{"id":70392,"date":"2001-07-19T00:01:16","date_gmt":"2001-07-18T22:01:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=70392"},"modified":"2022-05-08T14:07:55","modified_gmt":"2022-05-08T12:07:55","slug":"wie-die-informatiker-die-platonischen-ideen-programmierten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/07\/19\/wie-die-informatiker-die-platonischen-ideen-programmierten\/","title":{"rendered":"Wie die Informatiker die platonischen Ideen programmierten"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Gustav r\u00fchrte in seinem schwarzen Kaffee rum. Das Getr\u00e4nk war heiss und bitter, und er gab es mit einem Ruck in sich rein, denn wichtiger, als wie&#8217;s ihm schmeckte, war eh, einfach wach zu werden, wenn er auch nicht wusste, wof\u00fcr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gegen Mittag tauchte, so war ja auch verabredet gewesen, Daniel auf Dunstiges Grau hing in den Strassen, die Glasscheiben des Caf\u00e9s schienen dreckverschmiert, dabei war es das Wetter, durch das jeder Blick wie durch dunklen Schleier wirkte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Daniel studierte Informatik und war besch\u00e4ftigt an einem Projekt der angewandten Systemtheorie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Zusammenschluss deutscher Unternehmen, der das Land im internationalen Wettbewerb durch innovative Vorspr\u00fcnge im Bereich der Wissenschaft voran bringen wollte, hatte Daniel angestellt, und die Jungs zahlten ein gutes Gehalt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zuerst hatte Gustav ihn bewundert, weil er so ungeheuer versiert im Umgang mit den Mitmenschen war, eine regelrechter Virtuose kultureller Konventionen, der sich auf Partys zwischen den anderen Menschen elegant bewegte wie ein Eiskunstl\u00e4ufer.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gustav war noch neu in der Stadt, und Daniel hatte gemerkt, dass Gustav sich ein bisschen auskannte mit Natur-Religionen und Indianer-Mythen, und so begann er ihn zu umwerben: er nahm ihn zu Partys mit, lud ihn zu sich ein, zeigte ihm Kneipen und Discos. F\u00fcr Gustav war das zun\u00e4chst ganz O.K., erst sp\u00e4ter fiel ihm auf, dass Daniel sich weniger f\u00fcr ihn als mehr f\u00fcr die systemische Struktur von Archetypen interessierte. F\u00fcr Daniel gings um die \u00dcbersetzung von Mythen in Computersprache, ja um die Beschw\u00f6rung der mythischen Kr\u00e4fte durch Software statt schamanischer T\u00e4nze.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ging um einen direkten Zugriff der Computer auf die Metaphysik, konkreter: um die Programmierung der platonischen Ideen. Seit Erfindung der Systemtheorie und sp\u00e4ter der Kybernetik, zun\u00e4chst durch den Amerikaner Gregory Bateson in den 40ern, in den 70ern und 80ern dann von dem Bielefelder Niklas Luhman weiter entwickelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die zun\u00e4chst rein geisteswissenschaftlich orientierte Philosophie, eine gerade Linie aus Begriffen und Konzepten von Platon \u00fcber Kant, Hegel, Heidegger bis Habermas, wurde in den USA erstmals geknickt, indem die Systemtheorie n\u00e4mlich aus der Biologie theoretische Konzepte in die Philosophie \u00fcberf\u00fchrte, dort einsetzte: waren die platonischen Ideen bislang rein geistiger Natur gewesen, verglich man sie jetzt mit Vorg\u00e4ngen in Tieren und Pflanzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend die Physik also zunehmend abstrakter und abgehobener, also metaphysisch wurde, beantwortete man Fragen der Metaphysik jetzt ganz irdisch, mit Erkenntnissen aus der Tier- und Pflanzenwelt. Das ging schliesslich soweit, dass Bateson vorschlug, Gott