{"id":68985,"date":"2008-09-28T00:01:40","date_gmt":"2008-09-27T22:01:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=68985"},"modified":"2022-02-22T20:43:02","modified_gmt":"2022-02-22T19:43:02","slug":"rip-bruno","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/09\/28\/rip-bruno\/","title":{"rendered":"RIP, Bruno!"},"content":{"rendered":"\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Er war der, ohne den ich definitiv nicht da st\u00fcnde, wo ich heute stehe: Bruno Runzheimer. Engster Freund von Biby Wintjes, dem Bottroper Nabel der deutschen Subliteratur. Als Biby im September 1995 starb, f\u00fchrte Bruno das IMPRESSUM noch vier Jahre lang weiter, bis er es 1999 zum letzten Mal herausgab. Viele waren damals entsetzt \u00fcber beleidigt bis entt\u00e4uscht dar\u00fcber, da\u00df das Heft eingestellt wurde \u2013 doch wer Bruno kannte, verstand die Gr\u00fcnde.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich habe in Brunos IMPRESSUM das literarische Laufen in gr\u00f6\u00dferer \u00d6ffentlichkeit gelernt. Da ich nicht der Social-Beat- und Kneipenliteratur-Typ bin, schwappte dieser K\u00e4se Mitte der Neunziger an mir vorbei. Ich hatte das Gef\u00fchl, da\u00df das, was ich zu sagen hatte, in der \u201ezeitgen\u00f6ssischen\u201c Literatur keinen Platz habe \u2013 bis ich f\u00fcr Brunos IMP zu arbeiten begann. Auftragsarbeiten wie Rezensionen und Autorenportraits schrieb ich da, nicht \u00fcber die \u201emodernen\u201c Krawalldichter, sondern \u00fcber Oscar Wilde, Simone de Beauvoir, Arthur Rimbaud. Und \u00fcber Bruno bekam ich Kontakt zu anderen Gleichgesinnten, die auch tiefer zu sch\u00fcrfen pflegen \u2013 teilweise sind aus diesen Kontakten Freundschaften bis heute entstanden.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Bruno war ehrlich und kritisch, aber nie taktlos, im Gegensatz zu mir. Oft tickten wir gleich, was Literaturzeitschriften anging, doch w\u00e4hrend ich mich dann bei den Rezensionen nicht beherrschen konnte und den Mist, den ich las, auch so nannte, blieb Bruno diplomatisch und sagte, die seien mit ihrem K\u00e4se doch schon genug gestraft, da reiche es, sie im IMP gar nicht erst zu erw\u00e4hnen statt zu verrei\u00dfen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Von 2000, dem Ende des IMPRESSUM, bis etwa 2005 blieben wir in regelm\u00e4\u00dfigem Briefkontakt. Dann verstummte er r\u00e4tselhafterweise. An Weihnachten und Ostern bekam ich manchmal noch ein Buch geschickt, daf\u00fcr schickte ich ihm Kekse. Mit gr\u00fcner Tinte waren seine Briefe stets unterschrieben, und der letzte Satz lautete immer \u201ebleib mir gewogen\u201c.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich blieb ihm gewogen. Immer. Ich h\u00e4tte in letzter Zeit gerne wieder seine tiefe, liebe Stimme geh\u00f6rt oder seine gr\u00fcne Schrift gelesen und erfahren, was er von meinen Projekten h\u00e4lt und was er f\u00fcr Projekte plant. Nun erfuhr ich, als ich ihm einen Pr\u00e4-Advents-Gru\u00df schicken wollte, da\u00df er gestorben war.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Er war fast exakt gleich alt wie Biby, und er ist fast auf den Tag genau 13 Jahre nach Biby von uns gegangen. Ich bleibe dir gewogen, Bruno. Auch und gerade jetzt. RIP!<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-99634\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/ni-gudix.jpg\" alt=\"\" width=\"239\" height=\"179\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/ni-gudix.jpg 239w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/ni-gudix-160x120.jpg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 239px) 100vw, 239px\" \/>Weiterf\u00fchrend \u2192 <\/strong><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu den Gr\u00fcndungsmythen der alten BRD geh\u00f6rt die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/04\/01\/nonkonformistische-literatur\/\">Nonkonformistische Literatur<\/a>, lesen Sie dazu auch ein Portr\u00e4t von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2000\/04\/04\/vauo\/\">V.O. Stomps<\/a>, dem Klassiker des Andersseins. Kaum jemand hat die L\u00fcckenhaftigkeit des <em>Underground<\/em> so konzequent <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/09\/24\/underground\/\">erz\u00e4hlt<\/a> wie N\u00ed Gudix und ihre <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/08\/23\/kritik-an-der-literarischen-alternative\/\">Kritik