{"id":68979,"date":"2008-09-24T00:01:00","date_gmt":"2008-09-23T22:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=68979"},"modified":"2022-02-22T20:44:46","modified_gmt":"2022-02-22T19:44:46","slug":"underground","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/09\/24\/underground\/","title":{"rendered":"Underground!"},"content":{"rendered":"\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Literarische Subkultur in Deutschland von 1968 bis 1998 und das \u201eInformationszentrum\u201c des Josef Wintjes in Bottrop<\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">In Deutschland gibt es die literarische Alternativkultur oder \u201eAlternativpresse\u201c seit 1968. Ab diesem Zeitpunkt wird der Begriff zu einer spezifischen Bezeichnung f\u00fcr jene programmatische linke literarische Weltanschauung und Position, die die Alternativbewegung auszeichnet. Jedoch Subkultur oder Underground im Sinne von Unterkultur, also einer Kultur abseits der Monokultur mit der Absicht, diese zu untertunneln, gab und gibt es in jeder Zeit, der Begriff hat also auch eine allgemeinere Bedeutung.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Die Alternativliteratur bis 1968 und ihre Wurzeln<\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Pionier der Alternativpresse, wie sie in Deutschland ab den 60er Jahren einen regelrechten Boom erlebte, war Victor Otto Stomps (1897 &#8211; 1970), der 1926 ganz im Banne des Expressionismus die Rabenpresse gr\u00fcndete, einen Kleinverlag im sp\u00e4teren Stil, in dem bis Ende des Jahres die Literaturzeitschrift \u201eFischzug\u201c erschien, in der u.a. Gottfried Benn und Bertolt Brecht ver\u00f6ffentlichten, sowie von 1932-37 die Zeitschrift \u201eDer Wei\u00dfe Rabe\u201c. Die Rabenpresse zeichnete sich vor allem dadurch aus, dass sie anders war als andere Verlage. Stomps verlegte junge, unbekannte Autoren, die ihm interessant erschienen, und zwar mehr aus Spa\u00df denn aus Profitgier; die B\u00fccher wurden von Hand gedruckt, gesetzt und gebunden, mit experimentellem und individuellem \u00c4u\u00dferen, erschienen in Kleinstauflagen von etwa 200 Exemplaren, und bis zu ihrer von der NSDAP verordneten Schlie\u00dfung 1937 waren in der Rabenpresse 112 B\u00fccher gedruckt worden. Thomas Daum zitiert eine Bemerkung von Harry Pross, in der es hei\u00dft, Stomps habe \u201eals Verleger getan, was Polgar, Tucholsky, K\u00e4stner als Feuilletonisten leisteten: er reduzierte die gro\u00dfen Zeiten vermittels der kleinen Form.\u201c Die Verbindung mit K\u00e4stner und Tucholsky als den gro\u00dfen Satirikern der Weimarer Republik zeigt auch einen weiteren Aspekt zur allgemeinen Definition des Begriffes \u201eSubkultur\u201c auf, denn auch die Satire definiert sich ja bekanntlich durch ihr Ziel, die Monokultur zu untertunneln, sich mit ihr auseinanderzusetzen und ihre Beh\u00e4bigkeit und Schwerf\u00e4lligkeit durch kleine spitze Attacken blo\u00dfzulegen. Nach dem Krieg gr\u00fcndete Stomps 1949 die Eremitenpresse, die laut Mitgr\u00fcnder Helmut Knaupp 1951 fast so bekannt war wie Rowohlt oder Suhrkamp.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Die Stimmung dieser Zeit, der \u201eStunde Null\u201c, ist mit der von 1968 zu vergleichen<\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-vivid-red-color\" style=\"text-align: right;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1989\/01\/01\/stunde_null\/\"><span style=\"color: #ff0000;\">(oder mit der \u201eStunde Null\u201c von 1989, die Red.)<\/span> <\/a><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Wodurch sich die Eremitenpresse von Stomps haupts\u00e4chlich von den linken Kleinverlagen der sp\u00e4ten 60er Jahre unterschied, war die Tatsache, dass Stomps die Autoren, die er \u201eentdeckte\u201c (diesen Ausdruck lehnte er selbst zeitlebens ab), nie an seinen Verlag binden wollte. Er verlegte sie aus Spa\u00df an der Freude, aus Lust am Buch: Stomps definierte die Eremitenpresse nicht als alternative Weltanschauung, sondern als Sprungbrett, von der seine Autoren zu den gr\u00f6\u00dferen Verlagen weiterspringen konnten und sollten, wenn sich dort ein lukrativeres Angebot bot, was f\u00fcr Stomps auch keinen \u201eVerrat\u201c darstellte wie f\u00fcr die sp\u00e4teren linken Kleinverlage. Er hatte nicht unbedingt die Absicht, das bestehende Literaturestablishment zu unterh\u00f6hlen oder auszubooten \u2013 er lebte auch nicht durch seinen Verlag, sondern durch feste Bez\u00fcge der \u201eB\u00fcchergilde Gutenberg\u201c, f\u00fcr die er die Kataloge gestaltete \u2013 er wollte nur \u201esein Ding\u201c machen, B\u00fccher drucken, die ihm gefielen, ohne sich von den unerbittlichen Gesetzen des Marktes fremdbestimmen zu lassen. Sein Beispiel regte dennoch viele Einmannverlage an, und Kleinverlage und kleinere Zeitschriften schossen seit den f\u00fcnfziger Jahren aus dem Boden, vermehrten sich sukzessive und f\u00f6rderten junge Autoren, bohemische Au\u00dfenseite. Anders als f\u00fcr die Gro\u00dfverlage gab es aber f\u00fcr diese Vielzahl von Kleinverlagen noch kaum eine \u00d6ffentlichkeit, und so kam Stomps 1958 auf die Idee einer Kleinbuchmesse, was 1963 zur \u201eErsten Literarischen Pfingstmesse\u201c in Frankfurt am Main f\u00fchrte. 1964 fand die zweite und 1968 die dritte literarische \u201eGegenbuchmesse\u201c statt, doch bevor ich nun auf die sich in gerader Linie anschlie\u00dfende <em><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/06\/01\/geschichte-und-aufgaben-des-mainzer-minipressen-archives-mmpa\/\">Mainzer Minipressen-Messe<\/a><\/em> sowie auf die Institution des \u201eLiterarischen Infozentrums\u201c in Bottrop zu sprechen komme, muss ich noch auf eine Str\u00f6mung aus \u00dcbersee n\u00e4her eingehen, die wesentlich zur Entstehung und Ausbreitung der \u201eSzene\u201c in Deutschland beitrug: die Popkultur und die amerikanische Beat Generation.