{"id":70415,"date":"2021-03-29T00:01:25","date_gmt":"2021-03-28T22:01:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=70415"},"modified":"2022-02-28T15:08:45","modified_gmt":"2022-02-28T14:08:45","slug":"ohrspuelung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/03\/29\/ohrspuelung\/","title":{"rendered":"Das Ohr an den Puls der Zeit halten"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">\u00a0<\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Der Schreibtisch des Ruhrgebiets&#8220; war eine umgangssprachliche verwendete Metapher f\u00fcr die Landeshauptstadt D\u00fcsseldorf als ehemaligen Verbands- und Verwaltungssitz vieler Eisen und Stahl produzierender Betriebe des Ruhrgebiets.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Als multimedial arbeitender Schriftsteller hat A.J. Weigoni das <em>Tonstudio an der Ruhr<\/em> als verl\u00e4ngerten Schreibtisch verstanden. An dieser &#8222;Werkbank&#8220; wurde zwischen 1995 und 2020 in Zusammenarbeit mit den Komponisten Tom T\u00e4ger eine ganz spezielle Form der <em>audio-art<\/em> produziert. Und das lange bevor der Begriff &#8222;Alleinstellungsmerkmal&#8220; lanciert wurde.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\r\n<!-- \/wp:post-content -->\r\n\r\n<!-- wp:image {\"align\":\"center\",\"id\":47037,\"sizeSlug\":\"large\"} -->\r\n<div class=\"wp-block-image\" style=\"text-align: justify;\">\r\n<figure class=\"aligncenter size-large\">\r\n<div id=\"attachment_47037\" style=\"width: 810px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-47037\" class=\"wp-image-47037\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/TomTa\u0308ger-1.jpeg\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"547\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/TomTa\u0308ger-1.jpeg 800w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/TomTa\u0308ger-1-300x205.jpeg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/TomTa\u0308ger-1-768x525.jpeg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><p id=\"caption-attachment-47037\" class=\"wp-caption-text\">Tonstudio an der Ruhr, historische Aufnahme \u2013 Das Urheberrecht f\u00fcr dieses Photo liegt Andreas Mangen.<\/p><\/div>\r\n<\/figure>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<\/div>\r\n<!-- \/wp:image -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph {\"align\":\"right\",\"textColor\":\"cyan-bluish-gray\"} -->\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Tom T\u00e4ger und A.J. Weigoni kommt das Verdienst zu, die Lyrik nach 400 Jahren babylonischer Gefangenschaft aus dem Buch befreit zu haben.<\/em><\/span><\/p>\r\n<p><span style=\"color: #999999;\"><!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph {\"align\":\"right\",\"textColor\":\"cyan-bluish-gray\"} --><\/span><\/p>\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">lyrikwelt.de<\/span><\/p>\r\n<!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph -->\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Tom T\u00e4ger 1989 im <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26948\"><em>Tonstudio an der Ruhr<\/em><\/a> Helge Schneiders erste Schallplatte <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26990\">Seine gr\u00f6\u00dften Erfolge<\/a> produzierte, hat man ihn f\u00fcr verr\u00fcckt gehalten. Als A.J. Weigoni 1991 mit Frank Michaelis die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25399\">LiteraturClips<\/a> auf CD (der Claim f\u00fcr <em>Klangb\u00fccher<\/em> war noch nicht abgesteckt) realisierte, hat man ihn f\u00fcr verr\u00fcckt gehalten.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">H\u00f6rb\u00fccher sind die herausgestreckte Zunge des Medienzeitalters.<\/span><\/p>\r\n<!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph -->\r\n<p style=\"text-align: justify;\">In D\u00fcsseldorf betrieben A. J. Weigoni und Frank Michaelis im Akademie-Umfeld mit der Literatur eine multimediale H\u00f6rspielerei zwischen Performance, Theater und Lesung. Es entstand eine Poetik der Verfl\u00fcssigung, einer Aufl\u00f6sung fester Grenzen zwischen den Kunstformen. Diese Artisten sch\u00e4tzen Experimente mit akustischen und elektronischen Kl\u00e4ngen, sie haben ein Faible f\u00fcr die freiere Rhythmik von Regungen und Bewegungen, der Verbindung von Melodie und Experiment, der Offenheit und das In-der-Schwebe-Halten von St\u00fccken; das Ausbrechen aus vermeintlich vorhersehbaren Strukturen, eine Bricolage aus Pop-Klischees und Erwartungen. Synthese und Syn\u00e4sthesie liegen offensichtlich nicht nur lautlich nah beieinander, die Erfindung der Aufnahmetechnik wird von ihnen als ein Moment der Befreiung gedeutet. Bereits 1991 legte dieses Duo die zum Schlagwort gewordenen <em>LiteraturClips<\/em> vor. Diese <em>LiteraturClips<\/em> m\u00f6gen hei\u00dfe Luft sein, sind aber angereichert mit purem Sauerstoff. Sauerstoffhappen, eher H\u00e4ppchen, die den <em>Ohrganismus<\/em> am \u00dcberleben halten. Das fr\u00fchzeitige Erkennen, da\u00df in der K\u00fcrze der einzelnen Beitr\u00e4ge der Erfolg zum langen Atem liegt &#8211; beim Produzenten vielleicht, beim Zuh\u00f6rer gewiss &#8211; ist sehr hoch anzurechnen. Mit der K\u00fcrze entsteht eine Konzentration auf das Elementare.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">Ruhrgebeat<\/span><\/em><\/p>\r\n<!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph -->\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/RaumbredouilleReplica.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-6276\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/RaumbredouilleReplica.