{"id":69844,"date":"2010-03-21T00:01:43","date_gmt":"2010-03-20T23:01:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=69844"},"modified":"2022-03-26T10:00:20","modified_gmt":"2022-03-26T09:00:20","slug":"die-vielfalt-des-kulturguts-sprache","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2010\/03\/21\/die-vielfalt-des-kulturguts-sprache\/","title":{"rendered":"Die Vielfalt des Kulturguts Sprache"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #999999;\">Vorbemerkung der Redaktion:<\/span> Seit 2000 wird jedes Jahr der <em>Welttag der Poesie<\/em> gefeiert. Er soll an \u201edie Vielfalt des Kulturguts Sprache und an die Bedeutung m\u00fcndlicher Traditionen erinnern\u201c. Was bleibt ist der Mythos oder die Legende. Nicht die Werke selbst. Die Weitergabe eines Mythos scheint nachhaltiger als die Weitergabe eines Lebenswerks. Sein ganzes Leben hat <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Andrascz_Weigoni\">A.J. Weigoni<\/a> gegen das Verschwinden angek\u00e4mpft. Und er hat immer verloren. Die Sch\u00f6nheit im Menschsein lag f\u00fcr ihn in dem Wissen, da\u00df er Teil einer Kette ist. Die Redaktion empfiehlt daher das auf vier CDs erweiterte H\u00f6rbuch <em>Gedichte,<\/em> es ist in einer limitierten Auflage exklusiv im <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/2017\/01\/18\/gedichte\/\"><em>Schuber<\/em><\/a> erh\u00e4ltlich. Nichts so verg\u00e4nglich wie Musik und gesprochene Worte, diese CDs bezeugen gerade als gesprochenes Wort Vergangenwart und Gegenheit.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Das ist nat\u00fcrlich schon eine starke Pose, mit der Andrascz Jaromir Weigoni auf dem Cover seiner von der Kunststiftung NRW gef\u00f6rderten vierteiligen CD-Edition mit Gedichten zu sehen ist: Langes wallendes Haar, konzentrierter Blick, die Falten treten deutlich hervor und die Finger sind wie beim Rezitieren kelchf\u00f6rmig geformt, als wollte er etwas Wichtiges auf den Punkt bringen. Nur das kurz\u00e4rmlige Hemd im gedeckten Ton wirkt etwas neuzeitlich. Es erinnert, und da sind auch die Initialen, an Albrecht D\u00fcrer, mit der Jahreszahl 1500.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Steffen Tos<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was auf Anhieb verf\u00fchrt und besticht, ist die Spreche: Melodie, Rhythmus, weiter Atem. Diese Poesie hat etwas K\u00f6rperliches, man sieht es daran wie das Wort als Lautabfolge von Zunge und Lippen geformt wird und seinerseits das Gesicht dessen zeichnet, der es artikuliert. Au\u00dferhalb der Sprache ist die Existenz des Sprechers im Gedicht, Worte haben bei\u00a0<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Andrascz_Weigoni\">A.J. Weigoni<\/a> physiologische und physiognomische Qualit\u00e4t. Auf diesem H\u00f6rbuch vernimmt man der Rezitator als Klangk\u00f6rper; in der Rezitation durch den Sprechsteller werden die Gedichte lebendig, das H\u00f6rbuch Gedichte vermitteln die physische Eigenart dieser Lyrik, ihre Sprachgewalt, ihren verschmitzten Witz. Es geht diesem Verdichter darum, der gesprochenen Sprache auf die Schliche zu kommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Ganz im Gegensatz zu den anderen \u201cexperimentellen\u201d CDs meiner Sammlung sind die von A.J. Weigoni immer stimmig, ja richtig, philosophische Aufs\u00e4tze auf den Punkt gebracht. Man merkt auch die feine Feile, das Entstehen und die M\u00fche \u00fcber einen langen Zeitraum hinweg.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Dr. Dieter Scherr, Literaturhaus Wien<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Stimmhaftigkeit des Schreibens und der Wunsch, es sprechend zu machen, bilden in Weigonis Werk ein zentrales Phantasma. Diese Stimme richtet sich an einen H\u00f6rer, an dessen F\u00e4higkeit, zeichenhaften Konstellationen eine akute Bedeutung zu entnehmen. Als \u203aSprechsteller\u2039 bricht er die Sprache auf, dehnt sie ins Ger\u00e4uschhafte und treibt sie durch seine assoziative Fantasie ins Expressive. Weigoni nutzt die Sprache als akustisches Pr\u00e4zisionsinstrument. Die W\u00f6rter l\u00f6sen sich von ihrer mimetisch\u2013realistischen Abbildfunktion und tragen auf unterschiedliche Weise dazu bei, das Vertraute fremd zu machen. Zu den verwendeten Reizmitteln geh\u00f6ren zwischen Schrift und Rede wechselnde Tonspuren, eine intensiv atmende Syntax und Metrik, Klangbr\u00fcche sowie kunstvolle Enjambements, die der Akzentuierung des einzelnen Worts, einer Silbe oder eines Buchstabens dienen. Dann entwickeln die Verse eine Spannkraft und eine vertikale Drift, die Zeilen treten hinter der Wirkung des Gedichtganzen zur\u00fcck, und mit Zeilenbr\u00fcchen wird der Gedichtk\u00f6rper kunstvoll gestaut.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Wenn man ein Buch liest, entstehen im Kopf eigene R\u00e4ume, eigene Orte und eigene Figuren&#8230; H\u00f6rspiele sind eine ganz eigene Kunst. Sie leisten eine Konzentration auf das sch\u00f6nste menschliche Organ &#8211; die Stimme.