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend Deutschland direkt nach dem Krieg noch mit Wiederaufbau von Existenzgrundlagen besch\u00e4ftigt war (und sich obendrein im Besatzungszustand befand), gab es in den USA nicht viel aufzubauen. Im Gegenteil: durch das Atomwaffenmonopol spielte Amerika seine \u00dcber- und Vormachtstellung in der Welt weiterhin aus; der Korea-Krieg (1950-53) und der Kalte Krieg mit der UdSSR bis zur Kubakrise 1962 pr\u00e4gten die Atmosph\u00e4re bis zum Vietnamkrieg. Je \u00fcberm\u00e4chtiger und gewaltiger ein Staat in seinem Ganzen nach au\u00dfen ist, desto mehr N\u00e4hrboden besteht f\u00fcr innere Proteste und Unzufriedenheit. So war die Generation, die ihre Teenagerjahre w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs verlebt hatte und nun, im Amerika der vierziger Jahre, im Angesicht der Atombombe sich um ihre Zukunft betrogen sah, die erste Nachkriegsprotestgeneration: die Beat Generation.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: center;\"><em>I&#8217;d say get it while you can, yeah<br \/>Honey, get it while you can, yeah<br \/>Hey hey, get it while you can<br \/>Don&#8217;t you turn your back on love, no, no<\/em><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die \u201eBeatniks\u201c lebten nach der \u201eget it while you can\u201c-Maxime: solange man noch lebt, soll man gl\u00fccklich sein \u2013 wenn morgen alles vorbei ist, dann will ich wenigstens mein Leben genossen haben! \u2013 Die Folgen dieser Lebenseinstellung waren eine hemmungslose Lebensgier, man genoss sein Leben in vollen Z\u00fcgen, experimentierte mit Drogen, reiste quer durchs Land, um in Ekstase und Rausch die absolute \u201ebeatitude\u201c, Gl\u00fcckseligkeit, zu finden und sich dabei von nichts und niemandem aufhalten zu lassen. Helen Bauerfeinds Frage, ob die Beats politisch oder apolitisch waren, ist insofern \u00fcberfl\u00fcssig, als die Beatniks eben dadurch, dass sie sich betont und ausdr\u00fccklich apolitisch gaben, hochpolitisch waren: sie lehnten die Errungenschaften des Wohlstandes, die ihnen der Staat bieten konnte und in denen ihre Eltern lebten, kategorisch ab, sie schufen sich ihren pers\u00f6nlichen \u201eAmerican Dream\u201c, realisierten ihre subjektive Selbstverwirklichung. Sie lebten in ihrer \u201eSzene\u201c, hatten ihre eigene Sprache und ihre eigene Lebensweise und hatten auch nicht vor, den Rest der Gesellschaft nach ihren Ma\u00dfst\u00e4ben zu \u00e4ndern \u2013 dies ist der Punkt, in dem sich die Beats deutlich von den Yippies der End-60er und den 68er Revolution\u00e4ren in Europa unterschieden.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>I saw the best minds of my generation destroyed by madness, starving hysterical naked <\/em><\/span><\/p>\r\n<p><span style=\"color: #999999;\">\r\n\r\n<\/span><\/p>\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Allen Ginsberg<\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Literarisch manifestiert sich die Beat Generation vor allem in ihren Hauptprotagonisten Jack Kerouac (1922-69), Allen Ginsberg (1926-97), Neal Cassady (1925-68) und William Seward Burroughs (1914-97), die in ihren Werken das Lebensgef\u00fchl der amerikanischen Jugend der 50er Jahre ausdr\u00fccken und die literarische Tradition revolutionieren. Von besonderer Bedeutung sind hierbei der 1947 erlebte, 1951 geschriebene, aber erst 1957 ver\u00f6ffentlichte Roman \u201eOn the Road\u201c von Kerouac, das ekstatische Gedicht \u201eHowl\u201c von Ginsberg (1956) sowie die beiden Drogenromane \u201eNaked Lunch\u201c (1959) und \u201eJunky\u201c (1953) von William S. Burroughs. Allen diesen B\u00fcchern gemeinsam ist eine von jeglichen literarischen Fesseln losgel\u00f6ste Sprache, die versucht, die Wirklichkeit genauso, wie sie empfunden wird, schriftlich wiederzugeben, ohne sie dabei zu schm\u00e4lern oder zu verf\u00e4lschen. William S. Burroughs \u0301 Technik, die er zusammen mit Brion Gysin vervollkommnete und die, \u00e4hnlich wie der innere Monolog, als \u201eneue\u201c und revolution\u00e4re Methode gefeiert wurde und in den 60er Jahren zahlreiche Nachahmer fand (einer der bekanntesten in Deutschland war z.B. J\u00f6rg Fauser), war die sogenannte \u201eCut up\u201c-Methode. Dabei wurden Texte willk\u00fcrlich zerschnitten und genauso willk\u00fcrlich wieder zusammengeklebt; das Textfragment, das dabei herauskam, wurde durch den assoziative Verkn\u00fcpfungen des Rezipienten zu einem ganz subjektiv gef\u00e4rbten Textganzen verarbeitet. Allen Ginsberg perfektionierte in seinen Gedichten den \u201efree verse\u201c und die \u201elong line\u201c, wobei eine Zeile f\u00fcr ihn eine Atem-, keine Sinneinheit darstellte. Dies f\u00fchrte zu einer unglaublich berauschenden und inspirierenden Lyrik, wobei auch Ginsberg stark auf die Kraft der Assoziationen setzte. Die Faszination am Beat und das, was im Zug der Popkultur nach Europa \u00fcberschwappen sollte, war also das Freie, Ungez\u00fcgelte, Wilde, Ekstatische, \u00dcbersch\u00e4umende, was in der Hippie- und Flower Power-Bewegung der sp\u00e4teren Jahre seine Fortsetzung fand. Im Film war es haupts\u00e4chlich James Dean, der mit seiner rebellischen Ausstrahlung einen neuen Heldentyp verk\u00f6rperte und in Europa zahlreiche Nachahmer und Bewunderer fand. Im musikalischen Bereich \u00fcbernahmen die Beatles den Funken des amerikanischen Rock&#8217;n&#8217;Roll, und mit ihnen breitete sich f\u00e4cher\u00fcbergreifend die Popkultur in Europa aus, und Deutschland, in seinem Zustand als wiederaufgebautes Wirtschaftswunderland mit neu erstarkendem Selbstbewusstsein, sog die neuen Reize aus \u00dcbersee, ihre \u201eLebenslust ohne Gewissensbisse\u201c und ihre \u201eunbek\u00fcmmerte Sinnlichkeit\u201c gierig in sich auf. Es begann sich nun eine bunte und von rebellischem Optimismus strotzende junge Kultur zu bilden, die sich auch auf die Literaturszene auswirkte.