{"id":69140,"date":"2013-08-16T00:01:00","date_gmt":"2013-08-15T22:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=69140"},"modified":"2022-03-02T17:00:40","modified_gmt":"2022-03-02T16:00:40","slug":"bukowski","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/08\/16\/bukowski\/","title":{"rendered":"Born in the USAndernach"},"content":{"rendered":"\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color wp-block-paragraph\" style=\"text-align: right;\"><em>Auf der Basis seiner eigenen Erfahrungen schrieb er in knappem Stil harte, witzige Stories, Romane und Gedichte \u00fcber das Leben in den Randzonen der b\u00fcrgerl. amerikan. Gesellschaft. Schockwirkung durch die Darstellung brutaler Gewalt, obsz\u00f6ner Sexualit\u00e4t und des Schmutzes der Gosse.\u201c<\/em><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color wp-block-paragraph\" style=\"text-align: right;\">Der Literatur-Brockhaus: in acht B\u00e4nden<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"text-align: justify;\">Heinrich Karl Bukowski, das war sein Taufname, als er am 16. August 1920 in Andernach, 15 Minuten nordwestlich von Koblenz, als Sohn eines US-amerikanischen Besatzungssoldaten geboren wurde. Aus Heinrich Karl wurde Charles, Charles Bukowski, Dichter und Schriftsteller, der Mann mit der Ledertasche, der schlechte Verlierer und derjenige, der detailliert bestimmte M\u00e4nnerfantasien beschrieb: ungehemmter Junggeselle, schlampig, unsozial und frei \u2013 ob in Gedichten, Kurzgeschichten oder Romanen. Er ist ein erfolgreicher Vertreter des Undergroundstils und drastischer Beobachter st\u00e4dtischer Unterschichten und gesellschaftlicher Au\u00dfenseiter. Er befindet sich zeitlich und geografisch irgendwo zwischen Beat Generation und Gonzo-Journalismus, ist diesen Stilen aber nicht zuzurechnen. KUNO sieht ihn in der Tradition des <em><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/01\/trash-eine-einfuehrung\/\">Trash<\/a><\/em>. Dem Begriff <em>Trash<\/em> haftet der Hauch der Verruchtheit und des Nonkonformismus an. In Musik, Kunst oder Film gilt Trash als Bewegung, die im Klandestinen stattfindet und an der nur ein exklusiver Kreis nonkonformistischer Aussenseiter partizipiert. Dieser angeschmutzte Realismus entzieht sich der Rezeption in einer \u00f6ffentlichen Institution.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color wp-block-paragraph\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Bukowski war vielmehr ein eigenwilliges Unikum, das sich weder einordnen noch kategorisieren l\u00e4\u00dft.<\/em><\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"text-align: justify;\">Mit seinem \u201eCredo der absoluten, literarisch unverstellten Wahrhaftigkeit von Empfinden und Darstellung\u201c muss man ihn als modernen, ironischen Naturalisten sehen. Damit ist Antiheld Henry Chinaski der \u201ekompromi\u00dflos unangepasste, pessimistische\u201c Protagonist schlechthin. Das Leben seiner Romanfiguren wird von Alkohol, Sex, Brutalit\u00e4t, Vergeblichkeit, Elend und Melancholie gepr\u00e4gt. Sie sind Protokolle der allt\u00e4glichen H\u00f6lle, sehr realistisch, sehr brutal \u2013 und sehr komisch. Bukowskis Humor vers\u00f6hnt den Leser mit dem wilden und rohen Alltagsleben seiner Helden, und hinter der Fassade des ewig betrunkenen und monstr\u00f6sen Genies steht der sensible Dichter, eine verletzliche Person.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color wp-block-paragraph\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Outsider of the Year<\/em><\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"text-align: justify;\">1962 brachte die Literaturzeitschrift <em>The Outsider<\/em> eine Sonderausgabe \u00fcber Bukowski und verlieh ihm den Titel \u201eOutsider of the Year&#8220;. Die Verleger der Zeitschrift, Louise und John Webb, brachten 1963 auch Bukowskis ersten gro\u00dfen Gedichtband heraus (<em>It Catches My Heart in Its Hand<\/em>). In der Zeit als Briefsortierer fing Bukowski zudem an, w\u00f6chentliche Kolumnen f\u00fcr die Alternativzeitung <em>Open City<\/em> in Los Angeles zu schreiben. Ein Teil der Kurzgeschichten erschien sp\u00e4ter in Buchform (<em>Notes of a Dirty Old Man<\/em>).