als kybernetisches System zu definieren, und Luhmann ihn f\u00fcr die Autopoiesis der Welt hielt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Angesichts dieser \u00c4nderungen grunds\u00e4tzlicher Annahmen \u00fcber das Wesen Gottes und der Welt, lag&#8217;s freilich nahe, dass die Wirtschaft nach ihren Chancen und M\u00f6glichkeiten fragte, denn nach was anderem fragt die eh nie und aufmerksam muss sie eigentlich auch immer auf sich machen. Ihr erster Gedanke war, ob sie, die Wirtschaft nicht einfach die ganzen Umwege, indirekte Manipulation durch Werbung und \u00fcber sonstige Massenmedien, umgehen k\u00f6nnte, einen direkteren Weg zur Steuerung der Bev\u00f6lkerung finden konnte, ja ob man nicht die platonischen Ideen direkt programmieren k\u00f6nnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bisherige Programme zur Manipulation der Bev\u00f6lkerung krankten ja an der Schwierigkeit, die Auswirkungen propagandistischer Massnahmen im Individuum exakt zu berechnen \u2013 dank der Psychologie wusste man zwar, wie die Seele des Menschen funktioniert, doch man kam ein\u00adfach nicht unvermittelt an sie ran.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zwar betont auch die Systemtheorie die Abgeschlossenheit und Unzug\u00e4nglichkeit des Menschen, der hier als System mit klaren Grenzen beschrieben wird und nur \u00fcber Schnittstellen mit der Umwelt kommuniziert &#8211; aber der Wirtschaft ging&#8217;s ja gar nicht um einzelne Personen. Man wollte die Menschheit als neuronales Netz, insgesamt umprogrammieren. Die strukturelle Identit\u00e4t aller Systeme mit dem Absoluten, dem Gott-System k\u00f6nnte dies erm\u00f6glichen. Die aktuelle Frage lautete also demzufolge: wie programmiert man das Gott-System? Zur Beantwortung dieser Frage besch\u00e4ftigten sie Daniel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Daniel sass an seinem Platz und r\u00fchrte so beruhigt in seinem Kaffee, als ahne er nicht im geringsten, welch schrecklichen Pl\u00e4nen seine Arbeit diente. Man hatte ihm lediglich erz\u00e4hlt, es ginge um eine Schnittstelle zwischen Rechner und dem kybernetisch Letzten. Das war f\u00fcr jeden Informatiker eine Herausforderung, und so begann er mit der Simulation von Archetypen und ihrer Reaktion in einem Synchronizit\u00e4ten-Generator.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr Daniel privat waren die Ergebnisse mehr als bloss erstaunlich. Um nicht zuvielen Leute seine Arbeiten zeigen zu m\u00fcssen, nahm er zun\u00e4chst sich selbst als Versuchsperson.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gelang ihm ein paar Archetypen zu reaktivieren und \u00fcber den Rechner tats\u00e4chlich Synchronizit\u00e4ten zu forcieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er reaktivierte das Icon seiner Ex-Freundin, und als er sp\u00e4t Nachts Feierabend machte, kam sie, ein wahnsinniger Zufall, vor dem Geb\u00e4ude vorbeigeradelt, weil sie eine Schallplatte in einer Tankstelle vergessen hatte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er reaktivierte das Icon eines fr\u00fchkindlichen Konflikts mit den Eltern, und tats\u00e4chlich rief nur drei Stunden sp\u00e4ter sein Vater an, verstrickte ihn in eine merkw\u00fcrdige Diskussion \u00fcber ein Problem, das Daniel nicht verstand, und brach unerwartet das Gespr\u00e4ch ab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Archetypen-Reaktor mit Synchronizit\u00e4ten-Generator schien ein echter Hit zu sein! Es verstand sich wohl von selbst, dass Daniel als n\u00e4chstes ein paar angenehme Archetypen reaktivierte, er verbrachte die Freizeit so mit angenehmen Zuf\u00e4llen. Aber seine Erfolge konnte er auf