{"id":6988,"date":"2012-08-10T00:01:33","date_gmt":"2012-08-09T22:01:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=6988"},"modified":"2019-12-28T15:30:06","modified_gmt":"2019-12-28T14:30:06","slug":"das-steinbildhauer-symposion-in-steinwenden-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/08\/10\/das-steinbildhauer-symposion-in-steinwenden-2\/","title":{"rendered":"Das Steinbildhauer-Symposion in Steinwenden"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/IMG_9026-1024x6821.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-6991\" title=\"IMG_9026-1024x682\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/IMG_9026-1024x6821-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\"\/><\/a>Das Symposion des Platon (427-347), 1807 ins Deutsche \u00fcbersetzt von Friedrich Schleiermacher, fand statt w\u00e4hrend eines Gastmahls, ausgerichtet anl\u00e4sslich einer Siegesfeier f\u00fcr den Dichter Agathon. Unter Freunden wollte man gemeinsam das Wesen des Eros ergr\u00fcnden, kurzum: der Begriff ist eng mit Gespr\u00e4chen verkn\u00fcpft, die sich um die Liebe drehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Mischungsverh\u00e4ltnis von Wasser und Wein wurde vorab gekl\u00e4rt, f\u00fcr Essen, weiche Kissen und Unterhaltung war gesorgt. Haupts\u00e4chlich ging es um Diskussion und philosophische Auseinandersetzung, die eine f\u00fcr die Zeit erstaunliche Toleranz und Gespr\u00e4chsbereitschaft zeigte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Silbe SYM (Sympathie, Symbol, Symbiose, Symmetrie) deutet auf die ZWEI, auf eine Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit zweiter Elemente, auf etwas, was sich entspricht, was sich positiv zueinander verh\u00e4lt. Der Begriff der Empathie geh\u00f6rt zur n\u00e4heren Verwandtschaft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Begriff des Symposions wurde 1959 von dem \u00f6sterreichischen Bildhauer Karl Prantl f\u00fcr eine Veranstaltung genutzt, die im burgenl\u00e4ndischen Steinbruch ST. Margarethen stattfand. Mehrere Bildhauer trafen sich dort, lebten und arbeiteten zusammen, \u201eum von der Zeit ein Zeugnis abzugeben\u201c. Das Fachsimpeln, das gemeinsame Arbeiten, fernab von Werkstatt, Galerie und Kunstbusiness, das Betonen des kollektiven Geistes und der Solidarit\u00e4t untereinander war hier nicht politisches Programm, sondern Reaktion auf Wettlauf und Konkurrenzdenken, auf Separatismus und \u201ekalten Krieg\u201c im Weltgeschehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fernab von \u201eEiner wird gewinnen\u201c entwickelte sich in der zuerst europ\u00e4ischen, dann internationalen Bildhauerszene eine Bewegung, die Gedankenaustausch mit konkreter und oft harter und schmutziger Arbeit verband. Gro\u00dfe monumentale Arbeiten \u2013 haupts\u00e4chlich in Stein \u2013 sind Zeugen dieser langj\u00e4hrigen Aktivit\u00e4t, die Menschen und Orte, L\u00e4nder und Sitten, Materialien und Landschaften miteinander verbindet. Die geografische nahen Projekte \u201eSteine an der Grenze\u201c (Saarland\/ bei Merzig\/ Prof Paul Schneider), die Skulpturenstra\u00dfe in St. Wendel (Prof. Kornbrust) wie auch der Skulpturenweg Rheinland \u2013 Pfalz (J\u00fcrgen und Martin Picard, Schweinstal) sind allein schon umfangreich; das Nennen von Schl\u00fcsselfiguren kann nur schwer die Dimensionen andeuten, in denen hier gedacht, geplant und gearbeitet wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diskussionsbereitschaft und Kritikf\u00e4higkeit, Erfahrung und Neugier, Professionalit\u00e4t und Aktion treffen sich hier, um Kenntnisse zu erwerben und zu vertiefen, Kenntnisse anzuwenden, umzusetzen, um von Anderen zu lernen, um zu verstehen, warum etwas anders ist oder doch so, wie es immer war oder zu sein schien. Kunst und handwerkliches Schaffen und die lebendige Diskussion dar\u00fcber treffen sich hier.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">St. Margarethen (K. Prantl) Lindabrunn (M. Hietz), das Grenzg\u00e4ngerprojekt zwischen Deutschland-\u00d6sterreich und der ehemaligen Tschecheslowakei (Pfefferkorn), Istambul, Mersin, Italien mit Carrara, Nanto, Undine, Fanano, Giuliano di Roma, das internationale Symposion in Aswan \u00c4gypten (Adam Henein) \u2026Taiwan, China, Korea, Indien, Georgien, Russland (Penza) und so weiter und so fort.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Charakter der Symposien steht und f\u00e4llt mit der Reflexion \u00fcber die Wurzeln (Otto Freundlich, der Gedanke der Ost und West verbindenden Skulpturenstra\u00dfe\u2026!)&nbsp; und dem zutiefst kulturpolitischen Charakter des Ganzen. Auch hier in Steinwenden findet eine solche Begegnung statt, die sich zuerst einmal \u00fcber das wache Interesse und den gesch\u00e4ftlichen Alltag der Firma Wigant definiert. Ein Symposion kann aber nicht auf Werbung f\u00fcr Firmen, Personen, Materialien, Steinbearbeitung und Kunst reduziert werden; es kann auch dies bedeuten, ist aber mehr. Die teilnehmenden Bildhauer sind Hauptdarsteller, ihre Internationalit\u00e4t und die Vielfalt der zu bearbeitenden Materialien (Marmor binaco C, Bardiglio aus Carrara, roter Sandstein aus dem Schweinstal bei Kaiserslautern, Basaltlava aus der Eifel, deutscher Jurakalk aus dem W\u00fcrzburger Raum, t\u00fcrkischer Kalkstein, chinesische Granite, chinesische Gabbro) sprechen f\u00fcr sich. Gerade die Unterschiedlichkeit in Denken und Agieren, in k\u00fcnstlerischen Ans\u00e4tzen und Statements kommt hier zum Tragen, wird vermittelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Symposion bindet Energie und setzt neue Energie frei; diese Organisationsform bietet eine b\u00fchne f\u00fcr Akteur und Zuschauer, wobei das Teilen von Eindr\u00fccken und das Teilhaben am Geschehen entsprechend des eigenen Dazutuns passiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Also: Bringen sie sich mit!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Symposion des Platon (427-347), 1807 ins Deutsche \u00fcbersetzt von Friedrich Schleiermacher, fand statt w\u00e4hrend eines Gastmahls, ausgerichtet anl\u00e4sslich einer Siegesfeier f\u00fcr den Dichter Agathon. 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