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Die literarische Situation 1968 und das \u201eLiterarische Infozentrum\u201c des Josef Wintjes in Bottrop<\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie bereits erw\u00e4hnt, verquickten sich 1968 zwei Hauptstr\u00e4nge zu einer hochexplosiven revolution\u00e4ren Mischung: erstens die apolitische Kulturstr\u00f6mung aus \u00dcbersee mit Rock&#8217;n&#8217;Roll, Minirock, langen Haaren, Provokation, Rebellion, Beat und Freiheit; zweitens die Entwicklung der politischen Linken in Deutschland, die Studentenrevolte, die sich ab Beginn der Gro\u00dfen Koalition 1966 zuspitzte und nach dem Mord an Benno Ohnesorg am 2. Juni 1967 radikalisierte. Die Kulturrevolution fungierte dabei quasi als Antrieb, als Hintergrundmusik, als Best\u00e4tigung und Bekr\u00e4ftigung f\u00fcr die politische, als \u201eSamen\u201c, der inneren Halt und Selbstbewusstsein gibt, indem er den Sinn des Lebens neu definiert und der dann in der politischen T\u00e4tigkeit, also im Blick nach au\u00dfen, zur Reifung kommt.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">In den 60er Jahren waren diese beiden Str\u00f6mungen noch unentwirrbar miteinander verbunden und verkn\u00fcpft, w\u00e4hrend sich dann ab Mitte der 70er Jahre langsam ihre Unterschiedlichkeit bemerkbar machte und sich die verschiedenen Richtungen selbst\u00e4ndig machten, was allgemein zur Desillusionierung der Linken und insbesondere auch zur Krise der Alternativkultur f\u00fchrte. Hadayatullah H\u00fcbsch, einer der wichtigsten Autoren, die in der alternativen Szene der 60er Jahre ihr Organ fanden, und einer der wenigen, die dieser Szene und der damit verkn\u00fcpften Lebenseinstellung bis heute unersch\u00fctterlich treu blieben, beschreibt hier einen wesentlichen Aspekt der 68er: das \u201eUnbehagen an der Kultur\u201c, der Konflikt zwischen der 68er Generation, und \u201eder Gesellschaft\u201c, den Spie\u00dfern der Elterngeneration \u2013 diese Trennlinie wurde schon von den Beats gezogen und penibel eingehalten, und sie ist auch die wichtigste Basis f\u00fcr die Entstehung der Alternativbewegung. Dabei war der Generationenkonflikt in Deutschland nicht nur ein blo\u00dfes Aufbegehren der J\u00fcngeren gegen die \u00c4lteren, sondern er war um einiges brisanter und politischer, da die Elterngeneration ja noch \u201ehitlergesch\u00e4digt\u201c war. Das Tabuthema Drittes Reich sollte enttabuisiert, der Mantel des Wohlstandes, unter dem die Vergangenheit sorgf\u00e4ltig verborgen wurde, sollte gel\u00fcftet werden \u2013 der Slogan der Studentenrevolte \u201eUnter den Talaren der Muff von 1000 Jahren!\u201c hat daher auch eine Bedeutung \u00fcber die Universit\u00e4tsproblematik hinaus. Die politische Linke in Deutschland lehnte nicht das Vergangene und die Denkweise ihrer Eltern einfach ab wie die Beatniks, sondern sie setzten sich kritisch damit auseinander und deckten dabei so manche Schwachstelle auf, und der so entbl\u00f6\u00dfte Staat reagierte empfindlich getroffen und schlug zur\u00fcck. Man kann sagen, dass Deutschland in dieser Beziehung noch weit weniger Erfahrung hatte wie beispielsweise Amerika. Die \u00dcberreaktionen des Staates bei Studentendemonstrationen 1967\/68, die propagandistische Hetze der Springer-Presse gegen die \u201eKrawallmacher\u201c und \u201eRandalierer\u201c und die geradezu l\u00e4cherlich anmutende Hysterie bei dem von der Kommune I am 5. April 1967 geplanten \u201ePuddingattentat\u201c auf den US-Vizepr\u00e4sidenten Humphrey \u2013 das alles wies mit den Vorgehensweisen aus dem 3. Reich durchaus gewisse \u00c4hnlichkeiten auf und entlarvte den modernen Staat als schwerf\u00e4llige, cholerische Maschinerie, reizte damit nur noch mehr zu weiterer Provokation. Nach Aufl\u00f6sung des Kyklos Klub (1965), der zusammen mit V. O. Stomps die \u201eLiterarischen Pfingstmessen\u201c 1963 und 1964 organisiert hatte, veranstaltete Horst Bingel 1968 die \u201eLiterarische Messe\u201c in Frankfurt. Bingel gab den Stab an Norbert Kubatzki weiter, und dieser hob 1970 die erste <em><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/06\/01\/geschichte-und-aufgaben-des-mainzer-minipressen-archives-mmpa\/\">Mainzer Minipressen-Messe<\/a><\/em> aus der Taufe, eine Veranstaltung, die seit 1979 regelm\u00e4\u00dfig alle zwei Jahre stattfand und die sich zu einem entscheidenden Forum f\u00fcr Kleinverleger entwickelte. Ein Beispiel ist der Maro Verlag, der sozusagen im Anschluss an die erste Mini-Pressenmesse und aus direkter Anregung heraus von Benno K\u00e4smayr in Augsburg gegr\u00fcndet wurde und der sich im Laufe der Jahre mit seinem mit Beat und vor allem Bukowski gef\u00fcllten Programm zu einem der \u201eumtriebigsten Verlags-Davids der Republik\u201c entwickelte. Die seit den 50er Jahren und verst\u00e4rkt in den 60er Jahren mit Eintreffen der Reize der Beatkultur entstandenen Einmannverlage und avantgardistischen und experimentellen Zeitschriften und Produktionen hatten mit der Mainzer Minipresse nun zwar ein Ausstellungsforum, doch ansonsten gab es wenig Kontakte, da die \u201ealternative \u00d6ffentlichkeit\u201c sich haupts\u00e4chlich immer noch auf die lokale-regionale Bekanntheit beschr\u00e4nkte. Dem half ab 1969\/70 jene Institution ab, die ich im Folgenden ins Zentrum meiner Untersuchung \u00fcber die subkulturelle Entwicklung stellen werde: dass \u201eNonkonformistische Literarische Informationszentrum\u201c (sp\u00e4ter nur noch \u201eLiterarisches Infozentrum\u201c) des Josef \u201e<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1995\/09\/24\/bye-bye-biby\/\">Biby<\/a>\u201c Wintjes in Bottrop.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>B\u00fcchermachen macht viel zu viel Spa\u00df, als dass man es den Bertelsm\u00e4nnern \u00fcberlassen sollte.<\/em><\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Josef Wintjes (1947- 1995) arbeitete 1969 als Abteilungsleiter f\u00fcr Krupp in Essen, bevor er zum \u201eSchriftf\u00fchrer der Gegenkultur\u201c werden sollte. Bei seinem \u201eLiterarischen Infozentrum\u201c handelte es sich um eine Versandbuchhandlung, bei der alternative B\u00fccher und Zeitschriften erh\u00e4ltlich waren (1972 bereits an die 140 Titel) und die man nach dem Prinzip \u201eVertrauen gegen Vertrauen\u201c bestellen konnte (Motto: Wir liefern jedes Buch an jeden Ort!!! \u2013 au\u00dfer Taschenb\u00fccher von dtv). Das anfangs monatlich, sp\u00e4ter zweimonatlich und zum Schluss nur noch quartalweise erscheinende \u201eUlcus Molle Info\u201c fungierte dabei als Sprachrohr und Drehscheibe f\u00fcr alternative Literatur und politische Pamphlete, als Nachrichtenb\u00f6rse, als Vermittler zwischen Leser und \u201eSzene\u201c, es enthielt Kleinanzeigen, Diskussionsforen und einen umfangreichen Rezensionsteil sowie Bestellkataloge f\u00fcr die im Zentrum erh\u00e4ltlichen B\u00fccher und Zeitschriften. Wintjes warf mit seiner Arbeit den w\u00e4rmenden Mantel eines Gemeinschaftsgef\u00fchls \u00fcber die auseinanderstrebenden, gelegentlich obskuren Lebensentw\u00fcrfe, und das <em><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1990\/11\/11\/das-analoge-internet-wird-eingestellt\/\">Ulcus Molle Info<\/a><\/em> wurde zum Zentralorgan der Vielstimmigkeit.