<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color wp-block-paragraph\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Schreibweltmeister im Schwergewicht<\/em><\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"text-align: justify;\">Bukowski schreibt in einer harten, direkten Sprache und spart in seinen Geschichten die schmuddeligen Aspekte des menschlichen Lebens keineswegs aus. Insbesondere seine Dialoge sind exzellent beobachtet und auf h\u00f6chstem Niveau geschrieben, vereinzelt auch bis zur Drastik eines Edward Albee oder Arthur Miller. Kritiker nannten ihn auch den \u201eSchreibweltmeister im Schwergewicht\u201c. In seinem erz\u00e4hlenden Werk ist er zugleich meist komisch, erstaunlich absurd (mit Ausnahme einiger Kurzgeschichten), angereichert mit Selbstironie und \u00fcberwiegend positiv. Einen Einblick in seine Kindheit und Jugend gibt der Coming-of-Age-Roman <em>Das Schlimmste kommt noch oder Fast eine Jugend<\/em>. Den Originaltitel <em>Ham on Rye<\/em> w\u00e4hlte Bukowski in Anlehnung an den Titel <em>Catcher in the Rye<\/em> (deutsch unter dem Titel <em>Der F\u00e4nger im Roggen<\/em> erschienen) von J. D. Salinger. In dem Roman <em>Ausgetr\u00e4umt<\/em> (<em>Pulp<\/em>), den er w\u00e4hrend seiner letzten schweren Krebserkrankung beendete, verl\u00e4sst er den Bereich des autobiografischen Schreibens, obwohl er auf der Ebene des personalen Erz\u00e4hlers bleibt. Erz\u00e4hlt wird die Geschichte des Privatdetektivs Nick Belane, der den Tod in der Figur einer sch\u00f6nen Frau findet. Autobiografische Z\u00fcge sind in diesem letzten Roman nur noch in symbolischer Form und stark verfremdet zu finden.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"text-align: justify;\">In Deutschland gelingt Bukowski der Durchbruch Ende der 70er Jahre. Als er 1978 die Bundesrepublik besucht, sorgt dies f\u00fcr ein au\u00dfergew\u00f6hnliches Medienecho; bei seiner Lesung in Hamburg wird er gefeiert wie ein Popstar. Diese Deutschlandreise f\u00fchrt ihn auch nach Andernach, wo er seinen Onkel besucht.<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\" style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"text-align: justify;\">P\u00fcnktlich zum Geburtstag von Charles Bukowski, erscheint eine <em>Hommage<\/em> im Acheron Verlags. Unter den Autoren finden sich in der Szene bekannte Typern: Susann Klossek, Jan Egge Sedelies, Florian G\u00fcnther, Andrea Mohr, Robsie Richter, Ron Hard, Hermann Borgerding, und Hartmuth Malorny. Letzterer schrieb vor zehn Jahren \u00fcber \u201eMomente, die das Leben beherrschen\u201c, den <em>Fanbrief<\/em> <em><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2003\/08\/09\/die-schwarze-ledertasche\/\">Die schwarze Ledertasche<\/a><\/em>. Es ist die Coverversion eines Klassikers, der 1971 erschienen ist.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<div class=\"wp-block-image\" style=\"text-align: justify;\">\r\n<figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-69143 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Bukowski.jpg\" alt=\"\" width=\"258\" height=\"374\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Bukowski.jpg 344w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Bukowski-207x300.jpg 207w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Bukowski-260x377.jpg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Bukowski-160x232.jpg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 258px) 100vw, 258px\" \/>\r\n<p><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu den Gr\u00fcndungsmythen der alten BRD geh\u00f6rt die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/04\/01\/nonkonformistische-literatur\/\">Nonkonformistische