{"id":70318,"date":"2020-09-27T00:01:04","date_gmt":"2020-09-26T22:01:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=70318"},"modified":"2022-02-28T19:06:07","modified_gmt":"2022-02-28T18:06:07","slug":"arrieregarde","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/09\/27\/arrieregarde\/","title":{"rendered":"Arri\u00e8regarde"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00b4Gibt es den <span style=\"color: #ff0000;\"><a style=\"color: #ff0000;\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/09\/24\/underground\/\">Underground<\/a><\/span> noch oder ist er nicht l\u00e4ngst im Mistk\u00fcbel der Geschichte gelandet?`, fragte sich anl\u00e4\u00dflich des 25. Todestages von Josef &#8222;Biby&#8220; Wintjes nicht nur KUNO, sondern &#8211; im erweiterten Sinn &#8211; auch die &#8222;perspektive : hefte f\u00fcr zeitgen\u00f6ssische literatur&#8220;, eine Grazer Literaturzeitschrift, die kontinuierlich seit 1977 erscheint. Die Redaktion um Silvia Stecher, Ralf B. Korte und Nora Tunkel der <em>perspektive<\/em> nummer 100\\101 stellte mit folgendem Teaser eine vollmundige These in den Raum:<\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>die von den avantgarden des vorjahrhunderts aufgeworfene infragestellung des autonomie-status von kunst sowie die forderung nach k\u00fcnstlerischer durchdringung der lebenswelt und aufhebung der differenz zwischen leben und kunst blieben gro\u00dfteils unrealisiert oder wurden zu vermarktbaren versionen des kulturschaffens geschrumpft. dieses schaffen stellt sich sodann in dienst: f\u00fcllt l\u00fccken des selbstverst\u00e4ndnisses der sich noch in bildung meinenden schichten einer auseinanderfallenden gesellschaft. nachahmung des verb\u00fcrgten tritt an die stelle von erkundung des m\u00f6glichen. verniedlichung und rebranding revolution\u00e4rer momente erm\u00f6glichten den erfolgreichen einzug neo-avantgardistischer praktiken in die institution kunst \/ literatur; anwendungslos gewordene verfahren mutieren zu sch\u00f6nen beispielen avancierten schreibens. belege des sch\u00f6nen in unsch\u00f6ner zeit? wozu (also noch) literatur?<\/em> <br \/><\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Inhalt der Zeitschrift <em>perspektive<\/em> setzt sich vorwiegend aus deutschsprachiger Literatur zusammen. Dieses<i> Lit.-Mag<\/i> besch\u00e4ftigt sich mit der Entwicklung eines Literaturbegriffs, der sich aus den klassischen Avantgarden und Neo-Avantgarden speist. Hierbei \u201ebefa\u00dft sie sich &#8211; zeitgen\u00f6ssisch &#8211; mit dem Avantgardethema, ist weder \u201aMuseumsw\u00e4rterin\u2018 f\u00fcr historische, noch K\u00fcstenwache\u2018 f\u00fcr Neoavantgardebewegungen\u201c In der deutschsprachigen Literatur stellt <i>perspektive<\/i> eine \u201esingul\u00e4re Zeitschrift&#8220; dar. Das Selbstverst\u00e4ndnis der <i>perspektive<\/i>-Herausgeber zielt auf Distinktion sowohl in bezug auf den mainstream des Literaturgesch\u00e4fts als auch in bezug auf avancierte literarische Teildiskurse wie z. B. jenen der sogenannten &#8222;experimentellen Literatur\u201c. Inzwischen sind die Ausgaben 100 und 101 erschienen und die Frage darf erlaubt sein, ob es sich hierbei nicht um Aufr\u00e4umarbeiten einer <span class=\"st\"><em>Arri\u00e8regarde<\/em><\/span> handelt. Dort, wo die geistige Avantgarde einst ihren Sitz hatte, bewegen sich offensichtlich nun die Vertreter der geistigen <i>Nachhut. <\/i>Das Thema der aktuellen Ausgabe lautet:<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Wozu (noch) literatur?<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Der &#8222;Listenschreiber&#8220; Clemens Schittko hat f\u00fcr die <em>perspektive<\/em> Ausgabe 100\\101 unter Zuhilfenahme einer amerikanischen Suchmaschine eine Art <span class=\"d2edcug0 hpfvmrgz qv66sw1b c1et5uql oi732d6d ik7dh3pa fgxwclzu a8c37x1j keod5gw0 nxhoafnm aigsh9s9 d3f4x2em fe6kdd0r mau55g9w c8b282yb iv3no6db jq4qci2q a3bd9o3v knj5qynh oo9gr5id hzawbc8m\" dir=\"auto\">&#8222;Gegen-Kanon&#8220;* erstellt:<\/span><\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Underground.