{"id":68836,"date":"1989-03-20T00:01:00","date_gmt":"1989-03-19T23:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=68836"},"modified":"2022-02-20T15:53:19","modified_gmt":"2022-02-20T14:53:19","slug":"der-gang-aufs-land-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1989\/03\/20\/der-gang-aufs-land-2\/","title":{"rendered":"Der Gang aufs Land"},"content":{"rendered":"\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color wp-block-paragraph\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">An Landauer<\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Komm! ins Offene, Freund! zwar gl\u00e4nzt ein Weniges heute<br \/>Nur herunter und eng schlie\u00dfet der Himmel uns ein.<br \/>Weder die Berge sind noch aufgegangen des Waldes<br \/>Gipfel nach Wunsch und leer ruht von Gesange die Luft.<br \/>Tr\u00fcb ists heut, es schlummern die G\u00e4ng und die Gassen und fast will<br \/>Mir es scheinen, es sei, als in der bleiernen Zeit.<br \/>Dennoch gelinget der Wunsch, Rechtglaubige zweifeln an Einer<br \/>Stunde nicht und der Lust bleibe geweihet der Tag.<br \/>Denn nicht wenig erfreut, was wir vom Himmel gewonnen,<br \/>Wenn ers weigert und doch g\u00f6nnet den Kindern zuletzt.<br \/>Nur da\u00df solcher Reden und auch der Schritt&#8216; und der M\u00fche<br \/>Wert der Gewinn und ganz wahr das Erg\u00f6tzliche sei.<br \/>Darum hoff ich sogar, es werde, wenn das Gew\u00fcnschte<br \/>Wir beginnen und erst unsere Zunge gel\u00f6st,<br \/>Und gefunden das Wort, und aufgegangen das Herz ist,<br \/>Und von trunkener Stirn h\u00f6her Besinnen entspringt,<br \/>Mit der unsern zugleich des Himmels Bl\u00fcte beginnen,<br \/>Und dem offenen Blick offen der Leuchtende sein.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Denn nicht M\u00e4chtiges ists, zum Leben aber geh\u00f6rt es,<br \/>Was wir wollen, und scheint schicklich und freudig zugleich.<br \/>Aber kommen doch auch der segenbringenden Schwalben<br \/>Immer einige noch, ehe der Sommer, ins Land.<br \/>N\u00e4mlich droben zu weihn bei guter Rede den Boden,<br \/>Wo den G\u00e4sten das Haus baut der verst\u00e4ndige Wirt;<br \/>Da\u00df sie kosten und schaun das Sch\u00f6nste, die F\u00fclle des Landes,<br \/>Da\u00df, wie das Herz es w\u00fcnscht, offen, dem Geiste gem\u00e4\u00df<br \/>Mahl und Tanz und Gesang und Stuttgarts Freude gekr\u00f6nt sei,<br \/>Deshalb wollen wir heut w\u00fcnschend den H\u00fcgel hinauf.<br \/>M\u00f6g ein Besseres noch das menschenfreundliche Mailicht<br \/>Dr\u00fcber sprechen, von selbst bildsamen G\u00e4sten erkl\u00e4rt,<br \/>Oder, wie sonst, wenns andern gef\u00e4llt, denn alt ist die Sitte,<br \/>Und es schauen so oft l\u00e4chelnd die G\u00f6tter auf uns,<br \/>M\u00f6ge der Zimmermann vom Gipfel des Daches den Spruch tun,<br \/>Wir, so gut es gelang, haben das Unsre getan.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber sch\u00f6n ist der Ort, wenn in Feiertagen des Fr\u00fchlings<br \/>Aufgegangen das Tal, wenn mit dem Neckar herab<br \/>Weiden gr\u00fcnend und Wald und all die gr\u00fcnenden B\u00e4ume<br \/>Zahllos, bl\u00fchend wei\u00df, wallen in wiegender Luft,<br \/>Aber mit W\u00f6lkchen bedeckt an Bergen herunter der Weinstock<br \/>D\u00e4mmert und w\u00e4chst und erwarmt unter dem sonnigen Duft.<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-large-font-size wp-block-paragraph\">\u00a0<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\" style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<div class=\"wp-block-image\">\r\n<figure class=\"alignleft\">\r\n<div id=\"attachment_14220\" style=\"width: 230px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-14220\" class=\"wp-image-14220\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/220px-Hoelderlin_1792.jpg\" alt=\"\" width=\"220\" height=\"294\" \/><p id=\"caption-attachment-14220\" class=\"wp-caption-text\">Friedrich H\u00f6lderlin, Pastell von Franz Karl Hiemer, 1792<\/p><\/div>\r\n<\/figure>\r\n<\/div>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"text-align: justify;\"><strong>W<\/strong><strong>eiterf\u00fchrend \u2192<\/strong>\u00a0Ulrich Bergmann hat das St\u00fcck \u201eDer Tod des Empedokles\u201c neu gelesen und fand ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/03\/25\/der-ueberbau-der-freiheit\/\">Gedicht<\/a>.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong>\u00a0Poesie ist das identit\u00e4tsstiftende Element der Kultur, KUNOs <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25630\">poetologische Positionsbestimmung<\/a>.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong>\u00a0Lesen Sie auch Friedrich H\u00f6lderlins Essay <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=14232\">\u00dcber die Verfahrungsweise des poetischen Geistes<\/a><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> Wir begreifen die Gattung des Essays auf KUNO als eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/10\/zur-gattung-essay\/\">Versuchsanordnung<\/a>, undogmatisch, subjektiv, experimentell, ergebnisoffen.<\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An Landauer Komm! ins Offene, Freund! zwar gl\u00e4nzt ein Weniges heuteNur herunter und eng schlie\u00dfet der Himmel uns ein.Weder die Berge sind noch aufgegangen des WaldesGipfel nach Wunsch und leer ruht von Gesange die Luft.Tr\u00fcb ists heut, es schlummern die&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1989\/03\/20\/der-gang-aufs-land-2\/\">Read more 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