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Die 70er Jahre<\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">In den 70er Jahren, zumindest in der ersten H\u00e4lfte, war in Sachen Alternativbewegung ein regelrechter Boom zu beobachten. Das \u201eUlcus Molle Info\u201c, anfangs nur ein paar hektographierte Bl\u00e4tter, erschien ab 1972 als gedruckte DIN A 5-Zeitschrift mit Pappeinband, deren Umfang und Auflage von Jahr zu Jahr kontinuierlich stieg (nach Quellen Daums waren im Juli 1974 von 1200 Exemplaren 880 Abonnements, im Januar 1977 waren es 1080 Abonnements bei einer Auflage von 1500 St\u00fcck, und im November desselben Jahres gar 1382 Abonnements von insgesamt 2000 Exemplaren; sp\u00e4ter stieg die Abonnentenzahl noch auf 1650). 1974 konnte Wintjes es sich leisten, seinen Brotberuf als Computerfachmann bei Krupp in Essen aufzugeben, um von nun an nur noch f\u00fcr das Infozentrum da zu sein. Doch Zahlen t\u00e4uschen zeitweise \u00fcber den tats\u00e4chlichen Sachverhalt hinweg. Bereits 1970 erkannte Wintjes den wahren Zustand der Szene und prophezeite die k\u00fcnftige Krise. Langsam wurde nun offenbar, dass die Alternative eben keine Einheitsfront war, sondern ein \u201eMengegelage\u201c aus vielen verschiedenen Str\u00f6mungen, und nachdem sich die erste Begeisterungswelle des Zusammengeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchls der Szene und der neuen Freiheit gelegt hatte, trat nun ein \u201eVakuum\u201c ein, ein \u201esekundenschlaf, ein atem-, ein neues ausholen\u201c (HEL), man suchte seine eigene Sprache Hans Magnus Enzensberger hatte 1968 als Datum f\u00fcr das \u201eEnde der Literatur\u201c festgesetzt, was insofern stimmt, als sich die Literatur ab &#8217;68 intellektualisierte und politisierte, sich gegen das nach mehr oder minder oberfl\u00e4chlicher Reizbefriedigung strebende Konsumentenbewusstsein des Wirtschaftswunder-Nachkriegsdeutschlands richtete, also aktive Ver\u00e4nderung bezweckte.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Genosse Trend<\/em><\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">In den 70er Jahren ging der Trend daher weniger zum Dichten als vielmehr zum Schaffen; kein Reden (kein Schreiben) war erw\u00fcnscht, sondern Taten; was &#8217;68 als \u201elinke Theorie\u201c durchdiskutiert worden war, sollte nun in die \u201ePraxis\u201c umgesetzt werden, und linke Schriftsteller hatten sich auf die Realit\u00e4t zu beziehen, um mit ihren Schriften ver\u00e4ndernd darauf einwirken zu k\u00f6nnen. Dementsprechend ging es im \u201eUlcus Molle Info\u201c in den 70er Jahren haupts\u00e4chlich um die Realit\u00e4t und die \u201ePraxis\u201c, wie auch Thomas Daum ausf\u00fchrlich dokumentiert. Der \u00f6konomische Boom von Wintjes&#8216; Szeneblatt in dieser Zeit ist daher auf seine Funktion als Streitforum f\u00fcr s\u00e4mtliche Parteien zur\u00fcckzuf\u00fchren, darauf, dass das \u201eInfo\u201c nicht das Ver\u00f6ffentlichungsorgan einer einzigen spezifischen Richtung der Subkultur war, sondern als Plattform f\u00fcr alle, f\u00fcr die gesamte Underground-Kakophonie diente. Mit dem \u201edeutschen Herbst\u201c 1977 trat eine entscheidende Wende in der Alternativlandschaft ein: die politische wie auch die literarische Linke mussten sich nun scheinbar endg\u00fcltig als Subkultur, als Underground, als dem staatlichen Mainstream untergeordnete zweite Macht geschlagen geben, was allgemein zur Desillusionierung und Resignation der Alternativbewegung f\u00fchrte. Die eine H\u00e4lfte, die radikale Linke (RAF) schien nun tot, w\u00e4hrend sich die andere H\u00e4lfte (Umweltbewegung) institutionalisierte und sich in die b\u00fcrgerlichen Reihen eingliederte. Auch musikalisch trat eine Wandlung ein: Rock&#8217;n&#8217;Roll und Beat waren nun einerseits zu kommerzieller und konsumorientierter Disko-Musik geworden (Bee Gees, ABBA), die Form und die Art und Weise der Darbietung waren zunehmend wichtiger als der Inhalt (David Bowie, Elton John) \u2013 auf der anderen Seite nahm der Punk die Stelle der alles ablehnenden, protestierenden und provozierenden Rebellen ein, doch auch er wurde von den Medien bald kommerzialisiert und zum \u201eTrend\u201c erkl\u00e4rt.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Ich bevorzugte die Free-Jazz-Szene in Wuppertal und die Performer in der D\u00fcsseldorfer Kunstakademie, oder dem Ratinger Hof, unvergessen die Konzerte von Pere Ubu und Wire. Im Lauf dieser Auseinandersetzung fragte ich mich: Warum gibt es eigentlich keinen erweiterten Literaturbegriff?<\/em><\/span><\/p>\r\n<p><span style=\"color: #999999;\">\r\n\r\n<\/span><\/p>\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">A.J. Weigoni (im Nabell-Inerview)<\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">1977 starb Elvis Presley, 1979 Rudi Dutschke und Herbert Marcuse, und 1980 wurde John Lennon erschossen \u2013 diese Zahlen symbolisieren in ihrer Gesamtheit gewisserma\u00dfen den Tod des Geistes der 68er, den Tod dessen, was die Entstehung einer Alternativbewegung damals erm\u00f6glicht hatte. Man gr\u00fcndete nun zwar weiterhin \u201ewie besessen zeitschriften und gegenbuchmessen und legte[n] die platte Radikale Subjektivit\u00e4t wieder auf\u201c (HEL), doch dies war gr\u00f6\u00dftenteils blo\u00dfer Aktionismus, ein weitermachen wie bisher aus Mangel an neuen Ideen. Man w\u00e4hnte sich sicher im tr\u00fcgerischen Boom und der Bewegung, im un\u00fcberschaubaren Meer an Alternativproduktionen, um sich nicht den wahren Zustand vor Augen f\u00fchren zu m\u00fcssen, \u201eum im zerfall des linken projekts den boden unter den f\u00fc\u00dfen nicht zu verlieren\u201c. Der Inhalt, der Optimismus, die revolution\u00e4re Antriebsstimmung der Anfangsjahre waren zu schalen Fl\u00fcssigkeiten geworden, die in den Gef\u00e4\u00dfen der institutionalisierten Alternative tr\u00e4ge herumschwammen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Alternativliteratur, Alternativverlag, das klingt in meinen Ohren wie Reformhaus oder Di\u00e4tbier.