Dauer nicht f\u00fcr sich behalten. Eine Woche &#8211; ja; vielleicht zwei. Es h\u00e4tte auch m\u00f6glich sein k\u00f6nnen, den Auftraggebern zu sagen, man h\u00e4tte nichts erreicht, um die geile Erfindung f\u00fcr sich geheim zu behalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu diesem Zweck knobelte Daniel sogar einen ganz schrillen Archetypen aus, der ihm noch den w\u00fcrdigen Abgang einer f\u00fcr praktische Anwendungen zu talentierten Person verschaffte &#8211; doch es gab etwas, das ihn mehr reizte als alle Synchronizit\u00e4ten der Welt: das war die Geld, das ihm durch eine Kooperation zuk\u00e4me.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die beiden jungen M\u00e4nner sassen einander so gleichg\u00fcltig gegen\u00fcber, dass sie fast Freunde h\u00e4tten werden k\u00f6nnen. Es war die stille Stunde nach f\u00fcnfzehn Uhr. Synthimusik rieselte aus den Soundgeneratoren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gustav hatte weniger Gl\u00fcck gehabt, er bekam lediglich einen Job als Werbecutter in einer Sendeanstalt. Seit es in Deutschland Privatfernsehen gab, besch\u00e4ftigte Stammtischt\u00fcftler und Pantoffelphilosophen vor allem eine kniffelige Frage &#8211; und es war nicht die Frage nach \u00d6konomisierung der Solarenergie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ging darum, wie ein Videorekorder sein m\u00fcsste, der beim Auf\u00adzeichnen von Spielfilmen die Werbebl\u00f6cke zwischendurch nicht mitnimmt. K\u00fcnstliche Intelligenzen waren noch nicht soweit entwickelt, dass sie in der Lage w\u00e4ren, den Beginn einer Werbesendung allein zu erkennen. Ausserdem sahen sie ja bei jedem Sender anders aus. Da war es viel Einfacher, nach dem Prinzip des Verkehrsfunks zu gehen, also zus\u00e4tzlich zu den Sendungen ein Signal, das Beginn und Ende von Werbebl\u00f6cken ank\u00fcndigt, in alle Haushalte zu \u00fcbertragen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damit wurde aus dem technischen ein strategisches Problem, denn dass die Sender so ein Signal nicht senden wollen, muss kaum erkl\u00e4rt werden. Dabei w\u00e4r das am einfachsten gewesen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Stattdessen griff man auf eine umst\u00e4ndlichere L\u00f6sung zur\u00fcck: ein extra Studio zur Beobachtung aller TV-Kan\u00e4le und Absendung der entsprechenden Signale an die Videorekorder der Nation wurde eingerichtet. Die Einrichtung war easy: die dreissig TV-Ger\u00e4te besorgte man sich aus Second-Hand-L\u00e4den, die \u00fcbrige Elektrik bauten ein paar Bastler an wenigen Wochen\u00adenden. Findige Studenten hatte das Gewerbe schnell angemeldet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gustav verdiente einen ganz \u00fcblichen Stundenlohn, aber er musste aufmerksam und konzentriert, als handele es sich um die Zentrale eines Atomkraftwerks, dreissig Bildschirme verfolgen, bei jedem Anfang eines Werbeblocks, bei jedem Ende einen Knopf bet\u00e4tigen. Da es f\u00fcr jeden Sender ein extra Signale f\u00fcr Anfang und Ende geben musste-und bei dreissig Kan\u00e4len eigentlich immer irgendwo ein Werbeblock begann oder endete, war er wie an den Anblick der Bildschirme gefesselt, und Gustavs Kn\u00f6pfedr\u00fccken erinnerte an ein Klavierspielen auf einer Tastatur.