an der literarischen Alternative<\/a> ist berechtigt. Ein Portr\u00e4t von N\u00ed Gudix findet sich <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/08\/16\/da-lernst-du-die-menschen-kennen\/\">hier<\/a> (und als Leseprobe ihren <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2006\/12\/30\/hausaffentango\/\">Hausaffentango<\/a>). Lesen Sie auch die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2005\/09\/24\/erinnerungen\/\">Erinnerungen an den Bottroper Literaturrocker<\/a> von Werner Streletz und den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/09\/28\/rip-bruno\/\">Nachruf<\/a> von Bruno Runzheimer. Zum 100. Geburtstag von Charles Bukowski, eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/08\/16\/ledertasche-geborgt\/\">Doppelbesprechung<\/a> von Hartmuth Malornys Ruhrgebietsroman <em>Die schwarze Ledertasche<\/em>. 1989 erscheint Helge Schneiders allererste Schallplatte <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26990\"><em>Seine gr\u00f6\u00dften Erfolge<\/em><\/a>, produziert von Helge Schneider und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/07\/20\/klangkloetzchen\/\">Tom T\u00e4ger<\/a> im Tonstudio\/Ruhr. Lesen Sie auch das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26709\">Portr\u00e4t <\/a>der einzigartigen Proletendiva aus dem Ruhrgebeat auf KUNO. In einem Kollegengespr\u00e4ch mit Barbara Ester dekonstruiert A.J. Weigoni die <em><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1997\/10\/09\/ruhrgebietsromantik\/\">Ruhrgebietsromantik<\/a><\/em>. Mit<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=6071\"> Kersten Flenter<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/06\/23\/killroy-review\/\">Michael Sch\u00f6nauer<\/a> geh\u00f6rte <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/08\/24\/polyphone-ich-erzaehlungen\/\">Tom de Toys<\/a> zum\u00a0Dreigestirn des deutschen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1997\/01\/05\/bewegung\/\">Poetry Slam<\/a>. Einen Nachruf von Theo Breuer auf den Urvater des Social-Beat finden Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/03\/07\/hubsch-revisited\/\">hier<\/a> \u2013 Sowie selbstverst\u00e4ndlich his <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1995\/06\/25\/wie-was-social-beat-ist-und-warum-und-warum-nicht\/\">Masters voice<\/a>. Und Dr. Stahls kaltgenaue <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2002\/06\/26\/social-beat-vs-digitales-dasein\/\">Analyse<\/a>. \u2013 Constanze Schmidt beschreibt den Weg von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26080\">Proust zu Pulp<\/a>. Ebenso eindr\u00fccklich empfohlen sei Heiner Links <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=42272\">Vorwort<\/a> zum Band Trash-Piloten. Inzwischen hat sich Trash andere Kunstformen erobert, dazu die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/01\/trash-eine-einfuehrung\/\">Aufmerksamkeit<\/a> einer geneigten Kulturkritik. In der Reihe <em>Gossenhefte<\/em> zeigt sich, was passiert, wenn sich literarischer Bodensatz und die Reflexionsm\u00f6glichkeiten von popul\u00e4rkulturellen Tugenden nahe genug kommen, der Essay <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=35655\"><em>Perlen des Trash<\/em><\/a> stellt diese Reihe ausf\u00fchrlich vor. Die KUNO-Redaktion bat A.J. Weigoni um einen Text mit Bezug auf die Mainzer Minpressenmesse (MMPM) und er kramte eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1993\/05\/31\/treff-der-titanen\/\">Realsatire<\/a> aus dem Jahr 1993 heraus, die er f\u00fcr den Mainzer Verleger Jens Neumann geschrieben hat. J\u00fcrgen Kipp \u00fcber die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/06\/01\/geschichte-und-aufgaben-des-mainzer-minipressen-archives-mmpa\/\">Aufgaben des Mainzer Minipressen-Archives<\/a>. Ein w\u00fcrdiger Abschlu\u00df gelingt Boris Kerenski mit <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/03\/30\/wer-war-ist-noch-social-beat\/\">Stimmen aus dem popliterarischen Untergrund<\/a><strong>.<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Er war der, ohne den ich definitiv nicht da st\u00fcnde, wo ich heute stehe: Bruno Runzheimer. Engster Freund von Biby Wintjes, dem Bottroper Nabel der deutschen Subliteratur. 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