<\/em><\/span><\/p>\r\n<p><span style=\"color: #999999;\">\r\n\r\n<\/span><\/p>\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">J\u00f6rg Fauser<\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch die \u201eMainzer Minipressen-Messe\u201c hatte unter dem Nachlassen der Kr\u00e4fte, die zu ihrer Gr\u00fcndung und Etablierung beigetragen hatten, zu leiden. W\u00e4hrend der dritten und vierten Messe 1974 und &#8217;76 waren immer wieder kritische Stimmen laut geworden bez\u00fcglich der Stagnation, der Resignation und dem daraus resultierenden zunehmenden Mangel an Initiative, an neuen Ideen, Impulsen, Verlagsneugr\u00fcndungen und Programmen. Uneinigkeit und Aggression der teilnehmenden Autoren, Wahllosigkeit und Standortbestimmung durch krampfhaftes Abgrenzen voneinander statt Solidarit\u00e4t f\u00fchrten zu einer Krise, die erst 1979 wieder behoben schien, nachdem ein anderes Team unter modernisiertem Vorzeichen die Minipressenmesse \u00fcbernahm.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">In den 80er Jahren macht sich mehr und mehr eine Rezession in Sachen Alternativbewegung bemerkbar. Die vom \u201edeutschen Herbst\u201c resignierte Linke b\u00e4umte sich Anfang der 80er noch einmal auf, als gegen Atomkraftwerke und f\u00fcr globale Abr\u00fcstung demonstriert wurde \u2013 das Engagement und die gro\u00dfe Resonanz, die diese Aktivit\u00e4ten fanden, schienen zuweilen an die gro\u00dfen Demonstrationen der 60er Jahre zu erinnern, das verloren geglaubte gro\u00dfangelegte Eintreten f\u00fcr politische \u00dcberzeugungen schien wiederauferstanden. Doch es handelte sich dabei nur um einen verzweifelten Nachhall; nach den H\u00f6hepunkten der Friedensbewegung 1983 erschlaffte die Alternative zunehmend, und es machte sich eine Stimmung breit, die von Desinteresse an Politik und R\u00fcckzug aufs private Wohlergehen gepr\u00e4gt war, eine Lethargie, die durchaus an den \u201eWohlstandsmuff\u201c der 50er Jahre erinnerte. Das bereits anderswo zitierte \u201enach mehr oder minder oberfl\u00e4chlicher Reizbefriedigung strebende Konsumentenbewusstsein\u201c, mit dem H\u00fcbsch die 50er Jahre beschrieb, kann genauso gut auf das kommerz- und konsumorientierte Karriere-Glamour-Bewusstsein der 80er Jahre angewendet werden. Jedoch ein \u2013 vielleicht der wichtigste \u2013 Unterschied zu den 50er Jahren ist folgender: die Situation der Kleinverlage und der Subkultur hatte sich entschieden ver\u00e4ndert, vor allem dadurch, dass sich die gro\u00dfen Verlagskonzerne nicht mehr als den \u201eMinipressen\u201c entgegengesetzt sahen, sondern sich, Kompromissbereitschaft heischend, mit der Alternativpresse zu solidarisieren versuchten. W\u00e4hrend die Gesellschafts-struktur der Nachkriegs- und Wirtschaftswunderjahre noch homogen schien, homogen im Streben nach Wohlstand und nach \u201eRecht und Ordnung\u201c, bestand die Gesellschaft der 80er Jahre aus einer nahezu un\u00fcberschaubaren Menge unterschiedlicher Str\u00f6mungen, Weltanschauungen, Lebensentw\u00fcrfe und Trends, die alle, institutionalisiert und kommerzialisiert, um Aufmerksamkeit \u2013 d.h. um Geld, um z\u00e4hlbare Erfolge \u2013 buhlten. Dabei spielten die Medien, allen voran das Fernsehen, als Mittler zwischen K\u00fcnstler und Publikum eine immer gr\u00f6\u00dfer werdende Rolle, und bei Globalisierung und Massenkultur verlor der Underground den eigentlichen Sinn seines Daseins. Die Subkultur war keine Subkultur mehr, sondern war im Zuge der Zersplitterung und Auff\u00e4cherung der Linken nach 1977 zum gewinnbringenden Mainstream geworden, angegliedert an die Ziele des \u201eEstablishments\u201c und den Gesetzen ihres Marktes unterworfen. Jeder sich regende Funke wurde gnadenlos und rigoros vermarktet und verkauft; die Phrase \u201eAnything goes\u201c charakterisiert die Wahllosigkeit dieses auf Gewinnstreben abgerichteten Jahrzehnts am besten, dieser Karnevalsdekade, ein Land der unbegrenzten M\u00f6glichkeiten, ein Kontinent beliebiger Beliebigkeit, sie waren, weil alles erlaubt und darum nichts mehr lustig war, ein einziger Rosenmontag und Totensonntag.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">V.O. Stomps hatte damals seine \u201eEremitenpresse\u201c bewusst als Kleinverlag, als \u201eMinipresse\u201c gesehen, die als Sprungbrett dienen sollte, um die zweifellos den Markt beherrschenden Gro\u00dfverlage besser erreichen zu k\u00f6nnen. Die 68er betrachteten ihre Minipressen als Gegenkultur, als Weltanschauung: ihre Kleinverlage sollten eigentlich nicht klein, sondern anders sein, und wer sich von ihnen abwandte, galt demzufolge als \u201eVerr\u00e4ter\u201c, der der Subkultur abtr\u00fcnnig wurde. In den 80er Jahren (schon in den sp\u00e4ten 70ern) hatte sich nun das Vorzeichen ver\u00e4ndert: die Gro\u00dfverlage, das \u201eEstablishment\u201c, das auch seit &#8217;68 nicht unver\u00e4ndert geblieben war, witterten im Underground einen umsatzsteigernden Trend; man wollte nicht statisch und von gestern scheinen, wollte sein Gro\u00dfunternehmen als durchaus auf der H\u00f6he der Zeit pr\u00e4sentieren \u2013 die Konsequenz war daher: viele Klein- wurden von Gro\u00dfverlagen aufgekauft, vermarktet und gesellschaftsf\u00e4hig gemacht, und in vielen St\u00e4dten er\u00f6ffneten \u201eAlternativbuchhandlungen\u201c als zeitgeistad\u00e4quate Filialen. Die Revolution schien also vorbei, indem man den inzwischen gealterten Revolution\u00e4ren einen Platz an der Sonne verschafft hatte. Allgemein ging das Interesse an Alternativliteratur stark zur\u00fcck, und auch die Abonnenten des \u201eUlcus Molle Info\u201c wurden, infolge der ver\u00e4nderten Themenausrichtung, nun immer weniger (1990 waren es nur noch 500). Ab 1983 erschien \u201eUlcus Molle\u201c statt wie bisher alle zwei Monate nur noch quartalweise, und auch der Inhalt wandelte sich entscheidend. Einem Reporter der \u201eNeuen Osnabr\u00fccker Zeitung\u201c gab Wintjes 1994 zu Protokoll:<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Die heutige Literaturszene ist doch weitgehend entpolitisiert, es herrscht eine allgemeine Orientierungslosigkeit. Wir wussten damals auch nicht viel, aber wir wussten wenigstens, wogegen wir waren.