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sein Job war also, obwohl eigentlich total leicht, ganz sch\u00f6n h\u00f6llisch: die Tatsache, dass alle Fernsehsendungen manipuliert sind und ihrerseits den Zuschauer manipulieren, ist ja allgemein bekannt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch ist das f\u00fcr die meisten Menschen nicht so schlimm, weil sie das Fernsehen nicht wirklich ernst nehmen, aus purer Langweile einschalten, die Programme nicht aufmerksam ver\u00adfolgen, nebenbei quatschen, fressen, lesen, schlafen oder sich nur an den bunten Bildern be\u00adrauschen. Gustav war in seinem Job der einzige Mensch auf der Welt, der konzentriert l\u00e4ngere Zeit aufmerksam und genau hinguckte:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nachmittags bei Viva konnte er sich noch einreden, das sei alles nur Quatsch; abends bei Akte-X musste er schon achtgeben, den Schwachsinn nicht an sich ran zu lassen; doch als Scientology-TV auf Sendung ging, musste er da raus &#8211; sofort!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nat\u00fcrlich durfte er seinen Platz nicht einfach so verlassen. Schliesslich hing das Gl\u00fcck Millionen Videoglotzer von seinem Kn\u00f6pfedr\u00fccken ab! Und die Studenten hatten in den Arbeitsvertrag Schadensersatzklauseln eingebaut, die ihn f\u00fcr alle Pannen zur Rechenschaft zogen. Indes blitzten die Bildr\u00f6hren immer wilder, sie rumpelten und r\u00f6hrten wie in Metamorphosen, als wollten sie sich jeden Augenblick h\u00e4uten und in Monster verwandeln.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da half nur noch Eins: Gustav griff zum Telefon und rief Daniel an: &#8222;Programmier&#8216; mir eine Synchronizit\u00e4t, die mich hier rausholt!&#8220; schrie er. Das musste sein!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zwar war Daniel nicht unbedingt der Typ, der gerne Gefallen erledigte; allerdings war Gustavs Situation mehr als bitter und f\u00fcr Daniel hiess es nicht mehr als Icons anzuklicken. Er setzte die notwendige Synchronizit\u00e4t in Gang &#8211; und dann kam Gustav da raus. Als sie einander am Abend begegneten, war Gustav vollkommen begeistert von dem Erlebnis mit der programmierten Synchronizit\u00e4t. Wie durch einen wunderbaren Zufall hatten Japaner in Osaka einen Chip entwickelt, der Frequenz- unterschiede beim Umschalten der Sendeanstalten von einer Quelle auf eine andere merkte, so also den Wechsel von normalem Programm auf Werbung ohne menschliches Erkennungsverm\u00f6gen feststellte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Chip kostete freilich nur ein Bruchteil der ZSV (Zentrale zur Steuerung intelligenter Videorecorder), so dass die Betreiber ihr Ende absehen konnten. Sie entliessen Gustav noch am gleichen Tag &#8211; zwar h\u00e4tte man bis zur restlosen Verbreitung des neuen Chips die ein oder andere Mark machen k\u00f6nnen; doch man wollte keine Zeit und keine Energien mit Projekten ohne gr\u00f6ssere Zukunft vergeuden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So kam es also, dass Gustav \u00fcber die B\u00fcrgersteige h\u00fcpfte, das zwitschern der V\u00f6gel und das Rauschen der Bl\u00e4tter in den Baumkronen wahrnahm wie zum ersten Mal in seinem Leben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Zwei Tee und zwei Kuchen&#8220;, bestellte Gustav. &#8222;Mann, deine Synchronizit\u00e4ten-Erfindung ist eine Bombe!&#8220; gestand er Daniel, der das freilich schon lange wusste und nichts tat als eitel zu L\u00e4cheln. Beide wussten genau, dass weder \u00fcbertriebener Dank noch gleichm\u00fctiges Selbstverst\u00e4ndlich tun der Situation angemessen w\u00e4re. Doch sie verschoben das, was sp\u00e4ter k\u00e4me, aufs Sp\u00e4ter, der Narben-Kellner brachte das Essen und Trinken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An der Decke r\u00fchrten schwerf\u00e4llige Ventilatoren eine Luft, die verraucht und mit den hell-orange gestrichenen W\u00e4nden des Caf\u00e9s tats\u00e4chlich an frischen Orangensaft im Mixer erinnern mochte. &#8222;F\u00fcr wen machst Du das eigentlich?