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-70322 aligncenter\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Underground.jpg\" alt=\"\" width=\"1080\" height=\"1486\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Underground.jpg 1080w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Underground-218x300.jpg 218w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Underground-744x1024.jpg 744w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Underground-768x1057.jpg 768w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Underground-560x771.jpg 560w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Underground-260x358.jpg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Underground-160x220.jpg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 1080px) 100vw, 1080px\" \/><\/a><em>***<\/em><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>perspektive<\/strong> : hefte f\u00fcr zeitgen\u00f6ssische literatur, nummer <em>100<\/em>\\<em>101<\/em>. Herausgegeben von Silvia Stecher, Ralf B. Korte und Nora Tunkel. Graz 2020<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">* Nach der V\u00d6\u00a0 hat der &#8222;Listenschreiber&#8220; in einem sogenannten sozialen Netzwerk nachgelegt: &#8222;Ich entschuldige mich bei allen Kolleginnen und Kollegen, die ich vergessen habe, zu erw\u00e4hnen.&#8220; Selbstverst\u00e4ndlich geh\u00f6rt zum menschlichen Dasein die Frage: \u201eWas w\u00e4re gewesen, wenn?\u201c Meist enden solche \u00dcberlegungen nach wenigen Sekunden, kaum zu b\u00e4ndigen ist schlie\u00dflich die Vielfalt der sich pl\u00f6tzlich entfaltenden M\u00f6glichkeiten. Die Frage sollte daher nicht lauten, wer dieser Liste noch hinzugef\u00fcgt werden sollte, sondern eher:<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer geh\u00f6rt nicht dazu?<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\r\n<p><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192 <\/strong><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu den Gr\u00fcndungsmythen der alten BRD geh\u00f6rt die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/04\/01\/nonkonformistische-literatur\/\">Nonkonformistische Literatur<\/a>, lesen Sie dazu auch ein Portr\u00e4t von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2000\/04\/04\/vauo\/\">V.O. Stomps<\/a>, dem Klassiker des Andersseins. Kaum jemand hat die L\u00fcckenhaftigkeit des <em>Underground<\/em> so konzequent <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/09\/24\/underground\/\">erz\u00e4hlt<\/a> wie N\u00ed Gudix und ihre <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/08\/23\/kritik-an-der-literarischen-alternative\/\">Kritik an der literarischen Alternative<\/a> ist berechtigt. Ein Portr\u00e4t von N\u00ed Gudix findet sich <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/08\/16\/da-lernst-du-die-menschen-kennen\/\">hier<\/a> (und als Leseprobe ihren <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2006\/12\/30\/hausaffentango\/\">Hausaffentango<\/a>). Lesen Sie auch die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2005\/09\/24\/erinnerungen\/\">Erinnerungen an den Bottroper Literaturrocker<\/a> von Werner Streletz und den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/09\/28\/rip-bruno\/\">Nachruf<\/a> von Bruno Runzheimer. Zum 100. Geburtstag von Charles Bukowski, eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/08\/16\/ledertasche-geborgt\/\">Doppelbesprechung<\/a> von Hartmuth Malornys Ruhrgebietsroman <em>Die schwarze Ledertasche<\/em>. 