<\/em><\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Science Fiction und die neue Kunst der Mail Art gewannen nun zunehmend an literarischer Bedeutung, und Computer, Technik und Privatisierung l\u00f6sten das Solidarit\u00e4tsstreben der 68er ab und entlarvten es als utopistisch und idealistisch. Auch das \u201eLiterarische Info-Zentrum\u201c blieb von dieser Entwicklung nicht verschont, und Wintjes, der entsetzt den R\u00fcckgang sowohl der Abonnentenzahlen als auch der Bestellungen in seiner Versandbuchhandlung zur Kenntnis genommen hatte, entschloss sich 1987 zum Handeln, indem er zusammen mit Bruno Runzheimer die neue Zeitschrift \u201eIMPRESSUM &#8211; Literarischer Pressedienst f\u00fcr Autoren und Verleger\u201c als zweites Standbein auf den Markt warf. Das Ziel von \u201eImpressum\u201c war nun, gem\u00e4\u00df den neuen Bed\u00fcrfnissen, eine verst\u00e4rkte F\u00f6rderung junger und unbekannter Schreibtalente: es gab die sogenannten \u201eGelben Seiten\u201c, auf denen Lyrik und Prosa von Lesern ver\u00f6ffentlicht wurde, Verlags und Autorenportr\u00e4ts sowie viele wichtige Informationen \u00fcber das Gesch\u00e4ft des Publizierens an sich. Das \u201eUlcus Molle Info\u201c, das sich gegen Ende der 80er Jahre mehr und mehr zum \u201eRezensionsfriedhof\u201c gewandelt hatte, stellte 1990 sein Erscheinen ein. Im Vorwort zur letzten Ausgabe schrieb Wintjes:<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDas Ulcus Molle Info ist n\u00e4mlich zu einem Anachronismus geworden, ein Relikt vergangener Zeiten, ein Fossil, weil es heute weder eine eigenst\u00e4ndige Alternativ-Presse mehr gibt, noch in irgendeiner Form von Underground-Literatur die Rede sein kann. Sp\u00e4testens seit Einstellung der sogenannten Gegenbuch-Messen in Frankfurt (Anm. Anfang der 80er Jahre) ist dieser Bereich out. Und der verbliebene Rest an Kleinverlagswesen ist so in sich zusammengeschrumpft und substanzlos und angepa\u00dft, da\u00df sich ein eigenst\u00e4ndiger Vertrieb, der mit dem Ulcus Molle Info verbunden war, nicht mehr rechnet.\u201c<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Die 90er Jahre<\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Bereits Ende der 80er Jahre zeichnete sich, vorangetrieben durch die \u201eWende\u201c und den Fall der Mauer im Herbst 1989, eine Wandlung in der Literaturszene ab. Die \u201eWir sind das Volk!\u201c-Demonstrationen in Leipzig und die dabei zutage tretende Solidarit\u00e4t und Kraft durch innere St\u00e4rke lie\u00dfen wieder das Gef\u00fchl von 1968 durchbrechen, das Gef\u00fchl, den gesellschaftlichen Vorg\u00e4ngern nicht apathisch gegen\u00fcberstehen zu d\u00fcrfen, sondern auf irgendeine Art und Weise auf sie einwirken zu k\u00f6nnen, das Gef\u00fchl, gemeinsam etwas bewegen zu k\u00f6nnen. Davon lie\u00dfen sich neben jungen Leuten auch die zwischenzeitlich satten und dickb\u00e4uchigen 68er anstecken, die nun den Zeitpunkt gekommen sahen, sich wieder auf die alten Werte, Ideale und Idole zur\u00fcckzubesinnen. 1988 gab der Maro-Verlag \u201eBEAT &#8211; die Anthologie\u201c heraus, einen Reprint der Erstausgabe von 1962. Hadayatullah H\u00fcbsch steuerte zur Neuausgabe ein Vorwort bei, indem er in gl\u00fchender Erinnerung die alten Zeiten wieder heraufbeschwor, und schrieb 1991 seine Sixties-Memoiren \u201eKeine Zeit f\u00fcr Trips\u201c. Auch die von H\u00fcbsch gegr\u00fcndete \u201eGruppe 60\/90\u201c hatte die Wiederbelebung des Underground und die Vereinigung zweier Generationen zum Ziel. Auch im technischen Bereich gab es in den 80ern eine Neuerung: Kopierger\u00e4te verdr\u00e4ngten das Offset-Druckverfahren. Dies f\u00fchrte wieder zu einem Boom an Kleinzeitschriften, sogenannten <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1996\/08\/09\/der-otto-versand-der-subkultur\/\">Fanzines<\/a> und \u201eEgozines\u201c, was auch eine Protestreaktion auf die teuren Hochglanzhefte des Kultur-Establishments darstellte.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Vom kulturellen Gesichtspunkt aus hatte die Situation zu Beginn der 90er Jahre viel mit der der sp\u00e4ten 60er gemein: es gab eine junge Schriftstellergeneration, die ihre eigenen Ideen und Lebensentw\u00fcrfe hatte, und es gab einen sterilen Kunstbetrieb, der aufgrund seiner statischen Beh\u00e4bigkeit kein Sprachrohr f\u00fcr die Jugend mehr darstellte (obwohl er sich teilweise krampfhaft bem\u00fchte, ihr entgegenzukommen). Vom politischen und sozialen Gesichtspunkt her hatte sich jedoch inzwischen einiges ver\u00e4ndert:<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Diese generation mu\u00dfte nicht mehr aussteigen, sie fand sich drau\u00dfen, und es war verdammt kalt\u201c <\/em><\/span><\/p>\r\n<p><span style=\"color: #999999;\">\r\n\r\n<\/span><\/p>\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">HEL<\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Probleme wie Zerr\u00fcttung der Familien, Drogen, Jugendkriminalit\u00e4t, Arbeitslosigkeit und Wohnungsknappheit und daraus resultieren-de Politikverdrossenheit hatten sich zu gesellschaftsbildenden Strukturen der 90er Jahre entwickelt, und die Realit\u00e4t, das \u201ewahre Leben\u201c, das Leben auf der Stra\u00dfe, dem sich die neue Literatur nun zuwandte, war von einer Radikalit\u00e4t, wie sie auch die Alt-68er noch nicht kannten. Verglichen mit der damaligen Jugend war die Jugend der 90er Jahre auch von den Medien gepr\u00e4gt, von Fernsehen, Computer und vor allem von Musik, die in ihren vielerlei Stilrichtungen nicht mehr vom Alltagsbild wegzudenken war. Man hatte keine politischen Visionen und keine klardefinierten, theoriegest\u00fctzten Weltbilder mehr, man wollte weder Theorie noch Praxis, sondern \u201eFun\u201c, man k\u00e4mpfte nicht mehr f\u00fcr eine bessere Zukunft, sondern richtete sich mehr oder weniger in der Gegenwart ein. In dieser Atmosph\u00e4re entstand ab 1993 die neue literarische Subkultur: der <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1997\/01\/05\/bewegung\/\">Social Beat<\/a>.