&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenige Sekunden darauf bereute Daniel seine Frage schon wieder. Das Gesicht des anderen wirkte verschoben, irgendwie irritiert und gleichzeitig in der Irritation eingefroren, also im Zu\u00adstand einer wichtigen aber l\u00e4hmenden Erkenntnis. Gustav bekam Angst, die Sorge, eine Frage zuviel gefragt zu haben, eine Frage, die man nicht ungestraft fragte; doch Daniel staunte bloss dar\u00fcber, dass er die Antwort nicht wusste. Verlegen zuckte er mit den Achseln und kicherte peinlich ber\u00fchrt: er hatte nie gefragt, so sehr hatte ihn die Identit\u00e4t seiner Auftraggeber nicht interessiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Aber ich kann ja mal fragen&#8220;, schlug Daniel vor, ganz l\u00e4ssig, als handele es sich um nichts mehr als die Frage nach der Uhrzeit. Ein flaues Gef\u00fchl im Magen sagte Gustav, man k\u00f6nne die Auftraggeber nicht gar so leicht fragen, wer sie seien. Doch Daniel wollte beweisen, wie gut er mit ihnen stand (irgendwie sch\u00e4mte er sich wohl f\u00fcr seine Unwissenheit bez\u00fcglich ihrer Identit\u00e4t), er hielt das Funktelefon bereits in der rechten Hand und klickte die Nummer.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch statt des erwarteten Freizeichens h\u00f6rte er die T\u00f6ne eines analog codierten Archetypen. Sein Wissen von analoger Codierung reichte nicht aus, um die Sounds bis ins Detail zu entschl\u00fcsseln, doch der Angriff, so viel war klar, galt den beiden. &#8222;Schnell, unter den Tisch!&#8220; riet Daniel. Dann raste ein LKW, der mit achtzig Sachen aus einer Kreuzung geglitten war, durch die grosse Glasscheibe des Caf\u00e9s und zermalmte unter seinen gewaltigen R\u00e4dern M\u00f6bel, Kaffeetassen, Zeitschriften und dreiundzwanzig G\u00e4ste.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Clockwork Orwell<\/strong><i>, von Thomas N\u00f6ske. <\/i>1. Auflage. Unrast Verlag, M\u00fcnster 1997<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-98312 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/social-beat-umschlag.jpg\" alt=\"\" width=\"214\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/social-beat-umschlag.jpg 214w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/social-beat-umschlag-160x224.jpg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 214px) 100vw, 214px\" \/><\/strong><\/p>\n<p><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192 <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu den Gr\u00fcndungsmythen der alten BRD geh\u00f6rt die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/04\/01\/nonkonformistische-literatur\/\">Nonkonformistische Literatur<\/a>, lesen Sie dazu auch ein Portr\u00e4t von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2000\/04\/04\/vauo\/\">V.O. Stomps<\/a>, dem Klassiker des Andersseins. Kaum jemand hat die L\u00fcckenhaftigkeit des <em>Underground<\/em> so konzequent <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/09\/24\/underground\/\">erz\u00e4hlt<\/a> wie N\u00ed Gudix und ihre <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/08\/23\/kritik-an-der-literarischen-alternative\/\">Kritik an der literarischen Alternative<\/a> ist berechtigt. Ein Portr\u00e4t von N\u00ed Gudix findet sich <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/08\/16\/da-lernst-du-die-menschen-kennen\/\">hier<\/a> (und als Leseprobe ihren <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2006\/12\/30\/hausaffentango\/\">Hausaffentango<\/a>). Lesen Sie auch die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2005\/09\/24\/erinnerungen\/\">Erinnerungen an den Bottroper Literaturrocker<\/a> von Werner Streletz und den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/09\/28\/rip-bruno\/\">Nachruf<\/a> von Bruno Runzheimer. Zum 100. Geburtstag von Charles Bukowski, eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/08\/16\/ledertasche-geborgt\/\">Doppelbesprechung<\/a> von Hartmuth Malornys Ruhrgebietsroman <em>Die schwarze Ledertasche<\/em>. 