1989 erscheint Helge Schneiders allererste Schallplatte <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26990\"><em>Seine gr\u00f6\u00dften Erfolge<\/em><\/a>, produziert von Helge Schneider und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/07\/20\/klangkloetzchen\/\">Tom T\u00e4ger<\/a> im Tonstudio\/Ruhr. Lesen Sie auch das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26709\">Portr\u00e4t <\/a>der einzigartigen Proletendiva aus dem Ruhrgebeat auf KUNO. In einem Kollegengespr\u00e4ch mit Barbara Ester dekonstruiert A.J. Weigoni die <em><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1997\/10\/09\/ruhrgebietsromantik\/\">Ruhrgebietsromantik<\/a><\/em>. Mit<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=6071\"> Kersten Flenter<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/06\/23\/killroy-review\/\">Michael Sch\u00f6nauer<\/a> geh\u00f6rte <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/08\/24\/polyphone-ich-erzaehlungen\/\">Tom de Toys<\/a> zum\u00a0Dreigestirn des deutschen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1997\/01\/05\/bewegung\/\">Poetry Slam<\/a>. Einen Nachruf von Theo Breuer auf den Urvater des Social-Beat finden Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/03\/07\/hubsch-revisited\/\">hier<\/a> \u2013 Sowie selbstverst\u00e4ndlich his <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1995\/06\/25\/wie-was-social-beat-ist-und-warum-und-warum-nicht\/\">Masters voice<\/a>. Und Dr. Stahls kaltgenaue <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2002\/06\/26\/social-beat-vs-digitales-dasein\/\">Analyse<\/a>. \u2013 Constanze Schmidt beschreibt den Weg von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26080\">Proust zu Pulp<\/a>. Ebenso eindr\u00fccklich empfohlen sei Heiner Links <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=42272\">Vorwort<\/a> zum Band Trash-Piloten. Inzwischen hat sich Trash andere Kunstformen erobert, dazu die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/01\/trash-eine-einfuehrung\/\">Aufmerksamkeit<\/a> einer geneigten Kulturkritik. In der Reihe <em>Gossenhefte<\/em> zeigt sich, was passiert, wenn sich literarischer Bodensatz und die Reflexionsm\u00f6glichkeiten von popul\u00e4rkulturellen Tugenden nahe genug kommen, der Essay <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=35655\"><em>Perlen des Trash<\/em><\/a> stellt diese Reihe ausf\u00fchrlich vor. Die KUNO-Redaktion bat A.J. Weigoni um einen Text mit Bezug auf die Mainzer Minpressenmesse (MMPM) und er kramte eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1993\/05\/31\/treff-der-titanen\/\">Realsatire<\/a> aus dem Jahr 1993 heraus, die er f\u00fcr den Mainzer Verleger Jens Neumann geschrieben hat. J\u00fcrgen Kipp \u00fcber die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/06\/01\/geschichte-und-aufgaben-des-mainzer-minipressen-archives-mmpa\/\">Aufgaben des Mainzer Minipressen-Archives<\/a>. Ein w\u00fcrdiger Abschlu\u00df gelingt Boris Kerenski mit <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/03\/30\/wer-war-ist-noch-social-beat\/\">Stimmen aus dem popliterarischen Untergrund<\/a><strong>.<\/strong><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\r\n<!-- \/wp:post-content -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph \/-->\r\n\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; \u00b4Gibt es den Underground noch oder ist er nicht l\u00e4ngst im Mistk\u00fcbel der Geschichte gelandet?`, fragte sich anl\u00e4\u00dflich des 25. Todestages von Josef &#8222;Biby&#8220; Wintjes nicht nur KUNO, sondern &#8211; im erweiterten Sinn &#8211; auch die &#8222;perspektive : hefte&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/09\/27\/arrieregarde\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":98312,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[795,2676,1987,2675],"class_list":["post-70318","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-clemens-schittko","tag-nora-tunkel","tag-ralf-b-korte","tag-silvia-stecher"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70318","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=70318"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70318\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":101324,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70318\/revisions\/101324"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/98312"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=70318"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=70318"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=70318"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}