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Die Alternative ist immer nur da, wo sie gelebt wird, und nicht mehr da, wo sie nur gefordert oder nur reproduziert wird.<\/em><\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Aussage von Hadayatullah H\u00fcbsch trifft genau die Situation: \u201egefordert\u201c und \u201ereproduziert\u201c wird die Alternative der 90er an den Alt-68er-Fronten, was auch der nostalgische Revival-Boom zeigt, der in jenen Jahren begann und der auf artifizielle Weise an die alten Zeiten erinnert. Doch gelebt wird die Alternative in der neuen Generation, die mit ihrer Lebensweise die Gesellschaft und damit auch die Literatur pr\u00e4gt. In einer Art Einf\u00fchrung zum Thema schreibt Michael Sch\u00f6nauer (alias Yussuf M Perfor Ming) im \u201eImpressum\u201c:<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">\u201eDowntown Deutschland. Literatur und Subkultur \u2013 nur ein Zeitgef\u00fchl am Puls des Geschehens. Neue Literatur \u2013 SOCIAL BEAT \u2013 als Antwort auf soziale und wirtschaftliche Depression? &#8230; Ihre Aktionen verbinden das literarische Aufbegehren einer Generation, die weder den Aufbruch zu neuen Gefilden noch eines Heroes kennt. Wieder einmal belebte eine eigenartige stilistische Entwicklung in Amerika hier die Szene. Splatter-lyrics und punk poems im RAP-Stakkato vorgetragen, unter Huren, S\u00e4ufern &amp; Mestizen, aus den Vorstadt-Slums und Ghettos der amerikanischen St\u00e4dte: SLAM! poetry. &#8230; Und wie in den 70ern der Punk den Rockpop von der B\u00fchne fegte, verschaffte sich hier die unabh\u00e4ngige Literaturszene eine Stimme im etablierten Kunstbetrieb. &#8230; Die Literatur bebt!\u201c<\/span><\/p>\r\n<p><span style=\"color: #999999;\">\r\n\r\n<\/span><\/p>\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">(Impressum 5\/6 &#8217;94, S. 14)<\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eImpressum\u201c fand dank des neuen Ph\u00e4nomens wieder zu seiner alten \u201eUlcus Molle\u201c-Funktion als Streitforum f\u00fcr die vielstimmige Subkultur zur\u00fcck, und ab 1994 wurden dort heftige Diskussionen und Debatten um das Wesen und den Inhalt von Social Beat gef\u00fchrt. Mit dem Tod von Josef Wintjes am 24. September 1995 schien das Projekt zun\u00e4chst zusammenzubrechen, doch ab 1996 wird das \u201eImpressum\u201c, nun unter dem Untertitel \u201ePeriodikum f\u00fcr AutorInnen und VerlegerInnen\u201c von Bruno Runzheimer weitergef\u00fchrt. Zwar fungiert es nun nicht mehr als Vertriebsstelle f\u00fcr Literaturzeitschriften \u2013 Wintjes&#8216; Archiv und auch seine Versandbuchhandlung wurden nach seinem Tode aufgel\u00f6st \u2013 doch ist es nichtsdestotrotz immer noch als Zentrum f\u00fcr Alternativliteratur und zur F\u00f6rderung von unbekannten und hoffenden Jungautoren unverzichtbar, und 1998 erh\u00e4lt es f\u00fcr sein Engagement den \u201eBumerang-Preis &#8217;98 des id-netzwerk f\u00fcr alternative publizistik, h\u00f6rfunk, fernsehen, print (amsterdam, berlin, frankfurt)\u201c.<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<div class=\"wp-block-image\" style=\"text-align: justify;\">\r\n<figure class=\"alignleft size-large is-resized\">\r\n<div id=\"attachment_65501\" style=\"width: 297px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-65501\" class=\"wp-image-65501\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Biby_Wintjes.jpg\" alt=\"\" width=\"287\" height=\"413\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Biby_Wintjes.jpg 383w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Biby_Wintjes-209x300.jpg 209w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Biby_Wintjes-260x374.jpg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Biby_Wintjes-160x230.jpg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 287px) 100vw, 287px\" \/><p id=\"caption-attachment-65501\" class=\"wp-caption-text\">Josef &#8222;Biby Wintjes. Portr\u00e4t: Bruno Runzheimer<\/p><\/div>\r\n<\/figure>\r\n<\/div>\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n<p><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192 <\/strong><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu den Gr\u00fcndungsmythen der alten BRD geh\u00f6rt die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/04\/01\/nonkonformistische-literatur\/\">Nonkonformistische Literatur<\/a>, lesen Sie dazu auch ein Portr\u00e4t von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2000\/04\/04\/vauo\/\">V.O. Stomps<\/a>, dem Klassiker des Andersseins. Kaum jemand hat die L\u00fcckenhaftigkeit des <em>Underground<\/em> so konzequent <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/09\/24\/underground\/\">erz\u00e4hlt<\/a> wie N\u00ed Gudix und ihre <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/08\/23\/kritik-an-der-literarischen-alternative\/\">Kritik an der literarischen Alternative<\/a> ist berechtigt. Ein Portr\u00e4t von N\u00ed Gudix findet sich <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/08\/16\/da-lernst-du-die-menschen-kennen\/\">hier<\/a> (und als Leseprobe ihren <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2006\/12\/30\/hausaffentango\/\">Hausaffentango<\/a>). Lesen Sie auch die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2005\/09\/24\/erinnerungen\/\">Erinnerungen an den Bottroper Literaturrocker<\/a> von Werner Streletz und den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/09\/28\/rip-bruno\/\">Nachruf<\/a> von Bruno Runzheimer. Zum 100. Geburtstag von Charles Bukowski, eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/08\/16\/ledertasche-geborgt\/\">Doppelbesprechung<\/a> von Hartmuth Malornys Ruhrgebietsroman <em>Die schwarze Ledertasche<\/em>. 