<br \/>\n<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Manfred Zapatka<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seine Stimme kann das Flie\u00dfen und die Beweglichkeit des K\u00f6rpers wiedergeben. Sie kann Energien beschw\u00f6ren, f\u00fcr die es keine Worte gibt, emotionale Schattenreiche. Der K\u00f6rper l\u00fcgt nicht, die Stimme auch nicht. Unverwechselbar sind seine hochpoetische, oft dunkel timbrierte Sprache in den Gedichten sowie der sich stets in das Geschehen einmischende und hochgradig mit diesem verstrickte Erz\u00e4hler in seinen Langgedichten. Man kann die emotionale Unehrlichkeit h\u00f6ren, wenn jemand die Stimme manipuliert, nur um einen Effekt zu erzielen. Weigoni manipuliert niemanden. Ein Reiz seiner Arbeit besteht in der Unverkrampftheit eines Erforschung, der die Einfachheit des Urzeitlichen besitzt; ihn zu verstehen, braucht es Offenheit und ein wenig Neugier. Sprache befindet sich in unentwegtem Wandel, daher erfa\u00dft Weigoni die Lyrik als geistige Bewegung. Bei jedem H\u00f6ren tritt einem ein anderer Aspekt zutage, augenzwinkernd, verspielt, melancholisch, zornig. Dieser Lyriker lebt in osmotischer Beziehung zur Sprache, die er als etwas Lebendiges und T\u00f6dliches auffa\u00dft.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Als ich dieses H\u00f6rbuch h\u00f6rte, war ich schlichtweg begeistert. Bei H\u00f6rb\u00fcchern und H\u00f6rspielen wird oft der Begriff \u203aKunst\u2039 verwendet. Ich rede eher vom \u203aHandwerk\u2039. Als ich \u00bbGedichte\u00ab von A. J. Weigoni lauschte, war f\u00fcr mich sofort klar: Das ist wirkliche Kunst! Dieser Mensch ist ein wahrer Wortakrobat, ein Liebhaber der Sprache, ein Kenner des Mediums. Weit weg vom Mainstream ist Gedichte von A. J. Weigoni f\u00fcr Liebhaber der \u203aSprachkunst\u2039 und f\u00fcr intelektuelle Unterhaltung DER Geheimtipp. Solch eine liebevolle Inszenierung hat eine Auszeichnung verdient, deswegen: Beste Lesung.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Simeon Hrissomallis in der Begr\u00fcndung f\u00fcr den H\u00f6rspielpreis Ohrkanus<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Rezitationen der Gedichtzyklen und H\u00f6rspielumsetzungen der Langedichte von Weigoni sind dem auf vier CDs erweiterten H\u00f6rbuch in einem hochwertigen Schuber aus schwarzer Kofferhartpappe erh\u00e4ltlich. Die Interpretinnen Bibiana Heimes und Marina Rother werden zum reinen Medium, ohne die Monodramen durch Schn\u00f6rkel oder Firlefanz zu verunzieren. Man halte seine Augen fest verschlossen und \u00f6ffne daf\u00fcr die Ohren f\u00fcr dieses H\u00f6rbuch.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">* * *<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<div style=\"text-align: justify;\">\n<div id=\"attachment_98422\" style=\"width: 197px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-98422\" class=\"wp-image-98422 size-full\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Gedichte_Cover-e1645596086940.jpeg\" alt=\"\" width=\"187\" height=\"300\" \/><p id=\"caption-attachment-98422\" class=\"wp-caption-text\">Coverphoto: Leonard Billeke<\/p><\/div>\n<p><strong>Weiterf\u00fchrend<\/strong> \u2192<\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\">Lesen Sie auch Jens Pacholskys Interview: <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=16348\">H\u00f6rb\u00fccher sind die herausgestreckte Zunge des Medienzeitalters<\/a>. Einen Artikel \u00fcber das akutische\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=28660\">\u0152uvre<\/a>,\u00a0 mit den H\u00f6rspielbearbeitungen der Monodramen durch den Komponisten Tom T\u00e4ger \u2013 last but not least: <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25524\"><em>VerDichtung \u2013 \u00dcber das Verfertigen von Poesie<\/em><\/a>, ein Essay von A.J. Weigoni in dem er dichtungstheoretisch die poetologischen Grunds\u00e4tze seines Schaffens beschreibt.<\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\">\u2192 Probeh\u00f6ren kann man Ausz\u00fcge &#8211; leider nur im mp3-Format &#8211; der <a href=\"http:\/\/vordenker.de\/weigoni\/schmauchspuren.html\">Schmauchspuren<\/a>, von <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/weigoni\/neige.html\">An der Neige<\/a> und des Monodrams <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/taeger\/senora_nada.htm\">Se\u00f1ora Nada<\/a> in der Reihe <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=17799\">MetaPhon<\/a>.<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorbemerkung der Redaktion: Seit 2000 wird jedes Jahr der Welttag der Poesie gefeiert. Er soll an \u201edie Vielfalt des Kulturguts Sprache und an die Bedeutung m\u00fcndlicher Traditionen erinnern\u201c. Was bleibt ist der Mythos oder die Legende. Nicht die Werke selbst.&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2010\/03\/21\/die-vielfalt-des-kulturguts-sprache\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":102347,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[628,1007,36,38,35],"class_list":["post-69844","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-a-j-weigoni","tag-bibiana-heimes","tag-ioona-rauschan","tag-marina-rother","tag-tom-tager"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/69844","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=69844"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/69844\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":102369,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/69844\/revisions\/102369"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/102347"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=69844"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=69844"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=69844"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}