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"149\" \/><\/a>1995 begann die Zusammenarbeit A. J. Weigoni und Tom T\u00e4ger. Dieser H\u00f6rspielkomponist hat ein Faible f\u00fcr <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/30\/proust_and_pulp\/\"><em>Trash<\/em><\/a>, ihn faszinieren die technischen Entwicklungen der elektronischen Medien. Seine vielgestaltige Arbeit als Musiker und Produzent im Tonstudio an der Ruhr l\u00e4\u00dft sich exemplarisch an der Produktion <span style=\"color: #ff0000;\"><a style=\"color: #ff0000;\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1997\/01\/18\/bildnisse\/\"><em>RaumbredouilleReplica<\/em><\/a><\/span> darstellen. \u201eWas heute noch wie ein M\u00e4rchen klingt\u2026\u201c \u2013 so haben sich die Deutschen in den 60-er Jahren des 20. Jahrhunderts die Zukunft vorgestellt, als milit\u00e4rischen Staat, in dem die Akteure in einem Rhythmus reden, der sich als Vorl\u00e4ufer des Raps h\u00f6ren l\u00e4sst. Bei der H\u00f6rspielcollage <em>RaumbredouilleReplica<\/em> geht es in einer Invasion der Geistesgegenwart um alles: Die Bedrohung der Erde. Einen gesteuerten Schnelll\u00e4ufer. Eine Invasion und nat\u00fcrlich: Die Rettung der Erde. Selbstverst\u00e4ndlich mit einem Humor, der Lichtjahre von der Spass- und Eventkultur dieser Tage entfernt ist.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Was 1995 begann fand in 2015 die mit dem H\u00f6rbuch <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/01\/18\/das-gesamtwerk-des-sprechstellers\/\"><em>Gedichte<\/em><\/a> einen sinnf\u00e4lligen crossmedialen Zirkelschluss, zu dem T\u00e4ger als <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/07\/20\/klangkloetzchen\/\">H\u00f6rspielkomponist<\/a> mit <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/taeger\/senora_nada.htm\">Se\u00f1ora Nada<\/a> eine Musik der befreiten Melodien zelebiert oder bei dem zweiten Monodram <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=41250\">Unbehaust<\/a> eine Klang-Collage aus Papierger\u00e4uschen anfertigt. Weigoni bewegt sich auf dem H\u00f6rbuch <a href=\"http:\/\/www.buecher-wiki.de\/index.php\/BuecherWiki\/WeigoniGedichte\">Gedichte<\/a> in der Intermedialit\u00e4t von Musik und Dichtung, er sucht mit atmosph\u00e4rischem Verst\u00e4ndnis die auditive Poesie im \u00e4ltesten <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/weigoni\/schwebebahn.htm\">Literaturclip<\/a>, den die Menschheit kennt: dem <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/weigoni\/schmauchspuren.html\">Gedicht<\/a>!<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Einen w\u00fcrdigen und vor allem stilvollen Abschluss findet die Zusammenarbeit A. J. Weigoni und Tom T\u00e4ger nach einem viertel Jahrhundert mit dem multimedialen Projekt <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=46549\"><i>630<\/i><\/a>. Es ging bei der Zusammenarbeit um eine Synthese, die Alchemie des Zusammenbringens, die Erweiterung der Vorstellung, was mit Literatur, Musik und Kunst m\u00f6glich ist.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">MetaPhon<\/span><\/p>\r\n<!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph -->\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Dokumentiert wird das, was in den 1990ger Jahren als <em>audio-art<\/em> begann, auf der Plattform <em>vordenker.de<\/em> mit der Reihe <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/metaphon_konzept.htm\">MetaPhon<\/a>, in der Facetten der <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=8121\">multimedialen Kunst<\/a> und des <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=28660\">H\u00f6rbuchs<\/a> zug\u00e4nglich gemacht werden.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Man kann vor dieser Entwicklung die Augen verschliessen, aber nicht die Ohren.<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph {\"fontSize\":\"large\"} -->\r\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n<!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph -->\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/metaphon.htm\">H\u00f6rb\u00fccher<\/a>, die in der\u00a0Retrospektive <em>MetaPhon<\/em> vorgestellt werden, sind erh\u00e4ltlich \u00fcber: info@tonstudio-an-der-ruhr.de<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/TopCover.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-17811\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/TopCover.gif\" alt=\"\" width=\"282\" height=\"142\" \/><\/a>Weiterf\u00fchend\u00a0\u2192 <\/strong> Diese Titelgebung ist reinste Camouflage, gleichzeitig markieren die zwischen 1991 entstandenen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1991\/01\/18\/literaturclips-2\/\"><em>LiteraturClips<\/em><\/a> und den bis 1995 entstandenen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25417\"><em>Top 100<\/em><\/a> den H\u00f6hepunkt und die wahre Sprengung der Pop-Literatur. Zum Abschluss des Projekts &#8222;Kollegengespr\u00e4che&#8220; wird der Frager zum <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1997\/11\/09\/statt-eines-nachworts-der-frager-wird-zum-befragten\/\">Befragten,<\/a> Thema ist die Zeit als der der Claim f\u00fcr <em>Klangb\u00fccher<\/em> noch nicht abgesteckt war. Erg\u00e4nzend dazu <a href=\"http:\/\/editiondaslabor.de\/blog\/?p=16348\">H\u00f6rb\u00fccher sind die herausgestreckte Zunge des Medienzeitalters<\/a>.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0 &#8222;Der Schreibtisch des Ruhrgebiets&#8220; war eine umgangssprachliche verwendete Metapher f\u00fcr die Landeshauptstadt D\u00fcsseldorf als ehemaligen Verbands- und Verwaltungssitz vieler Eisen und Stahl produzierender Betriebe des Ruhrgebiets. Als multimedial arbeitender Schriftsteller hat A.J. 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