1989 erscheint Helge Schneiders allererste Schallplatte <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26990\"><em>Seine gr\u00f6\u00dften Erfolge<\/em><\/a>, produziert von Helge Schneider und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/07\/20\/klangkloetzchen\/\">Tom T\u00e4ger<\/a> im Tonstudio\/Ruhr. Lesen Sie auch das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26709\">Portr\u00e4t <\/a>der einzigartigen Proletendiva aus dem Ruhrgebeat auf KUNO. In einem Kollegengespr\u00e4ch mit Barbara Ester dekonstruiert A.J. Weigoni die <em><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1997\/10\/09\/ruhrgebietsromantik\/\">Ruhrgebietsromantik<\/a><\/em>. Mit<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=6071\"> Kersten Flenter<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/06\/23\/killroy-review\/\">Michael Sch\u00f6nauer<\/a> geh\u00f6rte <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/08\/24\/polyphone-ich-erzaehlungen\/\">Tom de Toys<\/a> zum\u00a0Dreigestirn des deutschen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1997\/01\/05\/bewegung\/\">Poetry Slam<\/a>. Einen Nachruf von Theo Breuer auf den Urvater des Social-Beat finden Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/03\/07\/hubsch-revisited\/\">hier<\/a> \u2013 Sowie selbstverst\u00e4ndlich his <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1995\/06\/25\/wie-was-social-beat-ist-und-warum-und-warum-nicht\/\">Masters voice<\/a>. Und Dr. Stahls kaltgenaue <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2002\/06\/26\/social-beat-vs-digitales-dasein\/\">Analyse<\/a>. \u2013 Constanze Schmidt beschreibt den Weg von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26080\">Proust zu Pulp<\/a>. Ebenso eindr\u00fccklich empfohlen sei Heiner Links <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=42272\">Vorwort<\/a> zum Band Trash-Piloten. Inzwischen hat sich Trash andere Kunstformen erobert, dazu die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/01\/trash-eine-einfuehrung\/\">Aufmerksamkeit<\/a> einer geneigten Kulturkritik. In der Reihe <em>Gossenhefte<\/em> zeigt sich, was passiert, wenn sich literarischer Bodensatz und die Reflexionsm\u00f6glichkeiten von popul\u00e4rkulturellen Tugenden nahe genug kommen, der Essay <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=35655\"><em>Perlen des Trash<\/em><\/a> stellt diese Reihe ausf\u00fchrlich vor. Die KUNO-Redaktion bat A.J. Weigoni um einen Text mit Bezug auf die Mainzer Minpressenmesse (MMPM) und er kramte eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1993\/05\/31\/treff-der-titanen\/\">Realsatire<\/a> aus dem Jahr 1993 heraus, die er f\u00fcr den Mainzer Verleger Jens Neumann geschrieben hat. J\u00fcrgen Kipp \u00fcber die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/06\/01\/geschichte-und-aufgaben-des-mainzer-minipressen-archives-mmpa\/\">Aufgaben des Mainzer Minipressen-Archives<\/a>. Ein w\u00fcrdiger Abschlu\u00df gelingt Boris Kerenski mit <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/03\/30\/wer-war-ist-noch-social-beat\/\">Stimmen aus dem popliterarischen Untergrund<\/a><strong>.<\/strong><\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-color has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: justify;\">Ein redaktioneller Nachtrag, Ernst Umbach schreibt in seinem Nachruf auf Josef Wintjes im 1. Nachfolge-\u201eImpressum\u201c:<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eWer h\u00e4tte ihn nicht gekannt im Kreise derjenigen Autoren, die sich nach wie vor Gedanken machten \u00fcber das Leben unserer modernen Gesellschaft, \u00fcber die Tag f\u00fcr Tag sich verengenden pers\u00f6nlichen Freir\u00e4ume, \u00fcber allseitige Zw\u00e4nge, denen jeder Mensch unserer Tage unterworfen ist und das wirkliche Leben, so wie er es sah, in geradezu unertr\u00e4glicher Weise nicht nur beeintr\u00e4chtigte, sondern verunm\u00f6glichte: Der Kampf gegen diese &#8218;Gitter des Alltags&#8216; war und blieb ihm stets die gro\u00dfe und nicht endende Aufgabe seines Lebens! &#8230; Und so nehmen wir Abschied von einem Mann, der als Beispiel daf\u00fcr gelten kann, da\u00df es auch zu unseren Tagen Menschen gibt, die wahrhaft nicht zu ersetzen sind &#8230; als Beweis daf\u00fcr, da\u00df gelebte Menschlichkeit tiefe Spuren hinterl\u00e4\u00dft und letztlich unverge\u00dflich bleibt!\u201c (Impressum-Nachfolge Nr. 1. S. 1)<\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Literarische Subkultur in Deutschland von 1968 bis 1998 und das \u201eInformationszentrum\u201c des Josef Wintjes in Bottrop In Deutschland gibt es die literarische Alternativkultur oder \u201eAlternativpresse\u201c seit 1968. Ab diesem Zeitpunkt wird der Begriff zu einer spezifischen Bezeichnung f\u00fcr jene programmatische&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/09\/24\/underground\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":207,"featured_media":99634,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[2621,2651,249,617,2585,1999,2608,2668,1063],"class_list":["post-68979","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-boris-kerenski","tag-bruno-runzheimer","tag-hadayatullah-hubsch","tag-jorg-fauser","tag-josef-wintjes","tag-michael-schoenauer","tag-ni-gudix","tag-thomas-noeske","tag-victor-otto-stomps"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/68979","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/207"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=68979"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/68979\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":99643,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/68979\/revisions\/99643"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/99634"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=68979"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=68979"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=68979"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}