerstand der Materialien und dazu noch ein fester Umschlag mit der Abbildung von zwei klapperd\u00fcrren bizarren Wesen \u2013 das sind so widerspr\u00fcchliche und zugleich geheimnisvolle Botschaften, dass&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/02\/18\/perverse-luegner-und-un-menschen-unserer-gegenwart\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":88,"featured_media":98673,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[2678,1158],"class_list":["post-70503","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-flavius-ardelean","tag-wolfgang-schlott"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70503","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/88"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=70503"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70503\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":104296,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70503\/revisions\/104296"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/98673"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=70503"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=70503"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=70503"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}