1989 erscheint Helge Schneiders allererste Schallplatte <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26990\"><em>Seine gr\u00f6\u00dften Erfolge<\/em><\/a>, produziert von Helge Schneider und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/07\/20\/klangkloetzchen\/\">Tom T\u00e4ger<\/a> im Tonstudio\/Ruhr. Lesen Sie auch das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26709\">Portr\u00e4t <\/a>der einzigartigen Proletendiva aus dem Ruhrgebeat auf KUNO. In einem Kollegengespr\u00e4ch mit Barbara Ester dekonstruiert A.J. Weigoni die <em><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1997\/10\/09\/ruhrgebietsromantik\/\">Ruhrgebietsromantik<\/a><\/em>. Mit<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=6071\"> Kersten Flenter<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/06\/23\/killroy-review\/\">Michael Sch\u00f6nauer<\/a> geh\u00f6rte <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/08\/24\/polyphone-ich-erzaehlungen\/\">Tom de Toys<\/a> zum\u00a0Dreigestirn des deutschen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1997\/01\/05\/bewegung\/\">Poetry Slam<\/a>. Einen Nachruf von Theo Breuer auf den Urvater des Social-Beat finden Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/03\/07\/hubsch-revisited\/\">hier<\/a> \u2013 Sowie selbstverst\u00e4ndlich his <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1995\/06\/25\/wie-was-social-beat-ist-und-warum-und-warum-nicht\/\">Masters voice<\/a>. Und Dr. Stahls kaltgenaue <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2002\/06\/26\/social-beat-vs-digitales-dasein\/\">Analyse<\/a>. \u2013 Constanze Schmidt beschreibt den Weg von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26080\">Proust zu Pulp<\/a>. Ebenso eindr\u00fccklich empfohlen sei Heiner Links <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=42272\">Vorwort<\/a> zum Band Trash-Piloten. Inzwischen hat sich Trash andere Kunstformen erobert, dazu die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/01\/trash-eine-einfuehrung\/\">Aufmerksamkeit<\/a> einer geneigten Kulturkritik. In der Reihe <em>Gossenhefte<\/em> zeigt sich, was passiert, wenn sich literarischer Bodensatz und die Reflexionsm\u00f6glichkeiten von popul\u00e4rkulturellen Tugenden nahe genug kommen, der Essay <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=35655\"><em>Perlen des Trash<\/em><\/a> stellt diese Reihe ausf\u00fchrlich vor. Die KUNO-Redaktion bat A.J. Weigoni um einen Text mit Bezug auf die Mainzer Minpressenmesse (MMPM) und er kramte eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1993\/05\/31\/treff-der-titanen\/\">Realsatire<\/a> aus dem Jahr 1993 heraus, die er f\u00fcr den Mainzer Verleger Jens Neumann geschrieben hat. J\u00fcrgen Kipp \u00fcber die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/06\/01\/geschichte-und-aufgaben-des-mainzer-minipressen-archives-mmpa\/\">Aufgaben des Mainzer Minipressen-Archives<\/a>. Ein w\u00fcrdiger Abschlu\u00df gelingt Boris Kerenski mit <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/03\/30\/wer-war-ist-noch-social-beat\/\">Stimmen aus dem popliterarischen Untergrund<\/a><strong>.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gustav r\u00fchrte in seinem schwarzen Kaffee rum. 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