{"id":6927,"date":"2012-08-17T00:01:55","date_gmt":"2012-08-16T22:01:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=6927"},"modified":"2019-10-05T14:50:13","modified_gmt":"2019-10-05T12:50:13","slug":"alter-schwede","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/08\/17\/alter-schwede\/","title":{"rendered":"Alter Schwede"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/Cover2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-6935\" title=\"Der Sturm\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/Cover2-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Das Volk steht auf, der Sturm bricht los.<br \/>\nWer legt noch die H\u00e4nde feig in den Scho\u00df?<br \/>\nPfui \u00fcber dich Buben hinter dem Ofen,<br \/>\nUnter den Schranzen und unter den Zofen!<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Theodor K\u00f6rner<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Warum sind Kulturseiten so boniert geworden?<\/strong> <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/!99145\/\">fragte<\/a> sich und uns Georg Seesslen in der taz. In der WELT wird ein paar Tage sp\u00e4ter belegt, warum das so ist. Elmar Krekeler <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/print\/die_welt\/kultur\/article108626704\/Autor-ueberfluessig.html\">sieht<\/a> die Aff\u00e4re um den Schl\u00fcsselroman <em>Der Sturm<\/em> als Symptom f\u00fcr eine Tendenz im Verlags- und Medienwesen: Lektoren schreiben ihre Bestseller am liebsten gleich selbst &#8211; oder sie bitten befreundete Journalisten, die im \u00fcbrigen \u00fcber ihre Netzwerke auch f\u00fcr gute Besprechungen sorgen k\u00f6nnen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Man spart sich die Reisen, spart sich die \u00dcbersetzer, spart sich die Zeit f\u00fcrs Scouten und Lektorieren und ruft seine Kumpels in den Zeitungen und den Verlagen an. Die k\u00f6nnen leidlich bis brillant, vor allem aber zielgruppen- und marktorientiert und schnell schreiben. Und pflegeleicht sind sie, Skrupel haben sie keine, sie arbeiten ja schlie\u00dflich nicht unter Klarnamen.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nebenbei wird berichtet, dass Frank Schirrmacher auf Nachfrage nur bemerkte, er lese keine Schweden-Krimis, womit er schon mal einen besseren Geschmack beweist als Thomas Steinfeld.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Bekennerschreiben<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit einem Bekennerschreiben hat sich Thomas Steinfeld an die dpa gewandt, <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/kultur\/literatur\/krimi-affaere-um-frank-schirrmacher-steinfeld-outet-sich-als-sturm-autor-a-850258.html\">meldet<\/a> Sebastian Hammelehle in Spiegel Online: Ja, er hat den Roman &#8222;Der Sturm&#8220; zusammen mit einem Koautor (Peter Handke? Bob Dylan?) geschrieben, er leugnet aber, dass Frank Schirrmacher Modell f\u00fcr das Mordopfer sei: &#8222;Die Gleichsetzung einer Romanfigur mit einer Person des \u00f6ffentlichen Lebens widerspreche den Grundlagen des Umgangs mit fiktiver Literatur.&#8220; Daran h\u00e4tten wir nat\u00fcrlich denken m\u00fcssen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jakob Augstein widmet im FREITAG dem Fall Steinfeld \/ Schirrmacher einen gro\u00dfen <a href=\"http:\/\/www.freitag.de\/autoren\/jaugstein\/wir-toeten-was-wir-lieben\">Artikel<\/a>, der sich ganz um den FAZ-Gro\u00dffeuilletonisten und <em>Menschenfresser<\/em> Frank Schirrmacher dreht. Auf SZ-Mann Thomas Steinfeld &#8211; und nun best\u00e4tigten Autor des Krimis &#8222;Der Sturm&#8220; &#8211; kommt Augstein am Schluss zu sprechen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Er gibt sich und seiner Zeitung mit dieser pathologischen Tat eine gro\u00dfe Bl\u00f6\u00dfe. Steinfeld wird von nun an immer der Schirrmacher-M\u00f6rder sein. Die Zeitung kann sich kaum leisten, ihn auf diesem Posten zu halten&#8230; &#8218;In gewissem Sinne gestaltet und formt das Opfer den Verbrecher&#8216; hat vor langer Zeit der Kriminalpsychologe Hans von Hentig in seinem Standardwerk <em>The Criminal and his Victim<\/em> geschrieben. Selten traf das so zu wie in diesem Fall. Denn selbst in der Tat sind Schirrmachers Gegner nur Epigonen.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Zitate-Fundraising<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Letztlich also alles eine Farce, die in ein vor Banalit\u00e4t und Selbstbez\u00fcglichkeit nur so strotzendes Spektakel hineinwuchert?&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber nein, jetzt ist die Literaturkritik gefordert, <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/1\/archiv\/digitaz\/artikel\/?ressort=ku&amp;dig=2012%2F08%2F17%2Fa0100&amp;cHash=98c0c0f7d6\">meint<\/a> Jan Scheper \u00fcber Thomas Steinfelds unter Pseudonym zusammen mit einem M\u00fcnchner Arzt ver\u00f6ffentlichten Krimi <em>Der Sturm<\/em>:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eigentlich w\u00e4re es Zeit f\u00fcr eine ernsthafte literaturwissenschaftliche Debatte dar\u00fcber, was Literatur darf und was eher nicht. Wo liegen die vertretbaren Grenzen der Fiktion? Diese Chance vergab die Szene schon bei Christian Krachts Roman &#8218;Imperium&#8216;.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Selbstreferentialit\u00e4t<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Beschreibungen dieses Feuilletons sind Selbstbeschreibungen, denn jede Beschreibung\u00a0dieses Feuilletons findet nur noch in\u00a0diesem Feuilleton statt. Die Beschreibung vollzieht damit das Beschriebene mit \u2013 und ger\u00e4t in eine merkw\u00fcrdige Paradoxie. Das gilt auch f\u00fcr solche Rezensionen. Diese finden in der Gesellschaft statt, vollziehen damit Gesellschaft mit und tun letztlich auch nichts anderes als andere Beschreibungen: Sie ordnen die Mannigfaltigkeit der Erfahrungen und Ph\u00e4nomene und versorgen uns mit Mustern, in denen sich die Leser einrichten sollen. Die Plausibilit\u00e4t solcher Beschreibungen liegt nicht nur im Gegenstand der Beschreibung, sondern h\u00e4ngt von der Anschlussf\u00e4higkeit der Beschreibungen ab. Einfacher gesagt: Beschreibungen befriedigen dann, wenn sie die Erwartungen der Leser best\u00e4tigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Schafft das Feuilleton ab!&#8220; forderte Georg Seesslen in der taz. Rechts so. Dieses <em>b\u00fcrgerliche Feuilleton<\/em> braucht niemand mehr. Daher erfinden wir es gerade bei KUNO neu.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Volk steht auf, der Sturm bricht los. Wer legt noch die H\u00e4nde feig in den Scho\u00df? Pfui \u00fcber dich Buben hinter dem Ofen, Unter den Schranzen und unter den Zofen! Theodor K\u00f6rner Warum sind Kulturseiten so boniert geworden? fragte&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/08\/17\/alter-schwede\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":257,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[2376],"class_list":["post-6927","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-literatur","tag-georg-seesslen-2"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6927","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/257"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6927"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6927\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6927"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6927"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6927"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}