Literatur<\/a>, lesen Sie dazu auch ein Portr\u00e4t von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2000\/04\/04\/vauo\/\">V.O. Stomps<\/a>. Kaum jemand hat die L\u00fcckenhaftigkeit des <em>Underground<\/em> so konzequent <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/09\/24\/underground\/\">erz\u00e4hlt<\/a> wie N\u00ed Gudix und ihre <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/08\/23\/kritik-an-der-literarischen-alternative\/\">Kritik an der literarischen Alternative<\/a> ist berechtigt. Ein Portr\u00e4t von N\u00ed Gudix findet sich <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/08\/16\/da-lernst-du-die-menschen-kennen\/\">hier<\/a>. Lesen Sie auch die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2005\/09\/24\/erinnerungen\/\">Erinnerungen an den Bottroper Literaturrocker<\/a> von Werner Streletz und den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/09\/28\/rip-bruno\/\">Nachruf<\/a> von Bruno Runzheimer. Zum 100. Geburtstag von Charles Bukowski, eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/08\/16\/ledertasche-geborgt\/\">Doppelbesprechung<\/a> von Hartmuth Malornys Ruhrgebietsroman <em>Die schwarze Ledertasche<\/em>. 1989 erscheint Helge Schneiders allererste Schallplatte <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26990\"><em>Seine gr\u00f6\u00dften Erfolge<\/em><\/a>. Produziert von Helge Schneider und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/07\/20\/klangkloetzchen\/\">Tom T\u00e4ger<\/a> im Tonstudio\/Ruhr. Lesen Sie auch das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26709\">Portr\u00e4t <\/a>der einzigartigen Proletendiva aus dem Ruhrgebeat auf KUNO. In einem Kollegengespr\u00e4ch mit Barbara Ester dekonstruiert A.J. Weigoni die <em><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1997\/10\/09\/ruhrgebietsromantik\/\">Ruhrgebietsromantik<\/a><\/em>. Mit<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=6071\"> Kersten Flenter<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/06\/23\/killroy-review\/\">Michael Sch\u00f6nauer<\/a> geh\u00f6rte <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/08\/24\/polyphone-ich-erzaehlungen\/\">Tom de Toys<\/a> zum\u00a0Dreigestirn des deutschen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1997\/01\/05\/bewegung\/\">Poetry Slam<\/a>. Einen Nachruf von Theo Breuer auf den Urvater des Social-Beat finden Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/03\/07\/hubsch-revisited\/\">hier<\/a> \u2013 Sowie selbstverst\u00e4ndlich his <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1995\/06\/25\/wie-was-social-beat-ist-und-warum-und-warum-nicht\/\">Masters voice<\/a>. Und Dr. Stahls kaltgenaue <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2002\/06\/26\/social-beat-vs-digitales-dasein\/\">Analyse<\/a>. \u2013 Constanze Schmidt beschreibt den Weg von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26080\">Proust zu Pulp<\/a>. Ebenso eindr\u00fccklich empfohlen sei Heiner Links <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=42272\">Vorwort<\/a> zum Band Trash-Piloten. Die KUNO-Redaktion bat A.J. Weigoni um einen Text mit Bezug auf die Mainzer Minpressenmesse (MMPM) und er kramte eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1993\/05\/31\/treff-der-titanen\/\">Realsatire<\/a> aus dem Jahr 1993 heraus, die er f\u00fcr den Mainzer Verleger Jens Neumann geschrieben hat. Ein w\u00fcrdiger Abschlu\u00df gelingt Boris Kerenski mit <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/03\/30\/wer-war-ist-noch-social-beat\/\">Stimmen aus dem popliterarischen Untergrund<\/a>.<\/p>\r\n<\/figure>\r\n<\/div>\r\n\r\n\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf der Basis seiner eigenen Erfahrungen schrieb er in knappem Stil harte, witzige Stories, Romane und Gedichte \u00fcber das Leben in den Randzonen der b\u00fcrgerl. amerikan. Gesellschaft. 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