{"id":69882,"date":"1999-04-16T00:01:52","date_gmt":"1999-04-15T22:01:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=69882"},"modified":"2020-09-07T14:18:30","modified_gmt":"2020-09-07T12:18:30","slug":"welttag-der-stimme","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1999\/04\/16\/welttag-der-stimme\/","title":{"rendered":"Welttag der Stimme"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Der Welttag der Stimme ist eine weltweite j\u00e4hrliche Veranstaltung, die zur Feier des Ph\u00e4nomens der Stimme stattfindet. Ziel ist es, die enorme Bedeutung der Stimme in unserem allt\u00e4glichen Leben aufzuzeigen, als ein Werkzeug der Kommunikation und zur Anwendung einer Vielzahl von Wissenschaften wie z. B. der Physik, Psychologie, Phonetik, Kunst und Biologie. Der Tag wird von heute an als eine gemeinsame Anstrengung von amerikanischen und europ\u00e4ischen HNO-\u00c4rzte sowie Logop\u00e4den, insbesondere der Amerikanische Akademie f\u00fcr HNO-Heilkunde &#8211; Kopf-und Hals-Chirurgie und Dr. Mario Andr\u00e9 in Portugal eingeleitet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Logop\u00e4din und Schauspielerin Marion Haberstroh f\u00fchrt uns vor, da\u00df Literatur <span style=\"color: #ff0000;\"><a style=\"color: #ff0000;\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/09\/08\/marion-haberstroh-hungertuch\/\">Mundwerk<\/a><\/span> im buchst\u00e4blichen Sinn ist: Sie entsteht im Rachenraum. Da zischt und schnattert, da h\u00e4mmert\u2019s und gurgelt es. Unangestrengt schafft sie gesprochene Sprachkunstwerke. Der Sound einer Stimme erzeugt eine Stimmung. Der m\u00fcndliche Vortrag schafft mit der spezifischen Atmosph\u00e4re auch eine Auslegung des Gesagten, eine Interpretationshilfe. Die Stimme ist authentischer als die Schrift und das H\u00f6ren urspr\u00fcnglicher als das Lesen. H\u00f6rb\u00fccher fordern Zu-H\u00f6rer im emphatischen Sinn des Wortes: sensibel f\u00fcr stimmliche Nuancen, f\u00fcr Tonfall, Rhythmus, Modulation und Sprache. Ernst und Ironie verbindet sich auf der CD-<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1998\/11\/10\/ohryeure\/\"><em>Ohryeure<\/em><\/a> hintergr\u00fcndig spielerisch. Wir, die Sp\u00e4talphabeten, stehen insgesamt vor der Frage, ob Literatur, dieses Medium der Vorzeit, an der Alphabetisierung der Medienkultur, die nur wirklich beeinflussen kann, wer ihr voraus ist, mitwirken oder sich von letzterer abgrenzen kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als ein Kunstwerk eigenen Ranges verst\u00e4rkt das H\u00f6rbuch die Reize des Auditiven und Oralen, mit diesem Medium kehrt die Literatur zu ihrem Ursprung zur\u00fcck. Dies ist eine Gegenbewegung zu einer mit Bildern \u00fcberreich ges\u00e4ttigten Kultur. Nach Friedrich Kittler entsteht deutsche Dichtung \u00fcber neue Alphabetisierungs- und Literarisierungspraktiken, die zum Verschwinden der Materialit\u00e4t der Signifikanten und zur Oralisierung der Buchstaben f\u00fchren. Dichtung, auf diese Weise zum Universalmedium avanciert, das Sprache, Bilder und T\u00f6ne gleichermassen speichert, \u00fcbertr\u00e4gt und verarbeitet, zerf\u00e4llt mit der Ausdifferenzierung der Medien in Foto-, Fono- und Telegrafie und Internet, die jedem einzelnen Sinn sein analoges Medium zuordnen, und damit in Literatur, deren Buchst\u00e4blichkeit Material von Dekonstruktion und von Psychophysik wird. Die neuen akustischen Medien fordern die Literatur vor allem dadurch heraus, dass sie den scheinbar direkten Zusammenhang von Sprechen und H\u00f6ren aufbrechen. Der urspr\u00fcngliche Laut und seine technische Reproduktion sind genauso r\u00e4umlich und zeitlich getrennt wie Stimme und Ohr. Die M\u00fcndlichkeit des Erz\u00e4hlens kn\u00fcpfen an Zeiten an, als dichterische Vortr\u00e4ge noch mit einer Auff\u00fchrungspraxis verkn\u00fcpft waren, die Barden haben ein sediertes Comeback vor sich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend <\/strong><strong>\u2192<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Verwandtschaft zwischen Stimmungen und der Stimme ging hier ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=30538\">Artikel<\/a> von Joanna Lisiak voraus. In diesem Zusammenhang sei auch auf einen einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12850\">Essay<\/a> \u00fcber das H\u00f6ren verwiesen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Welttag der Stimme ist eine weltweite j\u00e4hrliche Veranstaltung, die zur Feier des Ph\u00e4nomens der Stimme stattfindet. Ziel ist es, die enorme Bedeutung der Stimme in unserem allt\u00e4glichen Leben aufzuzeigen, als ein Werkzeug der Kommunikation und zur Anwendung einer Vielzahl&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1999\/04\/16\/welttag-der-stimme\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":2574,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[1152,1151,35],"class_list":["post-69882","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-frank-michaelis","tag-marion-haberstroh","tag-tom-tager"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/69882","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=69882"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/69882\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=69882"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=69882"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=69882"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}